Bluttests in der Neurologie: Ein umfassender Überblick

Die Diagnose neurologischer Erkrankungen stützt sich auf verschiedene Säulen, darunter die neurologische Funktionsdiagnostik, bildgebende Verfahren und - von zentraler Bedeutung - Laboruntersuchungen. Insbesondere Bluttests spielen eine entscheidende Rolle bei der Erkennung und Differenzierung einer Vielzahl von neurologischen Leiden. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von Bluttests in der Neurologie, von Autoimmunneuropathien über Demenzformen bis hin zu seltenen Erkrankungen wie ALS und Multipler Sklerose.

Die Bedeutung von Laboruntersuchungen in der Neurologie

Laboruntersuchungen, insbesondere Analysen von Blut und Liquor, liefern wertvolle Hinweise bei der Diagnose neurologischer Erkrankungen. Sie sind richtungsweisend bei Autoimmunneuropathien, Stoffwechselerkrankungen und Intoxikationen. Darüber hinaus können sie bei der Identifizierung von Tumoren helfen, die Antigene exprimieren, die auch in Nervenzellen vorkommen, was zu paraneoplastischen Syndromen führen kann.

Das Gehirn, ein komplexes Organ und Top-Energieverbraucher, steuert lebensnotwendige Vorgänge, verarbeitet Sinneseindrücke und ermöglicht Denken und Fühlen. Als Teil des Zentralnervensystems (ZNS) ist es anfällig für Erkrankungen, die sich physisch und psychisch äußern können. Die Ursachen sind vielfältig, von Infektionen über Lebensstilfaktoren bis hin zu genetischen Veranlagungen.

Bluttests zur Diagnose von Demenzformen

Die Abgrenzung verschiedener Demenzformen stellt eine Herausforderung dar. Bluttests können helfen, allgemeinere Formen der Demenz zu diagnostizieren, die beispielsweise durch Schilddrüsenstörungen oder Infektionserkrankungen verursacht werden.

Infektionen des Zentralnervensystems

Eine Reihe von Infektionen können das Zentrale Nervensystem (ZNS) betreffen und schädigen. Typische Symptome einer Hirnhautentzündung (Meningitis) sind Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit. Eine Entzündung des Gehirns selbst wird als Enzephalitis bezeichnet. Neurosyphilis, die Folge einer unbehandelten Syphilisinfektion, kann zu psychiatrischen und neurologischen Beschwerden führen. Auch eine Borrelieninfektion, ausgelöst durch einen Zeckenbiss, kann sich im Nervensystem festsetzen und eine Neuroborreliose verursachen. Bei all diesen Erkrankungen gilt: Je früher sie entdeckt werden, desto größer die Chance auf Heilung.

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Multiple Sklerose (MS) und Autoantikörper

Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten Erkrankungen des Zentralnervensystems, bei der die Nervenfasern ihre schützende Hülle (Myelinscheiden) verlieren, was zu Problemen bei der Signalübertragung führt. Entzündliche Prozesse der Nervenzellen sind dafür verantwortlich. Obwohl MS nicht heilbar ist, können Krankheitsschübe gebremst werden, wenn die Erkrankung frühzeitig behandelt wird. Die Liquorproteindiagnostik ist ein Grundbaustein für die Aufklärung von MS.

Ein vielversprechender Ansatz zur Diagnose von MS-Schüben ist ein Bluttest, der Autoantikörper gegen das Protein alpha-Fodrin nachweist. Diese Autoantikörper sind spezifisch für MS-Schübe und können bereits im Blut von vermeintlich symptomfreien Patienten gefunden werden, was auf ein unbemerktes Fortschreiten der Krankheit hinweisen kann.

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und Neurofilamente

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine seltene, aber schwerwiegende neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen, die für die Muskelsteuerung verantwortlich sind (Motoneurone), absterben. Dies führt zu Lähmungen und letztendlich zum Tod. Die Diagnose von ALS kann schwierig sein, da die Symptome vielfältig sind und sich von anderen neurodegenerativen Erkrankungen unterscheiden können.

Ein neuer Bluttest, der die Konzentration von Neurofilamenten (Neurofilament light chain/NFL) im Serum der Patienten misst, kann die Diagnose von ALS erleichtern. NFL sind Proteine, die das Gerüst von Nervenzellen bilden. Sterben Nervenzellen ab, werden NFL freigesetzt, was zu einer erhöhten Konzentration im Blut führt. Der Test kann nicht nur bei der Diagnose helfen, sondern auch eine Prognose des Krankheitsverlaufs ermöglichen. Eine höhere NFL-Konzentration im Blut korreliert mit einer schnelleren klinischen Verschlechterung und einer kürzeren Überlebensdauer.

Morbus Parkinson: Früherkennung durch Bluttests

Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch Bewegungsstörungen wie Bewegungsverlangsamung, Muskelversteifung und Zittern gekennzeichnet ist. Die Krankheit beginnt jedoch bereits Jahre, bevor diese Symptome auftreten. Bisher gab es keine zuverlässigen Bluttests zur Diagnose oder Früherkennung von Parkinson.

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Einem europäischen Forscherteam ist es gelungen, einen Bluttest zu entwickeln, der in ersten Studien eine 100%ige Treffsicherheit bei der Diagnose von Morbus Parkinson im Frühstadium gezeigt hat. Der Test basiert auf der Analyse von 8 verschiedenen Proteinen im Blut, die protektive oder schädigende Eigenschaften in Bezug auf Parkinson haben. Bei einigen Patienten fiel der Test bereits in der Prodromalphase, bis zu 7 Jahre vor den ersten Symptomen, positiv aus.

Neurofilamente als Biomarker für Neurodegeneration

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Molekül Neurofilament-L (NF-L) ein wichtiger Bestandteil von Nervenzellen ist. Bei der Schädigung von motorischen Nervenzellen wird NF-L freigesetzt und kann im Nervenwasser (Liquor) oder im Blut (Serum) nachgewiesen werden. Eine erhöhte NF-L-Konzentration im Liquor kann auf ALS hindeuten, ist jedoch nicht spezifisch für diese Erkrankung.

Forschungsergebnisse zeigen, dass der Nachweis von NF-L im Blut ebenfalls zur Abgrenzung von Differenzialdiagnosen der ALS geeignet ist. Zudem konnte ein Zusammenhang zwischen dem Bluttest von NF-L und der ALS-Prognose hergestellt werden. Die Untersuchungsgruppe mit einer erhöhten NF-L-Serumkonzentration zeigte eine höhere Krankheitsprogression im Vergleich zu Patienten mit geringeren NF-L-Werten.

Die Rolle der Proteomik

Die Fortschritte in der Proteomik haben die Entwicklung von Bluttests für neurologische Erkrankungen erheblich vorangetrieben. Durch die Analyse des Proteoms, also der Gesamtheit aller Proteine in einer Zelle oder einem Organismus, können Biomarker identifiziert werden, die auf bestimmte Erkrankungen hinweisen. Die Single Molecule Array Technologie (Simoa) ermöglicht den Nachweis von Biomarkern wie NFL in sehr geringen Konzentrationen, was die Früherkennung von neurologischen Erkrankungen verbessert.

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