Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene und vielgestaltige Störung des peripheren Nervensystems, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die peripheren Nerven angreift. Die Krankheit wird oft durch vorangehende Infektionen ausgelöst und kann zu schwerer Muskelschwäche und Lähmungen führen. Betroffene leiden an Muskelschwäche und Lähmungen. In Europa und den USA treten jährlich etwa 1 bis 2 Fälle pro 100.000 Menschen auf.
Was ist das Guillain-Barré-Syndrom (GBS)?
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS), auch bekannt als akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie oder akute idiopathische Polyneuritis, ist eine entzündliche Erkrankung der Nerven und zählt zu den Autoimmunerkrankungen. Der Name stammt von den französischen Neurologen G. Guillain und J. A. Barré, die im Jahre 1916 mit R. Strohl diese Erkrankung in ihren typischen klinischen und liquor-biochemischen Befunden beschrieben.
Bei Autoimmunerkrankungen richten sich Autoantikörper gegen den eigenen Körper und führen so zu Erkrankungen. Die Nerven, bestehend aus einem Zellkörper und einer Nervenfaser, sind von einer isolierenden Schicht, der Myelinschicht, umgeben. Diese ermöglicht eine schnelle Übertragung von Signalen durch die Nervenbahnen. Beim Guillain-Barré-Syndrom greifen die Antikörper irrtümlich die Myelinschicht an, wodurch diese geschädigt und die Informationsübertragung beeinträchtigt wird.
Nach dem fast völligen Verschwinden der Poliomyelitis ist das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) in unseren Breiten die häufigste Ursache für akute generalisierte Lähmungen.
Ursachen des Guillain-Barré-Syndroms
Die Ursachen für das Guillain-Barré-Syndrom sind noch weitgehend unklar. In der Regel tritt die Erkrankung jedoch nach einer Infektion auf. Die genaue Ursache des Guillain-Barré-Syndroms ist derzeit nicht geklärt. Allerdings deuten Hinweise darauf hin, dass eine Immunreaktion gegen die eigenen Nerven vorliegt. Den vorausgegangenen Infektionen wird eine Triggerfunktion im immunpathogenetischen Prozess des GBS zugeschrieben.
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Zu den am häufigsten GBS verursachenden Bakterien zählt Campylobacter jejuni mit 30 Prozent, während CMV (Herpesviren) zu den mit 10 Prozent häufigsten GBS auslösenden Viren zählt. Weitere mögliche Ursachen sind Impfungen wie etwa gegen Tetanus, Polio, Influenza oder Tollwut, Immuncheckpoint-Inhibitoren wie Nivolumab oder eine Schwangerschaft. Doch auch chirurgische Eingriffe, insbesondere orthopädische, gastrointestinale und kardiologische, können das Guillain-Barré-Syndrom hervorrufen.
Eine kürzlich in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie unter der Leitung von Daniela Latorre, SNF-Gruppenleiterin am Institut für Mikrobiologie der ETH Zürich, deckt einen zentralen Aspekt der Pathophysiologie von GBS auf. In enger Zusammenarbeit mit klinischen Forschenden des Universitätsspitals Zürich und des Neurozentrums der Südschweiz (EOC) in Lugano suchte Latorre nach Autoimmunfaktoren, die für diese Krankheit verantwortlich sind. Mit hochempfindlichen Messverfahren konnte Latorres Gruppe nachweisen, dass bei GBS-Patienten spezifische Zellen des Immunsystems, so genannte T-Lymphozyten, in das Nervengewebe eindringen und auf die isolierende Hülle der Nervenfasern, die Myelinscheide, reagieren.
Bei gesunden Menschen spielen T-Lymphozyten eine tragende Rolle bei der Immunabwehr, indem sie körperfremde Strukturen, zum Beispiel bei Virusinfektionen, und abnormale körpereigene Zellen erkennen und eliminieren. In seltenen Fällen können T-Zellen jedoch fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreifen, was zu Autoimmunerkrankungen führt. "Wir haben herausgefunden, dass diese autoreaktiven T-Lymphozyten ausschließlich bei Patienten mit einer GBS-Variante vorkommen, bei der die Myelinschicht der Nerven beschädigt wird", erklärt Latorre, und dass die T-Zellen eine krankheitsspezifische Signatur aufweisen, die sie von gesunden Personen unterscheidet. Darüber hinaus identifizierten die Forschenden in einer Untergruppe von GBS-Patienten nach einer Virusinfektion T-Lymphozyten, die sowohl auf die Selbstantigene der Myelinscheide als auch auf die Virusantigene reagierten. Dies spricht für einen direkten Zusammenhang zwischen der GBS-Erkrankung und der vorausgegangenen Virusinfektion.
Hypothetisch könnte die initiale Immunreaktion gegen das infektiöse Agens schließlich im Rahmen einer Kreuzreaktion gegen Markscheiden-Antigene gerichtet sein und zu einer Autoimmunreaktion gegen periphere Nerven führen.
Symptome des Guillain-Barré-Syndroms
GBS beginnt in der Regel mit Schwäche und Kribbeln in den Beinen, das sich auf den Oberkörper und die Arme ausbreiten kann. Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine seltene Erkrankung des Nervensystems und durch aufsteigende Lähmungen (Paresen) und Sensibilitätsstörungen, die zumeist beidseitig in den Händen oder Füßen beginnen, gekennzeichnet. Gehen und sich bewegen wird zunehmend schwieriger. In schweren Fällen kann es auch zu Lähmungen der Atemmuskulatur kommen.
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Die ersten klinischen Symptome des GBS treten in etwa zwei Drittel der Fälle ein bis vier Wochen nach Infektionen der Atemwege oder des Magendarmtraktes auf. Sie beginnt häufig mit einer Schwäche in den unteren Extremitäten und im Beckengürtel, vor allem beim Aufstehen aus sitzender Position und beim Treppensteigen. In der Folge klagen die Patienten auch über Schwächen sowohl der proximalen als auch der distalen Muskelgruppen in den oberen Extremitäten. Die Muskeldehnungsreflexe sind gewöhnlich von Beginn an abgeschwächt oder erloschen. Innerhalb von wenigen Tagen bis zu vier Wochen erreichen die Lähmungen ihren Höhepunkt. Bei leichten Verlaufsformen sind die Patienten noch gut gehfähig, bei schweren Erkrankungen kommt es zur Tetraplegie mit Atemlähmung und Lähmung der von den Hirnnerven versorgten Schlund- und Rachenmuskulatur.
Am häufigsten treten im Hirnnervenbereich ein- oder doppelseitige Fazialisparesen auf, seltener Augenmuskel- und Hypoglossusparesen. Eine Variante des GBS mit akut auftretender Ophthalmoplegie, Ataxie und Areflexie wird als Miller-Fisher-Syndrom bezeichnet.
In etwa einem Drittel der Fälle klagen die Patienten über mehr oder weniger ausgeprägte Myalgien und radikuläre Schmerzen, die mit der Entwicklung der Paresen einhergehen. Nicht selten gehen den motorischen Ausfällen Myalgien, zum Beispiel in Form von Rückenschmerzen voraus. In den meisten Fällen geben die Patienten Kribbelparästhesien und ein Taubheitsgefühl zunächst akrodistal an, das sich dann strumpf- beziehungsweise handschuhförmig nach proximal ausbreitet. Durch Störung der Tiefensensibilität kann es zu einer ausgeprägten Gang- und Standataxie kommen.
Fast regelmäßig ist auch das vegetative Nervensystem mit orthostatischer Hypotonie und Störungen der Schweißproduktion betroffen. Gefährlich ist das Auftreten von Herzrhythmusstörungen und Überleitungsstörungen. Eine seltene Sonderform des GBS mit vorwiegenden autonomen Funktionsstörungen wurde als akute Pandysautonomie bezeichnet.
In der Mehrzahl finden sich die aufsteigenden motorisch-sensiblen und autonomen Funktionsstörungen kombiniert. Der Schwerpunkt liegt meist bei den motorischen Funktionsausfällen.
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Miller-Fisher-Syndrom
Das Miller-Fisher-Syndrom (MFS) ist eine seltene neurologische Erkrankung, die das Nervensystem betrifft. Es ist eine Form des sogenannten Guillain-Barré-Syndrom (GBS), einer Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Nervenzellen angreift. MFS verläuft meist in verschiedenen Phasen, in denen unterschiedliche Beschwerden, von anfänglich leichten Beeinträchtigungen bis hin zu deutlicheren neurologischen Störungen, auftreten können.
Die meisten Fälle des Miller-Fisher-Syndroms (MFS) treten nach einer vorangegangenen Infektion auf, häufig nach einer Atemwegs- oder Magen-Darm-Infektion. Dies deutet darauf hin, dass das Immunsystem während der Infektion auf unerklärliche Weise fehlgeleitet wird. Anstatt nur die Krankheitserreger zu bekämpfen, greift es irrtümlich gesunde Nervenzellen an. Diese ungewollte Autoimmunreaktion führt zu einer Entzündung der Nerven, die für das Krankheitsbild charakteristisch ist.
Symptome des Miller-Fisher-Syndroms
Das Miller-Fisher-Syndrom äußert sich durch eine charakteristische Trias von Symptomen:
- Ataxie: Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, unsicherer Gang, Probleme beim Stehen und Schwierigkeiten bei alltäglichen Bewegungen.
- Ophthalmoplegie: Lähmung der Augenmuskeln, Schwierigkeiten, die Augen in die gewünschte Richtung zu bewegen, Doppeltsehen (Diplopie).
- Areflexie: Verlust oder deutliche Abschwächung der Reflexe.
Darüber hinaus können weitere Symptome wie Gesichtslähmungen, Schluckbeschwerden, Muskelschwäche oder ausgeprägte Müdigkeit auftreten.
Diagnose des Guillain-Barré-Syndroms
Bei Verdacht auf ein Guillain-Barré-Syndrom empfehlen Mediziner, umgehend eine neurologische Klinik mit Intensivstation aufzusuchen. Der Arzt erhält bereits durch die Schilderung Ihrer Beschwerden und eventueller Vorerkrankungen wichtige Informationen (Anamnese).
Typische Fragen, die der Arzt bei Verdacht auf ein Guillain-Barré-Syndrom stellt, sind:
- Waren Sie in den letzten vier Wochen krank (Erkältung oder Magen-Darm-Infektion)?
- Wurden Sie in den letzten Wochen geimpft?
- Bemerken Sie Lähmungserscheinungen oder Missempfindungen an Händen, Füßen oder anderen Körperstellen?
- Haben Sie Rückenschmerzen?
- Nehmen Sie Medikamente ein?
Oft besteht ein Zusammenhang mit einer ungefähr zwei Wochen zurückliegenden Magen-Darm- oder Atemwegserkrankung. Wenn nach einer solchen Infektion Muskelschwächen oder Störungen der Sensibilität auftreten, ist es ratsam, sofort ärztlichen Rat einzuholen. In einer Klinik überprüfen Spezialisten, ob tatsächlich das Guillain-Barré-Syndrom dahintersteckt oder die Symptome eine andere Ursache haben wie etwa Muskelerkrankungen oder Verletzungen des Rückenmarks.
Nach der Anamnese folgt die körperliche Untersuchung. Dabei testet der Arzt die Sensibilität und Muskelkraft an verschiedenen Körperstellen. Auch eine Überprüfung der zwölf Hirnnerven und der Reflexe ist Teil der körperlichen Untersuchung.
Experten haben Kriterien definiert, mit deren Hilfe der Arzt die Diagnose Guillain-Barré-Syndrom stellt. Die drei erforderlichen Hauptkriterien sind:
- Fortschreitende Schwäche mehr als einer Extremität über maximal vier Wochen
- Verlust bestimmter Reflexe
- Ausschluss anderer Ursachen
Weitere Untersuchungen
- Liquorpunktion: In der Klinik wird eine Probe der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) entnommen und im Labor untersucht (Liquorpunktion). Dies ist unbedingt notwendig, um den Verdacht auf ein Guillain-Barré-Syndrom zu bestätigen und andere Ursachen auszuschließen. Im Nervenwasser lässt sich beim Guillain-Barré-Syndrom typischerweise eine erhöhte Konzentration an Eiweißen nachweisen, während die Zahl der Zellen im Liquor normal ist (zytoalbuminäre Dissoziation). Dieser charakteristische Befund zeigt sich mitunter erst sieben bis zehn Tage nach Beginn der Erkrankung.
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Ebenfalls wichtig bei Verdacht auf ein Guillain-Barré-Syndrom ist es, die Störungen der Nervenleitung durch elektrophysiologische Untersuchungen genauer zu begutachten. Dazu wird beispielsweise mit kurzen elektrischen Stromstößen die Leitfähigkeit von Nerven überprüft (Elektroneurografie). Die Nervenleitungsgeschwindigkeit ist beim Guillain-Barré-Syndrom typischerweise vermindert, da die isolierenden Myelinscheiden von den Immunzellen segmentweise zerstört werden. Das lässt sich aber erst nach einigen Tagen Krankheitsdauer messen. Deshalb sollten elektrophysiologische Untersuchungen regelmäßig im Verlauf des Guillain-Barré-Syndroms wiederholt werden.
- Blutuntersuchungen: Im Blut lassen sich in rund 30 Prozent der Fälle von Guillain-Barré-Syndrom bestimmte Antikörper gegen Bestandteile der Nervenhülle (zum Beispiel Anti-GQ1b-AK, Anti-GM1-AK) finden. Nur selten ist es noch möglich, den Erreger einer dem Guillain-Barré-Syndrom vorausgehenden Infektion zu bestimmen.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Wenn die bisher genannten Untersuchungen keine klaren Ergebnisse liefern, lässt sich zusätzlich eine Magnetresonanztomografie (MRT) anwenden. Mit Hilfe dieser Technik werden sehr genaue Bilder des Rückenmarks und der austretenden Nerven gemacht. Der Arzt spritzt dem Patienten dazu ein Kontrastmittel in die Vene. Es reichert sich beim Guillain-Barré-Syndrom besonders in den Nervenwurzeln (Ein- und Austrittsstellen der Nervenfasern am Rückenmark) an. Zusätzlich lässt sich mittels MRT ausschließen, dass ein Bandscheibenvorfall die Symptome verursacht.
Aufgrund der schweren Auswirkungen einer GBS-Erkrankung überprüfen Ärzte bei Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom im Vier- bis Acht-Stundentakt die Muskelkraft und allgemeine Parameter der Herz- und Atemfunktion. Besonders bei älteren Menschen oder einem raschen Voranschreiten der Symptomatik ist eine engmaschige Überwachung erforderlich. Dabei achten Ärzte vor allem auf eventuelle Komplikationen wie eine Atemlähmung (Landry-Paralyse) und eine Lungenembolie.
Differentialdiagnose
Die chronische idiopathische Polyneuritis (chronisches GBS, chronic inflammatory demyelinating polyneuropathy [CIDP] im englischen Sprachraum) unterscheidet sich von dem akuten GBS vor allem durch ihren langsamen, subakuten oder chronischen Beginn (Symptomprogredienz länger als 8 bis 12 Wochen) und den progredienten oder schubförmig rezidivierenden Verlauf. Etwa 15 bis 20 Prozent der chronischen Polyneuritis beginnen wie ein akutes GBS. Aufgrund der unterschiedlichen Behandlung der beiden Formen ist eine frühzeitige Differenzierung anzustreben. Andere symptomatische Ursachen einer akuten Polyneuropathie, die dem klinischen Erscheinungsbild des GBS ähneln können, müssen ausgeschlossen werden.
Behandlung des Guillain-Barré-Syndroms
In Abhängigkeit von der Schwere der Symptome erfolgt die Behandlung beim Guillain-Barré-Syndrom auf einer Intensivstation. In leichteren Fällen ist dies nicht notwendig, aber eine Überwachung auf einer normalen Krankenhausstation ist meist unumgänglich. Das Guillain-Barré-Syndrom führt nämlich in einigen Fällen zu lebensbedrohlichen Lähmungen. Besonders bei Störungen der Atmung, des Herz-Kreislauf-Systems oder des Schluckreflexes muss der Patient in regelmäßigen Abständen genau beobachtet werden.
Lebensgefährliche Situationen treten teilweise unvermittelt auf und bedürfen einer schnellen Behandlung. So müssen Ärzte und Pflegekräfte bei einem schweren Guillain-Barré-Syndrom ständig darauf vorbereitet sein, dass gravierende Störungen des Herzrhythmus auftreten oder der Patient künstlich beatmet werden muss. Eine solche Beatmung ist in rund 20 Prozent der Fälle zeitweise nötig.
Eine ursächliche Therapie des GBS ist nicht bekannt. Die spezifische Therapie mit Plasmaaustausch oder hochdosierten intravenösen Immunglobulinen gründet sich auf die immunologisch-entzündliche Pathogenese der Erkrankung. Kortikosteroide allein helfen beim GBS nicht.
Immunmodulierende Therapien
- Immunglobuline: In schwereren Fällen ist eine immunmodulierende Therapie mit sogenannten Immunglobulinen sinnvoll, die der Patient über eine Infusion erhält. Dabei handelt es sich um eine Mischung von Antikörpern, welche mit den autoaggressiven Antikörpern in Wechselwirkung treten und dadurch die Immunreaktion normalisieren. Die Indikation zur i.v. Immunglobulingabe (IVIG) besteht bei gesicherter Diagnose mit schwerem Verlauf. Sie wird in einer Dosierung von 0,4 g/kg Körpergewicht/Tag an fünf aufeinanderfolgenden Tagen empfohlen. Der genaue Wirkmechanismus der Immunglobuline beim GBS ist letztlich unbekannt. Mögliche Wirkungen umfassen unter anderem die Hemmung pathogener Autoantikörper durch in der Immunglobulinlösung enthaltenen sogenannten antiidiotypischen Antikörper, Hemmung der Antikörproduktion von B-Zellen, kompetitive Hemmung von Makrophagen durch Blockade ihrer Fc-Rezeptoren und Beeinflussung der T-Zellaktivierung durch lösliche Faktoren.
- Plasmapherese: Eine gleichwertige Therapiealternative beim Guillain-Barré-Syndrom ist der sogenannte Plasmatausch (Plasmapherese). Dabei wird das Blut des Patienten wie bei einer Dialyse durch eine Maschine geleitet, in der sich Membranen befinden. Diese Membranen filtern die schädlichen autoaggressiven Antikörper heraus. Das verhindert eine weitere Schädigung der Nervenstrukturen. Da der Körper die Antikörper allerdings wieder neu bildet, wird die Plasmapherese oft mehrfach wiederholt. Die Indikation zum Plasmaaustausch besteht bei gesicherter Diagnose mit schwerem Verlauf. Der Erkrankungsgipfel sollte noch nicht erreicht sein und der Erkrankungsbeginn nicht länger als 14 Tage zurückliegen. Eine akute Infektion oder gar eine Sepsis müssen ausgeschlossen werden. Es sollen humorale Faktoren, wie Antikörper, Komplement- und Entzündungsmediatoren, die den immunpathogenetischen Prozeß beim GBS unterhalten, weitgehend aus dem Blutplasma entfernt werden.
Eine Kombination der Gabe von Immunglobulinen und dem Plasmatausch empfehlen Experten im Moment nicht. Kortison ist beim akuten Guillain-Barré-Syndrom nicht wirksam. Es wirkt zum Beispiel bei einer chronischen inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP), die früher als chronische Form des Guillain-Barré-Syndroms galt.
Weitere unterstützende Maßnahmen
- Thromboseprophylaxe: Wenn viele Muskeln von der Lähmung betroffen sind und der Patient nicht mehr in der Lage ist, sich ausreichend zu bewegen, wird mithilfe von sogenannten Heparinen der Bildung von Blutgerinnseln vorgebeugt (Thromboseprophylaxe). Dazu wird meist einmal täglich eine Spritze unter die Haut (subkutan) verabreicht.
- Physiotherapie: Außerdem ist es wichtig, möglichst früh eine begleitende Physiotherapie zu beginnen, um den Körper beim Erhalt der Bewegungsfähigkeit zu unterstützen und eine schnelle Regeneration zu fördern.
- Psychologische Betreuung: Manchen Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom macht ihre Erkrankung besonders aufgrund der Lähmungen große Angst. Grundsätzlich gilt jedoch für die Mehrzahl der Fälle, dass sich diese unangenehmen Symptome wieder vollständig zurückbilden. Falls die GBS-Krankheit durch den unvorhersehbaren Verlauf zu einer schweren psychischen Belastung führt, ist eine intensive Betreuung des Patienten (zum Beispiel durch Psychotherapie) sinnvoll. Wenn die Angst sich besonders stark entwickelt, kommen mitunter Medikamente zum Einsatz, die die Ängste reduzieren.
Verlauf und Prognose
Die Symptome bilden sich in einem monophasischen Verlauf nach einem unterschiedlich langanhaltenden Plateau über Wochen bis Monate wieder zurück. Das Ausmaß der Remission hängt in erster Linie von dem Schweregrad der Axondegeneration mit entsprechenden Muskelatrophien ab. Als ungünstige prognostische Faktoren sind höheres Lebensalter, rascher und schwerer Beginn sowie die Notwendigkeit zur künstlichen Beatmung zu werten.
Wenngleich die Prognose als gut bezeichnet wird, kommt es nur bei etwa 15 Prozent zu einer vollständigen Rückbildung der Symptome. Etwa zwei Drittel der Patienten behalten leichte neurologische Defizite, wie Fußheberschwäche oder distale Hypästhesien, die das alltägliche Leben nicht wesentlich behindern. Funktionell beeinträchtigende Paresen oder Sensibilitätsstörungen bleiben bei etwa 10 bis 15 Prozent der Patienten bestehen. Nach Einführung der intensivmedizinischen Therapiemaßnahmen sterben noch etwa 2 bis 6 Prozent an interkurrenten Infekten und Komplikationen thrombembolischer, kardiovaskulärer Zwischenfälle.
In etwa 70 Prozent der Fälle gehen die Symptome innerhalb von Wochen oder Monaten wieder vollständig zurück. Ungefähr acht Prozent der Erkrankten sterben jedoch an Komplikationen des GBS, wie beispielsweise Atemlähmung oder Lungenembolie.
Mögliche Spätfolgen des Miller-Fisher-Syndroms
In den meisten Fällen erholen sich die Patienten vollständig oder nahezu vollständig von den Symptomen des Miller-Fisher-Syndroms. Dennoch können bei einigen Betroffenen Spätfolgen auftreten. Dazu gehören vor allem eine anhaltende Schwäche, Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen oder dauerhaftes Doppeltsehen, was den Alltag unterschiedlich stark beeinträchtigen kann. Auch eine schnellere Ermüdbarkeit oder leichte Einschränkungen bei feinmotorischen Bewegungen sind möglich. Daher spielt insbesondere die Rehabilitation eine wichtige Rolle bei der Bewältigung des MFS.
Vorbeugung
Da die genauen Ursachen und Auslöser des Guillain-Barré-Syndroms nach wie vor weitgehend unbekannt sind, gibt es keine Empfehlungen zur Vorbeugung.
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