Parkinson-Krankheit: Gleichgewichtsstörungen und Medikamente

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußert, darunter motorische Störungen wie Zittern, Steifheit, verlangsamte Bewegungen und Gleichgewichtsprobleme. Diese Gleichgewichtsstörungen können das tägliche Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und das Risiko von Stürzen erhöhen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Gleichgewichtsstörungen bei Parkinson, die Rolle von Medikamenten bei der Behandlung dieser Symptome und gibt Tipps, was Betroffene selbst tun können.

Ursachen von Gleichgewichtsstörungen bei Parkinson

Gleichgewichtsstörungen sind ein häufiges und belastendes Symptom der Parkinson-Krankheit. Sie entstehen durch den fortschreitenden Verlust von Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen, insbesondere in der Substantia nigra. Dieser Zellverlust führt zu einem Mangel an Dopamin, einem wichtigen Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen und die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts unerlässlich ist.

Die Hauptsymptome der Parkinson-Krankheit, die zu Gleichgewichtsstörungen beitragen, sind:

  • Bradykinese (verlangsamte Bewegung): Verlangsamte Bewegungen erschweren es, schnell auf Veränderungen der Körperhaltung zu reagieren und das Gleichgewicht zu halten.
  • Rigor (Muskelsteifheit): Steife Muskeln schränken die Beweglichkeit ein und beeinträchtigen die Fähigkeit, sich an unterschiedliche Situationen anzupassen.
  • Posturale Instabilität: Gestörte Stell- und Haltereflexe führen zu Unsicherheit beim Gehen und Stehen, was das Sturzrisiko erhöht.

Neben diesen motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome wie kognitive Einschränkungen und autonome Funktionsstörungen das Gleichgewicht beeinflussen.

Medikamentöse Behandlung von Parkinson und ihre Auswirkungen auf den Kreislauf

Die medikamentöse Behandlung der Parkinson-Krankheit zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die Symptome zu lindern. Allerdings können viele Parkinson-Medikamente auch Nebenwirkungen verursachen, die den Kreislauf beeinträchtigen und somit Gleichgewichtsstörungen verstärken können.

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Medikamente und Kreislaufprobleme

  • Dopaminagonisten: Diese Medikamente regen die Dopaminrezeptoren im Gehirn an und können zu Kreislaufproblemen wie orthostatischer Hypotonie führen, insbesondere beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen. Zu den Dopaminagonisten zählen Pramipexol, Ropinirol, Piribedil, Rotigotin und Apomorphin.
  • L-Dopa (Levodopa): L-Dopa wird im Gehirn in Dopamin umgewandelt und ist ein sehr wirksames Medikament zur Behandlung von Parkinson-Symptomen. Es kann jedoch auch zu Kreislaufproblemen wie Schwindel und Benommenheit führen.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Patienten, die Parkinson-Medikamente einnehmen, Kreislaufprobleme entwickeln. Die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Dosierung der Medikamente, das Alter des Patienten und andere bestehende Erkrankungen.

Umgang mit Kreislaufproblemen bei der medikamentösen Behandlung

  • Dosisanpassung: In vielen Fällen können Kreislaufprobleme durch eine Anpassung der Dosis oder des Einnahmezeitpunkts der Parkinson-Medikamente reduziert werden. Solche Änderungen sollten jedoch immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
  • Überprüfung anderer Medikamente: Viele Menschen nehmen zusätzlich blutdrucksenkende Medikamente ein. Es ist wichtig, die Dosierung dieser Medikamente zu überprüfen, wenn mit der Parkinson-Behandlung begonnen wird, um eine übermäßige Senkung des Blutdrucks zu vermeiden.

Weitere medikamentöse Behandlungsansätze bei Parkinson

Neben Levodopa und Dopaminagonisten gibt es weitere Medikamente, die zur Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden können:

  • MAO-B-Hemmer (Monoaminooxidase-B-Hemmer): Diese Medikamente blockieren den Abbau von Dopamin im Gehirn und können die Wirkung von Levodopa verlängern.
  • COMT-Hemmer: Diese Medikamente hemmen den Abbau von Levodopa im Körper und sorgen dafür, dass mehr Dopamin ins Gehirn gelangt.
  • NMDA-Antagonisten: Diese Medikamente können helfen, unwillkürliche Bewegungen (Dyskinesien) zu reduzieren, die als Nebenwirkung der Levodopa-Therapie auftreten können.
  • Anticholinergika: Diese Medikamente können Zittern reduzieren, werden aber aufgrund ihrer potenziellen Nebenwirkungen auf Kognition und Herz-Kreislauf-System nur noch selten eingesetzt.

Medikamentöse Therapie im fortgeschrittenen Stadium

Im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Krankheit kann es erforderlich sein, die Medikamentenkombination anzupassen oder zusätzliche Medikamente einzunehmen, um eine gleichmäßigere Wirkung zu erzielen und Komplikationen wie Wirkungsfluktuationen und Dyskinesien zu behandeln. In einigen Fällen kann auch eine Medikamentenpumpe eingesetzt werden, um eine kontinuierliche Wirkstoffzufuhr zu gewährleisten.

Was Betroffene selbst tun können

Neben der medikamentösen Behandlung gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die Betroffene selbst ergreifen können, um Kreislaufprobleme zu reduzieren und das Gleichgewicht zu verbessern:

  • Ausreichend trinken: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist entscheidend für ein gut funktionierendes Kreislaufsystem. Empfohlen werden mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag, bei Hitze und körperlicher Anstrengung mehr.
  • Salzzufuhr: Achten Sie auf eine ausreichende Salzzufuhr, um den Blutdruck zu stabilisieren.
  • Mahlzeiten: Vermeiden Sie große, fett- und kohlenhydratreiche Mahlzeiten, die den Kreislauf belasten können. Stattdessen sind mehrere kleine, leichte Mahlzeiten über den Tag verteilt empfehlenswert.
  • Bauchbinde: Eine elastische Bauchbinde kann helfen, das „Versacken“ des Bluts in der unteren Körperhälfte nach dem Aufstehen zu reduzieren.
  • Hitze vermeiden: Halten Sie sich bei großer Hitze vorzugsweise in kühlen Innenräumen auf und vermeiden Sie heiße Vollbäder oder Saunagänge.
  • Erhöhter Oberkörper: Schlafen Sie mit leicht erhöhtem Oberkörper (ca. 10 - 20 Grad), um die Urinausscheidung in der Nacht zu reduzieren und den Flüssigkeitsverlust zu minimieren.
  • Langsam aufstehen: Stehen Sie langsam aus dem Liegen oder Sitzen auf, um den Kreislauf nicht zu überlasten.

Weitere unterstützende Maßnahmen

  • Körperliches Training und Physiotherapie: Regelmäßige Bewegung und gezielte Übungen können die Muskelkraft, die Koordination und das Gleichgewicht verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapeuten können Betroffene dabei unterstützen, Alltagsfunktionen zu erhalten und zu verbessern sowie das Wohnumfeld sicherer zu gestalten.
  • Logopädie: Logopäden können bei Schluckstörungen helfen und Übungen zur Verbesserung der Mundmotorik anbieten.

Diagnose und Abklärung von Kreislaufproblemen

Die Diagnose einer orthostatischen Hypotonie kann einfach durch regelmäßige Blutdruckmessungen gestellt werden. Insbesondere bei Auftreten von Symptomen wie Schwindel oder Schwarzwerden vor Augen sollte der Blutdruck im Liegen und Stehen gemessen und dokumentiert werden. Bei Bedarf kann ein Schellong-Test durchgeführt werden, um die Diagnose zu sichern.

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Schellong-Test

Beim Schellong-Test werden Blutdruck und Puls nach zehnminütiger Ruhephase zunächst im Liegen gemessen. Anschließend werden die Messungen nach dem Wechsel in die stehende Position minütlich für mindestens drei Minuten wiederholt. Ein Absinken des systolischen Blutdrucks um mindestens 20 mmHg oder des diastolischen Blutdrucks um mindestens 10 mmHg deutet auf eine orthostatische Hypotonie hin.

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