Migräne ist eine komplexe, neurovaskuläre Erkrankung des Gehirns, von der etwa 15 % der Bevölkerung innerhalb eines Jahres betroffen sind. Sie steht weltweit an zweiter Stelle der am meisten beeinträchtigenden Krankheiten und stellt eine enorme klinische und wirtschaftliche Belastung dar. Neben den typischen Kopfschmerzen können auch Ödeme, also Schwellungen im Gewebe, auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Ödemen und Migräne und untersucht mögliche Zusammenhänge.
Migräne: Eine vielschichtige Erkrankung
Migräne ist ein chronisches Leiden, das über viele Lebensjahre bestehen kann und bei einigen Patienten progressiv verläuft. Dies bedeutet, dass sowohl die Häufigkeit der Migräneattacken als auch deren Intensität und Dauer zunehmen können. Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen sowie Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit können sich ebenfalls verstärken. Die chronische Migräne betrifft etwa 1-2 % der Bevölkerung.
Diagnostik und Klassifikation
Die Migräne wird nach den diagnostischen Kriterien der Internationalen Kopfschmerzklassifikation ICHD-3 diagnostiziert. Es werden heute 48 Hauptformen der Migräne unterschieden, wobei die wichtigsten Untergruppen die Migräne ohne Aura, die Migräne mit Aura, die chronische Migräne, die Migränekomplikationen, die wahrscheinliche Migräne und die episodischen Syndrome sind.
Phasen einer Migräneattacke
Eine Migräneattacke kann in verschiedene Phasen unterteilt werden:
- Prodromalphase: In dieser Phase, die Stunden bis Tage vor der eigentlichen Kopfschmerzphase auftreten kann, zeigen sich Symptome wie Müdigkeit, Reizbarkeit, Heißhunger oder Konzentrationsstörungen.
- Auraphase: Bei etwa 15-20 % der Migränepatienten tritt eine Aura auf, die sich durch neurologische Symptome wie visuelle Störungen (z.B. Flimmern, Zickzacklinien), sensible Störungen (z.B. Kribbeln) oder Sprachstörungen äußern kann.
- Kopfschmerzphase: Diese Phase ist durch einseitige, pulsierende Kopfschmerzen von mäßiger bis starker Intensität gekennzeichnet, die sich bei körperlicher Aktivität verstärken. Begleitend können Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit auftreten.
- Postdromalphase: Nach Abklingen der Kopfschmerzen können Müdigkeit, Erschöpfung oder Konzentrationsschwierigkeiten noch einige Zeit anhalten.
Mögliche Auslöser
Lange Zeit wurde angenommen, dass Migräneattacken durch bestimmte Triggerfaktoren ausgelöst werden. Eine eindeutige Evidenz für deren Wirkung ist jedoch nicht vorhanden. Nach heutiger Annahme wird davon ausgegangen, dass die Wirkung möglicher Triggerfaktoren bereits Teil der Prodromalsymptome im Rahmen des Migränekomplexes darstellen. Stress, Schlafmangel, hormonelle Veränderungen, bestimmte Nahrungsmittel oder Wetterumschwünge können jedoch eine Rolle spielen.
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Angioödeme: Schwellungen der Haut und Schleimhäute
Angioödeme sind akute Schwellungen der Haut, die meist im Gesicht auftreten. Besonders die Augenlider, das Kinn, die Wangen und die Lippen sind betroffen. Nicht selten schwellen aber auch die Schleimhäute der Zunge, im Rachen oder im Kehlkopf an, was zu Atemnot führen kann. Angioödeme können unterschiedliche Ursachen haben, daher bedürfen sie einer exakten Diagnose und entsprechender Therapie.
Ursachen von Angioödemen
- Allergische Reaktion: Am häufigsten treten Angioödeme im Rahmen einer allergischen Reaktion oder einer Nesselsucht (Urtikaria) auf. Diese sogenannten Histamin-vermittelten Angioödeme gehen oft mit Juckreiz und Quaddeln einher.
- Medikamente: Angioödeme können als Reaktion auf Medikamente entstehen, insbesondere auf ACE-Hemmer und Sartane, die vorwiegend bei Bluthochdruck eingenommen werden.
- C1-Inhibitor-Mangel: In seltenen Fällen liegt ein Mangel an C1-Esterase-Inhibitor vor, einem Enzym, das die Produktion des Hormons Bradykinin reguliert. Ein Überschuss an Bradykinin kann zu Schwellungen führen, meist ohne Juckreiz und Rötung. Diese Angioödeme sind oft erblich bedingt.
Symptome von Angioödemen
Innerhalb von Minuten schwillt die Haut an, meist im Gesichtsbereich. Die Schwellungen entstehen aufgrund von ungewöhnlich großen Mengen an Flüssigkeiten im Gewebe. Die Spannung in der Haut fühlt sich für die Betroffenen unangenehm an, zudem jucken die Stellen oft. Eine veränderte Stimme und Heiserkeit deuten auf Angioödeme im Hals hin. Zudem können Angioödeme an den Genitalien und im Magen-Darm-Trakt auftreten.
Diagnostik und Therapie von Angioödemen
Eine Schwellung der Haut lässt sich per Augenschein schnell als Angioödem identifizieren. Wichtig ist jedoch, die Auslöser eindeutig zu bestimmen, da sich die Therapien - auch in Notsituationen - unterscheiden. Bei allergiebedingten Angioödemen werden Allergietests durchgeführt, um die auslösenden Allergene zu identifizieren. Bei Verdacht auf medikamentenbedingte Angioödeme wird die Medikation überprüft und gegebenenfalls umgestellt. Der C1-Esterase-Inhibitor-Mangel lässt sich durch chemische Untersuchungen im Labor erkennen.
Die Therapie richtet sich nach der Ursache des Angioödems:
- Histamin-vermittelte Angioödeme: Antihistaminika und in schweren Fällen Glukokortikoide können die Symptome lindern.
- Medikamenten-auslösende Angioödeme: Das auslösende Medikament muss sofort abgesetzt werden.
- C1-Inhibitor-Mangel: Die Patienten erhalten ein C1-Inhibitor-Konzentrat, um den Mangel auszugleichen.
Ödeme im Zusammenhang mit Migräne
Obwohl Ödeme nicht zu den typischen Symptomen einer Migräne gehören, gibt es Hinweise darauf, dass sie in einigen Fällen im Zusammenhang mit Migräne auftreten können.
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Perivaskuläre Ödeme
Stress, Wirbelfehlstellungen und Muskelverspannungen können eine Sauerstoffunterversorgung des Gehirns bewirken. Um diese Unterversorgung zu beheben, werden reflektorisch die Blutgefäße weit gestellt. Dadurch tritt aber auch vermehrt Lymphflüssigkeit aus, welche sich um die Gefäße legt (perivaskuläres Ödem) und die mit den Gefäßen verlaufenden Nerven komprimiert. Dieser Druck auf die Nervenfasern führt zu den Kopfschmerzen, die erst nachlassen, wenn die Lymphflüssigkeit wieder in die Gefäße rückresorbiert wird.
Hormonelle Einflüsse
Hormonelle Schwankungen können ebenfalls Migräneattacken auslösen. Mit sinkenden Hormonspiegeln verringert sich die Wasserbindungskapazität, sodass die Zellen nicht mehr optimal versorgt werden können. Gleichfalls verschlechtert sich der Abtransport der Zellabfälle - die Säurelast im Gewebe nimmt zu. Es ist denkbar, dass diese hormonell bedingten Veränderungen auch die Entstehung von Ödemen begünstigen können.
Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH)
Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH), früher auch als Pseudotumor cerebri bezeichnet, ist eine Erkrankung, die durch erhöhten Hirndruck gekennzeichnet ist. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Sehstörungen und ein Papillenödem (Schwellung des Sehnervenkopfes). Obwohl die genaue Ursache von IIH unbekannt ist, wird sie häufiger bei übergewichtigen Frauen beobachtet. In einigen Fällen kann IIH auch mit Migräne assoziiert sein.
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