Otto Waalkes, ein Name, der in Deutschland untrennbar mit Komik, Blödelei und Sprachakrobatik verbunden ist. Bekannt für seinen unverkennbaren "Tarzanruf", die Ottifanten und unzählige Sketche, hat sich Waalkes über Jahrzehnte hinweg als einer der prägendsten Komiker des Landes etabliert. Seine Autobiografie "Kleinhirn an alle" bietet nun einen umfassenden Einblick in das Leben und Schaffen dieses vielseitigen Künstlers.
Kindheit und Jugend in Emden: Der Grundstein für den Komiker
Otto Waalkes wuchs in Emden auf, in einer Umgebung, die er selbst als "heile Welt" beschreibt. Seine Mutter war eine streng gläubige Baptistin, sein Vater ein toleranter Malermeister. In diesem liebevollen Umfeld entwickelte er schon früh seinen Hang zur Komik. Bereits im Kindergarten übernahm er kleine Rollen, etwa als Puppendoktor, der mit einer Zange den Puppen den Hals abschneiden wollte. Sein Vater baute ihm ein Kasperletheater, mit dem er im Hof vor vielen Kindern auftrat und mit dem er schon früh Erfolge feierte. Er untermalte seine Auftritte musikalisch mit einer Harfe und ließ ein Krokodil auftreten. Mit elf Jahren trat er bei einem Kindermusikwettstreit eines Kaufhauses auf, und mit vierzehn war er bereits Mitglied einer Band, in der er als Kleinster auf einer Kiste stehen musste.
Das Kunststudium in Hamburg: Der Weg zur Bühne
Nach dem Abitur zog Otto Waalkes nach Hamburg, um Kunst zu studieren. Dort versuchte er, sein Studium mit Auftritten in kleinen Blues-Clubs zu finanzieren, bei denen er Gitarre spielte. Diese Zeit markierte den Übergang von der bildnerischen zur darstellenden Kunst. Durch eine Schallplatte wurde er einem breiteren Publikum bekannt.
Der Durchbruch in den 1970er-Jahren: Ottifanten und TV-Auftritte
Der Durchbruch gelang Otto Waalkes in den 1970er-Jahren mit der BRAVO-Ottifanten-Comicserie und seinen ersten TV-Auftritten. Seine ungezwungene Art bildete einen Gegenentwurf zu bierernstem Kabarett. Er debütierte in einer Ära, in der Kabarett und Comedy-Programme politisches Satireschaffen erlebten.
"Otto - Der Film" und der Aufstieg zum Unternehmen
Mit dem Film "Otto - Der Film" erreichte Otto Waalkes den Höhepunkt seines Erfolgs. In der Autobiografie beschreibt er, wie er mit dem größer werdenden Erfolg zu einem Unternehmen wurde. Er legt jedoch Wert darauf, ein freundschaftliches Verhältnis zu seinen Mitarbeitern zu pflegen.
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Die Zusammenarbeit mit Robert Gernhardt, Bernd Eilert und Peter Knorr: Das Erfolgsrezept
Ein wichtiger Faktor für den Erfolg von Otto Waalkes war die langjährige Zusammenarbeit mit den Frankfurter Autoren Robert Gernhardt, Bernd Eilert und Peter Knorr. Gemeinsam entwickelten sie die Texte für Film und Bühne. In der Zusammenarbeit durfte man in jede Richtung denken, ohne gebremst zu werden. So entstanden Reime und Wortspiele, die zu Markenzeichen von Otto Waalkes wurden.
Selbstkritik und Ehrlichkeit in "Kleinhirn an alle"
In seiner Autobiografie "Kleinhirn an alle" verrät Otto Waalkes nicht nur viel über sich selbst, sondern spart auch nicht mit Selbstkritik. Er erwähnt Eigenschaften wie schlechte Menschenkenntnis, Eitelkeit und die Sucht nach Aufmerksamkeit, seine gescheiterten Ehen und beruflichen Misserfolge. Auch liefert er kluge Gedanken dazu, wie Komik überhaupt funktioniert, und eine kleine Humor- und Musikgeschichte im Nachkriegsdeutschland.
Die Frage nach der Wahrheit: "Nach einer wahren Geschichte"
Der Untertitel des Buches lautet "Nach einer wahren Geschichte". Dies wirft die Frage auf, inwieweit die Autobiografie der Wahrheit entspricht. Otto Waalkes selbst betont, dass alles wahr sei, da er es ja selbst geschrieben habe. Dennoch lässt er Raum für Interpretationen und spielt mit der Realität.
Das "Tatort"-Angebot: Eine Anekdote
Otto Waalkes erzählt in seiner Autobiografie von einem Angebot, einen "Tatort"-Kommissar zu spielen. Er nahm das Angebot unter der Bedingung an, ins Drehbuch einige Otto-Zeilen einfügen zu dürfen. Letztendlich lehnte er das Angebot jedoch ab, da er es als zu ernst empfand.
Das Was-wäre-wenn-Spiel: Otto als Kunstlehrer
Otto Waalkes liebt das Was-wäre-wenn-Spiel. Er erzählt von einem Praktikum als Kunstlehrer, bei dem die Schüler immer nur seinen "Tarzanruf" hören wollten. Er erkannte, dass er als Lehrer nicht ernst genommen werden würde und entschied sich gegen diesen Berufsweg.
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Otto Waalkes als Marke: Multimedial und vielseitig
Otto Waalkes ist nicht nur ein Komiker, sondern eine multimediale Marke. Seine ersten Bühnenauftritte waren noch mit knallroter Perücke und Kinderzaubertricks garniert. Vor seiner Comedy-Karriere begeisterte er sich für Blues und Folk. In seinen Pausen malt er cartoonhafte Skizzen, die den visuellen Stil vieler Ottifanten-Cartoons prägen.
"Kleinhirn an alle": Mehr als eine Promi-Biografie
"Kleinhirn an alle" ist mehr als eine Promi-Biografie. Es ist eine Dialektik zwischen Bühne und Alltag, die zeigt, wie Humor Krisen überwindet und Gemeinschaft stiftet. Die Prosa spiegelt Ottos Bühnenpersona wider: locker, mit kurzen, witzigen Anekdoten, aber auch nachdenklichen Passagen, wenn es um Verluste oder Ängste geht. Eilert lässt bewusst Skizzen und Illustrationen des Ottifanten einfließen, die Kapitel beginnen oft mit einem humoristischen Cartoon.
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