Homöopathische Behandlung von Paresen: Ein umfassender Überblick

Die homöopathische Behandlung von Paresen, also unvollständigen Lähmungen, ist ein komplexes Feld, das sowohl die akute Versorgung nach einem Ereignis wie einem Schlaganfall als auch die langfristige konstitutionelle Behandlung umfasst. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der homöopathischen Therapie bei Paresen, einschließlich der potenziellen Anwendung spezifischer Mittel und der Bedeutung einer ganzheitlichen Betrachtung des Patienten.

Kopfschmerzen als Begleiterscheinung

Kopfschmerzen sind ein häufiges Symptom, das oft mit Paresen einhergeht oder diese begleitet. Es ist wichtig zu beachten, dass Kopfschmerzen in den meisten Fällen (90%) nicht auf eine schwerwiegende Grunderkrankung zurückzuführen sind, sondern auf Reizzustände von Blutgefäßen, Nerven und Hirnhäuten. Dennoch können sie den Leidensdruck der Betroffenen erheblich verstärken.

Spannungskopfschmerz

Der Spannungskopfschmerz ist die häufigste Form und äußert sich als dumpf-drückender Schmerz, der vom Nacken zu Stirn und Schläfen aufsteigt. Auslöser können Stress, Übermüdung, Leistungsdruck, psychische Belastung, Muskelverspannungen im Nackenbereich, Medikamente und Flüssigkeitsmangel sein.

Migräne

Migräne unterscheidet sich vom Spannungskopfschmerz durch ihren eher pulsierenden Charakter, der typischerweise in einer Kopfhälfte beginnt, aber auch die Seite wechseln oder beidseitig auftreten kann. Eine Migräne kann Stunden oder Tage dauern und tritt im Schnitt zwei- bis achtmal im Monat auf.

Homöopathische Arzneimittel bei Paresen

Die Homöopathie bietet eine Vielzahl von Einzelmitteln, die je nach den individuellen Symptomen und Ursachen der Parese eingesetzt werden können. Es ist wichtig zu betonen, dass die Auswahl des geeigneten Mittels immer durch einen erfahrenen Homöopathen erfolgen sollte.

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Symphytum officinale (Beinwell)

Symphytum officinale, bekannt als Beinwell, wird in der Homöopathie traditionell zur Behandlung von Verletzungen eingesetzt, insbesondere bei Knochenbrüchen, Knochenhautverletzungen sowie schwer heilenden Muskel-, Sehnen- und Bänderrissen. Es soll die Heilung unterstützen und den Knochenstoffwechsel positiv beeinflussen.

Anwendungsgebiete von Symphytum

  • Knochenbrüche und -risse: Besonders bei frischen, aber auch bei schlecht heilenden Brüchen.
  • Knochenhautverletzungen: Nach stumpfen Traumata wie einem Tritt gegen das Schienbein.
  • Bänderrisse: Vor allem nach Umknicken des Fußes, begleitet von starken Schmerzen und Blutergüssen.
  • Sehnenrisse: Beispielsweise Risse der Achillessehne durch Überanstrengung.
  • Prellungen und blaue Flecken: Nach stumpfer Gewalteinwirkung ohne Hautverletzung.
  • Meniskusverletzungen: Häufig Sportverletzungen.
  • Stumpfe Augenverletzungen: Bei Schmerzen im Bereich des Augapfels.
  • Phantomschmerzen: Nach Amputationen.

Dosierung von Symphytum

  • Bei frischen Knochenbrüchen: 3 Globuli Symphytum D6 bis zu zehnmal täglich oder 3 Globuli Symphytum D12 bis zu sechsmal täglich.
  • Bei älteren Verletzungen oder schlecht heilenden Knochenbrüchen: 3 Globuli Symphytum C30 täglich oder wöchentlich.

Wichtiger Hinweis zu Symphytum

Die Wirksamkeit von Symphytum und anderen homöopathischen Mitteln ist wissenschaftlich umstritten und nicht eindeutig belegt. Es ist wichtig, bei anhaltenden oder sich verschlimmernden Beschwerden einen Arzt aufzusuchen.

Crotalus horridus/cascavella (Klapperschlangengift)

Crotalus horridus oder C. cascavella, das Gift der Klapperschlange, wird in der Homöopathie bei rechtsseitigen Problematiken im Zusammenhang mit Schlaganfällen in Betracht gezogen.

Klaus Holzapfel hat eine beachtenswerte Arbeit zu Bothrops lanceolatus vorgelegt. Gilbert Charette schreibt dazu: „Crotalus horridus oder C. cascavella. Gift der Klapperschlange. Gebieten der Vereinigten Staaten. in der Zukunft auf konstitutioneller Ebene angegangen werden müsste. keinen Aufzug gibt. Wenn man - cum grano salis - für die Linksseitigkeit eines apoplektischen Insults Lachesis und Naja einsetzt, so steht Crotalus eher für eine rechtsseitige Problematik.

Lathyrus sativus (Kicherplatterbse)

Lathyrus sativus wird aus der Kicherplatterbse hergestellt und wirkt auf das Rückenmark, insbesondere die Seiten- und Vorderstränge. Es wird bei lähmungsartigen und krampfartigen Beschwerden eingesetzt, die oft schmerzlos sind.

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Typische Symptome für Lathyrus sativus

  • Schwäche und Schweregefühl
  • Verstärkung der Reflexe
  • Steifheit der Beine
  • Krämpfe in den Beinen, verschlimmert durch Kälte
  • Gestörtes Gangbild (Gehen nur auf Zehenspitzen, Nachziehen der Füße)

Secale cornutum (Mutterkorn)

Secale cornutum wirkt ebenfalls auf Nerven und Muskulatur. Es kann bei Verkrampfungen der Muskulatur und Gefäße mit Taubheit bis hin zum Absterben der Haut und Gliedmaßen angezeigt sein. Typisch sind starke brennende Schmerzen bei gleichzeitiger äußerer Kälte.

Unterscheidungsmerkmale zu Lathyrus sativus

Im Gegensatz zu Lathyrus sativus bessern sich die Beschwerden bei Secale cornutum durch Kälte, insbesondere die brennenden Schmerzen. Es besteht eine Abneigung gegen Hitze.

Causticum Hahnemanni (Kalkverbindung)

Causticum ist eine wichtige Arznei bei lähmungsartigen Leiden und Krämpfen. Brennende Schmerzen können in nahezu jeder Körperregion auftreten. Es kann zu Lähmungen der Stimmbänder, Zungenmuskulatur, Augenlider, des Gesichtes, der Schließmuskeln oder der Extremitäten kommen.

Charakteristische Symptome für Causticum

  • Halbseitenlähmungen, schlimmer rechts
  • Herabfallen der Augenlider
  • Unwillkürliches Wasserlassen beim Husten, Niesen, Lachen etc.
  • Unwillkürlicher Stuhlabgang

Homöopathische Komplexmittel und weitere Therapieansätze

Neben den Einzelmitteln gibt es auch homöopathische Komplexmittel, die eine Mischung aus mehreren Einzelmitteln enthalten und einen leichteren Einstieg in die Homöopathie ermöglichen. Ein Beispiel ist Pflügerplex Neuralgie L 189 H zur Besserung von Nervenschmerzen.

Auch Einreibungen mit ätherischen Ölen wie Pfefferminzöl oder Johanniskrautöl können bei Nervenschmerzen einen positiven Effekt haben.

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Zusätzlich zur Homöopathie können weitere Therapieansätze wie Akupunktur, Physiotherapie und eine gesunde Ernährung die Behandlung von Paresen unterstützen.

Polyneuropathie und ihre homöopathische Behandlung

Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die sich durch Funktionsstörungen von Nervengruppen äußert. Die Symptome reichen von Missempfindungen und Taubheit bis zu Lähmungen und Schmerzen.

Ursachen von Polyneuropathie

Die Ursachen sind vielfältig und können Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes), Vergiftungen, Infektionen oder Autoimmunerkrankungen sein.

Homöopathische Mittel bei Polyneuropathie

Die homöopathische Therapie bei Polyneuropathie zielt auf die Linderung der Beschwerden und die Unterstützung der Selbstheilungskräfte des Körpers ab. Die Auswahl des geeigneten Mittels erfolgt individuell nach den spezifischen Symptomen des Patienten.

Empfohlene Mittel (Auswahl)

  • Aconitum: Bei brennenden und stechenden Nervenschmerzen
  • Agaricus muscarius: Bei Taubheit, Kribbeln und Missempfindungen
  • Spigelia: Bei regelmäßig auftretenden Schmerzen
  • Verbascum: Bei akut auftretenden Nervenschmerzen
  • Cina: Bei erhöhten Reizzuständen und Muskelkrämpfen
  • Kalium phosphoricum, Magnesium phosphoricum und Zincum chloratum: Zur Beruhigung von Nervensystem und Muskulatur ("Schmerztrias")

Akupunktur bei Polyneuropathie

Akupunktur ist eine bewährte Therapie, die bei Polyneuropathie begleitend zur schulmedizinischen Behandlung empfohlen wird. Die gezielte Stimulation bestimmter Punkte kann Schmerzen lindern und die Nervenfunktion verbessern.

Fazialisparese (Gesichtslähmung)

Die idiopathische Fazialisparese ist eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur, deren Ursache unklar ist. Wahrscheinlich liegt eine Entzündung des Fazialisnervs vor, möglicherweise ausgelöst durch das Herpes-simplex-Virus.

Symptome der Fazialisparese

  • Einseitige Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskeln
  • Gesichtsasymmetrie beim Versuch, die Stirn zu runzeln oder die Backen aufzublasen
  • Unvollständiger Augenschluss
  • Mögliche Lärmempfindlichkeit und Geschmacksstörungen

Therapie der Fazialisparese

Empfohlen wird die frühzeitige Gabe von Kortison. Bei unvollständigem Augenschluss sind Augentropfen und Augensalbe wichtig, um die Hornhaut vor dem Austrocknen zu schützen.

Wichtige Hinweise zur homöopathischen Behandlung

  • Die Auswahl und Anwendung homöopathischer Mittel sollte immer in Absprache mit einem erfahrenen Homöopathen oder Arzt erfolgen.
  • Die Homöopathie ist eine individuelle Therapie, die auf die spezifischen Symptome und Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist.
  • Die Wirksamkeit homöopathischer Mittel ist wissenschaftlich umstritten und nicht eindeutig belegt.
  • Bei anhaltenden oder sich verschlimmernden Beschwerden sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.
  • Die Homöopathie kann eine sinnvolle Ergänzung zur konventionellen medizinischen Behandlung sein, ersetzt diese aber nicht.

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