Alzheimer bei Hunden: Welche Rassen sind besonders betroffen?

Wenn Hunde älter werden, können sie, genau wie Menschen, altersbedingte Veränderungen erfahren. Einige dieser Veränderungen, wie Appetitlosigkeit oder ein erhöhtes Ruhebedürfnis, sind normale Alterserscheinungen. Jedoch können zunehmende Vergesslichkeit oder Desorientierung auch Anzeichen für Demenz sein. Um sicherzustellen, dass eine mögliche Diagnose frühzeitig gestellt wird, ist es wichtig, die Symptome von Demenz bei Hunden zu kennen.

Was ist Demenz beim Hund?

Demenz beim Hund wird auch als canines kognitives Dysfunktionssyndrom (CCD) bezeichnet. Es handelt sich um eine altersabhängige Erkrankung, bei der erhöhte Eiweißablagerungen im Blut dazu führen, dass Gehirnzellen degenerieren und absterben. Dadurch wird das Gehirn schlechter mit Sauerstoff versorgt, was den Serotonin-Haushalt stört. Serotonin ist ein Hormon, das an der Regulierung von Stimmung, Appetit und Schlaf beteiligt ist. Die Schädigung von Proteinen und Fetten im Gehirn führt ebenfalls zum Absterben von Nervenzellen. Mit zunehmendem Alter verliert der Körper die Fähigkeit, Schäden selbst zu reparieren, was das Zellensterben begünstigt.

Symptome der Demenz bei Hunden

Demenz beim Hund kann sich auf verschiedene Arten äußern. Das Krankheitsbild kann sich bei betroffenen Hunden unterscheiden und ist sehr individuell. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Desorientierung und Verwirrung: Hunde können ziellos umherwandern, ins Leere starren oder sich in Ecken stellen und nicht mehr herausfinden. Sie erkennen möglicherweise bekannte Bezugspersonen nicht mehr oder reagieren nicht mehr auf ihren Namen oder erlernte Kommandos.
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus: Betroffene Hunde schlafen tagsüber mehr und sind nachts unruhig oder schlaflos.
  • Verlust der Stubenreinheit: Hunde können unsauber werden und Urin oder Kot im Haus absetzen, obwohl sie zuvor stubenrein waren.
  • Veränderte Interaktionen: Einige Hunde ziehen sich zurück und zeigen weniger Interesse an Interaktionen mit ihren Menschen oder anderen Tieren. Sie können auch ihr Bedürfnis nach Streicheleinheiten und Nähe verändern.
  • Vergesslichkeit und Lernschwierigkeiten: CCD kann dazu führen, dass Hunde erlernte Kommandos oder Routinen vergessen.
  • Veränderte Fressgewohnheiten: Meist verminderter Appetit.
  • Ängstlichkeit, erhöhte Reizbarkeit oder Aggression: Neu auftretende Ängste, Trennungsangst, erhöhte Reizbarkeit oder Aggression können Anzeichen für Demenz sein.
  • Stereotype Verhaltensstörungen: Wiederholtes, zwanghaftes Verhalten wie ständiges im Kreis drehen oder Lecken an bestimmten Stellen.
  • Ungezieltes Bellen oder Jaulen: Vermehrtes Bellen oder Jaulen ohne ersichtlichen Grund.
  • Mangelnde Körperpflege: Vernachlässigung der eigenen Körperpflege.
  • Fehlende Wahrnehmung des eigenen Körpers: Betroffene Hunde können ihre Größe und Länge nicht mehr angemessen einschätzen und sich beispielsweise unter Möbeln einklemmen.

Es ist wichtig zu beachten, dass viele dieser Symptome auch auf andere Erkrankungen hinweisen können. Daher ist es ratsam, einen Tierarzt aufzusuchen, wenn Sie Veränderungen im Verhalten oder in der Gesundheit Ihres Hundes bemerken.

Welche Hunderassen sind betroffen?

Demenz beim Hund kommt hauptsächlich bei Senior-Hunden vor. Bei großen Rassen kann diese Erkrankung ab dem siebten Lebensjahr auftreten, während sie bei kleineren Rassen erst ab dem zehnten Lebensjahr auftritt. Mit steigendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hund dement wird.

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Die Rassenzugehörigkeit oder die Größe spielen keine Rolle - jeder Hund kann betroffen sein. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Rassen anfälliger für Demenz sind als andere. Dazu gehören beispielsweise:

  • Deutscher Schäferhund
  • Retriever
  • Berner Sennenhund
  • Golden Retriever
  • Beagle

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Hund einer bestimmten Rasse im selben Alter oder überhaupt an CCD erkranken wird.

Diagnose von Demenz bei Hunden

Es gibt keinen spezifischen Test, um die Diagnose Demenz bzw. kognitive Dysfunktion zu bestätigen. Die wichtigsten Anhaltspunkte für eine mögliche Demenz liefert der Hundehalter durch seine Beobachtungen. Der Tierarzt führt bei Verdacht eine körperliche Untersuchung durch und kann bestimmte spezielle Untersuchungen anschließen, um häufigere Ursachen (wie z.B. Schmerzen oder Arthritis) auszuschließen.

Die Diagnose basiert auf:

  • Gründliche Anamnese: Der Tierarzt wird Sie ausführlich nach den Verhaltensänderungen Ihres Hundes fragen.
  • Ausschluss anderer Erkrankungen: Da viele Symptome der CCD auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, wird der Tierarzt verschiedene Tests durchführen, um andere mögliche Ursachen auszuschließen. Dazu gehören beispielsweise Bluttests, Urinuntersuchungen, bildgebende Verfahren (Röntgen, Ultraschall, MRT) und neurologische Untersuchungen.
  • Verhaltensbeobachtung: Der Tierarzt wird auch das Verhalten Ihres Hundes beobachten und analysieren.
  • Kognitive Tests: Es gibt auch spezielle kognitive Tests für Hunde, die helfen können, CCD zu diagnostizieren. Ein relativ unkomplizierter Test ist beispielsweise die Evaluierung der Fähigkeit des Hundes, Futter im Raum zu finden.
  • Bewertung der Symptome: Der Tierarzt wird die gesammelten Informationen bewerten, um festzustellen, ob die Symptome mit CCD übereinstimmen.

Differentialdiagnose

Bei der Differentialdiagnose der Demenz bei Hunden werden verschiedene andere Erkrankungen untersucht, die ähnliche Symptome wie CCD verursachen können. Dazu gehören beispielsweise:

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  • Schmerzen: Arthrose, Zahnprobleme oder andere schmerzhafte Erkrankungen können zu Verhaltensänderungen führen, die einer Demenz ähneln.
  • Stoffwechselerkrankungen: Schilddrüsenerkrankungen, Leberprobleme oder Nierenerkrankungen können ebenfalls kognitive Beeinträchtigungen verursachen.
  • Neurologische Erkrankungen: Tumore im Gehirn, Entzündungen des Gehirns oder Rückenmarkserkrankungen können ähnliche Symptome wie Demenz hervorrufen.
  • Sinnesverluste: Schwerhörigkeit oder Blindheit können dazu führen, dass Hunde desorientiert wirken und sich zurückziehen.
  • Harnwegsinfekte: Können ebenfalls zu Verhaltensänderungen führen.
  • Hormonstörungen: Können ebenfalls zu Verhaltensänderungen führen.

Behandlung von Demenz bei Hunden

Demenz ist für Hunde wie auch für Menschen eine bislang unheilbare Krankheit. Jedoch gibt es Vorkehrungen, die getroffen werden können, um das Demenz-Risiko so gering wie möglich zu halten. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Hundes zu verbessern.

Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:

  • Medikamentöse Therapie: Es gibt spezielle Medikamente, die für die Behandlung von CCD bei Hunden entwickelt wurden. Diese Medikamente können helfen, die Gehirnfunktion zu verbessern und die Symptome der Erkrankung zu lindern. Zugelassen ist derzeit nur der Wirkstoff Propentofyllin. Andere Medikamente können je nach individuellem Zustand sinnvoll sein und müssen vom behandelnden Tierarzt ausgewählt werden.
  • Ernährungsumstellung: Eine Ernährung, die reich an Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren und anderen Nährstoffen ist, die die Gehirngesundheit fördern, kann hilfreich sein. Es gibt auch spezielle Futtermittel für Hunde mit kognitiver Dysfunktion.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel wie Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien (Vitamin E, Vitamin C, Selen, Beta-Carotin) und Ginkgo Biloba können die Gehirnfunktion unterstützen. Es ist wichtig, Nahrungsergänzungsmittel immer in Absprache mit Ihrem Tierarzt einzusetzen, da nicht jedes Supplement für jeden Hund geeignet ist und die Dosierung an das individuelle Tier angepasst werden muss.
  • Verhaltensmanagement und Umweltanreicherung: Das Bereitstellen von mentaler und physischer Stimulation ist wichtig, um das Gehirn Ihres Hundes aktiv zu halten. Abwechslungsreiche und variierende Gassirunden mit dem Hund gehen. Längere Spaziergänge sollten Sie vermeiden.
  • Strukturierte Routine: Eine vorhersehbare und strukturierte Routine kann Hunden mit CCD helfen, sich sicherer und weniger ängstlich zu fühlen.
  • Training und kognitive Übungen: Einfache Trainingseinheiten und kognitive Übungen können helfen, das Gehirn Ihres Hundes zu stimulieren. Verstecke Leckerlis oder sein Lieblingsspielzeug im Haus oder Garten und lass deinen Hund danach suchen. Auch ältere Hunde können noch neue Tricks lernen.
  • Stressreduktion: Ein ruhiges und stressfreies Umfeld ist für Hunde mit CCD von Vorteil. Bei verlernter Stubenreinheit sollte ein dementer Hund auf keinen Fall bestraft werden. Treppen oder andere gefährliche Orte in Reichweite des Hundes, sollten abgesichert werden. Ein kleines Nachtlicht kann einem orientierungslosen Hund in der Nacht helfen, sein Umfeld bei Ruhelosigkeit zu navigieren.
  • Anpassung des Wohnraums: Sorgen Sie dafür, dass sich der Hund vor allem in Räumen mit wischbarem Bodenbelägen aufhält. Rollen Sie im Zweifel teure Teppiche und ähnliches für eine Weile vom Boden auf.

Vorbeugung von Demenz bei Hunden

Es gibt zwar keine garantierte Methode, um Demenz bei Hunden vollständig zu verhindern, aber es gibt einige Strategien, die helfen können, das Risiko zu verringern oder zumindest den Beginn der Erkrankung zu verzögern:

  • Geistige und körperliche Stimulation: Regelmäßige Bewegung und geistige Herausforderungen sind wichtig, um das Gehirn Ihres Hundes aktiv und gesund zu halten.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene, altersgerechte Ernährung mit ausreichend Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren kann die Gehirnfunktion unterstützen.
  • Gesundes Gewicht erhalten: Übergewicht kann das Risiko für viele gesundheitliche Probleme, einschließlich CCD, erhöhen.
  • Regelmäßige Gesundheitschecks: Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Tierarzt helfen, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Stress vermeiden: Sorgen Sie für ein ruhiges und stressfreies Umfeld für Ihren Hund.

Leben mit einem Hund mit Demenz

Das Leben mit einem Hund, der an Demenz leidet, kann herausfordernd sein, aber auch bereichernd. Es erfordert Geduld, Verständnis und eine angepasste Lebensweise. Wichtig ist, dass Sie Ihren Hund weiterhin lieben und ihm die bestmögliche Unterstützung bieten.

Hier sind einige Tipps, die Ihnen helfen können, den Alltag mit Ihrem dementen Hund zu erleichtern:

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  • Seien Sie geduldig und verständnisvoll: Bestrafen Sie Ihren Hund nicht, wenn er unsauber ist oder andere Verhaltensauffälligkeiten zeigt. Er kann nichts dafür.
  • Sorgen Sie für eine strukturierte Routine: Feste Fütterungszeiten, Spaziergänge und Schlafenszeiten geben Ihrem Hund Sicherheit.
  • Schaffen Sie eine sichere Umgebung: Entfernen Sie Stolperfallen und sichern Sie Treppen und andere gefährliche Bereiche.
  • Achten Sie auf seine Bedürfnisse: Beobachten Sie Ihren Hund genau und passen Sie seine Pflege und Umgebung an seine Bedürfnisse an.
  • Genießen Sie dieQuality Time: Verbringen SieQuality Time mit Ihrem Hund und schenken Sie ihm viel Liebe und Aufmerksamkeit.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt: Ihr Tierarzt kann Ihnen bei der Bewältigung der Erkrankung helfen und Ihnen Tipps zur Pflege und Behandlung Ihres Hundes geben. Und natürlich sollte das Wohl des Tieres im Mittelpunkt stehen. Die Entscheidung, wann es Zeit ist, Abschied zu nehmen, ist sehr persönlich und sollte in enger Absprache mit dem Tierarzt getroffen werden.

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