Antibiotikatherapie bei Erythema migrans: Ein umfassender Leitfaden

Die Lyme-Borreliose ist eine durch Zecken übertragene Krankheit, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht wird. Eine frühe Manifestation dieser Krankheit ist das Erythema migrans, eine sich ausbreitende Hautrötung, die an der Stichstelle auftritt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Antibiotikatherapie bei Erythema migrans, basierend auf aktuellen Leitlinien und Forschungsergebnissen.

Diagnose und Therapiebeginn

Laut den aktuellen Leitlinien sollte bei Vorliegen eines typischen Erythema migrans umgehend mit einer Antibiotikatherapie begonnen werden. Eine Labordiagnostik wird nur bei Verdacht auf ein atypisches Erythema migrans empfohlen. Dies unterstreicht die Bedeutung der klinischen Diagnose, da ein typisches Erythema migrans oft eindeutig ist und eine sofortige Behandlung erfordert.

Antibiotika der ersten Wahl

Die orale Therapie mit Doxycyclin oder Amoxicillin gilt als erste Wahl bei Hautmanifestationen der Lyme-Borreliose. Mögliche Alternativen sind Cefuroxim, Azithromycin und möglicherweise auch Clarithromycin. Die Wahl des Antibiotikums hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Alter des Patienten, Begleiterkrankungen und mögliche Allergien.

Doxycyclin: Wichtige Hinweise zur Einnahme

Bei der Verordnung von Doxycyclin ist es wichtig, auf die korrekte Einnahme hinzuweisen. Ein zeitlicher Mindestabstand von zwei bis drei Stunden zur Einnahme von Lebens- oder Nahrungsergänzungsmitteln mit zwei- oder dreiwertigen Kationen ist einzuhalten. Hierzu zählen neben den meistens erwähnten Milchprodukten unter anderem auch Mineralwässer. Diese Vorsichtsmaßnahme ist notwendig, da Kationen die Aufnahme von Doxycyclin im Körper beeinträchtigen können.

Doxycyclin bei Kindern

Bei Kindern vor dem Abschluss der Zahnschmelzbildung kann Doxycyclin zu bleibenden Verfärbungen des Zahnschmelzes führen. Daher darf der Wirkstoff erst ab dem neunten Lebensjahr eingesetzt werden. Jüngere Kinder sollen daher Amoxicillin erhalten.

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Therapiedauer

Die Therapiedauer richtet sich nach der Dauer und Schwere der Symptome. Bei solitärem Erythema migrans reichen laut Leitlinie zehn bis 14 Tage Doxycyclin oder 14 Tage Amoxicillin.

Jarisch-Herxheimer-Reaktion

Haben sich die Borrelien in der Haut bereits ausgebreitet, kann die Antibiotikatherapie eine sogenannte Jarisch-Herxheimer-Reaktion auslösen. Hierunter versteht man eine Entzündungsreaktion auf Endotoxine der Borrelien. Es kann - auch zeitverzögert - zu einem Wiederaufflammen der Erytheme, schwerem Krankheitsgefühl und Fieber kommen. Patienten sollten über diese mögliche Reaktion aufgeklärt werden.

Herausforderungen und Forschungsergebnisse

Eine Studie im American Journal of Pathology (2017) wies nach, dass eine vierwöchige Behandlung mit Doxycyclin bei Rhesus-Affen die Infektion nicht beenden konnte. Die Erreger wurden später teilweise im Gehirn und im Herzmuskel nachgewiesen. Eine weitere Publikation in PloS ONE (2017) belegte, dass die Erreger später auf Zecken übertragen werden können. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Borreliose eine heimtückische Infektion ist, die sich durch Antibiotika vermutlich nicht sicher heilen lässt. Die Forscherin Monica Embers vermutet, dass die Bakterien im Körper Sporen bilden, die von den Antibiotika nicht erreicht werden.

Diagnostische Lücken und serologische Tests

Die Diagnostik einer Lyme-Borreliose beruht in erster Linie auf klinischen Zeichen. Denn erst in fortgeschrittenen Stadien ist die serologische Testung valide. So sind die IgM-Antikörper ab der dritten Woche positiv. Aufgrund dieser diagnostischen Lücke erfolgt ggf. eine Wiederholung der Untersuchung nach drei bis vier Wochen. Der IgG-Antikörperanstieg beginnt ab der sechsten Woche. Durch den Einsatz des VlsE- bzw. C6-Peptids als Testantigen lassen sich IgG-Antikörper mittlerweile früher nachweisen. Bei den Spätmanifestationen finden sich i. d. R. nur hohe IgG-Antikörperkonzentrationen. Bei fortgeschrittener Infektion ist ein Borrelien-Nachweis per PCR aus der Gelenkflüssigkeit möglich. Da die DNA von Borrelien auch noch Wochen nach einer Therapie persistieren kann, beweist die PCR keine aktive Gelenkinfektion.

Manifestationsformen und Symptome

Die Symptome einer Lyme-Borreliose können je nach betroffenem Organsystem und Stadium vielfältig und schwerwiegend sein. Die häufigste Manifestationsform bei Erwachsenen bei früher Neuroborreliose ist das Garin-Bujadoux-Bannwarth-Syndrom (Meningoradikuloneuritis) mit segmentalen brennenden, bohrenden, beißenden oder reißenden Schmerzen wechselnder Lokalisation, die nur gering auf Analgetika ansprechen. Bei etwa 75 % der Betroffenen entwickeln sich nach ein bis vier Wochen neurologische Ausfälle, z. B. Fazialisparesen. Auch das Herz kann von der Borrelien-Infektion in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei bis zu 8 % der Patienten kann es innerhalb einiger Wochen nach Erkrankungsbeginn zur kardialen Beteiligung kommen (Lyme-Karditis), meist mit diffuser Symptomatik wie bei einer akuten Myoperikarditis. Diese Symptome klingen oft nach ein paar Wochen ab, können aber rezidivieren. Des Weiteren kommt es bei der Lyme-Borreliose häufig zu Myalgien und Arthralgien (frühe/flüchtige Lyme-Arthritis), die wandernd in den Gelenken, Sehnen, Bursen, Muskeln oder Knochen und i. d. R. ohne Schwellung auftreten. Häufig hält der Schmerz Stunden oder Tage an. Schreitet die Erkrankung weiter fort (spätes disseminiertes Stadium, Stadium 3), kann sich eine chronische Lyme-Arthritis entwickeln.

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Prophylaxe nach Zeckenstich

Nach älteren US-amerikanischen Studien kann das Infektionsrisiko durch einmalig 200 mg Doxycyclin oral nach dem Zeckenstich vermindert werden (Wirksamkeit von 87 %). Nach Ansicht der Autoren der Leitlinie zur Neuroborreliose der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist dies mit Vorbehalt zu interpretieren. Es habe lediglich eine Nachuntersuchung nach sechs Wochen stattgefunden, sodass über eine Wirksamkeit im Hinblick auf Spätinfektionen bisher keine Aussage gemacht werden könne. Angesichts des geringen Erkrankungsrisikos müsste eine Vielzahl von unnötigen Doxycyclin-Einnahmen in Kauf genommen werden, um einer potenziellen Infektion vorzubeugen. Nach Hochrechnungen auf Infektionsrisiken in Endemiegebieten müssten 40-125 Prophylaxen durchgeführt werden, um eine Erkrankung zu verhindern. Auswirkungen auf die Darmflora und eventuelle Resistenzentwicklungen bei häufiger Prophylaxe sind denkbar. Deshalb sei die orale Doxycyclin-Prophylaxe in Europa nicht empfehlenswert.

Präventive Maßnahmen

Die Vermeidung von Zeckenstichen ist die einzige Möglichkeit, eine Lyme-Borreliose sicher zu verhindern. Daher sollten zeckendurchseuchte Gebiete gemieden werden. Nach Zeckenstich ist es wichtig, die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen. Hierzu wird die Zecke mit einer stabilen, spitzen Pinzette (Zeckenzange) möglichst flach über der Haut gefasst und langsam, ggf. mit Hinundherdrehen, herausgezogen. Nach Entfernung der Zecke sollte die Wunde desinfiziert werden; ein kleiner Rest in der Wunde entspricht meist dem Stechapparat und kann ohne Steigerung des Infektionsrisikos entfernt oder belassen werden.

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