OCT-Sehnerv-Hornhaut-Untersuchung: Ein umfassender Überblick

Die Augenheilkunde hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht, insbesondere im Bereich der Diagnostik. Eine der wichtigsten Innovationen ist die optische Kohärenztomographie (OCT), die detaillierte Einblicke in die Strukturen des Auges ermöglicht. In diesem Artikel werden wir die OCT-Untersuchung im Zusammenhang mit Sehnerv und Hornhaut beleuchten und auch auf andere relevante Untersuchungen eingehen.

Einführung in die OCT

Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist ein bildgebendes Verfahren, das 1991 erfunden wurde und seit 1996 in der Augenheilkunde einen Quantensprung in der Diagnostik darstellt. Es liefert hochauflösende Bilder im Mikrometerbereich und wird oft mit dem Ultraschall verglichen, da beide nach dem Prinzip der Reflexion arbeiten. Anstelle von Schallwellen verwendet die OCT jedoch Lichtwellen, wodurch eine deutlich höhere Bildauflösung erreicht wird.

Funktionsweise

Die OCT funktioniert ähnlich wie ein Ultraschall, jedoch mit Licht statt Schall. Eine niedrigkohärente Interferometrie misst die Laufzeitverzögerung eines Laserstrahls im Vergleich zu einem Referenzstrahl. Der Laserstrahl liegt im Infrarotbereich bei etwa 830 nm. Hochreflektierende Strukturen werden in hellen Farben dargestellt, während Strukturen mit geringer Reflektivität dunkel erscheinen.

Vorteile der OCT

  • Hohe Auflösung: Ermöglicht mikroskopisch präzise Bilder der Netzhaut, Hornhaut und des Sehnervs.
  • Nicht-invasiv: Eine sichere und schmerzfreie Untersuchung.
  • Früherkennung: Kann Schäden am Sehnerv und Veränderungen der Netzhaut frühzeitig erkennen, oft Jahre bevor andere Methoden Auffälligkeiten zeigen.

Untersuchung des Sehnervs mit OCT

Die OCT ist besonders wertvoll bei der Beurteilung des Sehnervs, insbesondere im Zusammenhang mit dem Glaukom (Grüner Star).

Glaukom-Diagnostik

Das Glaukom ist eine Erkrankung, die oft über Jahre unbemerkt fortschreitet und zu einem Verlust von Nervenfasergewebe führt. Die OCT kann bereits minimale Verluste an Nervenfasergewebe und Ganglienzellen aufdecken.

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  • Früherkennung von Schäden: Die OCT kann Schäden am Sehnerv etwa fünf Jahre früher erkennen als herkömmliche Methoden.
  • Messung der Nervenfaserschichtdicke: Eine abnehmende Dicke der Nervenfaserschicht der Netzhaut kann auf ein Glaukom hinweisen, auch beim Normaldruckglaukom.
  • Verlaufskontrolle: Kleinere, individuelle Veränderungen des Sehnervs können über einen längeren Zeitraum nachgewiesen werden.

Zusätzliche Glaukom-Untersuchungen

Neben der OCT sind weitere Untersuchungen wichtig, um ein Glaukom umfassend zu beurteilen:

  • Augendruckmessung (Tonometrie): Die Kontrolle des Augendrucks ist ein wichtiger Bestandteil der Vorsorge, aber nicht ausreichend für die sichere Diagnose oder Verlaufskontrolle.
  • Pachymetrie: Die Messung der Hornhautdicke beeinflusst die Genauigkeit der Augendruckmessung. Eine normale Hornhautdicke beträgt etwa 0,54 mm.
  • Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie): Da ein Glaukom mit einer schleichenden Einschränkung des Gesichtsfeldes verbunden ist, kann diese Untersuchung weitere Hinweise liefern.

Glaukom-Behandlung

Die Behandlung des Glaukoms zielt darauf ab, den Augendruck zu senken und den Sehnerv zu schützen.

  • Chronisches Offenwinkelglaukom und Normaldruckglaukom: Ziel ist die Senkung des Augendrucks.
  • Chronisches Engwinkelglaukom: Neben der Senkung des Augendrucks kann eine Laserbehandlung oder eine Operation der Linse sinnvoll sein, um ein akutes Glaukom zu verhindern.
  • Akutes Glaukom: Die akute Behandlung zielt darauf ab, den Augendruck schnell zu senken und den Anfall mit einer Laserbehandlung zu unterbrechen.

Untersuchung der Hornhaut mit OCT

Die OCT ist auch ein wertvolles Werkzeug zur Untersuchung der Hornhaut.

Bedeutung der Hornhautuntersuchung

Alles, was die Hornhaut trübt oder verkrümmt, wirkt sich negativ auf die Sehleistung aus. Eine Hornhauterkrankung macht sich oft durch schlechte Sicht bemerkbar.

Moderne Hornhaut-Diagnostik

  • Messung der Krümmung (Topographie): Wichtig bei Hornhautverkrümmungen wie dem Keratokonus.
  • Messung der Dicke (Pachymetrie): Hilfreich bei der Bewertung der Operationsindikation und der Funktion der inneren Pumpzellen.
  • Endothelzellmikroskopie: Beurteilung der Pumpzellen der Hornhaut.

Spezifische Hornhauterkrankungen

  • Keratokonus: Eine krankhafte kegelförmige Vorwölbung der Hornhaut, die durch die Hornhauttopographie und Pachymetrie genau eingeschätzt und kontrolliert werden kann.
  • Fuchs’sche Endotheldystrophie: Eine Erkrankung, bei der die Symptome morgens stärker sind und sich im Tagesverlauf bessern.
  • Trockenes Auge: Sehanstrengungen wie Lesen oder Computerarbeit verschlechtern die Symptome.

Keratokonus-Früherkennung mit Belin-Ambrosio

Die Keratokonus-Früherkennung basiert auf einer erweiterten Keratektasie-Darstellung nach Belin und Ambrosio, einem Index, der auf Höhendaten und Dicke der Hornhaut basiert.

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Vorderabschnitt-OCT

Das Vorderabschnitt-OCT zeigt die einzelnen Schichten der Hornhaut im Detail und hilft bei der Beurteilung der Hornhautdicke.

Optische Kohärenztomographie-Angiografie (OCTA)

Die Optische Kohärenztomographie-Angiografie (OCTA) ist eine Weiterentwicklung der OCT-Technologie, die speziell auf die Analyse der Blutgefäße im Auge ausgerichtet ist.

Funktionsweise und Vorteile

OCTA visualisiert die Mikrozirkulation der Netzhaut und des Augenhintergrunds ohne Kontrastmittel. Sie nutzt die Bewegungen der roten Blutkörperchen, um die Gefäße im Auge sichtbar zu machen.

  • Früherkennung von Gefäßveränderungen: Hilfreich bei der Diagnose von diabetischer Retinopathie oder AMD.
  • Analyse von Gefäßveränderungen: Unterstützt die Analyse von Veränderungen, die mit Glaukom oder retinalen Venenverschlüssen in Verbindung stehen.
  • Nicht-invasiv: Keine Kontrastmittel erforderlich.

Weitere Diagnostische Verfahren in der Augenheilkunde

Neben OCT und OCTA gibt es weitere wichtige diagnostische Verfahren:

  • Spaltlampenuntersuchung: Ein Standardinstrument zur gründlichen Untersuchung der Hornhaut und anderer Augenstrukturen.
  • Scheimpflug-Kamera: Erzeugt Schnittbilder des vorderen Augenabschnitts.
  • Visuell evozierte Potentiale (VEP): Untersuchen den Sehnerv und die gesamte Sehbahn.
  • Elektroretinogramm (ERG): Prüft die elektrischen Signale der Netzhaut.
  • Keratograph: Untersuchung bei unklaren Sehstörungen durch unregelmäßig geformte Hornhaut.

Anwendungsbereiche der OCT

Die OCT-Untersuchung ist für die Diagnostik folgender Erkrankungen sinnvoll:

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  • Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
  • Diabetische Retinopathie
  • Glaukom
  • Epiretinale Gliose
  • Makulaforamen
  • Makulaödeme
  • Monitoring therapieassoziierter Komplikationen

Ablauf der OCT-Untersuchung

Die OCT-Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nicht lange. Der Patient sitzt bequem vor dem Gerät und fixiert ein Kreuz. Der Tomograph tastet den zu untersuchenden Bereich mit einem feinen Laserstrahl ab.

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