Schlaganfallversorgung im Fokus: Christoph Gumbinger und die Neurologie in Heidelberg

Ein Schlaganfall ist ein Notfall, bei dem jede Minute zählt. Umso wichtiger ist eine schnelle und adäquate Versorgung der Betroffenen, um Folgeschäden zu minimieren oder gar zu verhindern. Die Neurologische Universitätsklinik Heidelberg spielt hierbei eine zentrale Rolle, insbesondere durch die Arbeit von Professor Dr. Peter Ringleb und Dr. Christoph Gumbinger, Oberarzt in der Neurologie und Poliklinik, Ärztliche Leitung der Neuro 05 - Stroke Unit und Neurologische Überwachungsstation des Universitätsklinikums Heidelberg. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Schlaganfallversorgung, die Bedeutung von Stroke Units, telemedizinischen Netzwerken und die Forschung in Heidelberg.

Die Dringlichkeit der schnellen Behandlung

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist schnelles Handeln gefragt. Betroffene müssen so rasch wie möglich in ein Krankenhaus mit einer spezialisierten Schlaganfallstation, einer sogenannten Stroke Unit, gebracht werden. Eine Studie unter der Federführung der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg hat gezeigt, dass 60 Prozent aller Schlaganfall-Patienten in Baden-Württemberg die Klinik erst erreichen, wenn das Zeitfenster für die Thrombolyse bereits geschlossen ist. Die Thrombolyse ist eine medikamentöse Behandlung, bei der die Durchblutung im Gehirn wiederhergestellt werden soll.

Die Bedeutung von Stroke Units

Stroke Units sind spezialisierte Schlaganfallstationen, die eine umfassende Diagnostik und Therapie rund um die Uhr gewährleisten. Studien haben gezeigt, dass die Behandlung auf einer Stroke Unit insgesamt und über die Lysetherapie hinaus dazu beiträgt, Todesfälle und schwere Behinderungen nach Schlaganfall zu verhindern. Dies ist auf ein speziell geschultes Behandlungsteam und umfassende Diagnostik zurückzuführen. Die Stroke Unit der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg ist mit 20 Betten und rund 900 Patienten pro Jahr eine der größten spezialisierten Schlaganfall-Stationen Europas.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass 17 Prozent der Patienten, die rechtzeitig zur Thrombolyse in der Klinik eintreffen, in Krankenhäusern ohne Stroke Unit behandelt werden. Dort wird die Lysetherapie deutlich seltener eingesetzt als in spezialisierten Kliniken, was die Chancen auf ein Überleben ohne schwere Behinderungen mindert. Es wäre daher wünschenswert, dass Rettungsdienste im Verdachtsfall noch konsequenter als bisher schon Krankenhäuser mit Stroke Unit ansteuern.

Teleneurologische Netzwerke als Lösung für die Fläche

In Regionen, in denen keine spezialisierten neurologischen Abteilungen vorhanden sind, können telemedizinische Schlaganfallnetzwerke, sogenannte Telestroke-Netzwerke, eine gute Versorgung sicherstellen. Per Videokonferenz werden Schlaganfallexperten aus Neurologischen Stroke Units beratend zugeschaltet. Die Tele-Stroke-Units gewährleisten eine hochwertige Versorgung von Patienten in Krankenhäusern, die nicht selbst über neurologische Abteilungen verfügen.

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Das Teleneurologische Schlaganfallnetzwerk Heidelberg, initiiert mit Hilfe der Landesstiftung Baden-Württemberg, ist ein Zusammenschluss der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg mit neun regionalen Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung. Wenn in den Partnerkrankenhäusern kein Neurologe vor Ort verfügbar ist, werden Patienten per Audio-Video-Konferenz gemeinsam vom internistischen Dienstarzt und Neurologen in Heidelberg untersucht. Modernste Technik erlaubt eine detaillierte teleneurologische Untersuchung der Patient:innen vor Ort. Cerebrale Bildgebungsverfahren werden parallel an die Abteilung Neuroradiologie und an die Neurologische Klinik in Heidelberg übermittelt und von den Neurologen und Neuroradiologen beurteilt, einschließlich eines AI-gestützten Post-Processings von Perfusionsdaten der Partnerkliniken.

Dieses System gewährleistet eine hochqualifizierte, wohnortnahe Rund-um-die-Uhr-Versorgung für Schlaganfall-Patienten, indem Diagnose und Behandlung im Team mit den Experten der Neurologischen Klinik Heidelberg erfolgen. Ziel ist es insbesondere, Patienten, die für eine systemische Thrombolyse in Frage kommen, schnell vor Ort zu identifizieren und somit die Zeit für den Transport nach Heidelberg einzusparen. Patienten, die für eine Intervention in Frage kommen, eine große Blutung haben oder bei denen andere neurologische Erkrankungen gefunden werden, die vor Ort nicht versorgt werden können, werden gezielt nach Heidelberg übernommen.

Die Rolle der Universitätsklinik Heidelberg

Das Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) ist Zentrum des regionalen Teleneurologie-Netzwerks. Pro Jahr untersuchen die Experten rund 2.800 Patienten telemedizinisch. Die konsequente Vernetzung ermöglicht Betroffenen den bestmöglichen Outcome.

Die Experten des Heidelberger Zentrums unterstützen die Kollegen vor Ort, indem sie die Untersuchung des Patienten mit einer fernsteuerbaren hochauflösenden Kamera durchführen. Zudem ermöglicht die Anbindung an eine gemeinsame IT-Infrastruktur über die Neuroradiologie am UKHD, dass die Experten direkt auf die Ergebnisse von Untersuchungen wie einer Computer-Tomografie zugreifen können. So kann mit Hilfe der Teleneurologie die Therapie schneller eingeleitet werden, ohne den Zeitverlust durch Krankentransporte über weite Strecken.

Das Universitätsklinikum Heidelberg war seit 1995 maßgeblich an der Entwicklung und Einführung der Thrombolyse beteiligt, der bisher einzigen zugelassenen medikamentösen Akut-Therapie des Schlaganfalls. Aktuell prüfen die Heidelberger Schlaganfall-Experten im Rahmen von Studien unter anderem, ob Patienten auch jenseits des empfohlenen Zeitfensters von 4,5 Stunden noch von einer Thrombolyse profitieren.

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Forschungsaktivitäten und Studien

Die Neurologische Universitätsklinik Heidelberg engagiert sich stark in der Schlaganfallforschung. Ein Beispiel hierfür ist die Studie der baden-württembergischen AG Schlaganfall der Geschäftsstelle Qualitätssicherung im Krankenhaus (GeQiK), ein Kooperationsprojekt der Universitätskliniken Heidelberg, Mannheim und Freiburg. Die Arbeitsgruppe unter Leitung von Professor Dr. Peter Ringleb und Dr. Christoph Gumbinger wertete Daten der GeQiK zur stationären Behandlung von Schlaganfallpatienten aller Krankenhäuser in Baden-Württemberg der Jahre 2008 bis 2012 aus.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass 40 Prozent der Patienten innerhalb von 4,5 Stunden nach Beginn der Symptome und damit rechtzeitig für eine Lysetherapie in die Klinik kamen. In Schlaganfallzentren wurde bei 44 Prozent dieser Patienten umgehend die Thrombolyse eingeleitet. In Krankenhäusern ohne Stroke Unit erhielten nur 13 Prozent der rechtzeitig ankommenden Patienten eine Thrombolyse. Besonders ältere Patienten mit bereits vorbestehenden körperlichen Beeinträchtigungen blieben häufig unterversorgt.

Herausforderungen und Ausblick

Trotz der Fortschritte in der Schlaganfallversorgung gibt es weiterhin Herausforderungen. Dazu gehören die Verbesserung der flächendeckenden Versorgung, die Optimierung der teleneurologischen Netzwerke und die Sicherstellung einer ausreichenden Finanzierung. Ein weiteres Problem ist die technische Ausstattung der Einrichtungen, insbesondere die notwendige schnelle Bildübertragung für eine rasche Entscheidungsfindung.

Die Mitglieder der Kommission „Telemedizinische Schlaganfallversorgung“ der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) sind sich einig, dass sie gemeinsam die telemedizinische Schlaganfallbehandlung verbessern können. Die konsequente Vernetzung mit allen Beteiligten in der Gesundheitsversorgung ist essenziell für die optimale und flächendeckende Versorgung von Schlaganfall-Patienten.

Prävention und Aufklärung

Neben der Akutversorgung spielt die Prävention eine wichtige Rolle. Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und Übergewicht sollten vermieden oder behandelt werden. Zudem ist eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung über die Symptome eines Schlaganfalls und die Notwendigkeit eines schnellen Handelns von großer Bedeutung.

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Die Ärzte an den Neckar-Odenwald-Kliniken und Prof. Dr. med. Christoph Gumbinger informieren regelmäßig über Schlaganfall-Vorboten, typische Symptome und Anzeichen sowie über die Behandlung auf der lokalen Schlaganfalleinheit (Stroke Unit) in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Heidelberg. Sie geben auch praktische Tipps zur Vorbeugung.

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