Oliver Sacks war einer der bekanntesten Neurologen der Welt. Bekannt wurde er vor allem durch seine Fallgeschichten. Seine Autobiografie "On the Move" gibt fesselnde Einblicke in sein Leben und sein Gehirn.
Einführung
Oliver Sacks war nicht nur ein Neurologe, sondern auch ein Literat, ein Erzähler und ein Autor. Seine Fähigkeit, medizinische Fallgeschichten auf eine Weise zu präsentieren, die sowohl einfühlsam als auch wissenschaftlich fundiert war, hat ihm eine breite Leserschaft eingebracht.
Frühes Leben und Jugend
Oliver Sacks wurde 1933 in London geboren. Schon früh interessierte er sich für Naturwissenschaften, insbesondere für Chemie. In seiner Autobiografie „Onkel Wolfram“ erzählte er aus seiner Kindheit und Jugend. Allerdings enthielten diese Ausführungen auch sehr detaillierte Beschreibungen aus dem Bereich der Chemie, die einen Teil der Leserschaft gelangweilt haben könnten.
Seine Mutter war Chirurgin und brachte abends missgebildete Embryonen in Gläsern nach Hause. Dies, sowie die frühe Konfrontation mit dem Sezieren von Kinderleichen, löste bei Sacks ein lebenslanges Trauma aus.
Ausbildung und frühe Karriere
Sacks folgte den Spuren seiner Eltern und wurde Arzt. Er absolvierte seine Berufsausbildung und wanderte im Alter von 27 Jahren nach Kalifornien aus, ins Kernland der Freiheit. Zuvor entfloh er dem sexualrepressiven England, in dem Homosexualität einen Straftatbestand darstellte.
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In Kalifornien erlebte er eine wilde Zeit. Tagsüber arbeitete er als Arzt, nachts und am Wochenende war er mit dem Motorrad unterwegs. Er trank und konsumierte später viel zu viele Drogen, wodurch er abhängig wurde. In seiner Wahlheimat stemmte er Gewichte am Muscle Beach in Los Angeles und machte Erfahrungen mit Drogen.
Obwohl Sacks als eingefleischter Junggeselle galt, überraschte er die Leser mit der Offenbarung seiner homosexuellen Orientierung. Er schilderte seine Schüchternheit, seine Liebschaften und seine sexuellen Abenteuer.
Berufliche Erfolge
Sacks' Karriere als Neurologe begann in den späten 1960er Jahren im Beth Abraham Hospital in der Bronx. Dort widmete er sich Patienten mit der Europäischen Schlafkrankheit (Encephalitis lethargica). Er behandelte sie mit dem Medikament L-Dopa, was zu außergewöhnlichen Reaktionen führte. Die Patienten wachten kurzzeitig auf und zeigten starke Emotionen, bevor sie wieder in ihre vorherige Starre verfielen. Seine Erfahrungen schrieb er in dem Buch "Awakenings - Zeit des Erwachens" nieder. Das Buch wurde 1990 verfilmt und machte Sacks einem breiten Publikum bekannt.
Sein erstes Buch war "Migräne", das 1970 erschien.
Weltweite Bekanntheit erlangte er mit dem Buch „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“. Darin präsentierte er zwanzig Geschichten von Menschen, die Veränderungen oder Verletzungen des Gehirns erlitten hatten. Die Kommentare und Erläuterungen, die Sacks zu den Fallgeschichten gab, waren sowohl für Leser als auch für Fachleute spannend und erhellend.
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Im Jahr 1974 erschien sein Meisterwerk "Awakenings".
Beziehungen zu anderen Forschern
Sacks hatte Kontakte zu anderen Forschern und Wissenschaftlern wie Francis Crick und Christof Koch. Er war beeindruckt von dem Buch „Neural Darwinism: The Theory of Neuronal Group Selection“ von Gerald M. Edelman. Er selbst sah sich jedoch nicht als Theoretiker, sondern konzentrierte sich auf das Veröffentlichen von Fallgeschichten.
Im Jahr 1992 nahm er an einem Symposium anlässlich des 90. Geburtstags des sowjetischen Neuropsychologen Alexander R. Luria teil. Sacks war beeindruckt von Lurias Beobachtungsvermögen, theoretischer Tiefe und menschlicher Wärme.
Persönliches Leben
Sacks' persönliches Leben war nicht immer einfach. Seine Mutter reagierte ablehnend auf seine Homosexualität. Er flüchtete nach Kalifornien und führte lange Zeit ein Leben in Geheimhaltung.
In den letzten zehn Jahren seines Lebens gab es jedoch bedeutende Veränderungen. Er ging eine Beziehung mit dem Schriftsteller Billy Hayes ein, mit dem ihn viele gemeinsame Interessen verbanden. Sie reisten zusammen und teilten ihr Leben miteinander.
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Krankheit und Tod
Im Jahr 2005 wurde bei Sacks ein Tumor im linken Auge entdeckt. Im Jahr 2015 teilte er mit, dass er an Leberkrebs sterben werde. Er haderte jedoch nicht mit seinem Schicksal, sondern akzeptierte es. Oliver Sacks starb am 30. August 2015 in New York City.
Vermächtnis
Oliver Sacks war ein außergewöhnlicher Arzt und ein begnadeter Erzähler. Seine Bücher haben Millionen von Lesern ein neues Verständnis von Krankheit vermittelt. Er bewies, dass die Medizin sowohl eine Kunst als auch eine Wissenschaft ist.
Seine Schriften werden das Leben seiner Leser dauerhaft erleuchten. Seine Patienten werden durch seinen empathischen Blick in großartige Charaktere verwandelt, die ihre eigenen Möglichkeiten zu transzendieren vermögen.
Werke (Auswahl)
- Migräne (1970)
- Awakenings - Zeit des Erwachens (1974)
- Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte (1985)
- Das innere Auge
- Onkel Wolfram
- On the Move (2015)