Parkinson und Dopamin: Eine umfassende Betrachtung des Blutspiegels und der Krankheitsbilder

Die Parkinson-Krankheit, benannt nach James Parkinson, der sie vor über 200 Jahren als „Schüttellähmung“ beschrieb, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Diese Nervenzellen produzieren den Neurotransmitter Dopamin, der eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bewegung, Motivation und Belohnung spielt. Ein Mangel an Dopamin führt zu den charakteristischen Symptomen der Parkinson-Krankheit.

Parkinson-Formenkreis: Morbus Parkinson und atypische Parkinsonsyndrome

Innerhalb des Parkinson-Formenkreises wird hauptsächlich zwischen dem klassischen Parkinson, auch Morbus Parkinson oder idiopathisches Parkinsonsyndrom (IPS) genannt, und den atypischen Parkinsonsyndromen unterschieden. Das idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS) führt zu einer Störung der Reizübertragung im Gehirn, indem die Dopamin-produzierenden Nervenzellen (Neurone) im Gehirn zugrunde gehen. Am deutlichsten zeigt sich dieses Absterben in der „Schwarzen Substanz“ (Substantia nigra) in den Basalganglien, dem "Keller des Gehirns". Die Folge ist ein Mangel am Botenstoff Dopamin. Das ist wiederum die Grundlage für die Dopamin-Ersatztherapie.

Symptome des Morbus Parkinson: Motorische und nicht-motorische Anzeichen

Der Morbus Parkinson ist durch vier Hauptsymptome charakterisiert. Durch den Verlust von Dopamin kommt es insbesondere zu einer Verlangsamung von Bewegungen (Bradykinesie, Hypokinesie, Akinesie) und zu einer vermehrten Steifigkeit in der Muskulatur (Rigor). Als weitere Symptome der Erkrankung können bereits vor Beginn der Bewegungsstörung eine Störung des Geruchssinns (Hyposmie), eine Depression, oder eine Schlafstörung (REM-Schlaf Verhaltensstörung) auftreten. Im weiteren Verlauf der Erkrankung können eine Störung der Blutdruckregulation (orthostatische Hypotension), Blasenfunktionsstörungen oder eine Demenz auftreten. Diese Beschwerden sind nicht immer auf den Verlust von dopaminergen Nervenzellen zurückzuführen, sondern können durch den Verlust weiterer Nervenzellen im Rahmen der Parkinsonerkrankung erklärt werden. So könnte der Verlust serotonerger und noradrenerger Nervenzellen die Entstehung einer Depression begünstigen, während der Verlust acetylcholinerger Nervenzellen die Entstehung einer Demenz begünstigen könnte.

Die Hauptsymptome - charakteristische motorische Symptome der Parkinson-Krankheit sind die verlangsamte Bewegung (Bradykinese), das Zittern (Tremor), Gleichgewichtsstörungen und die Steifheit der Muskeln (Rigor). Dazu bestehen häufig nicht motorische Symptome, die u. a. Wichtig zu beachten - die Parkinson-Erkrankung ist eine in den meisten Fällen langsam fortschreitende Erkrankung, die motorische, aber auch nicht motorische Symptome beinhaltet. Mit Parkinson verbinden die meisten Menschen vor allem zitternde Hände. Experten nennen das einen Tremor. Tatsächlich sind häufig die Hände betroffen, aber das Zittern kann auch in den Beinen oder im Unterkiefer auftreten. Zu Beginn der Erkrankung ist oft nur eine Seite des Körpers betroffen, später dann beide. Für die Betroffenen ist das Zittern in mehrerlei Hinsicht problematisch.

Der charakteristische Ruhetremor stellt bei der Mehrzahl der Patienten ein pathognomonisches Symptom der Parkinson-Krankheit dar. In der Regel zunächst unilateral, entwickelt sich der Tremor im Lauf der Zeit meist zu einem bilateralen Ruhetremor. Die Bradykinese kann sich zum Beispiel in einer Hypomimie (Gesichtsausdruck mit reduzierter Mimik), einem reduzierten Armschwung, initial unilateral, und einem verlangsamten Gangbild manifestieren. Der Rigor stellt sich im Verlauf der Erkrankung bei allen Patienten mit der Parkinson-Krankheit ein. Letzterer kann unilateral beginnen, betrifft aber im Verlauf auch die kontralaterale Körperhälfte. Später im Krankheitsverlauf zeigen Parkinson-Patienten eine posturale Instabilität (Störungen der Haltungsstabilität), die mit einem erhöhten Sturzrisiko einhergeht.

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Prämotorische Symptome

Der motorischen Manifestation der Parkinson-Krankheit kann eine Reihe von nichtmotorischen Symptomen um Jahre oder Jahrzehnte vorausgehen. In der prämotorischen Phase der Erkrankung finden sich oft Störungen der Geruchswahrnehmung (Hyposmie), chronische Obstipation, Depression und eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung.

Selbstcheck zur Früherkennung

Folgender Selbstcheck zur Früherkennung der deutschen Parkinson-Vereinigung e.V. (DPV) ist hilfreich:

  1. Kommt es vor, dass Ihre Hand zittert, obwohl sie entspannt aufliegt?
  2. Ist ein Arm angewinkelt oder schlenkert beim Gehen nicht mit?
  3. Haben Sie eine vorübergebeugte Körperhaltung?
  4. Haben Sie einen leicht schlurfenden Gang oder ziehen Sie ein Bein nach?
  5. Haben Sie einen kleinschrittigen Gang und kommt es vor, dass Sie stolpern oder stürzen?
  6. Leiden Sie an Antriebs- und Initiativemangel?
  7. Haben Sie häufig Schmerzen im Nacken-Schultergürtel-Bereich?
  8. Haben Sie bemerkt, dass Sie sich von Ihren Freunden und Angehörigen zurückziehen, dass Sie Kontakte meiden und zu nichts Lust haben?
  9. Haben Sie Veränderungen in Ihrer Stimme bemerkt? Ist sie monotoner und leiser als früher oder hört sie sich heiser an?
  10. Haben Sie eine Verkleinerung Ihrer Schrift bemerkt?
  11. Leiden Sie an „innerem Zittern“ oder „innerer Unruhe“?
  12. Haben Sie Schlafstörungen?

Diese Checkliste soll Ihnen helfen, ein idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS) früh zu erkennen.

Ursachen der Parkinsonkrankheit

Die Ursachen der Parkinsonerkrankung sind trotz intensiver Forschung noch immer nicht eindeutig geklärt. Dopaminerge Nervenzellen scheinen besonders viele Radikale unschädlich machen zu müssen, auf eine Störung im Abbau von Zellmüll weisen auch genetische Veränderungen bei einem Teil der Parkinsonpatienten hin. Umweltfaktoren als Ursache für die Parkinsonerkrankung sind ebenfalls nicht ausgeschlossen, derzeit aber im Vergleich zu den genetischen Veränderungen etwas in den Hintergrund gerückt.

Die altersbereinigte Häufigkeit wächst aber schneller als andere neurologische Krankheiten wie die Multiple Sklerose. Ursachen, die möglicherweise zu diesem Anstieg beitragen, sind Umweltfaktoren wie Pestizide (z. B. Paraquat) oder Chemikalien (z. B. Trichlorethylen), von denen bekannt ist, dass sie für IPS-relevante Strukturen des Nervensystems schädlich sind. Genetische Risikofaktoren für das IPS werden zunehmend als Ursache erkannt. Die Mutation im Glucocerebrosidase-Gen (GBA1) ist der wichtigste Risikofaktor (bei ca.

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Risikofaktoren

Durch Kenntnis der mit der Parkinson-Krankheit assoziierten Risikofaktoren kann die individuelle Wahrscheinlichkeit abgeschätzt werden, mit der die Erkrankung im Verlauf auftritt. Eine Reihe von risikosteigernden beziehungsweise -senkenden Faktoren konnten in großen Populationsstudien aufgezeigt werden.

Dopamin: Funktion, Messung und Bedeutung für Parkinson

Dopamin ist ein Neurotransmitter im Gehirn, der für die Regulation von Bewegung, Motivation und Belohnung zuständig ist. Im Labor misst man Dopamin als Marker für bestimmte Erkrankungen. Ein erhöhter Dopaminwert tritt etwa bei Schizophrenie, Tumoren und Vergiftungen mit Medikamenten auf. Einen niedrigen Wert beobachtet man dagegen bei der Parkinson-Krankheit und Depressionen.

Dopamin wird in verschiedenen Hirnregionen gebildet. Dazu zählen vor allem:

  • Substantia nigra: Teil des Mittelhirns, der an Bewegung und Belohnung beteiligt ist
  • Area tegmentalis ventralis: weitere Region des Mittelhirns; spielt eine Schlüsselrolle im Belohnungssystem des Gehirns
  • Striatum: Struktur im Vorderhirn, die zu motorischen und kognitiven Funktionen beiträgt.

Dopamin im Gehirn spielt eine bedeutende Rolle bei verschiedenen Funktionen wie Stimmungsregulation, Motivation, Belohnungsgefühle und Bewegungskoordination.

Dopaminspiegel und beeinflussende Faktoren

Dopaminwerte lassen sich im Blut (Plasma) und im Urin (24-Stunden-Sammelurin) bestimmen. Oft werden dabei auch andere Katecholamine wie Adrenalin gemessen. Sowohl Blut- als auch Urinuntersuchungen haben Vor- und Nachteile. Blutuntersuchungen liefern eine Momentaufnahme der Dopaminwerte, während Messungen im Sammelurin einen Überblick über den Dopamin-Stoffwechsel über einen längeren Zeitraum bieten.

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Dopaminspiegel im Körper werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst, etwa von der Genetik und dem Lebensstil (einschließlich der Ernährung). Auch andere Faktoren wie emotionale Zustände, Stress, Schlaf und das Nachgehen von belohnenden Aktivitäten wie Sport, Hobbys oder sozialen Interaktionen wirken sich auf die Dopaminspiegel aus.

Normwerte von Dopamin

Die Normwerte für Dopamin im Blut können je nach Labor und Messmethode leicht unterschiedlich ausfallen. Normalerweise aber beträgt die Dopamin-Konzentration im Blutplasma weniger als 85 ng/l (Nanogramm pro Liter). Die Normwerte für Dopamin im 24-Stunden-Sammelurin schwanken stark von Labor zu Labor, abhängig von der Messmethode. Im Einzelfall gelten immer die auf dem jeweiligen Laborbefund angegebenen Normwerte.

Wann wird Dopamin bestimmt?

Dopamin ist kein Routine-Laborparameter. Seinen Spiegel messen Mediziner also nur aus bestimmten Anlässen - beispielsweise bei Verdacht auf eine Erkrankung, die mit veränderten Dopaminwerten verbunden ist (z.B. Phäochromozytom, Neuroblastom, Bluthochdruck). Außerdem nutzt man Dopamin manchmal zur Diagnose und Überwachung bestimmter Erkrankungen wie Parkinson. Die Messung hilft auch, die Wirksamkeit von Medikamenten zu bewerten, die sich auf die Dopaminspiegel auswirken.

Um genaue Messergebnisse zu erhalten, sollten Sie vor der Blutentnahme beziehungsweise vor und während der Urin-Sammelperiode auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel verzichten. Dazu zählen Bananen, Käse, Mandeln, Nüsse, Vanille, Tee, Kaffee und Alkohol. Nach Möglichkeit sind auch manche Medikamente zu meiden, darunter zum Beispiel:

  • einige Bluthochdruckmittel (z.B. alpha-Methyldopa, Guanethidin, Reserpin)
  • Barbiturate (Schlaf- und Beruhigungsmittel)
  • Clonidin
  • Salizylate (Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Fiebersenker)
  • Beta-Blocker (u.a. als Herzmittel)
  • gewisse Antibiotika (Sulfonamide, Tetrazykline)

Zudem sollten Sie vor der Blutentnahme sowie vor und während der Urin-Sammelperiode schwere körperliche Aktivität vermeiden. Vor der Entnahme der Blutprobe sollten Sie in der Arztpraxis mindestens 20 Minuten ruhig liegen.

Erhöhte und niedrige Dopaminwerte

Weitere mögliche Ursachen für erhöhte Dopamin-Werte sind zum Beispiel:

  • Phäochromozytom: Das ist ein seltener und meist gutartiger Tumor der Nebennierenrinde, der Dopamin und andere sogenannte Katecholamine produziert.
  • Neuroblastom: Diese seltene Krebserkrankung des Nervensystems tritt vor allem bei Kindern auf. Sie beeinflusst ebenfalls die Produktion von Dopamin (und anderen Katecholaminen)
  • Schizophrenie: Untersuchungen deuten darauf hin, dass bei schizophrenen Psychosen manche Hirnregionen zu viel Dopamin aufweisen, während in einer anderen Region zu wenig von dem Botenstoff vorhanden ist.
  • Medikamente: Manche Medikamente wie Antidepressiva, Antipsychotika, Parkinson-Medikamente und Aufputschmittel können die Dopaminwerte erhöhen.

Auch für niedrige Dopaminwerte im Körper kann es sowohl natürliche (physiologische) als auch krankhafte (pathologische) Gründe geben. Natürlicherweise ist der Dopaminspiegel zum Beispiel im Schlaf erniedrigt. Erkrankungen, die mit Dopaminmangel einhergehen, sind zum Beispiel Parkinson und Restless Legs.

Was tun bei verändertem Dopamin-Wert?

Wenn zu hohe oder niedrige Dopaminwerte gemessen werden, hängt das weitere Vorgehen von der Ursache dafür ab. Wenn zum Beispiel Stress für erhöhte Dopaminwerte sorgt, hilft gezielte Entspannung, das Gleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn wiederherzustellen. Haben veränderte Dopaminwerte eine krankheitsbedingte Ursache, gilt es, diese angemessen zu behandeln. Beispielsweise lässt sich der Dopamin-Mangel bei Parkinson mit Medikamenten ausgleichen, die entweder den fehlenden Botenstoff zuführen oder den Abbau des noch vorhandenen Dopamins hemmen.

Diagnose der Parkinson-Krankheit

Die Diagnosestellung erfolgt in der Regel durch eine neurologische Untersuchung mit Nachweis der für die Erkrankung typischen Beschwerden entweder beim niedergelassenen Neurologen oder in der Ambulanz für Bewegungsstörungen der Neurologischen Uniklinik. Weiterführende Untersuchungen können sehr hilfreich sein, um insbesondere in der Frühphase der Erkrankung oder bei Unsicherheit in Bezug auf die exakte Einordnung der Beschwerden eine verbesserte diagnostische Sicherheit zu erzielen. Zu diesen Untersuchungen gehören insbesondere ein sogenannter Parenchymultraschall, eine medikamentöse Testung und eine nuklearmedizinische Untersuchung.

Die Diagnose der Parkinson-Krankheit wird heute noch - wie vor 200 Jahren - primär klinisch gestellt. Die Movement Disorder Society hat die klinischen Kriterien zur Diagnose der Parkinson-Krankheit 2015 revidiert. Die Diagnosestellung setzt den Nachweis der Bradykinese in Kombination mit mindestens einem weiteren der Kardinalsymptome (Ruhetremor, Rigor) voraus.

Zudem wurden klare Ausschlusskriterien definiert, wie zum Beispiel:

  • das Vorliegen eines zerebellären Syndroms
  • eine supranukleäre Blickparese
  • das fehlende therapeutische Ansprechen auf eine hochdosierte dopaminerge Medikation
  • ein normaler nuklearmedizinischer Befund des präsynaptischen dopaminergen Systems.

In den Diagnosekriterien werden zudem „red flags“ (Warnsignale) definiert, die auf andere degenerative Erkrankungen hinweisen, so beispielsweise:

  • das rasche Fortschreiten einer Gangstörung, welche die Benutzung eines Rollstuhls innerhalb von 5 Jahren zur Folge hat
  • eine frühe bulbäre Dysfunktion wie Dysphonie (Stimmstörung) und Dysarthrie (Störungen des Sprechens) oder
  • eine schwere autonome Dysfunktion in den ersten 5 Jahren der Erkrankung.

Als unterstützende Kriterien für das Vorliegen einer Parkinson-Krankheit gelten neben dem klaren Ansprechen auf eine dopaminerge Therapie der Ruhetremor, eine Hyposmie sowie L-Dopa-assoziierte Dyskinesien.

Apparative Zusatzuntersuchungen

Apparative Zusatzuntersuchungen wie bildgebende Verfahren, z. B. Positronen-Emissions-Tomographie (PET), Dopamin-Transporter-Szintigrafie (DaTSCAN) und MRT, haben in der Patientenversorgung lediglich einen bestätigenden Charakter. Sie dienen zur Ausschlussdiagnose von Erkrankungen, die mit einem atypischen Parkinson-Syndrom einhergehen (z. B. Normaldruckhydrozephalus).

Genetische Diagnostik

Monogenetisch bedingte Formen der Parkinson-Krankheit betreffen circa 5-10 % der Parkinson-Patienten. Dabei kann zwischen autosomal-dominanten und autosomal-rezessiven Erbgängen unterschieden werden. Nach heutigem Stand sind bei der klassischen Parkinson-Krankheit 3 autosomal-rezessive Gene (PRKN, PINK1, DJ-1) und 3 autosomal-dominante Gene (SNCA, LRRK2, VPS35) bekannt.

Eine genetische Testung eines Parkinson-Patienten wird empfohlen, wenn die Erkrankung vor dem 40. Lebensjahr auftritt oder mehr als 2 Verwandte in direkter Linie ebenfalls an Parkinson erkrankt sind oder waren.

Nachweis von Alpha-Synuklein

Der immunhistochemische Nachweis von aggregiertem Alpha-Synuklein in sogenannten Lewy-Körperchen im Gehirn ist nach wie vor der Goldstandard für die objektive Diagnose einer Parkinson-Krankheit. Jüngere Arbeiten haben gezeigt, dass der Nachweis von phosphoryliertem Alpha-Synuklein bei Parkinson-Patienten auch aus anderen Geweben gelingen kann, darunter Kolonschleimhaut, Speicheldrüse und Haut.

Behandlung der Parkinson-Krankheit

Medikamente können die motorischen Einschränkungen bei Parkinsonsyndromen deutlich verbessern. Zur diagnostischen Einschätzung und zur Beurteilung von Behandlungsmöglichkeiten bei Patienten mit Morbus Parkinson und atypischen Parkinsonsyndromen können L-DOPA-Tests und Apomorphin-Tests erfolgen. Hierbei werden genau definierte Mengen von L-DOPA (Vorstufe von Dopamin, das bei der Parkinsonerkrankung fehlt) oder Apomorphin (Dopaminagonist, Wirkung erfolgt über die Bindungsstellen für Dopamin im Gehirn) entweder zum Trinken gegeben (L-DOPA) oder unter die Haut injiziert (Apomorphin). Ein weiterer Test ist der sogenannte Clozapin-Test. Bei verschiedenen Formen von Tremorerkrankungen einschließlich des Parkinson-Tremors kann eine Behandlung mit Clozapin zu einem deutlichen Rückgang des Tremors führen.

Der Verlust dopaminerger Nervenzellen im Gehirn kann durch Tabletten-Gabe von L-DOPA, der Vorstufe von Dopamin, ausgeglichen werden. L-DOPA wird dann im Gehirn in Dopamin umgewandelt und kann dort seine Aufgaben weiterhin übernehmen. L-DOPA ist eindeutig der wirksamste für die Behandlung der Parkinsonerkrankung zur Verfügung stehende Wirkstoff, und jeder Parkinsonpatient wird irgendwann auf die Behandlung mit diesem Wirkstoff angewiesen sein. Hierzu gehören insbesondere die Dopaminagonisten, die an die gleichen Bindungsstellen wie Dopamin im Gehirn binden können und somit eine dem Dopamin vergleichbare Wirkung auslösen, ohne aber wie das Dopamin gleich wieder abgebaut zu werden. Mittlerweile stehen mehrere Dopaminagonisten zur Verfügung, die entweder als Tablette eingenommen oder als Pflaster appliziert werden. Ein besonderer Vorteil dieser Wirkstoffe ist die häufig lange Halbwertzeit, d.h.

Weiterhin effektiv zur Behandlung der Parkinsonerkrankung sind Wirkstoffe, die den Abbau von Dopamin verzögern, so dass Dopamin länger für eine Wirkung an den Dopaminbindungsstellen im Gehirn zur Verfügung steht. Zu diesen Wirkstoffen gehören die sogenannten MAO-B-Inhibitoren, die als zusätzlichen Effekt möglicherweise den Verlauf der Erkrankung verzögern können, und die sogenannten COMT-Hemmer. Bei einer Zunahme der Beschwerden der Erkrankung können die unterschiedlichen Wirkstoffe miteinander kombiniert werden und die Dosis der einzelnen Wirkstoffe gesteigert werden. Dennoch nehmen die Beschwerden im Verlauf der Erkrankung immer weiter zu, und es können ungleichmäßige Wirkungen der Antiparkinsonmedikation auftreten mit plötzlichen Phasen von Steifigkeit (Wearing-Off, Sudden-Off) oder Überbeweglichkeiten (Dyskinesien).

Als Pumpentherapien bei der Parkinsonerkrankung stehen die Apomorphinpumpe und die Behandlung mit einem L-DOPA-Gel (Duodopa-Pumpe) zur Verfügung. Entscheidendes Prinzip bei einer Pumpentherapie ist die gleichmäßige Gabe von Medikamenten im Gegensatz zu der ungleichmäßigen (pulsatilen) Gabe der Tabletten, und damit eine gleichmäßige Stimulation von Dopamin-Bindungsstellen im Gehirn. Apomorphin ist ein sogenannter Dopaminagonist, der an die Dopamin-Bindungsstellen im Gehirn bindet. Apomorphin kann über eine kleine Pumpe und eine Nadel gleichmäßig unter die Haut infundiert werden. Alternativ kann L-DOPA bei der Duodopa-Pumpe in Form eines Gels direkt in den Dünndarm infundiert werden.

Medikamentöse Therapie

Nach wie vor ist die Dopamin-Ersatztherapie der wichtigste Baustein in der medikamentösen Therapie der Parkinson-Krankheit. Damit ist die Gabe der Dopamin-Vorläufersubstanz Levodopa und anderer Antiparkinsonika gemeint, die die Wirkung von Levodopa und Dopamin verstärken sowie Dopamin-Agonisten (Dopamin-Nachahmer).

Der Neurotransmitter Dopamin fehlt bei Morbus Parkinson im Hirn. Dopamin kann die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden, während seine Vorstufe Levodopa das kann. Damit mehr Levodopa im Hirn zu Dopamin verstoffwechselt werden kann, wird sein Abbau außerhalb des Gehirns mit Benserazid oder Carbidopa gehemmt. Diese Zusatzstoffe sind in allen Levodopa-Präparaten enthalten.

Neben L-Dopa-Präparaten ist die Gabe von Dopaminagonisten üblich. Diese Medikamente verstärken die noch vorhandene Dopaminwirkung indem sie die Dopamin-Rezeptoren stimulieren. Typische Vertreter sind klassische Mutterkornalkaloide als Ergot-Dopaminagonisten wie Bromocriptin, Cabergolin, Lisurid und Pergolid. Des Weiteren kommen selektive D2-Rezeptoragonisten wie Apomorphin, Pramipexol und Ropinirol als Non-Ergot-Dopaminagonisten in Frage.

COMT-Hemmer wie Entacapon und Tolcapon steigern die Dopaminkonzentration im zentralen Nervensystem (ZNS) indem sie das Levodopa und Dopamin abbauende Enzym Catechol-O-Methyltransferase kompetitiv hemmen. COMT-Hemmer werden grundsätzlich zusammen mit Levodopa verabreicht.

MAO-B-Hemmer wie Safinamid, Selegilin und Rasagilin verlangsamen den Dopaminabbau im Gehirn.

Eine verbesserte Beweglichkeit kann mit Amantadin erreicht werden - insbesondere in der akinetischen Krise. Der Wirkstoff bremst die Überaktivität acetylcholinerger striataler Interneurone und wirkt als schwacher Antagonist an NMDA-Rezeptoren. Darüber hinaus vermindert Amantadin die Dopamin-Wiederaufnahme in die präsynaptischen Neuronen und steigert so das Dopaminangebot im ZNS.

Gegen Muskelzittern werden mitunter Anticholinergika wie Biperiden oder Bornaprin verordnet. Aufgrund ihres ungünstigen Nebenwirkungsprofils haben diese Wirkstoffe beim Idiopathischen Parkinson-Syndrom aber kaum noch Relevanz.

Gentherapeutika

Bei der Gentherapie werden gentechnische modifizierte Viren beidseits in das Striatum injiziert. Die Virusvektoren sind mit Informationen beladen, die die Synthese der Dopamin-bildenden Enzyme Aromatische-L-Aminosäure-Decarboxylase, DGTP-Cyclohydrolase und Tyrosinhydroxylase unterstützen. Infolge wird die Dopaminausschüttung in der striatalen Hirnzellpopulation gesteigert.

Frühe Diagnose und Neuroprotektion

Eine frühzeitige Diagnose kann sehr hilfreich sein, damit der Zelluntergang der verbleibenden dopaminergen Nervenzellen verhindert werden kann. Dieser Nervenzellschutz wird als Neuroprotektion bezeichnet. Derzeit gibt es keine zugelassenen Wirkstoffe, die eine eindeutige Neuroprotektion gewährleisten. Es gibt aber einige erfolgversprechende Wirkstoffe in der klinischen Erprobung.

Bedeutung der Forschung und Ausblick

Obgleich für die Parkinson-Krankheit noch keine kausalen Therapien zur Verfügung stehen, ist eine frühe und möglichst objektive Diagnosestellung aus mehreren Gründen sinnvoll. Patienten und Angehörige haben den berechtigten Anspruch auf Klarheit über Diagnose, symptomatische Behandlungsmöglichkeiten und Prognose. In naher Zukunft ist zu erwarten, dass die genetische, biochemische und bildgebende Subklassifikation von Parkinson-Patienten eine präzisere und wirksamere Therapie zulassen wird.

Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und des University College London ist es jetzt gelungen, die Parkinson-Erkrankung anhand von Blutproben und künstlicher Intelligenz bei Patienten mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko sieben Jahre vor dem Auftreten der typischen motorischen Symptome vorherzusagen. In einem ersten Schritt wurden Proteine in Blutproben von Parkinsonpatienten der Paracelsus-Elena-Klinik Kassel und gesunden Studienteilnehmern mittels moderner Massenspektrometrie analysiert. Es konnten 23 Proteine identifiziert werden, die Unterschiede zwischen den erkrankten und gesunden Teilnehmern aufwiesen und somit als Biomarker für die Erkrankung infrage kommen.

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