Ein Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende zerebrovaskuläre Minderdurchblutung, die oft zu langandauernden Funktionseinschränkungen führt. Jährlich erleiden weltweit 15 Millionen Menschen einen Schlaganfall, von denen 5 Millionen sterben und weitere 5 Millionen dauerhaft eingeschränkt bleiben. In Deutschland werden jährlich etwa 270.000 Schlaganfälle diagnostiziert.
Schlaganfall: Eine zeitkritische Erkrankung
Ein Schlaganfall (ICD-10 I63) ist eine zeitkritische Erkrankung des Gehirns, die mit einer plötzlich auftretenden Schädigung von Hirngewebe aufgrund eines Gefäßverschlusses (ischämischer Insult) oder einer Hirnblutung (hämorrhagischer Insult) assoziiert ist. Abhängig von der Lokalisation und dem Ausmaß des unterversorgten Hirnareals kommt es zu kognitiven, sensorischen und motorischen Funktionsstörungen. Die Verdachtsdiagnose wird mit bildgebenden Verfahren wie Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder einer Angiographie bestätigt. Die Prognose nach einem Schlaganfall richtet sich nach Ursache, Art und Umfang der Läsion sowie dem Zeitpunkt der therapeutischen Intervention.
Ursachen und Risikofaktoren eines Schlaganfalls
Es gibt zwei Hauptformen des Schlaganfalls:
- Ischämischer Schlaganfall: Hierbei kommt es zu einer Minderdurchblutung des Gehirns aufgrund eines Gefäßverschlusses, meist durch ein Blutgerinnsel.
- Hämorrhagischer Schlaganfall: Hierbei kommt es zu einer Blutung im Gehirn, meist aufgrund eines geplatzten Blutgefäßes.
Generell gehen 87 % der Schlaganfälle zu Lasten definierter Risikofaktoren. Unterschieden wird zwischen modifizierbaren und nicht beeinflussbaren Faktoren.
Modifizierbare Risikofaktoren
Zu den wichtigsten modifizierbaren Risikofaktoren gehören:
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- Hoher Blutdruck: Der Hauptrisikofaktor für Schlaganfälle, der für 55,5 % aller Schlaganfall-bedingten DALYs verantwortlich ist.
- Erhöhter Body-Mass-Index (BMI) bzw. Übergewicht: Verantwortlich für 24,3 % aller Schlaganfall-bedingten DALYs.
- Diabetes: Verantwortlich für 20,2 % aller Schlaganfall-bedingten DALYs.
- Umwelt- bzw. Luftverschmutzung: Verantwortlich für 20,1 % aller Schlaganfall-bedingten DALYs.
- Rauchen: Verantwortlich für 17,6 % aller Schlaganfall-bedingten DALYs.
- Hoher Salzkonsum: Verantwortlich für 12,3 % aller Schlaganfall-bedingten DALYs.
Andere Risikofaktoren sind Bewegungsmangel, Hyperlipidämie, Vorhofflimmern, Stress, Alkoholkonsum, Arteriosklerose, Karotisstenose, Ovulationshemmer und Polyglobulie. Als neuer Risikofaktor wurde Endometriose festgestellt.
Nicht modifizierbare Risikofaktoren
Zu den wichtigsten nicht modifizierbaren Risikofaktoren gehören:
- Alter und Geschlecht: Die meisten Schlaganfälle betreffen Menschen über 60 Jahre. Frauen haben ein höheres Schlaganfall-Risiko als Männer.
- Genetische Prädisposition: Genetische Faktoren haben einen wichtigen Einfluss auf das Schlaganfallrisiko. Bis jetzt wurden 89 Schlaganfall-Risikogene ermittelt.
Hirnödem als Komplikation nach Schlaganfall
Eine besonders schwerwiegende Komplikation bei einem sehr großen Schlaganfall ist das Hirnödem.
Definition und Formen des Hirnödems
Ein Hirnödem bezeichnet eine Schwellung des Gehirns, die durch die Ansammlung von Flüssigkeit im Hirngewebe entsteht. Diese Volumenzunahme führt zu einem erhöhten Hirndruck (intrakranieller Druck), der lebensbedrohlich sein kann, wenn er nicht schnell behandelt wird.
Es gibt verschiedene Formen des Hirnödems:
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- Vasogenes Ödem: Häufigste Form, bei der die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke gestört ist und Flüssigkeit aus den Gefäßen ins Gewebe austritt. Ursachen sind Tumoren, Entzündungen und Traumata.
- Zytotoxisches Ödem: Zellschwellung durch gestörten Stoffwechsel in den Nervenzellen. Ursachen sind Schlaganfall, Hypoxie und Vergiftungen.
- Interstitielles Ödem: Durch erhöhten Druck im Liquorsystem tritt Flüssigkeit ins Hirngewebe über. Ursache ist Hydrozephalus.
- Osmotisches Ödem: Flüssigkeitsverschiebung bei starkem osmotischen Ungleichgewicht. Ursachen sind Leberversagen und Hyponatriämie.
Ursachen eines Hirnödems
Die Ursachen für ein Hirnödem sind vielfältig und können sein:
- Schädel-Hirn-Trauma
- Schlaganfall (ischämisch oder hämorrhagisch)
- Hirntumoren
- Infektionen (z. B. Meningitis, Enzephalitis)
- Hypoxie / Reanimation
- Vergiftungen oder metabolische Entgleisungen
- Höhenkrankheit
Symptome eines Hirnödems
Die Symptome eines Hirnödems können variieren, je nach Ausmaß und Lokalisation der Schwellung. Häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen
- Übelkeit, Erbrechen (meist ohne Übelkeit)
- Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma
- Verlangsamung der Reaktion, Verwirrtheit
- Krampfanfälle
- Pupillenveränderungen, Sehstörungen
- Einseitige Lähmungen
- Unregelmäßige Atmung, Bradykardie (Zeichen eines erhöhten Hirndrucks)
Diagnostik eines Hirnödems
Zur Diagnose eines Hirnödems werden verschiedene Verfahren eingesetzt:
- CT oder MRT: Darstellung von Schwellung und möglicher Ursache
- Neurologische Untersuchung: Beurteilung von GCS (Glasgow Coma Scale), Pupillen, Reflexen
- Liquordruckmessung: Hinweis auf erhöhten Hirndruck
- Blutuntersuchungen: Entzündungswerte, Elektrolyte, Toxine
Therapie eines Hirnödems
Die Therapie eines Hirnödems zielt darauf ab, den Hirndruck zu senken und die Ursache der Schwellung zu behandeln.
- Akutbehandlung:
- Oberkörperhochlagerung (30°) zur Druckentlastung
- Osmotherapie: Mannitol oder hypertones NaCl zur Entwässerung
- Kortikosteroide: Bei vasogenem Ödem (z. B. durch Tumor)
- Sedierung / kontrollierte Beatmung: Reduktion des zerebralen Stoffwechsels
- Hyperventilation (zeitlich begrenzt): Senkt CO₂ und damit den Hirndruck
- Liquordrainage bei Liquoraufstau
- Operative Maßnahmen: z. B. Dekompressionskraniotomie bei drohender Einklemmung
- Medikamentöse Therapie:
- Kortikosteroide (z.B. Dexamethason) zur Reduktion von Entzündung und Schwellung
- Diuretika (z.B. Mannitol, Furosemid) zur Entwässerung
- Antikonvulsiva zur Behandlung von Krampfanfällen
- Schmerzmittel zur Linderung von Kopfschmerzen
- Antibiotika bei infektiösen Ursachen
- Gerinnungshemmende Medikamente (z.B. Heparin, Warfarin, DOAKs) bei Hirnvenenthrombose
- Neurochirurgische Eingriffe:
- Kraniotomie zur Druckentlastung
- Ventrikeldrainage zur Ableitung von Hirnwasser
- Tumorentfernung
- Blutentfernung bei Hirnblutungen
Pflegeaspekte bei Hirnödem
Die pflegerische Versorgung von Patienten mit Hirnödem umfasst:
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- Überwachung der Vitalzeichen und Pupillen
- Regelmäßige Kontrolle von Bewusstsein und neurologischem Status
- Kopf ruhig und erhöht lagern
- Flüssigkeitsbilanzierung
- Körperliche Schonung, Reizabschirmung
- Frühzeitige Kommunikation mit dem ärztlichen Team bei Verschlechterung
- Angehörigenbegleitung bei kritischem Verlauf
Rehabilitation nach Schlaganfall und Hirnödem
Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall und einem möglicherweise aufgetretenen Hirnödem ist ein wichtiger Schritt, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern undFolgeschäden zu minimieren. Sie ist stets individuell, denn letztlich gleicht kaum ein Schlaganfall dem anderen.
Frührehabilitation
Oberstes Ziel der Frührehabilitation (kurz: Frühreha) nach einem Schlaganfall ist es, die körperlichen Funktionen wiederherzustellen. Besonderes Augenmerk gilt hierbei den Körperfunktionen, die durch den Schlaganfall womöglich geschädigt wurden. Je früher geeignete Therapiemaßnahmen und Übungen umgesetzt werden, desto eher können die Schlaganfall-Symptome behandelt und schwerere Folgeschäden verringert werden.
Maßnahmen und Therapien
Je nach Bedarf beziehungsweise dem Ausmaß der verbliebenden Schäden können dabei verschiedene Maßnahmen sowie Therapien zur Anwendung kommen, die ärztlich verordnet werden können.
- Physiotherapie: Hilft dir, deine motorischen Fähigkeiten wiederzuerlangen.
- Ergotherapie: Unterstützt dich dabei, kognitive Einschränkungen zu überwinden.
- Logopädie: Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
Hilfsmittel und Unterstützung im Alltag
Je nach Bedarf kann Ihnen Ihr Arzt auch geeignete Hilfsmittel verschreiben, die Ihren Alltag unter Umständen erleichtern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und Ihrem Umfeld möglichst offen über alle Herausforderungen in Ihrer Alltagsgestaltung, die Sie seit Ihrem Schlaganfall begleiten. Nur so erhalten Sie an entsprechender Stelle die so wichtige Unterstützung.
Langzeitfolgen und Bewältigung
Ein Hirnödem kann langfristige Auswirkungen haben. Regelmäßige Arztbesuche und Therapien sind wichtig, um Folgeschäden zu minimieren und deine Lebensqualität zu verbessern.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Probleme mit Gedächtnis, Konzentration und Problemlösungsfähigkeiten.
- Motorische Einschränkungen: Schwäche, Koordinationsprobleme, Schwierigkeiten beim Gehen.
- Psychische Belastung: Depressionen, Angstzustände, Reizbarkeit.
Es ist wichtig, realistische Erwartungen zu haben und sich nicht zu überfordern. Kleine Schritte und realistische Ziele können helfen, wieder mehr Lebensfreude zu gewinnen.
Vorbeugung von Folgeschäden
Du kannst einiges tun, um Folgeschäden nach einem Hirnödem vorzubeugen:
- Gesunde Lebensweise: Ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Um Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
- Einhaltung der ärztlichen Anweisungen: Medikamente regelmäßig einnehmen und Therapien konsequent durchführen.
Schlaganfall bei Kindern
Ein Hirnödem ist nie ’ne tolle Sache, aber bei Kindern ist es nochmal ’ne ganz andere Hausnummer. Warum? Weil sich ihre kleinen Körper und Gehirne noch entwickeln. Das macht die Sache komplizierter, sowohl bei der Diagnose als auch bei der Behandlung.
Ursachen und Symptome
Bei Kindern sind die Ursachen für ein Hirnödem oft anders als bei Erwachsenen. Klar, traumatische Hirnverletzungen (zum Beispiel durch Unfälle) sind ein großer Faktor, aber auch Infektionen spielen eine viel größere Rolle. Denk an Meningitis oder Enzephalitis. Und dann gibt’s noch seltene Stoffwechselerkrankungen, die bei Kindern zu Hirnödemen führen können.
Die Symptome können ganz unterschiedlich sein, je nachdem, wie alt das Kind ist und wo genau das Ödem sitzt. Bei Babys kann es schwierig sein, überhaupt etwas zu erkennen, außer vielleicht vermehrter Reizbarkeit oder Trinkschwäche. Ältere Kinder klagen vielleicht über Kopfschmerzen, Übelkeit oder Sehstörungen. Wichtig ist, auf plötzliche Veränderungen im Verhalten oder der Entwicklung zu achten.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose läuft im Prinzip wie bei Erwachsenen: Bildgebende Verfahren wie CT oder MRT sind super wichtig. Aber bei Kindern muss man natürlich besonders auf die Strahlenbelastung achten.
Bei der Behandlung kommt es total auf die Ursache an. Medikamente, die den Druck im Gehirn senken, sind oft der erste Schritt. Die Behandlung von Hirnödemen bei Kindern ist echt knifflig. Nicht alle Medikamente, die bei Erwachsenen eingesetzt werden, sind für Kinder geeignet. Außerdem reagieren Kinder anders auf Behandlungen als Erwachsene. Und dann ist da noch die psychische Belastung für die kleinen Patienten und ihre Familien.
Prognose
Wie die langfristige Prognose aussieht, hängt stark von der Ursache und dem Schweregrad des Hirnödems ab. Manche Kinder erholen sich vollständig, andere behalten bleibende Schäden zurück.
Hirnvenenthrombose
Bei einer Hirnvenenthrombose kommt es durch ein Blutgerinnsel (Blutpfropf, Thrombus) zu einem teilweisen oder vollständigen Verschluss einer Vene im Gehirn. Die Hirnvenen durchziehen das gesamte Gehirn wie eine Art Netz. Sie sammeln das sauerstoffarme Blut aus dem Gewebe und transportieren es ab in Richtung Herz.
Ursachen und Risikofaktoren
Man unterscheidet zwei Hauptgruppen von Hirnvenenthrombose beziehungsweise Sinusvenenthrombose - je nach der zugrundeliegenden Ursache:
- Aseptische (blande) Hirnvenenthrombose: Meistens wird eine Hirnvenenthrombose (Sinusvenenthrombose) nicht durch eine Infektion verursacht. Ärzte bezeichnen sie dann als aseptisch oder bland. In den meisten Fällen spielen bei der Krankheitsentstehung hormonelle Faktoren ursächlich oder begünstigend eine Rolle. Häufiger tritt eine aseptische Sinus- bzw. Hirnvenenthrombose auch bei angeborener oder erworbener Neigung zur Blutgerinnselbildung (Thrombophilie) auf.
- Septische Hirnvenenthrombose: Eine septische (infektiöse) Hirnvenenthrombose oder Sinusvenenthrombose wird, wie der Name sagt, durch eine Infektion ausgelöst.
Diagnose und Therapie
Bei Anzeichen einer Hirnvenenthrombose bzw. Sinusvenenthrombose muss schnellstens eine bildgebende Untersuchung des Schädels erfolgen! Die Akut-Behandlung der Sinus- beziehungsweise Hirnvenenthrombose erfolgt am besten auf einer sogenannten Stroke Unit. Bei einer Hirnvenenthrombose bzw. Sinusvenenthrombose verabreichen Ärzte gerinnungshemmende Medikamente.
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