Parkinson-Krankheit und kognitive Beeinträchtigung

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die weltweit Millionen von Menschen betrifft. In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen von Parkinson betroffen, von insgesamt 6,1 Millionen weltweit. Die Krankheit manifestiert sich hauptsächlich durch motorische Symptome, aber auch kognitive Beeinträchtigungen sind eine häufige Begleiterscheinung, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann.

Was ist die Parkinson-Krankheit?

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen absterben, insbesondere in der Substantia nigra. Dies führt zu einem Mangel an Dopamin, einem Neurotransmitter, der für die Weiterleitung von Nervenreizen verantwortlich ist. Dopamin steuert unter anderem unsere körperlichen Bewegungen. Fehlt dieser Botenstoff, kommt es quasi zu einem Wackelkontakt oder Leitungsschaden. So entstehen die für Parkinson typischen motorischen Symptome wie das Zittern, die reduzierte Beweglichkeit und die steifen Muskeln. Die Ursachen für das Absterben der Nervenzellen sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt verschiedene Risikofaktoren, die eine Rolle spielen können.

Motorische Hauptsymptome

Die Parkinson-Krankheit ist in den meisten Fällen eine langsam fortschreitende Erkrankung, die motorische, aber auch nicht motorische Symptome beinhaltet. Charakteristische motorische Symptome der Parkinson-Krankheit sind die verlangsamte Bewegung (Bradykinese), das Zittern (Tremor), Gleichgewichtsstörungen und die Steifheit der Muskeln (Rigor).

  • Tremor (Zittern): Mit Parkinson verbinden die meisten Menschen vor allem zitternde Hände. Experten nennen das einen Tremor. Tatsächlich sind häufig die Hände betroffen, aber das Zittern kann auch in den Beinen oder im Unterkiefer auftreten. Zu Beginn der Erkrankung ist oft nur eine Seite des Körpers betroffen, später dann beide. Für die Betroffenen ist das Zittern in mehrerlei Hinsicht problematisch.
  • Bradykinese (verlangsamte Bewegung): Betroffene sind deutlich weniger beweglich. Mediziner beschreiben den Gang Betroffener als kleinschrittig: Die Arme auf der führend betroffenen Seite schwingen nicht mit, die Bewegungen wirken eckig, abgehackt und langsam. Die Betroffenen sind teilweise auf Hilfe angewiesen.
  • Rigor (Muskelsteifheit): Die Muskeln versteifen sich. Die Steifheit der Muskeln zeigt sich auch im Gesicht und verursacht die für die Erkrankung ebenfalls typische eingefrorene Mimik.

Nicht-motorische Symptome

Neben den motorischen Symptomen treten bei der Parkinson-Krankheit auch eine Reihe von nicht-motorischen Symptomen auf, die oft schon Jahre vor den Bewegungsproblemen auftreten können.

  • Riechstörung: Ein charakteristisches Frühsymptom der Parkinson-Erkrankung, das oft schon Jahre vor den Bewegungssymptomen auftritt, ist eine Riechstörung. Neun von zehn Patientinnen und Patienten sind davon betroffen. Manchmal ist auch der Geschmackssinn beeinträchtigt, was zur Appetitlosigkeit führt.
  • Schlafstörungen: Ein weiteres Frühsymptom sind Schlafstörungen. Betroffene haben Ein- und Durchschlafprobleme, häufig sind auch ungesteuerte Beinbewegungen sowie Krämpfe.
  • Verstopfung: Eine häufige Begleiterscheinung sind Verstopfungen. Man geht davon aus, dass auch die Darmtätigkeit von den steifen Muskeln beeinträchtigt ist.
  • Blasenprobleme: Typisch sind außerdem Probleme mit der Blase, vor allem ein häufiger Harndrang.
  • Schluck- und Sprechstörungen: Hinzu kommt, dass im Verlauf der Erkrankung das Kauen, Schlucken und sogar das Sprechen schwerfällt, da auch die Mundmuskulatur versteift.
  • Kognitive Einschränkungen: Bereits am Anfang der Parkinson-Krankheit können zudem leichte kognitive Einschränkungen bestehen, also beispielsweise Probleme, sich an Dinge zu erinnern. Im Verlauf können sich diese dann deutlich verschlechtern.
  • Psychische Probleme: Depressionen, Angststörungen und Demenz. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität stark.

Risikofaktoren und Ursachen

Was genau dazu führt, dass Nervenzellen in der Substantia nigra absterben, ist bis bislang noch nicht abschließend erforscht. Es gibt viele unterschiedliche Risikofaktoren. Ein bekannter Risikofaktor für Parkinson ist das Alter: die meisten Betroffenen sind bei Diagnose über 60 Jahre alt. Aber es gibt auch Patientinnen und Patienten, die bereits in jüngeren Jahren erkranken. Heute sind mehrere Gene bekannt, die das Risiko einer Parkinson-Erkrankung erhöhen. Solche Risiko-Gene sind beispielsweise GBA, LRRK2, PRKN (auch Parkin genannt) oder SNCA. Ist eines oder sind mehrere dieser Gene verändert (mutiert), dann erhöht sich das Risiko deutlich, im Laufe des Lebens an Parkinson zu erkranken.

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Weitere mögliche Dinge, die eine Erkrankung beeinflussen, sind Umwelt- und Lebensstilfaktoren. So scheinen Pestizide einen Einfluss zu haben, genauso wie Lösungsmittel oder sogenannte polychlorierte Biphenyle. Auch häufige Kopftraumata, also Verletzungen oder Gehirnerschütterungen, können das Parkinson-Risiko erhöhen.

Stadien der Parkinson-Krankheit

Parkinson ist eine fortschreitende Erkrankung. Experten unterteilen die Krankheit in fünf Stadien - je nach Stärke und Ausprägung der Symptome.

  • Stadium 1: Im ersten Stadium haben die Betroffenen nur milde Symptome, ihr tägliches Leben ist kaum eingeschränkt.
  • Stadium 5: Im fünften Stadium sind sie stark pflegebedürftig, brauchen z.B. Wie schnell der Krankheitsverlauf voranschreitet, ist individuell sehr unterschiedlich und lässt sich nicht zu Beginn der Erkrankung vorhersagen. Man weiß aber, dass sich Bewegung und Sport positiv auswirken und den Verlauf verlangsamen können, genauso wie ausreichend Schlaf und eine mediterrane Ernährung (auch Mittelmeer-Diät genannt). Ein Sozialleben mit vielen Kontakten, Gespräche und gemeinsame Aktivitäten wie z.B. Tanzen, können der Entwicklung einer Demenz entgegenwirken.

Diagnose und Therapie

Die Parkinson-Diagnose wird meistens durch einen Facharzt gestellt, also einem Neurologen. Der Arzt untersucht den Patienten dafür körperlich und achtet dabei besonders auf Parkinson-Symptome. Der Mediziner prüft beispielsweise, ob die Hände zittern, wenn sie ruhen, also nicht belastet werden. Außerdem schaut er, ob die Bewegungsabläufe verlangsamt sind und/oder die Arm-, Bein- und Rumpfmuskulatur versteift ist. Außerdem kann es sein, dass der Arzt einen Riechtest macht, eine Ultraschalluntersuchung einer bestimmten Hirnregion (Substantia nigra) oder ein MRT.

Diese Therapien zur Linderung von Parkinson-Symptomen umfassen körperliches Training und Krankengymnastik (Physiotherapie). Das älteste medikamentöse Therapieprinzip ist es, Dopamin zuzuführen - also den Botenstoff, der bei Parkinson-Betroffenen nicht mehr in ausreichender Menge vom Körper produziert wird. Das Mittel Levodopa ist bereits seit den frühen 70er Jahren zur Behandlung der Parkinson-Erkrankung zugelassen. Es verbessert die typischen Parkinson-Symptome wie das Zittern, die verlangsamten Bewegungen und die Steifheit der Muskeln.

Ein weiteres Problem ist die begrenzte Wirkdauer: Die Parkinsonsymptome werden zwar gut unterdrückt, aber nicht durchgehend bis zur Einnahme der nächsten Dosis. Wenn der Wirkspiegel des Medikamentes im Blut abnimmt, aber noch nicht Zeit für die nächste Tablette ist, kann der Patient Symptome bekommen. Solche Probleme treten bei einer anderen Wirkstoffklasse vermindert auf: den sogenannten Dopaminagonisten. Dabei handelt es sich um Substanzen, die dem Botenstoff Dopamin sehr ähnlich sind, aber die nicht genau gleich aufgebaut sind.

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Sogenannte Monoaminooxidase-B-Hemmer (MAO-B-Hemmer) werden eingesetzt, um den Abbau von Dopamin im Gehirn zu stoppen. Sie helfen quasi, Dopamin zu recyclen, sodass der Körper es mehrfach verwenden kann: Normalerweise wird Dopamin abgebaut, nachdem es an einen sogenannten Dopamin-Rezeptor gebunden und seine Wirkung entfaltet hat. Sogenannte Adenosin-Rezeptor-Antagonisten und COMT-Inhibitoren werden gegeben, um die oben beschriebene Wirklücke bei Levodopa bis zur nächsten Gabe zu überbrücken. Auch Decarboxylasehemmer können mit Levodopa zusammen gegeben werden.

An invasiven therapeutischen Verfahren stehen die Behandlung mit einer Dopamin- oder Apomorphinpumpe oder eine tiefe Hirnstimulation zur Verfügung. Bei der Dopaminpumpe wird flüssiges Medikament über eine Sonde durch die Bauchhaut hindurch in den oberen Dünndarm geleitet. Bei der Apomorphinpumpe wird das Medikament über die Bauchhaut in das Unterhautfettgewebe verabreicht. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die tiefe Hirnstimulation, also das Einsetzen eines Hirnschrittmachers. Die tiefe Hirnstimulation wird bereits seit vielen Jahren erfolgreich durchgeführt. Der Schrittmacher muss allerdings in einer Operation eingesetzt werden: Dem Patienten werden in einem chirurgischen Eingriff Elektroden in das Gehirn implantiert. Durch elektrische Stimulation dieser Elektroden werden dann die Parkinsonsymptome unterbunden.

Eine Parkinson-Erkrankung kann weitere Erkrankungen Depressionen, Angststörungen und Demenz nach sich ziehen. Auf Parkinson spezialisierte Neurologinnen und Neurologen erkennen eine Depression oder Angststörungen frühzeitig und können eine Behandlung beginnen. Die besteht in der Regel aus einer medikamentösen Therapie mit Antidepressiva und einer Psychotherapie, für die Betroffene zu einem Psychotherapeuten oder Psychologen überweisen werden.

Für die Parkinson-Erkrankung gibt es bisher keine Heilung. Die Krankheit ist aber in allen fünf Stadien sehr gut behandelbar. Die Medikamente, die es gibt, können bei den allermeisten Patienten die jeweiligen Symptome gut lindern. Unterstützend werden sogenannte nicht medikamentöse Therapien eingesetzt, wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Einige Dinge können Patientinnen und Patienten auch selbst tun, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Kognitive Beeinträchtigungen bei Parkinson

Kognitive Beeinträchtigungen sind ein häufiges Merkmal der Parkinson-Krankheit (PK) und treten oft zusammen mit den klassischen motorischen Symptomen von Anfang an auf. Bereits am Anfang der Parkinson-Krankheit können zudem leichte kognitive Einschränkungen bestehen, also beispielsweise Probleme, sich an Dinge zu erinnern. Im Verlauf können sich diese dann deutlich verschlechtern.

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Was ist Kognition?

Das Wörterbuch versteht unter dem Begriff „Kognition“ die Gesamtheit aller Fähigkeiten des Menschen, die mit Gedächtnis, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Sprache, Denken, Problemlösen und Intelligenz in Zusammenhang stehen. ‚Kognition‘ ist ein Sammelbegriff, der verschiedene geistige Fähigkeiten des Menschen umfasst. Hierzu gehören Aspekte des Wahrnehmens und Denkens wie die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und sogenannte exekutive Funktionen. Diese Fertigkeiten erlauben es uns, im Alltag zielgerichtet zu handeln. Sie ermöglichen uns das konzentrierte Lesen eines Zeitungsartikels, das schnelle Reagieren auf Gefahrensituationen im Straßenverkehr oder auch das Erinnern persönlicher Erlebnisse. Kognitive Fähigkeiten sind somit sehr vielseitig.

Formen kognitiver Beeinträchtigungen

Bei einer Parkinson-Erkrankung treten Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten häufiger auf als bei der restlichen Bevölkerung. Individueller VerlaufWie bei anderen Parkinson-Symptomen gilt auch für kognitive Einschränkungen: Jeder Erkrankungsverlauf ist individuell.

  • Subjektive kognitive Beeinträchtigung: Am Anfang steht oft das Gefühl einer verminderten kognitiven Leistung (auch: „subjektive kognitive Beeinträchtigung“). Hier ist häufig das Gedächtnis betroffenen (zum Beispiel „Ich kann mir neue Namen nicht mehr so gut merken wie früher“). Die betroffenen Personen haben allerdings keine Schwierigkeiten, ihren Alltag wie gewohnt zu bewältigen. Auch dem sozialen Umfeld fallen diese Defizite oft nicht auf, und kognitive Tests werden typischerweise altersentsprechend absolviert.
  • Leichte kognitive Beeinträchtigung: Bei einer leichten kognitiven Beeinträchtigung bestehen etwas weitergehende Einschränkungen. Hierbei ist für Betroffene und das Umfeld merkbar, dass leichte Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Aufgaben bestehen, die zuvor möglicherweise als einfach und unkompliziert wahrgenommen wurden. Auch kognitive Tests zeigen erste und milde Auffälligkeiten.
  • Demenz: Von einer Parkinson-Demenz spricht man, wenn ein Mensch mit Parkinson mindestens zwei kognitive Einschränkungen aufweist, die sein unabhängiges Leben erschweren. Wie stark diese Einschränkungen sind, ist von Person zu Person unterschiedlich. Häufig sind die Aufmerksamkeit, die Problemlösefähigkeit, die Sprache oder die Orientierung betroffen. Auch das Lang- und Kurzzeitgedächtnis kann bei Menschen mit Parkinson-Demenz nachlassen. Menschen mit Parkinson-Demenz verarbeiten Informationen oft langsamer und es kann zu Persönlichkeitsveränderungen kommen.

Betroffene kognitive Bereiche

Veränderung des Denkens, Fühlens und Erlebens sind häufig Teil der Parkinson Erkrankung, betreffen jedoch nicht jeden Patienten. Morbus Parkinson ist weitaus mehr als eine Bewegungsstörung: neben Tremor, Rigor oder verlangsamten Bewegungsabläufen können auch Veränderungen der Kognition, des psychischen Wohlbefindens oder des Schlafes auftreten. Die frühzeitige Erkennung solcher Veränderungen ist wichtig, weil sie sich auf Aktivitäten des alltäglichen Lebens auswirken können.

  • Aufmerksamkeit: Im Alltag wirkt eine Vielzahl von Reizen auf uns ein. Das Fokussieren auf eine bestimmte Auswahl dieser Reize in unserer Umwelt ist ein grundlegender Aspekt der Aufmerksamkeit. Häufig ist es gleichzeitig erforderlich, viele ablenkende Reize auszublenden. Patienten mit Morbus Parkinson fällt es unter Umständen schwer, solche Störquellen zu ignorieren. So kann es in lautstarken Umgebungen für sie zum Beispiel schwierig sein, Gesprächen aufmerksam zu folgen. Manche Patienten erleben zudem ihr Denken als verlangsamt. Unsere Bereitschaft, das Umfeld schnell zu erfassen und auf die Umwelt zu reagieren, kann schwanken. Während wir schlafen ist sie minimal, während Wachphasen dagegen größer. Müdigkeit oder bestimmte Medikamente können diese Reaktionsfähigkeit (auch Alertness genannt) herabsetzen.
  • Gedächtnis: Unter ‚Gedächtnis‘ versteht man im Allgemeinen das Einprägen („Abspeichern“) und Erinnern von Informationen. Das Gedächtnis ist vielfältig: es umfasst verschiedene Arten von Erinnerung (z.B. Fakten, persönliche Erlebnisse, Fähigkeiten wie das Fahren eines Fahrrads) und umschließt Zeiträume von wenigen Sekunden bis hin zu vielen Jahrzehnten. Menschen mit Morbus Parkinson haben manchmal Schwierigkeiten, Erinnerungen aus dem Gedächtnis abzurufen. Diese Beeinträchtigung ist meistens allerdings weniger stark ausgeprägt als bei einer Alzheimer-Demenz. So können Patienten mit Morbus Parkinson sich häufig an Informationen erinnern, sobald ihnen Tipps oder Hinweise zur Verfügung stehen. Darüber hinaus kann das ‚prospektive Gedächtnis‘ beeinträchtigt sein: Menschen mit Morbus Parkinson erinnern sich unter Umständen nicht rechtzeitig an Dinge, die sie sich vorgenommen haben.
  • Exekutive Funktionen: Zu den exekutiven Funktionen gehören Fähigkeiten wie das Planen, Organisieren und Beginnen von Handlungen. Flexibilität, Multitasking und problemlösendes Denken sind hierbei wichtig. Auch das sogenannte ‚Arbeitsgedächtnis‘ zählt zu den exekutiven Funktionen. Hierbei handelt es sich um die Fähigkeit, Informationen kurzfristig zu behalten und diese Informationen zu manipulieren. Kopfrechnen ist ein klassisches Beispiel für eine Aufgabe, die das Arbeitsgedächtnis beansprucht. Beeinträchtigungen der exekutiven Funktionen gehören zu den häufigsten kognitiven Veränderungen, die im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung auftreten können. Diese können sich in Schwierigkeiten äußern, Entscheidungen zu treffen, den Tag zu strukturieren oder Aktivitäten zu planen. In Unterhaltungen mag es Patienten schwerfallen, auf Anhieb die Worte zu finden, die sie suchen.
  • Visuell-Räumliche Fähigkeiten: Visuell-Räumliche Fähigkeiten erlauben es uns, zu erfassen, wo sich Dinge im Raum befinden. Durch sie können wir ‚mentale Karten‘ unserer Umgebung bilden und uns orientieren. Beeinträchtigungen können sich bei Menschen mit Morbus Parkinson in Orientierungsschwierigkeiten äußern. Unter Umständen fällt es Patienten schwer, sich den Weg von Zuhause zum Supermarkt vorzustellen. Auch beim Lösen von Puzzeln können Einschränkungen der visuell-räumlichen Fähigkeiten auffallen.

Diagnose kognitiver Beeinträchtigungen

Eine möglichst frühe und sichere Diagnose kognitiver Einschränkungen im Rahmen der Parkinson-Krankheit ist wichtig, um Therapiemaßnahmen gezielt auswählen und einsetzen zu können. Sollten Sie Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten beobachten, sprechen Sie Ihren Arzt bitte hierauf an. Er kann Sie über Möglichkeiten informieren, eine ausführliche Untersuchung der Kognition wahrzunehmen.

Zur Diagnose einer Demenz werden neuropsychologische Testverfahren eingesetzt. Hierbei muss die untersuchte Person Aufgaben aus verschiedenen Bereichen lösen, unter anderem werden Gedächtnis, Aufmerksamkeit, geistige Flexibilität, Strategien zur Problemlösung, räumliches Vorstellungsvermögen und Sprachleistung überprüft. Diese Untersuchung wird üblicherweise von Neuropsychologen durchgeführt. Sie umfasst Aufgaben, die teils mit Zettel und Stift und teils am Computer erledigt werden. Anhand der Ergebnisse können die Art und das Ausmaß der Beeinträchtigung eingeschätzt werden ( Mild Cognitive Impairment gegenüber Parkinson-Demenz). Hierbei werden immer auch andere mögliche Ursachen der kognitiven Defizite (z.B. Depression, Medikation) berücksichtigt. So können Ihnen gegebenenfalls optimale Therapiemöglichkeiten empfohlen werden.

Ein Test, der extra für Menschen mit Parkinson entwickelt wurde, heißt PANDA-Test (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment). Damit werden zum Beispiel die Aufmerksamkeit, das Erinnerungsvermögen oder die Wortfindung getestet. Wenn der Verdacht auf eine Demenz besteht, können weitere Tests wie eine MRT-Untersuchung zeigen, ob Teile des Gehirns geschrumpft sind.

Prävention und Umgang mit kognitiven Defiziten

Kann man sich vor kognitiven Defiziten schützen? Die Antwort auf diese Frage lautet eindeutig: Ja! Regelmäßige körperliche, geistige und soziale Aktivität, eine gesunde und ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Nikotin oder schädliche Mengen Alkohol können das Risiko reduzieren, kognitive Störungen oder eine Demenz zu entwickeln. Das Risiko für eine Demenz kann außerdem bei anderen gesundheitlichen Problemen erhöht sein, die daher unbedingt behandelt werden sollten.

Wie viele andere Symptome der Parkinson-Krankheit stellt auch eine Demenz nicht nur eine Belastung für die Betroffenen selbst, sondern auch für ihr soziales Umfeld dar. Gerade weil auch die Fähigkeit zur Kommunikation durch eine Demenz verändert sein kann, ist es von zentraler Bedeutung, miteinander „im Gespräch“ zu bleiben. Ein respektvoller und rücksichtsvoller Umgang untereinander ist wichtig, um die Probleme gemeinsam bewältigen zu können. Zu einem respektvollen Umgang gehört es auch, den Betroffenen nicht einfach alle anspruchsvollen Tätigkeiten „abzunehmen“, auch wenn dies aus gut gemeinter Fürsorge erfolgt. Diese Tätigkeiten sind nicht nur ein Training der kognitiven Fähigkeiten, sondern auch wichtig für das Selbstwertgefühl der Betroffenen. Typische Beispiele sind alltägliche Verrichtungen wie etwa Tischdecken, Abspülen oder Gartenarbeit. Bei Gesprächen in der Familie, mit Freund:innen oder Ärzt:innen ist es wichtig, den Betroffenen nicht „das Wort aus dem Mund zu nehmen“. Bei ausgeprägten Einschränkungen sollten im Gespräch möglichst kurze, klar strukturierte Sätze verwendet werden.

Demenz-Symptome führen oft zu schwerwiegenden Veränderungen in einer partnerschaftlichen Beziehung. Hieraus können Ängste, Frust und auch Wut entstehen. Die Gesundheit und Lebensqualität pflegender Angehöriger muss daher auch einen ausreichenden Raum im Alltag haben.

Therapieansätze bei kognitiven Beeinträchtigungen

Laut der aktuellen S2k-Leitlinie zur PK werden zur Therapie der PD-MCI kognitives Training sowie Ausdauertraining 2‑ bis 3‑mal wöchentlich für 60 min, für die PDD kognitive Stimulation und Reminiszenztherapie sowie Rivastigmin und Donepezil (letzteres als „off-label use“) empfohlen.

Die medikamentöse Behandlung von Parkinson zielt darauf ab, die Botenstoffe im Gehirn wieder in ihr Gleichgewicht zu bringen und damit die motorischen Defizite abzumildern. Dazu kommen Medikamente zum Einsatz, die den Dopaminmangel wieder ausgleichen, wie zum Beispiel Levodopa (in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer). Neben der medikamentösen Behandlung sind nicht-medikamentöse Therapien sehr wichtig. Die Erkrankten werden dabei unterstützt, ihre bestehenden kognitiven Fähigkeiten und Alltagskompetenzen möglichst lange zu erhalten.

Aktuelle Forschung

In dem Verbundvorhaben Move-Brain-PD soll getestet werden, ob ein umfangreiches, zuhause durchgeführtes Trainingsprogramm die Kognition bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI-PD) verbessern kann, indem es die Neuroinflammation und die Alpha-Synuklein-Ablagerungen im Gehirn reduziert. Move-Brain-PD ist ein transnationales Verbundprojekt im Rahmen der Europäischen Partnerschaft ERA4Health von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Spanien, Italien und Rumänien. Die Rolle der Uni Göttingen im Konsortium wird es sein, verschiedene molekulare Parameter in den Proben von Patientinnen und Patienten nach dem Training sowie in Kontrollgruppen zu messen.

Im Rahmen der TrainParC Studie werden insgesamt 80 Studienteilnehmer mit PD-MCI untersucht, die doppel-blind auf das kognitive Training oder Kontrolltraining randomisiert werden. Das Einschlussalter liegt zwischen 50 und 80 Jahren. Die Prä-, Post- sowie 6 und 12 Monatsverlaufsuntersuchungen umfassen u.a. eine umfangreiche neuropsychologische Testung, Erhebung des motorischen Status und Angaben der Teilnehmer und deren Angehörigen über den Funktionsstatus und das Auftreten oder Schwere weiterer nicht-motorischer Symptome (z.B. Depression).

Kognitive Reserve

Als kognitive Reserve wird eine über die Lebensspanne über Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren aufgebaute Widerstandskraft gegenüber Hirnschädigungen und deren negativen Auswirkungen auf die Kognition bezeichnet. Nach neuen Berechnungen wären weltweit ca. 45 % aller Demenzen verhinderbar oder könnten verzögert werden, wenn alle identifizierten modifizierbaren Risikofaktoren optimiert werden würden.

Was die Determinanten der kognitiven Reserve betrifft, sind bei MmPK sowohl eine höhere (Schul‑)Bildung als auch mehr kognitiv stimulierende Tätigkeiten mit besserer kognitiver Leistungsfähigkeit verknüpft; umgekehrt erhöht niedrige Bildung das Demenzrisiko bei MmPK.

Leben mit Parkinson und kognitiven Beeinträchtigungen

Die Diagnose Parkinson und die damit verbundenen kognitiven Veränderungen stellen Patienten und Angehörige vor viele Herausforderungen. Es ist wichtig, sich frühzeitig mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und sich über die verschiedenen Aspekte zu informieren.

Umgang mit der Diagnose

Die Diagnose Parkinson stellt Patienten und Angehörige zunächst vor viele Herausforderungen und Fragen: Was bedeutet das genau für mich und uns? Kann ich weiterarbeiten? Bin ich eingeschränkt in meinem täglichen Leben?

Die Kommunikation über die Erkrankung mit der Familie und dem Partner/der Partnerin sollte gesucht werden. Sportliche Betätigung, Reisen, Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und der Arbeit werden, je nach individueller Symptomatik, sogar ausdrücklich empfohlen.

Unterstützung und Ressourcen

Es gibt zahlreiche Organisationen und Selbsthilfegruppen, die Menschen mit Parkinson und ihren Angehörigen Unterstützung anbieten. Hier können Betroffene sich austauschen, Informationen erhalten und professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

Gedächtnisambulanzen oder Gedächtnissprechstunden sind Abteilungen in Krankenhäusern, die auf kognitive Störungen spezialisiert sind. Dort klären ärztliche Teams die Ursache für Gedächtnis- oder Sprachprobleme ab.

Pflege im fortgeschrittenen Stadium

Mit abnehmender Selbstständigkeit des Betroffenen, kann er im Parkinson-Spätstadium pflegebedürftig werden. Dann kann für ihn und seine Angehörigen gegebenenfalls eine pflegerische Aufklärung hilfreich sein. Hinzu kommt, dass motorische Einschränkungen und die psychische Belastung die Pflege bei Parkinson erschweren. Hier sind viel Verständnis, Feingefühl sowie Akzeptanz gefordert. Grundsätzlich steht bei der Parkinson-Pflegeplanung im Vordergrund, die Selbstständigkeit des Patienten so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Patienten im Parkinson-Endstadium benötigen in der Regel umfassende Unterstützung bei täglichen Aktivitäten wie Essen, Anziehen und Körperpflege. Die hauptsächliche Pflege durch Angehörige wird spätestens hier sehr kräftezehrend. Bauen Sie sich also frühzeitig ein unterstützendes Netzwerk auf und nehmen Sie auch professionelle Hilfe an. Beispielsweise kann eine Palliativpflege im Endstadium sehr wertvoll sein.

Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Dieses Dokument entlastet zudem Ihre Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.

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