Ein veränderter Geschmackssinn kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Ein anhaltend bitterer oder metallischer Geschmack im Mund, Veränderungen in der Geschmackswahrnehmung oder sogar der Verlust des Geschmackssinns sind beunruhigende Symptome. Diese Geschmacksstörungen, auch Dysgeusien genannt, können vielfältige Ursachen haben und bedürfen einer sorgfältigen Abklärung.
Was ist eine Geschmacksstörung (Dysgeusie)?
Eine Dysgeusie ist eine Störung der Geschmackswahrnehmung, bei der die Wahrnehmung von Geschmacksreizen verändert oder verzerrt ist - unabhängig davon, was tatsächlich gegessen oder getrunken wird. Betroffene klagen über einen anhaltend bitteren, metallischen, sauren oder süßen Geschmack im Mund oder auf der Zunge. Einige nehmen den schlechten Geschmack dauerhaft wahr, andere nur zu bestimmten Tageszeiten, etwa morgens nach dem Aufstehen.
Mediziner unterscheiden verschiedene Formen der Dysgeusie:
- Qualitative Dysgeusien:
- Parageusie: Veränderte Geschmackswahrnehmung, bei der ein Geschmack anders wahrgenommen wird als er tatsächlich ist (z.B. Süßes wird als bitter empfunden).
- Phantogeusie: Halluzinatorische Geschmackswahrnehmung, bei der ein Geschmack wahrgenommen wird, obwohl keine entsprechende Substanz vorhanden ist.
- Quantitative Dysgeusien:
- Hypogeusie: Verminderter Geschmacksinn, bei dem die Intensität der Geschmackswahrnehmung reduziert ist.
- Hypergeusie: Überempfindlicher Geschmacksinn, bei dem die Intensität der Geschmackswahrnehmung gesteigert ist.
- Ageusie: Aufgehobener Geschmacksinn, vollständiger Verlust der Fähigkeit, Geschmäcker wahrzunehmen.
Mögliche Ursachen für einen bitteren Geschmack im Mund
Ein bitterer Geschmack im Mund kann verschiedene Ursachen haben. Häufig sind harmlose Faktoren wie eine unzureichende Mundhygiene oder Bitterstoffe in bestimmten Lebensmitteln die Ursache. Manchmal ist ein bitterer Geschmack im Mund jedoch ein Krankheitssymptom. Folgende Ursachen kommen in Frage:
- Ernährung: Bitterstoffe in Lebensmitteln wie Chicorée, Grapefruit oder bestimmten Nüssen.
- Mangelnde Mundhygiene: Unzureichende Zahnpflege führt zur Ansammlung von Bakterien und Plaque, die unangenehme Geschmäcker verursachen können.
- Mund- und Zahnerkrankungen: Zahnfleischentzündungen (Gingivitis, Parodontitis), Karies oder schlecht sitzende Zahnfüllungen (etwa mit Amalgam). Auch eine orale Pilzinfektion (Candidose) kann den Geschmackssinn verändern.
- Mundtrockenheit (Xerostomie): Zu geringe Speichelproduktion, oft verursacht durch Medikamente, Mundatmung, Schnarchen, Schlafen mit offenem Mund, unzureichende Flüssigkeitsaufnahme oder hormonelle Veränderungen.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente verändern als Nebenwirkung den Geschmackssinn oder beeinflussen die Zusammensetzung des Speichels. Besonders häufig betroffen sind Antibiotika, Antidepressiva, Blutdrucksenker und Chemotherapeutika.
- Hormonelle Veränderungen: Während der Schwangerschaft berichten viele Frauen von einem bitteren oder metallischen Geschmack, insbesondere im ersten Trimester. Auch hormonelle Schwankungen in den Wechseljahren beeinträchtigen mitunter die Geschmacksknospen.
- Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder chronische Niereninsuffizienz können Auswirkungen auf den Geschmackssinn haben.
- Neurologische Erkrankungen: Schlaganfälle, Multiple Sklerose oder Parkinson können die Weiterleitung von Geschmackssignalen stören.
- Leber- oder Gallenprobleme: Leber- oder Gallenblasenerkrankungen können zu einem bitteren Geschmack im Mund führen.
- Infektionen und Atemwegserkrankungen: Atemwegsinfekte wie Sinusitis oder Erkältungen verschlechtern die Geschmackswahrnehmung. COVID-19 führt ebenfalls häufig zu anhaltenden Geschmacksveränderungen.
- Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) und Gallenreflux: Magensäure oder Gallenflüssigkeit steigt in die Speiseröhre und den Mundraum auf.
- Stiller Reflux: Magensäure steigt in den Rachenraum auf - meist ohne Sodbrennen.
- Magenschleimhautentzündung (Gastritis): Kann Einfluss auf die Produktion der Magensäure haben und zu Geschmacksstörungen führen.
- Psychische Probleme und Stress: Mitunter führen auch psychische Probleme und Stress zu einem bitteren Geschmack im Mund.
- Zunehmendes Alter: Mit zunehmendem Alter ist eine Geschmacksveränderung möglich.
Mögliche Ursachen für einen metallischen Geschmack im Mund
Ein metallischer Geschmack im Mund kann ebenfalls vielfältige Ursachen haben:
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- Medikamente: Antibiotika (z. B. Metronidazol), Antidepressiva, Blutdrucksenker sowie Präparate mit Eisen, Zink oder Kupfer.
- Medizinische Therapien: Chemotherapie oder Strahlentherapie im Kopf- und Halsbereich.
- Zahnfleisch- und Zahnerkrankungen: Zahnfleischentzündung (Gingivitis) oder fortgeschrittene Parodontitis. Zahnfüllungen aus Metall, insbesondere Amalgam.
- Mangelnde Mundhygiene: Unzureichende Zahnreinigung führt zur Ansammlung von Bakterien und Plaque.
- Nahrungsergänzungsmittel: Einnahme von Eisen-, Zink- oder Kupferpräparaten.
- Metallhaltige Lebensmittel: Verzehr von Meeresfrüchten oder konservierten Lebensmitteln aus Dosen.
- Gesundheitliche Erkrankungen: Infektionen der Atemwege, Pilzinfektionen im Mund (orale Candidose), chronische Erkrankungen (Diabetes, Nieren- oder Leberfunktionsstörungen, Refluxkrankheit), neurologische Störungen (Alzheimer oder Parkinson).
- Schwangerschaft: Hormonelle Umstellungen, insbesondere im ersten Trimester.
- Umwelt- und Alltagsfaktoren: Kontakt mit Schwermetallen, metallisches Besteck oder Kochgeschirr.
Zungenbrennen (Burning Mouth Syndrome)
Ein brennender Schmerz auf der Zunge, oft begleitet von einem veränderten Geschmacksempfinden und Mundtrockenheit, wird als Zungenbrennen oder Burning Mouth Syndrome (BMS) bezeichnet. Betroffen sind vor allem Frauen nach den Wechseljahren.
Ursachen von Zungenbrennen
Die Ursachen für Zungenbrennen sind vielfältig und oft nicht eindeutig zu identifizieren. Mediziner unterscheiden zwischen primärem und sekundärem Zungenbrennen:
- Primäres Zungenbrennen: Hier liegt keine erkennbare Grunderkrankung vor. Neurologen haben bei Patienten mit Zungenbrennen teilweise Veränderungen feinster sensibler Nervenfasern festgestellt. Psychische Faktoren wie Ängstlichkeit, Schlafstörungen oder Anspannung können die Beschwerden begünstigen.
- Sekundäres Zungenbrennen: Hier ist das Zungenbrennen eine Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung, wie z.B.:
- Mund- und Zahnprobleme (Karies, schlecht sitzende Prothesen, Zahnfleischentzündungen, Pilzinfektionen).
- Innere Erkrankungen (hormonelle Störungen, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Verdauungskrankheiten wie Reflux, Autoimmunerkrankungen, Vitaminmangel).
- Neurologische Störungen (Multiple Sklerose, Trigeminusneuralgie).
- Medikamente (ACE-Hemmer, Antidepressiva).
Symptome von Zungenbrennen
- Brennender Schmerz auf der Zunge, meist im vorderen Bereich.
- Betrifft auch die Schleimhaut der Wangen, des Gaumens und der Lippen.
- Verstärkung der Beschwerden durch bestimmte Speisen (Saures, Pikantes).
- Ständig bitterer oder metallischer Geschmack.
- Veränderte Geschmackswahrnehmung (Dysgeusie).
- Gefühl der Mundtrockenheit.
- Stärkere Ausprägung der Beschwerden am Abend.
Geschmacksstörungen in den Wechseljahren
Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren können sich auf den Geschmackssinn auswirken. Viele Frauen berichten von einem bitteren oder metallischen Geschmack im Mund, der durch die hormonellen Schwankungen verursacht wird. Auch das Burning Mouth Syndrome tritt häufiger bei Frauen nach der Menopause auf.
Metallischer Geschmack im Mund bei Kindern
Wenn Kinder über einen metallischen Geschmack im Mund klagen, ist dies für Eltern oft beunruhigend. In den meisten Fällen steckt jedoch eine harmlose Ursache dahinter:
- Mangelhafte Mundhygiene: Unregelmäßiges Zähneputzen oder Zahnfleischreizungen.
- Medikamente: Antibiotika, fiebersenkende Säfte oder eisenhaltige Präparate.
- Ernährung und Vitamine: Lebensmittel mit hohem Metallgehalt (z. B. Fischkonserven) oder Nahrungsergänzungen wie Zink oder Eisen.
- Infektionen: Mundsoor (Pilzinfektion), Erkältungen oder Nasennebenhöhlenentzündung.
- Fremdkörper: Metallgegenstände im Mund (z. B. Münzen oder Spielzeug).
- Seltene Auslöser: Schwermetallvergiftung oder chronische Erkrankung wie Diabetes mellitus.
Diagnose von Geschmacksstörungen
Um die Ursache einer Geschmacksstörung zu finden, ist eine gründliche Untersuchung erforderlich. Diese umfasst in der Regel:
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- Anamnese: Ausführliches Gespräch über die Art und Dauer der Geschmacksstörung, Begleitsymptome, Medikamenteneinnahme und Vorerkrankungen.
- Körperliche Untersuchung: Inspektion der Mundhöhle, Zähne und Zunge, Abtasten des Bauches zur Erkennung von Magenproblemen, Reflux oder Erkrankungen der Leber und Gallenblase.
- Geschmackstests: Testen der verschiedenen Geschmacksrichtungen (süß, sauer, salzig, bitter, umami) zur Beurteilung des Geschmackssinns.
- Blutuntersuchungen: Überprüfung von Blutbild, Blutzuckerwerten, Nierenwerten, Schilddrüsenfunktion, Vitamin- und Mineralstoffspiegel.
- Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen wie eine Magenspiegelung, eine neurologische Untersuchung oder eine Allergietestung erforderlich sein.
Was hilft gegen einen bitteren oder metallischen Geschmack im Mund?
Die Behandlung von Geschmacksstörungen richtet sich nach der Ursache. Oft lassen sich die Beschwerden durch einfache Maßnahmen lindern. In anderen Fällen ist eine gezielte medizinische Therapie erforderlich.
Allgemeine Maßnahmen
- Gründliche Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen, Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide und Verwendung eines Zungenreinigers.
- Viel trinken: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr regt die Speichelproduktion an und spült Geschmacksstoffe aus dem Mundraum.
- Bestimmte Lebensmittel meiden: Kaffee, Alkohol, stark gewürzte oder fettige Speisen sowie sehr saure Lebensmittel. Auch künstliche Süßstoffe und stark verarbeitete Lebensmittel können die Geschmackswahrnehmung negativ beeinflussen.
- Zuckerfreies Kaugummi oder Bonbons lutschen: Regt die Speichelproduktion an, was besonders bei Mundtrockenheit hilfreich ist.
Behandlung nach Ursache
- Refluxkrankheit und stiller Reflux: Magensäurehemmende Medikamente (Protonenpumpenhemmer), Vermeidung von spätem Essen, fettigen Speisen und kohlensäurehaltigen Getränken, Schlafen mit leicht erhöhtem Oberkörper.
- Gastritis und Magenprobleme: Medikamente und eine angepasste Ernährung, Magenschutzpräparate.
- Mundtrockenheit (Xerostomie): Speichelersatzmittel oder spezielle Mundsprays, viel Wasser oder Kräutertee trinken, Kaugummikauen.
- Mund- und Zahnerkrankungen: Zahnärztliche Behandlung, Antimykotika bei Pilzinfektionen.
- Leber- oder Gallenprobleme: Fettarme, ballaststoffreiche Ernährung, gallenflussfördernde Medikamente, operative Entfernung der Gallenblase in schweren Fällen.
- Infektionen und Atemwegserkrankungen: Antibiotika-Therapie, Nasenspülungen mit Kochsalzlösung.
- Medikamentenbedingte Geschmacksveränderungen: Ärztliche Abklärung, ob andere Arzneimittel infrage kommen.
Hausmittel
- Zitrusfrüchte & Minze: Zitronen, Orangen oder frische Minzblätter wirken geschmacksneutralisierend.
- Spülung mit Salz- oder Natronlösung: Reduziert Bakterien und gleicht den pH-Wert im Mund aus.
- Frischer Ingwer kauen: Regt die Speichelproduktion an und wirkt antibakteriell.
- Tee trinken: Kräutertees mit Salbei, Kamille oder Pfefferminze beruhigen die Mundflora.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Eine ärztliche Untersuchung ist ratsam, wenn:
- der bittere oder metallische Geschmack über Wochen anhält,
- zusätzliche Beschwerden wie Sodbrennen, Mundtrockenheit oder Übelkeit auftreten,
- ungeklärter Gewichtsverlust oder anhaltende Erschöpfung hinzukommen.
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