Migräne und zyklisches Erbrechen sind belastende Erkrankungen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Ondansetron, ein Medikament aus der Gruppe der Antiemetika, hat sich als wirksam bei der Linderung von Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit diesen Erkrankungen erwiesen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Verwendung von Ondansetron bei der Behandlung von Migräne und zyklischem Erbrechen, einschließlich seiner Wirkungsweise, Anwendungsgebiete, Dosierung, Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen.
Zyklisches Erbrechen: Eine Übersicht
Das zyklische Erbrechen ist durch wiederkehrende Episoden von starker Übelkeit und Erbrechen gekennzeichnet, die von beschwerdefreien Intervallen unterbrochen werden. Die Episoden dauern in der Regel einige Tage und beginnen meist akut. Die Diagnose wird gestellt, wenn die Beschwerden über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten auftreten.
Ursachen und Häufigkeit
Die genauen Ursachen des zyklischen Erbrechens sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen, darunter Störungen des Nervensystems und des Hormonhaushaltes. Es wurde auch ein Zusammenhang mit der Regelblutung, Nahrungsmittelallergien und Cannabiskonsum beobachtet. Bei Erwachsenen können ähnliche Auslöser wie bei chronischer Migräne, Epilepsie und Panikstörungen eine Rolle spielen.
Das zyklische Erbrechen betrifft etwa 1 % aller Erwachsenen und 2 % der Kinder. Die Symptome beginnen meist im Kindesalter, durchschnittlich im Alter von etwa fünf Jahren.
Behandlung des zyklischen Erbrechens
Die Behandlung des zyklischen Erbrechens zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Episoden zu reduzieren. In symptomfreien Phasen werden allgemeine Maßnahmen wie Sport, gesundes Schlafverhalten und das Vermeiden von Auslösern empfohlen. In der Auraphase können Migränemittel (Triptane) und Antiemetika (z. B. Ondansetron) eingesetzt werden. Während der Erbrechensphase werden Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen (z. B. Ondansetron, Metoclopramid), Infusionen gegen den Flüssigkeitsverlust sowie Schmerz- und Entzündungshemmer eingesetzt. In schweren Fällen kann kurzzeitig ein beruhigendes, schlafförderndes Mittel (Lorazepam) erforderlich sein.
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Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich typischerweise durch Kopfschmerzen äußert, aber auch mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen kann. Leichte Migräneattacken können mit rezeptfreien Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden. Bei stärkeren Attacken oder wenn Übelkeit und Erbrechen die Einnahme von Schmerzmitteln beeinträchtigen, können zusätzliche Medikamente erforderlich sein.
Die Rolle von Antiemetika bei Migräne
Antiemetika wie Ondansetron können bei Migräneattacken eingesetzt werden, um Übelkeit und Erbrechen zu lindern. Sie regen die Magen-Darm-Tätigkeit an, wodurch Migränemittel und Schmerzmittel vom Körper besser aufgenommen werden und schneller wirken. In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, zuerst das Medikament gegen Übelkeit einzunehmen.
Triptane: Eine spezifische Migränebehandlung
Bei schweren Migräneattacken können Triptane hilfreich sein. Diese Medikamente wirken in der Akuttherapie der Migräne auch gegen Übelkeit und Erbrechen. Sie sind als Tabletten, Zäpfchen, Nasensprays oder Fertigspritzen zur Selbstinjektion erhältlich. Letztere Präparate eignen sich besonders gut für Patienten, die unter Übelkeit und Erbrechen leiden, da sie die Magen-Darm-Passage umgehen.
Ondansetron: Ein vielseitiges Antiemetikum
Ondansetron ist ein hochselektiver, kompetitiver 5-HT3-Serotonin-Rezeptor-Antagonist, der die Wirkung von Serotonin an den entsprechenden Rezeptoren in der Area postrema und im Dünndarm hemmt. Es wird zur Behandlung und Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen in verschiedenen Situationen eingesetzt, darunter:
- Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen (CINV)
- Strahlentherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen
- Postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV)
- Zyklisches Erbrechen
- Migräne
Wirkungsweise von Ondansetron
Ondansetron blockiert sowohl zentrale als auch periphere Serotonin-Rezeptoren. Serotonin wird bei der medikamentösen Tumortherapie aus speziellen Zellen im Dünndarm (enterochromaffine Zellen) freigesetzt, was Übelkeit und Erbrechen auslösen kann. Ondansetron unterbricht diesen Teufelskreis, indem es die Serotoninwirkung hemmt.
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Dosierung und Anwendung von Ondansetron
Die Dosierung von Ondansetron hängt von der Indikation und dem Alter des Patienten ab. Bei Erwachsenen beträgt die übliche Dosis zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie oder Strahlentherapie 8 mg, die ein bis zwei Stunden vor der Behandlung eingenommen werden, gefolgt von 8 mg zwölf Stunden später. Zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen nach einer Operation beträgt die übliche Dosis 16 mg vor der Operation oder 8 mg eine Stunde vor der Operation, gefolgt von weiteren Dosen.
Bei Kindern wird die Dosis individuell an die Körperoberfläche angepasst. Ondansetron kann oral oder intravenös verabreicht werden.
Nebenwirkungen von Ondansetron
Die häufigsten Nebenwirkungen von Ondansetron sind Kopfschmerzen, Benommenheit, Verstopfung, Bauchschmerzen und Schlafstörungen. In seltenen Fällen kann es zu Unverträglichkeitsreaktionen mit Nesselsucht (Urtikaria) und Haut-/Schleimhautschwellungen (Angiödeme) kommen. In höheren Dosen kann Ondansetron das QT-Intervall verlängern und so unter Umständen eine seltene Form von Herzrhythmusstörung (Torsades de Points) auslösen.
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Ondansetron darf nicht eingenommen werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder bei gleichzeitiger Anwendung von Apomorphin (Parkinson-Medikament und Antiemetikum). Bei schwerer Störung der Darmbeweglichkeit (Darmmotilität) sowie angeborener oder erworbener QT-Intervall-Verlängerung darf das Antiemetikum nur unter besonderen Vorsicht angewendet werden.
Die Kombination mit anderen Arzneistoffen, die wie Ondansetron das QT-Intervall verlängern können, erhöht das Risiko für Herzrhythmusstörungen.
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Ondansetron in der Schwangerschaft
Ondansetron sollte im ersten Trimenon der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da es das Risiko für Lippen- und/oder Gaumenspalten beim Kind leicht erhöhen kann. Wenn Sie schwanger sind, glauben, schwanger zu sein, oder planen, ein Kind zu bekommen, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker um Rat, bevor Sie Ondansetron einnehmen. Es wird empfohlen, dass sexuell aktive Frauen im gebärfähigen Alter während der Behandlung mit Ondansetron eine wirksame Empfängnisverhütung verwenden.
Ondansetron in der Stillzeit
Sie sollten Ihr Kind während der Einnahme von Ondansetron nicht stillen. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker um Rat, bevor Sie ein Arzneimittel einnehmen.
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