Parkinson und Appetitlosigkeit: Ursachen, Ernährungstipps und Lebensqualität

Ernährung ist weit mehr als nur die Befriedigung von Hunger. Sie versorgt den Körper mit essenziellen Nährstoffen und Energie und kann im Idealfall sogar ein positives Erlebnis sein. Besonders für Menschen mit Parkinson ist eine ausgewogene Ernährung von großer Bedeutung.

Die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung bei Parkinson

Wie so oft ist das richtige Verhältnis entscheidend. Eine gesunde Balance aus Gemüse, Obst und tierischen Produkten liefert nicht nur die notwendige Energie, sondern sorgt auch für Genuss. Die mediterrane Küche bietet hierfür eine gute Grundlage. Diese traditionelle Ernährungsweise, die in Mittelmeerländern verbreitet ist, zeichnet sich durch einen hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln aus. Diese werden schonend zubereitet, um Geschmack, Farbe und wertvolle Inhaltsstoffe zu erhalten.

Es gibt keine "richtige" Ernährungsform für Parkinson, aber Genuss und Freude am Essen sollten im Vordergrund stehen.

Vorteile der mediterranen Ernährung

Die positiven Auswirkungen der mediterranen Ernährung auf die Gesundheit sind vielfältig. Sie kann dazu beitragen, das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken, Entzündungen zu reduzieren und die kognitive Funktion zu verbessern.

Ursachen für Appetitlosigkeit bei Parkinson

Parkinson-Patienten verlieren häufig an Körpergewicht. Sie haben weniger Appetit und Schwierigkeiten beim Essen, zum Beispiel aufgrund von Schluckstörungen und Verdauungsproblemen. Die Ausprägung der Parkinson-Erkrankung kann beim Überwiegen von Steifigkeit und Unbeweglichkeit zudem mit einer verminderten Kalorienaufnahme einhergehen, weshalb in jedem Fall eine Kontrolle des Körpergewichts erfolgen sollte. Patientinnen und Patienten, deren Krankheitsbild durch starkes Zittern gekennzeichnet ist, weisen häufig einen erhöhten Stoffwechselumsatz auf und verlieren auch durch die ständige Muskelaktivität an Gewicht. Überbewegungen können ebenfalls zu Gewichtsverlust führen.

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Appetitlosigkeit, Völlegefühl nach dem Essen, Einschränkungen bei Geruch und Geschmack, Verstopfung, Schluckstörungen, Störungen der Feinmotorik und Depression sind häufige Probleme bei der Parkinson-Erkrankung und mit hohem Risiko für eine Mangelernährung verbunden.

Mangelernährung: Ein Teufelskreis

Eine Mangelernährung zeigt sich unter anderem durch einen Verlust von Gewicht, Kraft und Antrieb. Hierdurch wird die Lebensqualität beeinträchtigt aber auch das Risiko für einen schwereren Verlauf der Parkinson-Erkrankung und Komplikationen steigt deutlich. Gerade bei älteren Betroffenen, die aufgrund des Alters bereits ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung haben, sollte der Ernährungszustand besonders gut beobachtet werden. Auch der entgegengesetzte Fall einer deutlichen Gewichtszunahme sollte im ärztlichen Gespräch thematisiert werden.

Weitere Ursachen für Appetitlosigkeit und Verdauungsprobleme

Neben den genannten Faktoren können auch folgende Ursachen zu Appetitlosigkeit und Verdauungsproblemen bei Parkinson führen:

  • Verzögerte Magenentleerung: Zeichen einer verzögerten Magenentleerung können Völlegefühl, Übelkeit oder sogar Erbrechen sein. Große fettreiche Mahlzeiten können das Problem verstärken. Alternativ kann es sinnvoll sein, mehrere kleine Mahlzeiten am Tag einzunehmen.
  • Verstopfung: Etwa 90 % aller Parkinson-Patienten leiden im Krankheitsverlauf an Verstopfung.
  • Verminderter Geruchs- und Geschmackssinn: Parkinson-Patienten leiden aufgrund ihrer Krankheit häufig unter vermindertem Geruchs- und Geschmackssinn. Das schmälert den Appetit und den Genuss am Essen.

Ernährungstipps für Parkinson-Patienten mit Appetitlosigkeit

Es gibt keine spezielle Ernährung oder Diät, die bei Parkinson eine Heilung bewirken kann. Dennoch ist es mit einer zielgerichteten Kost und bestimmten Maßnahmen oft möglich, die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern und auch den Genuss und die Freude am Essen wiederzufinden.

Allgemeine Ernährungsempfehlungen

  • Gesunde Ernährung: Gesunde Ernährung ist vor allem entscheidend, um einer Mangelernährung vorzubeugen.
  • Energiereiche Ernährung: Bei ihrer Ernährung sollten Parkinson-Patientinnen und Patienten darauf achten, dass ihr Essen energiereich ist, um ihre Kräfte und Fähigkeiten weitestgehend zu erhalten. Auch Süßes ist hier durchaus erlaubt, zumindest in Maßen. Wichtig ist, dass es zu einer Versorgung mit Energie kommt und ggf. eine Gewichtszunahme erfolgt.
  • Abwechslungsreiche Ernährung: Setzen Sie auf Abwechslung: Einen Tag kommt Fleisch auf den Teller, am nächsten Fisch, Geflügel, Eier oder vegane Speisen.
  • Häufige, kleine Mahlzeiten: Gerade ältere Menschen sollten, statt drei große, mehrere kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Kleinere Portionen sind vielfach bekömmlicher, da sich die Verweildauer der Speisen im Magen verlängert und vermehrt Sättigungshormone ausgeschüttet werden, was zu einem verringerten Appetit führt. Parkinsonpatienten haben außerdem krankheits- und medikamentenbedingt einen langsamer arbeitenden Magen-Darm-Trakt, weshalb mehrere kleinere Mahlzeiten bevorzugt werden sollten.
  • Ausreichende Energiezufuhr: Der Parkinsonpatient muss sich in der Regel keine Gedanken um ein Zuviel an Kalorien in seiner Ernährung machen, da er häufig Gewicht verliert. Mit der richtigen Ernährung sollte ein Gewichtsverlust jedoch vermieden werden. Eine regelmäßige (monatlich oder wöchentliche) Gewichtskontrolle unterstützt rechtzeitiges Gegensteuern. Als Faustregel gelten 25 bis 30 Kalorien pro Kilogramm Körpergewicht.

Spezielle Tipps bei Appetitlosigkeit

  • Appetit anregen: Gewürze und Kräuter in einem Mörser fein zermahlen - das regt den Geruchssinn an. Geben Sie einen kleinen Schuss Olivenöl zu zerkleinerten oder pürierten Speisen.
  • Mangelernährung entgegenwirken: Wenn es aufgrund der aufgeführten Beschwerden zu einem Gewichtsverlust und einer Mangelernährung kommt, bleibt dies nicht folgenlos.

Tipps zur L-Dopa-Einnahme

Bei der Einnahme des Parkinson-Medikamentes L-Dopa ist außerdem Vorsicht beim Verzehr von Eiweiß geboten. Zwar ist Eiweiß ein wichtiger Nährstoff und Bestandteil einer gesunden Ernährung, da Proteine sättigen und gleichzeitig ein wichtiger Baustein für Zellen und Muskeln sind. Doch Eiweiß kann die Wirkung von L-Dopa beeinträchtigen, da es seine Aufnahme hemmt.

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  • Einnahme auf nüchternen Magen: Parkinson-Medikamente, insbesondere das häufig eingesetzte Präparat L-Dopa sollen idealerweise auf nüchternen Magen und mind. 30 Minuten vor der nächsten Mahlzeit eingenommen werden.
  • Wechselwirkungen mit Eiweiß beachten: L-Dopa und Eiweiß sind sich in ihrer chemischen Struktur so ähnlich, dass sie an der gleichen Stelle im Dünndarm ins Blut übertreten. Kommt also L-Dopa gleichzeitig mit einer großen, eiweißreichen Mahlzeit im Dünndarm an, verzögert sich der Übertritt von L-Dopa ins Blut und die Wirkung auf die Parkinson-Symptome tritt dann erst verzögert oder gar nicht ein.
  • Eiweißhaltige Getränke vermeiden: Unabhängig von der Einnahmezeit ist zu beachten, dass L-Dopa auch nicht mit eiweißhaltigen Getränken (z. B. Molke, Kefir, Buttermilch) eingenommen werden sollte und dass auch einige vermeintlich „unverdächtige“ Nahrungsmittel hohe Mengen an Eiweiß enthalten können.
  • Eiweißmenge verteilen: Zusätzlich sollte die notwendige Eiweißmenge in kleinen Portionen über den Tag verteilt aufgenommen werden und nicht in einer großen Mahlzeit.
  • Medikamenteneinnahme anpassen: Nehmen Sie die Medikamente am besten mit Wasser, Tee, Saft (kein Orangen- oder Grapefruitsaft), Smoothie, Apfel- oder Fruchtmus ein und verzichten Sie auf proteinhaltige Getränke oder Speisen.

Tipps bei Verstopfung

  • Ballaststoffreiche Ernährung: Um den Verstopfungen entgegenzuwirken, ist die Aufnahme einer ballaststoffreichen Ernährung sinnvoll. Ballaststoffe werden vom Körper nicht verdaut, nehmen aber im Darm durch Wasseraufnahme an Volumen zu und erhöhen somit den Druck auf die Darmwände - was wiederum für eine beschleunigte Verdauung sorgt. Dies trifft insbesondere für faserreiche pflanzliche Nahrungsmittel zu. Dazu zählen Gemüse, Getreide und Obst, die einen unterschiedlich hohen Anteil an Faserstoffen enthalten.
  • Ausreichend trinken: Damit Ballaststoffe ihre beabsichtigte Wirkung entfalten, ist die gleichzeitige Aufnahme von Wasser erforderlich. Ausreichende Trinkmengen sind sehr wichtig, zumal im Alter das Durstgefühl als Indikator des Flüssigkeitshaushaltes wegfällt. Als Grundregel kann hierbei die Aufnahme von 2,5 l am Tag gelten, wobei im Einzelfall, z.B.
  • Geeignete Lebensmittel: Sorgen Sie dafür, dass Sie genügend Ballaststoffe zu sich nehmen, z. B. in löslicher Form wie Flohsamen oder geschrotetem Leinsamen. Außerdem eignen sich Müsli, Trockenfrüchte in Wasser eingeweicht, Sauerkrautsaft und Vollkornprodukte. Hülsenfrüchte (z.B.

Tipps bei Schluckstörungen

  • Dysphagie- oder Breikost: Die Patientinnen und Patienten können eine spezielle Kost, eine sogenannte Dysphagie- oder Breikost empfohlen werden, bzw. die Vermeidung der Aufnahme großer Essensstücke. Manche Betroffene berichten wiederum, dass feste Nahrung besser geschluckt werden könne als flüssige.
  • Ungeeignete Speisen vermeiden: Als ungeeignet erweisen sich meist Speisen von körniger, trockener, faseriger oder harter Konsistenz - sie sind beim Kauen schwerer kontrollierbar bzw. schwer zu kauen. Bei flüssigen Speisen kommt es häufig zum Verschlucken. Besonders ungünstig sind Mischkonsistenzen wie klare Suppe mit Einlagen, denn der flüssige Teil fließt schnell, die festen Teile bleiben hängen.
  • Konsistenz anpassen: Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken lassen sich durch ein Anpassen der Konsistenz verbessern. Parkinson-Erkrankte mit starken Schluckbeschwerden haben häufig Probleme bei Gerichten mit unterschiedlichen Konsistenzen (z. B. Eintöpfen), was die Gefahr von Aspirationen (Eindringen von Nahrung in die Atemwege) steigert. Auch dünnflüssige Konsistenzen sind im Mund aufgrund ihrer hohen Fließgeschwindigkeit nur schwer kontrollierbar. Bei gleichzeitig verzögertem Schluckreflex kann es sehr leicht zum Verschlucken kommen. Gerichte mit stückigen Einlagen sowie Fasern, Krümeln und Kernen sollten Betroffene meiden, da sie leicht zum Verschlucken und zu einer Aspiration führen können.
  • Ernährungsempfehlungen:
    • Abschneiden der Rinde am Brot
    • Speisen besonders weich kochen, zerkleinern und/oder pürieren
    • Gegebenenfalls die Getränke und Suppen andicken (es gibt geschmacksneutrale Verdickungsmittel in der Apotheke oder im Internet)
    • Einsatz von individuell geeigneten Trink- und Esshilfen (z. B.

Vitamin- und Nährstoffversorgung

  • Vitamin D: Menschen mit Parkinson haben oft niedrigere Vitamin-D-Spiegel als gleichaltrige Gesunde, da sie aufgrund der Bewegungseinschränkungen weniger mobil sind und deshalb seltener direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Ein Vitamin-D-Mangel kann u. a. zu einer Osteoporose und damit zu einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche führen. Aufgrund der vor allem in späteren Krankheitsstadien erhöhten Sturzneigung kann also ein Ersatz von Vitamin D bei Menschen mit Parkinson sinnvoll sein.
  • Vitamin B12: Vitamin B 12 ist für Zellteilung, Blutbildung und Nervenfunktion wichtig. Besonders Innereien, z. B. Leber, sowie Fleisch und Fisch, Milchprodukte und Eier enthalten viel Vitamin B 12. Ein Vitamin B 12-Mangel kann eine ganze Reihe von unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, gedrückter Stimmungslage und Reizbarkeit auslösen. Besonders relevant ist außerdem die Rolle eines Vitamin B12-Mangels bei einer Schädigung der kleinen Nervenendigungen in Füßen und Händen. Diese sogenannte Polyneuropathie führt zu Taubheitsgefühl, Kribbeln, Schmerzen und Gleichgewichtsstörungen.
  • Calcium: Da das in der Nahrung enthaltene Calcium nur zu etwa einem Drittel durch den Körper aufgenommen werden kann, sollte man mindestens 900 - 1000 mg Calcium pro Tag durch die Nahrung aufnehmen. Milch und Joghurt enthalten ca. Drei Esslöfel Parmesan (ca. Besonders reich an Calcium ist z.B. 200 g gegarter Grünkohl enthält ca. 200 g gegarter Spinat enthalten ca. 200 g gekochter Brokkoli enthält ca. Ab 150 mg Calcium je Liter gilt Mineralwasser als calciumreich (Der Calciumgehalt wird auf dem Ettikett vermerkt).

Weitere wichtige Aspekte

  • Regelmäßige Gewichtskontrolle: Eine regelmäßige (monatlich oder wöchentliche) Gewichtskontrolle unterstützt rechtzeitiges Gegensteuern.
  • Bewegung: Bewegung und Sport wirken sich positiv aus und können den Verlauf verlangsamen, genauso wie ausreichend Schlaf und eine mediterrane Ernährung.
  • Soziales Leben: Ein Sozialleben mit vielen Kontakten, Gespräche und gemeinsame Aktivitäten wie z.B. Tanzen, können der Entwicklung einer Demenz entgegenwirken.
  • Ergotherapie und Physiotherapie: Regelmäßige Ergotherapie und Physiotherapie zur Verbesserung der Bewegungsabläufe und somit indirekt auch zur Nahrungsaufnahme.
  • Logopädie: In den Therapiesitzungen werden die beteiligten Muskelgruppen gekräftigt und Bewegungsabläufe eingeübt. Mit Hilfe von entsprechenden Schluck- und Haltungsübungen (wie zum Beispiel „Kinn zur Brust“) kann der Ablauf des Schluckens verbessert werden.
  • Unterstützung durch eine Ernährungsberatung: Auch die Unterstützung durch eine Ernährungsberatung kann hilfreich sein.

Kochen als Therapie

Von der Auswahl der Speisen über Einkauf, Vor- und Zubereitung bis zum gemeinsamen Genuss des fertigen Gerichts im Familien- oder Freundeskreis kann sich jeder Schritt des Kochens positiv auf die Parkinson-Erkrankung und ihre Symptome auswirken - und dabei sogar noch Spaß machen.

Verwenden Sie ausreichend Zeit und Sorgfalt auf die Zubereitung der Speisen, essen Sie bewusst, vermeiden Sie Hektik und Ablenkung beim Essen und vor allem: genießen Sie Ihre Mahlzeiten und den Spaß beim Kochen.

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