Ein Oberschenkelbündelriss, auch Muskelbündelriss genannt, entsteht meist durch eine plötzliche Überdehnung oder Krafteinwirkung. Ein plötzlicher, stechender Schmerz während des Sports oder bei einer ungewohnten Bewegung kann ein Hinweis auf einen Muskelbündelriss sein. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen neuromuskulären Probleme, die nach einem solchen Riss auftreten können, sowie deren Ursachen und Behandlungsansätze.
Einführung in Myopathien
Eine Myopathie ist eine Muskelerkrankung, die sowohl erblich bedingt als auch erworben sein kann. Je nachdem, welche Form Betroffene haben, können neben den typischen Symptomen einer Myopathie wie Muskelschwäche, Muskelschmerz und Muskelschwund noch weitere Beschwerden hinzukommen und daran Erkrankte im alltäglichen Leben einschränken. Eine Myopathie ist eine fortschreitende Krankheit der Muskulatur mit unterschiedlichen Formen. Eine spezielle Form der Myopathie ist die Myositis, eine entzündliche Erkrankung, bei der das Immunsystem die eigenen Muskelzellen angreift und so zu Muskelschwäche und Schmerzen führt.
Formen von Myopathien
Es gibt vier Gruppen von Myopathien:
- Primäre Myopathie: Die primäre Muskelmyopathie umfasst die sogenannten Muskeldystrophien, die vererbbar sind und sich durch zunehmende Muskelschwäche und -degeneration auszeichnen. Die häufigsten sind die vom Typ Duchenne und Typ Becker-Kiener. Zudem gehören mitochondriale Myopathien zur Gruppe der primären Myopathien. Bei dieser Form bestehen Funktionsstörungen der Mitochondrien, die für die Energieversorgung von Muskelzellen zuständig sind. Bei Störungen erhalten die Muskelzellen nicht genügend Energie, sodass sie nicht vernünftig arbeiten können.
- Kongenitale Myopathien: Diese sind bereits angeboren oder treten in den ersten Lebensmonaten auf.
- Autoimmunerkrankungen: Diese können ursächlich für eine Myositis sein, da sie beispielsweise bei einer Entzündung des Muskelgewebes zu einer Degeneration der Muskulatur führt. Der Körper hält die Muskelfasern für Fremdkörper und bekämpft sie mit dem Immunsystem.
- Sonstige Myopathien: Medikamente, Drogen oder Alkohol können zu sonstigen Myopathien führen.
Ursachen und Symptome von Myopathien
Zu den häufigsten Ursachen einer Myopathie zählt eine genetische Veranlagung. Dennoch ist es möglich, an einer erworbenen Form der Myopathie wie etwa einer Muskelentzündung zu erkranken. In der Regel sind Muskelschwäche, Muskelschmerzen und Muskelschwund gemeinsame Symptome aller Myopathien. Als Muskelschwäche wird die schwindende Muskelkraft bezeichnet, die das häufigste Symptom der Myopathien darstellt. Davon kann jeder Körperbereich durch allmähliche Entwicklung oder plötzliches Auftreten betroffen sein. Zu Muskelschmerzen zählen nicht nur Schmerzen, sondern auch Krämpfe in der Muskulatur, was ebenfalls eines der häufigen Symptome von Myopathien ist. Bei einer Muskelatrophie bzw. einem Muskelschwund bilden sich Muskeln nach und nach zurück.
Zusätzliche Symptome je nach Myopathieform
Je nach Form der Myopathie kann es zu einer dauerhaften oder vorübergehenden Erkrankung kommen. Zu den Hauptbeschwerden können noch weitere Symptome je nach myopathischer Form und Ursache hinzukommen:
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- Bewegungseinschränkungen: Betroffene mit Bewegungseinschränkungen haben Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Gehen sowie beispielsweise die Arme über den Kopf zu heben.
- Atemprobleme: Beeinträchtigt die Myopathie Muskeln, die für die Atmung notwendig sind, treten entsprechende Symptome auf.
- Herzprobleme: Ist die Herzmuskulatur betroffen, handelt es sich um eine Kardiomyopathie. Infolgedessen können Herzrhythmusstörungen auftreten.
- Schluckbeschwerden: Zu Schluckbeschwerden kann es kommen, wenn die Speiseröhre betroffen ist.
- Steifheit und Lähmungen: Insbesondere bei einer Ionenkanal-Myopathie können Muskelsteifheit und Lähmungserscheinungen auftreten - bedingt durch genetisch defekte muskuläre Kanäle von Natrium, Chlorid, Kalium und Calcium.
- Weitere Beschwerden: Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten können aufgrund von Atem- und Herzproblemen auftreten. Auch Störungen des Seh- und Hörvermögens sowie der Verdauung können auf eine erblich bedingte Muskeldystrophie zurückführbar sein.
Verlauf und Lebenserwartung bei Myopathien
Der Verlauf einer Myopathie ist bei jeder betroffenen Person unterschiedlich. Bei den meisten Patientinnen und Patienten schreitet die myopathische Erkrankung jedoch allmählich voran. Lebenserwartung und Verlauf einer Myopathie hängen von Form der Muskelerkrankung sowie der Schwere und den jeweiligen Patientinnen und Patienten selbst ab. Ärztinnen und Ärzte können im Einzelfall sagen, welche Heilungschancen Betroffene haben und wie die Lebensqualität verbessert werden kann. Dennoch entwickeln sich manche Myopathien und ihre Symptome sehr schnell, sodass nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung durch die jeweilige Myopathie beschränkt sind. Beispielsweise schreitet die Duchenne Muskeldystrophie schnell voran und führt schließlich zu einer Atemlähmung, sodass Betroffene häufig noch vor ihrem 30.
Ursachen von Muskelverletzungen
Muskelverletzungen haben in den meisten Sportarten den größten Anteil aller Verletzungen. Im Fußball betreffen beispielsweise ein Drittel aller Verletzungen die Muskulatur. Mehr als die Hälfte aller Muskelverletzungen treten im Oberschenkel auf. Muskelbündelrisse im Oberschenkel kommen besonders oft bei Sportarten vor, die schnelle Bewegungen, abrupte Richtungswechsel und explosive Krafteinsätze erfordern. Dazu zählen beispielsweise Fußball, Handball oder auch Eishockey.
Häufige Muskelverletzungen
- Muskelfaserriss: Bei einem Muskelfaserriss zerreißen eine oder mehrere Fasern des betroffenen Muskels aufgrund einer erhöhten Belastung oder Überdehnung. Der Muskel wird insgesamt jedoch nicht durchtrennt. Die Verletzung tritt häufig beim Sport auf. Ein typischer Verletzungsmechanismus ist das abrupte Abbremsen. Der Muskelfaserriss wird von plötzlich einsetzenden stechenden Schmerzen begleitet.
- Muskelbündelriss: Ein Muskelbündelriss entsteht meist durch eine plötzliche Überdehnung oder Krafteinwirkung. Ein plötzlicher, stechender Schmerz während des Sports oder bei einer ungewohnten Bewegung kann ein Hinweis auf einen Muskelbündelriss sein. Diese Bündel werden von Bindegewebe umhüllt und bilden zusammen den eigentlichen Muskel.
- Muskelzerrung: Die Muskelzerrung betrifft häufig die Muskulatur am Oberschenkel, vor allem die an der Rückseite gelegene ischiocrurale Muskulatur. Eine Muskelzerrung ist eine häufige Verletzung, die fast jeder einmal erlebt - sei es beim Sport, im Alltag oder durch eine unbedachte Bewegung. Dabei überdehnen die Muskelfasern, was zu Schmerzen, Spannungsgefühlen und eingeschränkter Beweglichkeit führen kann.
Risikofaktoren für Muskelverletzungen
Ein Muskelbündelriss entsteht, wenn die einwirkende Kraft die Elastizitätsgrenze des Muskels übersteigt, also durch eine plötzliche oder übermäßige Belastung des Muskels. Häufig tritt diese Verletzung bei explosiven Bewegungen oder plötzlichem Anspannen des Muskels auf, wie etwa bei Sportarten wie Fußball, Tennis oder Gewichtheben. Unzureichendes Aufwärmen vor dem Sport erhöht das Risiko erheblich, da die Muskeln nicht auf die bevorstehende Belastung vorbereitet sind. Ebenso gefährdet sind ermüdete oder bereits überlastete Muskeln. Weiterhin machen mangelnde Fitness oder ein unzureichender Trainingszustand den Körper anfälliger für solche Verletzungen, da die Muskulatur nicht an die geforderten Belastungen gewöhnt ist.
Lokalisation von Muskelverletzungen
Der Muskelfaserriss betrifft besonders häufig die Muskulatur der unteren Extremitäten. Er kann an der Rück- und Vorderseite des Oberschenkels oder in der Wade auftreten. Aber auch andere Körperteile, wie z. B. Am häufigsten ist der Muskelfaserriss im Oberschenkel lokalisiert. Durch das Körpergewicht ist die Wade beim Laufen oder Springen hohen Belastungen ausgesetzt. Auch im Oberarm kann es zu einer Muskelverletzung kommen. Am häufigsten sind der auf der Vorderseite gelegene Bizeps oder der auf der Rückseite des Oberarmes gelegene Trizeps betroffen. Ist der Bizeps von einer solchen Verletzung betroffen, besteht eine Kraftminderung, wenn der Oberarm gebeugt wird. Mehrere Muskeln umgeben das Schultergelenk und halten es in seiner Position. Zur Schultermuskulatur gehören beispielsweise der Obergrätenmuskel (M. supraspinatus) und der Deltamuskel (M. deltoideus). Auch diese Muskeln können von einem Muskelfaserriss betroffen sein.
Neuromuskuläre Probleme nach Muskelbündelriss
Nach einem Muskelbündelriss können verschiedene neuromuskuläre Probleme auftreten, die die Rehabilitation und die Rückkehr zur vollen Funktionsfähigkeit beeinträchtigen können.
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- Veränderte Muskelaktivierungsmuster: Durch die Verletzung und die resultierenden Schmerzen können sich die normalen Aktivierungsmuster der Muskeln verändern. Dies kann zu einer ineffizienten Bewegungsausführung und einer erhöhten Belastung anderer Muskelgruppen führen.
- Propriozeptive Defizite: Die Propriozeption, also die Wahrnehmung der eigenen Körperposition und Bewegung im Raum, kann durch den Muskelbündelriss beeinträchtigt werden. Dies kann zu einer verminderten Stabilität und einem erhöhten Risiko für erneute Verletzungen führen.
- Muskelatrophie: Durch die Schonung des verletzten Muskels kann es zu Muskelabbau (Atrophie) kommen. Dies kann die Kraft und Ausdauer des Muskels verringern und die Rehabilitation erschweren.
- Schmerzen und Sensibilitätsstörungen: Nervenfasern können durch die Verletzung gereizt oder geschädigt werden, was zu Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Kribbeln im Bereich des Muskels führen kann.
Diagnose von Muskelverletzungen
Da Myopathien und ihre Symptome jedoch so vielfältig sind, können Neurologinnen und Neurologen anhand verschiedener Verfahren eine Diagnose stellen. Bei der Diagnostik von Myopathien können Ärztinnen und Ärzte mit verschiedenen Verfahren arbeiten:
- Bildgebende Diagnostik: Ultraschall und Magnetresonanztomografie (MRT) macht eine Analyse der Gewebestruktur möglich.
- Laboruntersuchungen: Antikörper-, Enzym-, oder andere Blutwerte können Aufschluss über eine Myopathie geben. Auch auffällige Werte im Urin können zur Diagnostik hinzugezogen werden.
- Muskelbiopsie: Durch die Entnahme einer Gewebeprobe des Muskels kann eine gezielte Untersuchung der Gewebestruktur sowie der Stoffwechselvorgänge vorgenommen werden.
- Molekulargenetische Diagnostik: Kongenitale bzw. genetisch bedingte Myopathien können anhand von Untersuchungen der Gene nachgewiesen werden.
- Elektromyografie: Bei der Elektromyografie werden Muskelströme zwischen Nerv und Muskel gemessen und bewertet, ob dabei eine Signalübertragung stattfindet.
- Elektroneurografie: Bei diesem Verfahren wird überprüft, ob die Nerven richtig funktionieren, indem ihnen elektrische Reize zugeführt werden. So können neuromuskuläre Erkrankungen erkannt oder ausgeschlossen werden.
- Muskelbelastungstest: Mittels eines Unterarmbelastungstests oder eines Fahrradbelastungstests werden Laktat- und Ammoniakwerte gemessen, um eine metabolische Myopathie feststellen zu können.
Diagnose von Muskelbündelrissen
Zur Diagnosestellung ist meist eine klinische Untersuchung ausreichend, gegebenenfalls ergänzt durch bildgebende Verfahren. Zu Beginn der Diagnose wird der Orthopäde ein ausführliches Gespräch über den Hergang der Verletzung mit Ihnen führen. Im Anschluss folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt achtet dabei auf Hämatome, Schwellungen, Schmerzen oder sichtbare Dellen im Muskel. Auch Funktionstests sind Teil der Untersuchung. Um seine Diagnose abzusichern, nutzt der Arzt bildgebende Verfahren. Der Ultraschall kann Verletzungen an Muskelfasern etwa 24 Stunden nach der Verletzung darstellen. Anhand der Ergebnisse der Untersuchungen kann der Orthopäde die Muskelverletzung beurteilen und Empfehlungen für die Behandlung aussprechen.
Behandlung von Muskelverletzungen
Neben einer medikamentösen Therapie der Myopathie ist auch die therapeutische Behandlung durch Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie eine Möglichkeit. Diese können sowohl einzeln in Anspruch genommen werden als auch durch eine medikamentöse Therapie begleitet werden. Die zur Gruppe der primären Myopathien gehörenden genetisch bedingten Muskelerkrankungen sind bisher nicht heilbar. Dennoch lassen sich die Symptome der vererbbaren Myopathien lindern. Bei erworbenen Myopathien ist die jeweilige Grunderkrankung von Bedeutung. Denn nach dieser richtet sich die Behandlung. Eine endokrine Myopathie lässt sich beispielsweise medikamentös therapieren.
Konservative Behandlung von Muskelbündelrissen
Diese Maßnahmen zielen darauf ab, Schmerzen zu lindern, Schwellungen zu reduzieren und weitere Schäden zu vermeiden. Bei einem Verdacht auf einen Muskelbündelriss ist es zudem immer ratsam, einen Arzt zu konsultieren. Dieser bestimmt mittels klinischer Untersuchung und ggf. Der Experte wird mit Ihnen einen fundierten Behandlungsplan erarbeiten, der sich an der Schwere der Verletzung und Ihrem Gesundheitszustand orientiert. Ein sorgfältig geplantes Belastungsmanagement ist entscheidend für den Erfolg der Therapie. Die richtige Ernährung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Genesung von Muskelverletzungen. Der Fokus liegt auf der Zufuhr von Nährstoffen, die die Heilung fördern, Entzündungen reduzieren und den Wiederaufbau des Gewebes unterstützen. Vor allem Proteine sind essenziell, da Muskeln aus ihnen bestehen und sie für den Wiederaufbau benötigt werden. Zur Unterstützung des Heilungsprozesses kommen zudem ergänzende Behandlungsmethoden wie lokale Infiltrationstherapie, Eigenbluttherapie oder Akupunktur zum Einsatz.
Rehabilitation und Physiotherapie
Nach der Ruptur der Muskelfaser fängt der Muskel an zu heilen und es bildet sich Narbengewebe an der verletzten Stelle. Es sprießen neue Blutgefäße in die Region ein und der Muskel regeneriert. Sie sollten Ihren Muskel für etwa eine Woche nicht belasten. Lagern Sie den betroffenen Muskel so oft wie möglich hoch und kühlen Sie mehrmals am Tag für jeweils ca. 15 Minuten. Danach dürfen Sie die Bewegung nach und nach wieder aufbauen. Ein Tapeverband kann den angeschlagenen Muskel in dieser Zeit unterstützen. Massage und Physiotherapie helfen, die Muskelfunktion wiederherzustellen. Die Dauer der Heilung hängt unter anderem von der Anzahl der gerissenen Muskelfasern und vom Fitnesslevel ab und kann im Einzelfall variieren.
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Operative Behandlung von Muskelbündelrissen
Eine operative Therapie einer Muskelverletzung kommt nur in Ausnahmefällen infrage. Bei größeren Muskelbündelrissen kann in sehr schwerwiegenden Fällen eine Naht des Muskels erwogen werden. Anders als stabiles Sehnengewebe ist der Muskel weich und eignet sich daher von seiner Struktur nicht zur Naht.
Behandlung neuromuskulärer Probleme
Die Behandlung von neuromuskulären Problemen nach einem Muskelbündelriss zielt darauf ab, die normale Funktion des Nerven- und Muskelsystems wiederherzustellen.
- Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Verbesserung der Muskelkraft, Ausdauer, Koordination und Propriozeption.
- Manuelle Therapie: Techniken zur Lösung von Muskelverspannungen und zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit.
- Neuromuskuläre Stimulation: Einsatz von elektrischen Reizen zur Aktivierung von Muskeln und Nerven.
- Schmerzmanagement: Medikamente, Injektionen oder alternative Therapien zur Linderung von Schmerzen.
Vorbeugung von Muskelverletzungen
Einem Muskelfaserriss kann man vorbeugen, indem man die Muskulatur vor dem Training ausreichend aufwärmt. Achten Sie beim Training auf die korrekte Ausführung der Bewegungen und vermeiden Sie Überlastungen und Fehlbelastungen. Auch geeignetes Schuhwerk mit einer gedämpften Sohle ist wichtig für die Gesunderhaltung des Bewegungsapparates. Zudem sollten Sie Ihrem Körper ausreichend Pausen zwischen den Trainings gönnen. Ein sanftes Aufwärmen vor der Belastung bereitet die Muskulatur auf die Bewegung vor und reduziert die Gefahr von Muskelverletzungen.
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