Opipramol ist ein trizyklisches Antidepressivum, das in Deutschland häufig verschrieben wird. Es wirkt angstlösend, beruhigend, dämpfend und schwach antidepressiv. Es wird bei Verstimmungszuständen verordnet, die mit Angst, Unruhe, Schlaflosigkeit, Spannung und Depressionen einhergehen. Obwohl es zur Gruppe der trizyklischen Antidepressiva gehört, unterscheidet sich sein Wirkmechanismus von anderen Vertretern dieser Klasse.
Wirkmechanismus von Opipramol
Opipramol wirkt nicht primär durch die Hemmung der Wiederaufnahme von Neurotransmittern wie Serotonin oder Noradrenalin, sondern hauptsächlich durch die Bindung an Sigma-Rezeptoren (Typ 1 und 2) im Gehirn und im zentralen Nervensystem. Es beeinflusst das NMDA-System und erhöht den Dopamin-Turnover. Die anticholinerge Aktivität von Opipramol ist gering.
Pharmakokinetik von Opipramol
Opipramol wird schnell und vollständig resorbiert. In der Leber wird es teilweise zu Deshydroxyethyl-Opipramol umgewandelt. Die Plasmaproteinbindung beträgt etwa 91 %, und die maximale Plasmakonzentration wird etwa drei Stunden nach der Einnahme erreicht. Die Ausscheidung erfolgt zu 70 % renal und zu 30 % über die Fäzes. Die Wirkung von Opipramol tritt allmählich ein, wobei eine regelmäßige Einnahme über etwa zwei Wochen erforderlich ist, um festzustellen, ob die gewünschte Symptomlinderung eintritt.
Dosierung und Anwendung von Opipramol
Opipramol wird in der Regel zu oder nach den Mahlzeiten eingenommen. Aufgrund seiner sedierenden Wirkung empfiehlt es sich, die höhere Dosis am Abend einzunehmen. Die übliche Dosierung für Erwachsene beträgt dreimal täglich 50 mg morgens und mittags sowie 100 mg abends. Beim Absetzen von Opipramol ist ein langsames Ausschleichen der Therapie ratsam.
Indikationen für Opipramol
Opipramol ist zugelassen zur Behandlung von:
Lesen Sie auch: Opipramol Hinweise
- Generalisierten Angststörungen (GAS)
- Somatoformen Störungen
- Verstimmungszuständen mit Angst, Unruhe, Schlaflosigkeit, Spannung und Depressionen
Opipramol bei therapieresistenter Angststörung (TRA)
Eine internationale Expertenrunde hat 2024 eine Definition zur therapieresistenten Angststörung (TRA) vorgelegt. Demnach liegt eine TRA vor, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Eine Reduktion eines Symptomscores (HAM-A oder BAI) um weniger als 50 % oder ein CGI-I-Wert über 2.
- Mindestens zwei erfolglose Monotherapien mit Arzneien aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen (SSRI, SNRI, bei GAD auch Clomipramin oder Pregabalin) in zugelassenen Dosierungen über jeweils mindestens sechs bis acht Wochen hinweg - idealerweise mit dokumentierter Therapieadhärenz.
- Mindestens ein erfolgloser Behandlungsversuch mit einer adäquat erfolgten Erstlinien-Psychotherapie, in der Regel einer KVT. Hierbei muss eine ausreichende Zahl von Expositionsübungen absolviert werden, die Dauer sollte mindestens 12-20 Wochen betragen.
Bevor eine TRA diagnostiziert wird, sollte eine Pseudoresistenz ausgeschlossen und die Diagnose Angststörung hinterfragt werden. Begleiterkrankungen wie Suchterkrankungen oder Depressionen können ebenfalls zu einer Resistenz führen.
Bei einer festgestellten TRA kann ein Wechsel auf eine andere Arzneiklasse ratsam sein, beispielsweise von SSRI/SNRI auf Opipramol oder Pregabalin bei GAD oder Panikstörung, oder auf Clomipramin bei Panikstörungen. Auch eine Augmentation mit einer anderen Substanz ist möglich.
Opipramol zur Prämedikation vor Operationen
Opipramol kann auch zur Prämedikation am Vorabend von Operationen eingesetzt werden, um Angst zu reduzieren und den Schlaf zu fördern. Studien haben gezeigt, dass Opipramol in Dosierungen von 50, 100 oder 150 mg die Schlafqualität verbessern und Ängste reduzieren kann.
Nebenwirkungen von Opipramol
Wie alle Medikamente kann auch Opipramol Nebenwirkungen verursachen. Gerade zu Beginn der Therapie kann es stark sedierend wirken. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:
Lesen Sie auch: Opipramol: Anwendung und Dosierung
- Blutbildveränderungen
- Erhöhtes Risiko für Knochenbrüche bei älteren Patienten
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
- Verstärkung der Wirkung von Alkohol
Im Zusammenhang mit der Einnahme von Opipramol kam es zu Suizidversuchen.
Opipramol und Demenz
Es gibt keine direkten Studien, die den Einsatz von Opipramol bei Alzheimer oder anderen Demenzformen untersuchen. Allerdings ist bekannt, dass Menschen mit Demenz häufig unter psychischen und Verhaltenssymptomen wie Angst, Unruhe, Aggressionen, Schlafstörungen oder Halluzinationen leiden. In solchen Fällen werden oft Beruhigungsmittel wie Antipsychotika eingesetzt, um die Symptome zu lindern.
Es ist wichtig zu beachten, dass Antipsychotika bei älteren Menschen mit Demenz mit Vorsicht eingesetzt werden sollten, da sie eine Reihe von Nebenwirkungen haben können, darunter Schwindel, niedriger Blutdruck, Bewegungsstörungen und ein erhöhtes Sturzrisiko. Zudem können Antipsychotika die geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen.
Als Alternative zu Medikamenten können psychosoziale Maßnahmen wie Beschäftigungstherapie, Bewegungsangebote oder Entspannungsverfahren hilfreich sein, um die Symptome bei Menschen mit Demenz zu lindern. Ein strukturierter Tagesablauf mit regelmäßigen Aktivitäten kann ebenfalls das Risiko von Verhaltenssymptomen senken.
Wichtige Hinweise zur Einnahme von Opipramol
- Opipramol sollte nicht eingenommen werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Akuten Vergiftungen mit Alkohol, Schlafmitteln, Schmerzmitteln oder Psychopharmaka
- Akutem Delir
- Engwinkelglaukom
- Prostatahyperplasie mit Restharnbildung
- Paralytischem Ileus
- Bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente ist Vorsicht geboten, da es zu Wechselwirkungen kommen kann.
- Alkohol verstärkt die Wirkung von Opipramol.
- Während der Schwangerschaft sollte Opipramol möglichst nicht eingenommen werden.
- Opipramol kann die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, beeinträchtigen.
Benzodiazepine als Alternative?
Benzodiazepine sind eine weitere Klasse von Medikamenten, die bei Angststörungen und Schlafstörungen eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie die Wirkung des Neurotransmitters GABA im Gehirn verstärken, was zu einer beruhigenden und angstlösenden Wirkung führt. Benzodiazepine haben jedoch ein hohes Abhängigkeitspotenzial und können eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen, darunter Sedierung, Tagesmüdigkeit, Muskelschwäche und ein erhöhtes Sturzrisiko. Daher sollten sie nur kurzfristig und unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.
Lesen Sie auch: Anwendung von Opipramol