Parkinson-Dusche: Hilfsmittel für mehr Sicherheit und Unabhängigkeit im Badezimmer

Viele Menschen denken fälschlicherweise, dass Badehilfen nur für ältere oder behinderte Menschen gedacht sind. Tatsächlich werden sie aber in immer mehr Haushalten eingesetzt, um Gästen mit besonderen Bedürfnissen gerecht zu werden oder einfach den Komfort beim Baden, Duschen oder Toilettengang zu erhöhen. Besonders für Menschen mit Parkinson können diese Hilfsmittel den Alltag erheblich erleichtern.

Warum sind Badehilfen bei Parkinson sinnvoll?

Die Parkinson-Krankheit kann verschiedene Lebensbereiche einschränken. Wie stark diese Einschränkungen sind, hängt von der Ausprägung der Symptome und der Parkinsonform ab. Typische Symptome wie Tremor (Zittern), Rigor (Steifheit), Akinese (Bewegungsverlangsamung) und posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen) können die Körperpflege erschweren und das Sturzrisiko erhöhen.

Badehilfen können hier Abhilfe schaffen, indem sie:

  • Das Sturzrisiko beim Duschen und Baden verringern
  • Die Sicherheit im Badezimmer erhöhen
  • Die Selbstständigkeit im Alltag fördern
  • Den Alltag für Betroffene und Pflegepersonal erleichtern

Typische Hilfsmittel für die Dusche

Duschhocker und Duschstühle: Mehr Sicherheit und Komfort

Ein Duschhocker ist ein praktisches Hilfsmittel für Menschen, die beim Duschen nicht sicher oder dauerhaft stehen können. Er bietet eine stabile Sitzmöglichkeit in der Dusche und sorgt so für mehr Sicherheit, Komfort und Selbstständigkeit im Badezimmer - ob im Alter, bei Krankheit, nach einer Operation oder bei körperlicher Einschränkung.

Ein Duschhocker ist ein kompakter, höhenverstellbarer Sitz ohne Rückenlehne, der speziell für den Einsatz in der Dusche entwickelt wurde. Rutschfeste Gummifüße sorgen für festen Stand auf nassem Boden, während die wasserabweisenden Materialien eine einfache Reinigung ermöglichen.

Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen

Wann braucht man einen Duschhocker?

  • Bei Gleichgewichtsstörungen oder Schwächegefühl
  • Nach Operationen, z. B. an Hüfte, Knie oder Wirbelsäule
  • Bei chronischen Erkrankungen wie Arthritis, Parkinson oder MS
  • In der Pflege zu Hause - zur Entlastung von Angehörigen und Pflegepersonal
  • Bei altersbedingter Unsicherheit beim Stehen in der Dusche

Duschstuhl: Wenn Sie sich auf einem Hocker nicht sicher genug fühlen, sollten Sie lieber einen Duschstuhl verwenden. Mit der zusätzlichen Rückenlehne und den Armlehnen bietet er noch mehr Halt und Sicherheit. Auch fahrbare Modelle auf Rollen sind verfügbar.

Die meisten funktionalen Hocker zum Duschen bestehen aus Kunststoff und Aluminium. Das sind leichte und stabile Materialien, die außerdem wasserfest sind. Ein klassischer Duschhocker hat eine einfache Sitzfläche und oft Haltegriffe an den Seiten. Die auf dem Hocker sitzende Person kann sich an den Griffen mit einer Hand festhalten, um zum Beispiel beim Herunterbeugen guten Halt zu haben. Außerdem können Sie den Hocker mit Hilfe der Griffe leichter bewegen.

Klappbare oder faltbare Duschhocker lassen sich mit einem einfachen Handgriff zusammenlegen. Sie können auf diese Art aber auch ihren gewohnten Hocker auf Reisen mitnehmen und ihn in jedem fremden Badezimmer mühelos aufstellen.

Viele Badhocker haben eine einheitliche Standardgröße und sind damit für die meisten Menschen gut geeignet. Für etwas größere oder etwas kleinere Menschen ist das problematisch. Die Höhe des Duschhockers stellen Sie ein, indem Sie die einzelnen Beine des Duschhockers gleichermaßen verlängern oder verkürzen. Bei Sitzmöbeln gilt der Richtwert: Körpergröße / 3,72 = Sitzhöhe. Bei einer Körpergröße von 175 cm also etwa 47 cm. Bei Duschhockern sitzen manche Personen gerne etwas tiefer, um leichter an die unteren Körperregionen zu kommen.

Bei drehbaren Duschhockern ist die Sitzfläche so gelagert, dass sie sich frei im Kreis drehen lässt. Das kann im Einzelfall hilfreich sein, wenn Sie sich auf dem Hocker oft nach links und rechts drehen. Drehbare Duschhocker kommen also nur für Menschen mit einer guten Bewegungskoordination in Frage. Für weniger mobile Nutzer können sie unangenehm oder sogar gefährlich sein und Stürze verursachen.

Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt

Der Hygieneausschnitt ist eine kleine Aussparung in der Mitte der Sitzfläche. Wenn Sie den Ausschnitt als eher unbequem empfinden, können Sie sich vor und nach der Reinigung des Intimbereichs mit einem wasserfesten und rutschfesten Sitzkissen oder Waschlappen helfen.

Eine elegante Lösung ist der klappbare Duschhocker mit Wandmontage. Wenn Sie den Hocker benötigen, klappen Sie ihn herunter. Voraussetzung ist allerdings, dass die Wand sich für die etwas aufwändigere Montage eignet. Denn nur mit einer soliden Befestigung an der Duschwand bietet dieser Hocker einen wirklich sicheren Sitz.

Manche Personen stellen den Duschhocker außerdem gerne in die Ecke der Dusche, weil sie sich dort sicherer fühlen. Denn der Hocker hilft Ihnen, körperliche Beschwerden auszugleichen und alltägliche Notwendigkeiten wie die Körperpflege selbstständiger zu erledigen.

Haltegriffe: Zusätzliche Sicherheit und Unterstützung

Kämpfen Sie mit fehlender Kraft oder Gang- und Stehunsicherheit unterstützt Sie für den Erhalt Ihrer Eigenständigkeit ein zusätzlicher Haltegriff. Ob neben der Toilette, als Einstiegshilfe in die Wanne oder unterstützend beim Duschen gibt es Haltegriffe als stützendes Hilfsmittel zum Bohren, Kleben oder als mobile Variante zum Ansaugen.

Das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes bezeichnet die hier beschriebenen Haltegriffe für das Bad in seiner „Produktgruppe 04“ der Bade- und Duschhilfen als Sicherheitsgriffe. Haltegriffe eignen sich insbesondere für ältere oder pflegebedürftige Menschen, die nicht mehr so sicher auf den Beinen sind. Dafür haben sie aber noch genügend Kraft in Händen und Armen, um sich festhalten oder hochziehen zu können.

Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson

Beachten Sie, wo Sie oder Ihr Angehöriger sich festhalten möchten, wenn Sie Toilette, Badewanne oder Dusche benutzen. Dort ist der ideale Platz für einen Haltegriff. Es gibt Haltegriffe und Stangensysteme für jeden Bereich in Ihrem Badezimmer. Die Größen sind in der Regel variabel, ebenso wie die Anbringung.

Viele Haltegriff-Systeme gibt es mittlerweile auch als Saughaltegriff. Diese können Sie mit wenigen Handgriffen anbringen und auch wieder ablösen. In der Regel halten die Saughaltegriffe bis zu einer Zugkraft von 70 bis 100 Kilogramm.

Für die Dusche eignen sich fast alle Haltegriff-Systeme, die sich an der Wand anbringen lassen. Die betroffenen Personen können sich an horizontalen, vertikalen oder schrägen Haltegriffen während der Dusche festhalten. Die Höhe, in der Sie Haltegriffe in der Dusche anbringen sollten, liegt laut DIN-Vorschrift für barrierefreies Bauen (DIN 18040-2) bei 85 Zentimeter.

Badewannenlifter, -Bretter und -Sitze

Selbst für die Badewanne gibt es verschiedene Konstruktionen und Zubehör, die unterstützend wirken können. Dazu zählen zunächst einmal ein Badewannenlifter mit eventuell benötigter Transferhilfe für den Badewannenlift, ein Badewannenbrett oder Badewannensitz sowie auch Einstiegshilfen, die das Aufstehen und Hinsetzen erleichtern sollen. Diese können entweder in Form von Griffen an der Wand angebracht oder als Stützen an der Badewanne selbst befestigt werden. Für den Einstieg in die Wanne eignet sich unter anderem eine Badewannen-Einstieghilfe. Meistens ist es allerdings empfehlenswert, an der gegenüberliegenden Wand zusätzlich einen zusätzlichen Haltegriff anzubringen. Es gibt Badewannengriffe, die fest an der Wand montiert werden, und welche, die sich mittels Saugnäpfe flexibel montieren und demontieren lassen.

Gerade in der Badewanne hilft es aber auch, wenn man mit den Füßen Halt findet, um sich zu stabilisieren. Sie sollten Badewannengriffe so an der Wand positionieren, dass Sie Ihrem Angehörigen sowohl beim Einstieg und Hinsetzen in die Wanne als auch beim Ausstieg sicheren Halt bieten. Eine Badewannen-Einstieghilfe wird auf dem Wannenrand montiert, wo Sie oder Ihr Angehöriger sich beim Einstieg festhalten können.

Hilfsmittel für den Toilettengang

Hilfen für den selbstständigen Toilettengang wie Haltegriffe, Stützklappgriffe oder eine Toilettensitzerhöhung mit Armlehnen kommen heute in vielen Haushalten zum Einsatz.

Nach Operationen der Hüfte unterstützt Sie eine Toilettensitzerhöhung. Je nach Einschränkung gibt es diese als fest montierte WC Sitzerhöhung mit Armlehnen oder als WC Beckenerhöhung ohne Armlehnen zum festen, aber auch mit seitlicher mobiler Klammerbefestigung, für die Lösung zwischendurch. Es gibt eine Vielzahl von Toilettensitzerhöhunen, die variabel in der Sitzhöhe oder im Sitzwinkel einstellbar sind.

Für die Toilette eignen sich zum einen Haltegriffe für die Wand, sofern diese sich in Greifnähe befindet. Es sollten möglichst L-förmige Griffe sein: Der waagrechte Teil unterstützt die Aufstehbewegung, während der senkrechte Griff das Hochziehen und Aufrichten erleichtert. Stützgriffe können das volle Körpergewicht der sich aufstützenden Person tragen. Ist diese auf einen Rollstuhl angewiesen, sollte mindestens ein Stützgriff klappbar sein. Stützklappgriffe müssen Sie ebenfalls nach DIN 18040-2 in einer Höhe von 28 Zentimeter über der Sitzhöhe anbringen. Dabei ist es besonders wichtig, dass Sie sie fest mit Schrauben und Dübeln in einer tragfähigen Wand montieren.

Schaffen Sie den Gang zur Toilette nicht mehr, ist die Lösung in der häuslichen oder professionellen Pflege der Toilettenstuhl oder der Toilettenrollstuhl, der auch über das WC-Becken gefahren werden kann.

Weitere nützliche Hilfsmittel für den Alltag mit Parkinson

Neben den spezifischen Bade- und Toilettenhilfen gibt es eine Reihe weiterer Hilfsmittel, die den Alltag mit Parkinson erleichtern können:

  • Anti-Freezing-Stock: Hilft plötzliche Bewegungsstopps zu überwinden.
  • Verstellbare Badmöbel: Waschbecken und Spiegel sollten höhenverstellbar sein, um die Körperpflege im Sitzen zu ermöglichen.
  • Langer Schuhlöffel: Erleichtert das Anziehen von Schuhen.
  • Knöpfhilfe: Erleichtert das Schließen von Knöpfen.
  • Reißverschluss-Hilfe: Erleichtert das Öffnen und Schließen von Reißverschlüssen.
  • Deckelöffner: Erleichtert das Öffnen von Gläsern und Flaschen.
  • Schlüsseldrehhilfe: Erleichtert das Drehen von Schlüsseln im Schloss.
  • Sicherheitsgriffe und Aufrichthilfen: Bieten Halt und Sicherheit im gesamten Haus.
  • Hausnotruf-System: Sorgt für schnelle Hilfe nach einem Sturz.
  • EazyHold® Universal-Manschette: Ermöglicht es Kindern und Erwachsenen, viele Gegenstände mit Leichtigkeit zu greifen, halten und zu benutzen.
  • Abgewinkeltes Messer mit rutschfestem Griff: Eine tolle Küchenhilfe für Senioren und Menschen mit Handicap.
  • Küchen-Arbeitsstation: Bietet eine optimale Unterstützung bei der Essenszubereitung - beim einhändigen Gebrauch (z.B. nach Schlaganfall) oder für Senioren mit schwachen Händen.
  • Anti-Rutsch Unterlage: Verhindert das Verrutschen von Gegenständen.
  • Spielkartenhalter: Erleichtert das Halten von Spielkarten.
  • Zugring-Dosenöffner: Sorgt für ein einfaches Öffnen von Konserven- und Getränkedosen mit Zugring.
  • Haarbürste mit extra langem Griff: Ideal für Personen, die Schwierigkeiten haben, die Arme zu heben.
  • Einhand-Schneidebrett: Ermöglicht das Schneiden von Lebensmitteln mit nur einer Hand.
  • Flaschenhalter Bottle Monkey: Erleichtert das Einschenken von Getränken aus PET-Flaschen.
  • Rutschfester Deckelöffner in Entenform: Erleichtert das Aufdrehen von Schraubverschlüssen.

Finanzierung und Zuschüsse

Duschhocker können im Einzelfall auch als Pflegehilfsmittel gelten. In diesem Fall brauchen Sie einen Pflegegrad und statt der Krankenkasse kommt die Pflegekasse für die Kosten auf. Außerdem gelten andere Regelungen bei der Zuzahlung. Für Pflegehilfsmittel benötigen Sie außerdem nicht unbedingt ein ärztliches Rezept. In einigen Fällen reicht eine verbindliche Empfehlung von bestimmten Personen aus.

Wenn die Haltegriffe im Hilfsmittelverzeichnis gelistet sind - das sind sie in der Produktgruppe „Sicherheitsgriffe und Aufrichthilfen“ - und ein Arzt sie verordnet, kommt die gesetzliche Krankenkasse für die Kosten auf.

Haben Sie einen Pflegegrad beantragt? Dann sprechen Sie Ihrem Gutachter darüber, das Badezimmer sicherer zu machen. Er kann im Gutachten bestimmte Hilfsmittel verbindlich empfehlen.

Liegt eine Pflegestufe oder ein Pflegegrad vor, können Sie bei der Pflegekasse einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro für Umbaumaßnahmen im Bad beantragen. Das beauftragte Sanitätshaus reicht hierzu einen Kostenvoranschlag bei Ihrer Kasse ein, welcher dann zunächst genehmigt werden muss. Grundlage für den Antrag bei der Kasse ist das Rezept der behandelnden Arztes. Er entscheidet mit darüber, welche Hilfsmittel sinnvoll sind.

Beratung und Kauf

Vor dem Kauf von Haltegriffen fürs Bad empfehlen wir Ihnen:

  • Lassen Sie sich von den Mitarbeitern in einem Sanitätshaus beraten, welche Lösung für Sie in Frage kommt.
  • Stimmt das Körpergewicht des Menschen, der den Haltegriff nutzen soll, mit der maximalen Belastbarkeit überein?
  • Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, welche Haltegriff-Lösungen sie bezuschusst.

Funktionale Duschhocker, die Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Körperpflege erleichtern, kaufen Sie am besten im Sanitätshaus oder im Online-Fachhandel. Neben dem Sanitätshaus und in Online-Shops finden Sie Badhocker auch in Baumärkten, Drogerien oder sogar Supermärkten. Dort finden Sie aber in der Regel Modelle, die eher optisch ansprechend als funktional sind.

Wenn Sie sich konkrete Produkte ansehen oder diese ausprobieren möchten, wenden Sie sich am besten an ein Sanitätshaus. Wenn Ihr Arzt einfach nur „Duschhocker“ auf das Rezept schreibt, erhalten Sie nur ein einfaches Standardmodell. Wenn Sie besondere Anforderungen haben, zum Beispiel aufgrund Ihrer Körpergröße, dann sollte dies auf dem Rezept konkret vermerkt werden.

tags: #parkinson #dusche #haltegrif