Panikstörung, Taubheitsgefühle, Schulter-Arm-Syndrom: Ursachen und Behandlung

Taubheitsgefühle in Schultern und Armen können beunruhigend sein und vielfältige Ursachen haben. Oftmals sind sie Begleiterscheinungen von Panikattacken oder Angststörungen, können aber auch auf körperliche Probleme wie das Schulter-Arm-Syndrom, Nervenkompressionen oder Durchblutungsstörungen hinweisen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Taubheitsgefühlen in Schultern und Armen im Zusammenhang mit Panikstörungen und dem Schulter-Arm-Syndrom und bietet Informationen zu Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Panikattacken und ihre körperlichen Auswirkungen

Was ist eine Panikattacke?

Eine Panikattacke ist durch eine plötzliche und intensive Angst gekennzeichnet, die oft ohne erkennbaren Auslöser auftritt. Die Symptome können sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein und erreichen meist innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt.

Körperliche Symptome einer Panikattacke

Zu den häufigsten körperlichen Symptomen einer Panikattacke gehören:

  • Herzrasen oder Herzklopfen
  • Atemnot
  • Schwindel oder Benommenheit
  • Zittern oder Schütteln
  • Hitzewallungen oder Schweißausbrüche
  • Brustschmerzen
  • Übelkeit oder Bauchschmerzen
  • Taubheit oder Kribbeln, vor allem in den Gliedmaßen

Psychische Symptome einer Panikattacke

Neben den körperlichen Symptomen können auch psychische Symptome auftreten, wie zum Beispiel:

  • Intensive Angst oder Furcht
  • Todesangst
  • Depersonalisation oder Derealisation (das Gefühl, sich selbst oder die Umgebung als fremd oder unwirklich wahrzunehmen)

Panikattacke oder Herzinfarkt?

Die Symptome einer Panikattacke können denen eines Herzinfarkts ähneln, was vor allem für Betroffene sehr beängstigend sein kann. Angst, Atemnot, Übelkeit und Schwindelgefühl sind typische Symptome beider Zustände.

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Es gibt jedoch Unterschiede: Treten starke Schmerzen auf? Sitzt der Schmerz mehr in der Mitte der Brust? Gibt es Risikofaktoren für eine Herzerkrankung? Dennoch ist es für medizinische Laien oft schwierig, eine Panikattacke von einem Herzinfarkt zu unterscheiden. Daher ist es ratsam, bei erstmaligem Auftreten dieser Symptome einen Arzt aufzusuchen.

Was passiert im Körper bei einer Panikattacke?

Bei einer Panikattacke signalisiert das Gehirn Gefahr, obwohl keine reale Bedrohung vorliegt. In der Folge werden Stresshormone ausgeschüttet, was zu einer Kaskade von Mechanismen führt: Die Muskulatur spannt sich an, die Atmung wird schneller, der Herzschlag wird beschleunigt. Diese Reaktion ist entwicklungsgeschichtlich bedingt und dient dazu, in Gefahrensituationen schnell fliehen oder kämpfen zu können.

Ursachen von Panikattacken

Die genauen Ursachen für das Entstehen einer Panikattacke sind noch nicht vollständig verstanden. Es gibt jedoch drei relevante Faktoren, die die Anfälligkeit für die Entwicklung einer krankhaften Angst erhöhen können:

  1. Neurologischer Faktor: Das Furchtnetzwerk im Gehirn ist überempfindlich.
  2. Genetische Komponente: Diese Überempfindlichkeit kann genetisch bedingt sein.
  3. Psychologische Komponente: Lebensbelastungen und Stress können die biologische Überempfindlichkeit verstärken.

Was hilft im Akutfall?

Es gibt verschiedene Strategien, die bei einer Panikattacke kurzfristig helfen können:

  • Atemübungen (z. B. Atemzüge zählen, Luft anhalten)
  • Aufmerksamkeit von den Symptomen weg nach außen richten (z. B. Sinne ansprechen: Was sehe, höre, schmecke, fühle ich?)
  • Äußere Reize setzen (z. B. vor den Kühlschrank stellen, Eiswürfel in die Hand nehmen, Gesicht in kaltes Wasser tauchen)
  • Sich vor Augen führen, dass die Panikattacke nichts Gefährliches ist

Wie können Außenstehende helfen?

Außenstehende können beruhigend auf die Betroffenen einwirken, indem sie sie abschirmen, die Kleidung lockern und eine bequeme Sitz- oder Liegeposition ermöglichen. Auch gemeinsame Atemübungen können im Akutfall unterstützen. Wichtig ist, die Person nicht einzuengen.

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Panikattacke - bin ich psychisch krank?

Etwa jeder fünfte Mensch erleidet einmal im Leben eine Panikattacke. Eine einmalige Panikattacke ist unangenehm, aber keine Krankheit. Daraus kann jedoch eine Panikstörung entstehen, bei der die Betroffenen so viel Angst vor der nächsten Panikattacke entwickeln, dass sie sich zurückziehen und ihr Leben einschränken.

Wann ist eine Therapie sinnvoll?

Die Notwendigkeit einer Therapie hängt vom persönlichen Empfinden und Leidensdruck ab. Wenn die Panikattacke das Leben stark beeinträchtigt oder Angst vor weiteren Attacken besteht, ist eine Beratung oder Therapie ratsam.

Langfristige Behandlung von Panikattacken

Langfristig beruht die Behandlung einer Panikstörung auf zwei Säulen:

  1. Medikamentöse Behandlung: Einnahme bestimmter Antidepressiva, die sich in der Behandlung von Angsterkrankungen als wirksam erwiesen haben.
  2. Psychotherapie: Vor allem die kognitive Verhaltenstherapie.

Ein wichtiger Teil der Verhaltenstherapie ist die Exposition, bei der sich die Betroffenen gezielt angstauslösenden Situationen stellen, um die Angst zu bewältigen.

Selbsthilfestrategien zur langfristigen Bewältigung

Neben professioneller Hilfe gibt es verschiedene Ansätze, die Betroffene selbst anwenden können, um Panikattacken langfristig zu bewältigen:

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  • Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hilft, Zusammenhänge zu verstehen, Gedanken neu zu bewerten, Körperreaktionen einzuordnen, Exposition zu üben und neue Bewältigungsstrategien aufzubauen.
  • Expositionsübungen: Schrittweise Annäherung an angstauslösende Situationen, um dem Körper zu zeigen, dass die befürchtete Gefahr nicht eintritt und die Angst von selbst nachlässt.
  • Stressmanagement und Entspannung: Regelmäßige Ruhephasen und bewusstes Abschalten, Entspannungstechniken wie tiefe Bauchatmung, progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitsübungen oder Yoga können helfen, den Körper zu beruhigen und innere Anspannung abzubauen.
  • Lebensstilfaktoren: Ausreichender Schlaf, regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, geringer Konsum von Koffein, Alkohol oder Nikotin, bewusste Pausen im Alltag und reizarme Phasen können das Nervensystem stärken und die Stresstoleranz erhöhen.

Das Schulter-Arm-Syndrom

Was ist das Schulter-Arm-Syndrom?

Unter dem Schulter-Arm-Syndrom (auch Zervikobrachialgie oder Zervikobrachial-Syndrom genannt) versteht man einen Komplex an unterschiedlichen Symptomen rund um Nacken, Schultern und Arme. Es handelt sich nicht um eine klar abgrenzbare Erkrankung oder Verletzung, sondern um einen Symptomkomplex.

Symptome des Schulter-Arm-Syndroms

Schulterschmerzen gelten als Leitsymptom. Der Schmerz zieht bei vielen Menschen in den Oberarm und macht das Anheben des Armes über Kopf oder bestimmte Rotationsbewegungen schwierig. Oft quält die Schulter auch nachts.

Ursachen des Schulter-Arm-Syndroms

Die häufigste Ursache für das Schulter-Arm-Syndrom sind muskulär-fasziale Probleme an der Halswirbelsäule: knotige, schmerzende Verspannungen, eine zu hohe Spannung in den Faszien oder ein muskuläres Ungleichgewicht. Unser moderner Alltag ist stark durch sitzende Tätigkeiten geprägt, was langfristig Folgen für den Bewegungsapparat hat.

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Impingement-Syndrom (schmerzhafte Engstelle in der Schulter)
  • Frozen-Shoulder-Syndrom (Entzündungen in der Schulter, Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen)
  • Kalkschulter (Ablagerungen von Kalk in den Sehnen der Rotatorenmanschette)
  • Schulterarthrose (Verschleiß des Knorpels in einem der Gelenke der Schulter)

Behandlung des Schulter-Arm-Syndroms

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Zu einem chirurgischen Eingriff wird nur geraten, wenn alle anderen Behandlungsoptionen versagt haben oder wenn akute Probleme vorliegen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind:

  • Physiotherapie: Um die muskulären Spannungen zu normalisieren und die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Faszientherapie: Um die Bindegewebe-Struktur wieder elastischer und geschmeidiger zu machen.
  • Schmerzmittel: Zur kurzfristigen Linderung von Schmerzen.
  • Übungen: Spezielle Übungen zur Dehnung und Kräftigung der Schulter- und Nackenmuskulatur.

Übungen gegen das Schulter-Arm-Syndrom

Eine Übung, die bei Schulter-Arm-Syndrom helfen kann, ist die folgende:

  1. Stellen Sie sich ganz dicht vor eine Wand, sodass Ihre rechte Schulter direkten Kontakt zur Wand hat.
  2. Lassen Sie Ihren Schulterbereich eng an der Wand und drehen Sie den Oberkörper langsam weiter nach links, um eine intensive Dehnung in der rechten Schulter zu erzeugen.
  3. Drücken Sie jetzt Ihren rechten Arm 10 Sekunden lang mit voller Kraft gegen die Wand. Dabei versuchen Sie, sich mit dem Oberkörper noch weiter nach links von der Wand wegzudrehen.
  4. Bleiben Sie in Ihrer Ausgangsposition und stellen Sie sich nun vor, dass Sie Ihren rechten Arm von der Wand lösen möchten, um ihn aus der eigenen Muskelkraft kurz vor der Wand zu halten.

Führen Sie diese Übung zunächst am betroffenen Arm durch. Sie können die Übung auch oberhalb der Schulterhöhe durchführen.

Taubheitsgefühle: Ursachen und Behandlung

Wie entsteht ein Taubheitsgefühl?

Ein Taubheitsgefühl (Hypästhesie) entsteht durch eine verringerte Sensibilität der Haut. Der Gefühlssinn ist gestört und es können keine oder nur noch eingeschränkt Informationen über äußere Reize (Wärme, Kälte, Berührung, Druck, Schmerzen, Vibrationen) an das Gehirn weitergeleitet werden. Ein vollständiger Ausfall des Gefühlssinns wird als Anästhesie bezeichnet.

Mögliche Ursachen von Taubheitsgefühlen

Hinter einem Taubheitsgefühl können verschiedenste Ursachen stecken. In einigen Fällen sind diese harmlos, ein immer wiederkehrendes Taubheitsgefühl kann aber auch auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten. Tritt das Symptom häufiger auf, sollte deswegen unbedingt ärztlicher Rat gesucht werden.

Zu den möglichen Ursachen gehören unter anderem:

  • Durchblutungsstörungen
  • Eingeklemmte Nerven
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Polyneuropathie
  • Bandscheibenvorfall
  • Schlaganfall
  • Infektionen
  • Mangelerscheinungen
  • Tumore

Durchblutungsstörungen als Ursache

Kältebedingte, kurzfristige Durchblutungsstörungen sind in der Regel harmlos. Bei einer Durchblutungsstörung ohne erkennbare Ursache sollte jedoch zeitnah ärztlicher Rat gesucht werden, da Erkrankungen wie Arteriosklerose oder die Raynaud-Krankheit dahinter stecken können.

Eingeklemmte Nerven als Ursache

Taubheitsgefühle in Armen, Beinen, Händen und Füßen, die durch einen eingeklemmten Nerv verursacht werden, hat wahrscheinlich jeder Mensch schon einmal erlebt. Durch eine falsche Körperhaltung wird ein Nerv abgeklemmt und die Reizweiterleitung dadurch gestört. Sobald wir das eingeschlafene Körperteil ein wenig bewegen, verschwindet das taube Gefühl in der Regel von selbst wieder. Ist dies nicht der Fall oder tritt die Beschwerde häufiger auf, steckt vermutlich eine andere Ursache dahinter, die ärztlich abgeklärt werden sollte.

Karpaltunnelsyndrom

Kommt es in den Fingern zu einem ständig wiederkehrenden Taubheitsgefühl und einem unangenehmen Kribbeln, steckt oft ein Karpaltunnelsyndrom hinter den Beschwerden. Dabei wird der Mittelhandnerv beim Durchtritt durch den Handwurzelkanal eingeengt.

Polyneuropathie

Unter einer Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems zu verstehen, die mit Missempfindungen und Taubheitsgefühlen - häufig in den Händen und Füßen - einhergeht. Diese werden durch gereizte, entzündete oder geschädigte Nervenbahnen ausgelöst.

Bandscheibenvorfall

Bei einem Bandscheibenvorfall können durch Druck auf die Nervenwurzel starke Schmerzen im jeweiligen Versorgungsgebiet des Nervs entstehen. Häufig werden diese von Kribbeln oder einem Taubheitsgefühl im Lendenbereich oder den Beinen begleitet.

Schlaganfall

Bei einem Schlaganfall wird das Gehirn nicht mehr mit ausreichend Blut und somit auch nicht mehr mit genügend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Durch nervale Ausfälle kann es passieren, dass sich Arme oder Beine taub anfühlen und nicht mehr bewegt werden können. Typischerweise treten die Taubheitsgefühle einseitig auf.

Infektionen

Verschiedenste Infektionen mit Bakterien oder Viren können ein taubes Gefühl im Körper auslösen. Zu solchen Infektionen gehören beispielsweise Gürtelrose oder Borreliose.

Mangelerscheinungen

Auch ein Vitamin-B12-Mangel oder ein Magnesiummangel können ein Taubheitsgefühl auslösen.

Medikamente

In seltenen Fällen können auch bestimmte Medikamente Missempfindungen wie ein taubes Gesicht oder taube Hände sowie ein Kribbeln auslösen.

Diagnose und Therapie von Taubheitsgefühlen

Bei der Diagnose ist zunächst entscheidend, wo, seit wann und in welchen Situationen das Taubheitsgefühl auftritt, ob es einseitig oder beidseitig vorkommt und ob es seit dem ersten Auftreten anhält oder von selbst wieder verschwindet. Um mögliche Nervenschädigungen festzustellen, prüft der Arzt die Reflexe sowie verschieden Sinnesleistungen.

Generell ist die Therapie von Taubheitsgefühlen sehr stark von der Ursache abhängig.

Gefühlsstörungen als Begleitsymptom von Erkrankungen

Gefühlsstörungen können auch in Verbindung mit bestimmten körperlichen oder neurologischen Erkrankungen auftreten. Je nach Lokalisation, Ausprägung und Verlauf der Missempfindungen können sie auf bestimmte Erkrankungen hinweisen.

Beispiele für Erkrankungen, bei denen Gefühls- oder Sensibilitätsstörungen häufig auftreten:

  • Polyneuropathie
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Parkinson
  • Migräne
  • Bandscheibenvorfall
  • Psychische Störungen (Angstzustände, Panikattacken, chronischer Stress, somatoforme Störungen)

Was ist eine Sensibilitätsstörung?

Missempfindungen an der Haut umfassen verschiedene Beschwerden, die einzeln, jedoch auch in Kombination auftreten. Empfindungen wie Kribbeln, Pelzigkeitsgefühl oder Ameisenlaufen werden als Parästhesie bezeichnet. Sind die Missempfindungen unangenehm bis schmerzhaft, ohne dass es einen offensichtlichen Grund für die Schmerzen gibt, handelt es sich definitionsgemäß um Dysästhesien. Steht das Taubheitsgefühl im Vordergrund, spricht man von einer Hypästhesie oder verminderter Berührungsempfindlichkeit. Das Gegenteil der Hypästhesie stellt die Hyperästhesie dar - eine erhöhte Empfindlichkeit der Haut gegenüber verschiedenen Sinnesreizen.

Als Ursache kommt jede Schädigung von Nerven in Frage, sei es durch Verletzungen, Druck, Stoffwechselerkrankungen, Durchblutungsstörungen, Infektionen oder andere Erkrankungen.

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