Parkinson-Krankheit: Symbolik, Symptome, Behandlung und das Leben mit der Erkrankung

Die Parkinson-Krankheit, auch Morbus Parkinson oder Schüttellähmung genannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Sie ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit. Der Welt-Parkinson-Tag am 11. April dient dazu, auf die Krankheit aufmerksam zu machen und die Anliegen von Betroffenen und Angehörigen in den Fokus zu rücken.

Was ist die Parkinson-Krankheit?

Morbus Parkinson ist durch den Verlust von Nervenzellen in einem bestimmten Bereich des Gehirns gekennzeichnet, was zu einem Mangel des Botenstoffs Dopamin führt. Dopamin ist für die Kommunikation zwischen Nervenzellen unerlässlich, insbesondere für die Steuerung von Bewegungen. Bei etwa 80 % aller Parkinson-Syndrome handelt es sich um das idiopathische Parkinson-Syndrom, bei dem die Ursache des Zelltods unbekannt ist. In Deutschland sind schätzungsweise 400.000 Menschen von dieser Krankheit betroffen. Weltweit waren es im Jahr 2020 etwa 10 Millionen Menschen, verglichen mit 6 Millionen im Jahr 2016.

Symptome der Parkinson-Krankheit

Die Symptome von Morbus Parkinson entwickeln sich meist schleichend und können von Person zu Person variieren. Es gibt motorische und nicht-motorische Symptome.

Motorische Symptome

Zu den typischen motorischen Symptomen gehören:

  • Tremor (Zittern): Oftmals das bekannteste Symptom, tritt meist in Ruhe auf.
  • Rigor (Muskelsteifheit): Steife Muskeln, die die Beweglichkeit einschränken.
  • Bradykinese (verlangsamte Bewegungen): Verlangsamung der Bewegungen bis hin zur Bewegungslosigkeit.
  • Posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen): Instabiler Stand und Gang, was das Risiko für Stürze erhöht.
  • Freezing: Das "Einfrieren" von Bewegungen, plötzliche Bewegungsblockaden.

Nicht-motorische Symptome

Neben den motorischen Symptomen können auch eine Reihe von nicht-motorischen Symptomen auftreten, die oft schon vor den motorischen Symptomen in Erscheinung treten:

Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen

  • Hyposmie (Riechstörungen): Verminderte oder fehlende Riechfähigkeit.
  • Schlafstörungen: Häufiges Erwachen, unruhiger Schlaf, Tagesschläfrigkeit.
  • Verdauungsstörungen: Schluckstörungen, Verstopfung.
  • Orthostatische Hypotonie (Blutdruckschwankungen): Schwindel beim Aufstehen durch Blutdruckabfall.
  • Fatigue (chronische Müdigkeit): Anhaltende Erschöpfung und Antriebslosigkeit.
  • Stimmungsstörungen: Depressionen, Angstzustände, Stimmungsschwankungen.
  • Kognitive Störungen: Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, bis hin zur Demenz.
  • Weitere Symptome: Sprachstörungen, vermehrter Speichelfluss, Störungen der Temperaturregulation (Schwitzen), Schmerzen, Störungen der Blasen- oder Darmkontrolle, sexuelle Funktionsstörungen.

Ursachen der Parkinson-Krankheit

Die genauen Ursachen für das Absterben der Dopamin-produzierenden Zellen im Gehirn sind in den meisten Fällen unklar. Es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren eine Rolle spielt:

  • Idiopathisches Parkinson-Syndrom: Bei den meisten Patienten (ca. 75%) ist die Ursache unbekannt (idiopathisch). In den betroffenen Nervenzellen bilden sich Ablagerungen (Lewy-Körperchen), die hauptsächlich aus Verklumpungen des Eiweißmoleküls Alpha-Synuklein bestehen und als Ursache für den neurodegenerativen Prozess diskutiert werden.
  • Genetische Faktoren: In seltenen Fällen (ca. 4 %) spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Das Risiko an Parkinson zu erkranken, ist für Menschen 3,5-fach erhöht, wenn ein Elternteil an einem idiopathischen Parkinson-Syndrom litt.
  • Sekundäre Parkinson-Syndrome: Diese entstehen als Folge anderer Erkrankungen oder Einflüsse, wie z.B. Medikamente, Vergiftungen oder Hirnverletzungen.
  • Lewy-Körper-Demenz (LBD): Andere Parkinson-Syndrome gehen mit früher dementieller Entwicklung und Halluzinationen einher.
  • Multi-System-Atrophie: Oder sind durch eine vorherrschende Störung des vegetativen Nervensystems mit Blutdruckabfall und erheblichen Störungen des Gleichgewichtes vergesellschaftet.

Diagnose der Parkinson-Krankheit

Die Diagnose der Parkinson-Krankheit basiert in erster Linie auf der klinischen Untersuchung und der Erhebung der Krankheitsgeschichte. Der Arzt achtet auf die typischen motorischen Symptome und berücksichtigt auch nicht-motorische Beschwerden.

Zur Diagnosestellung können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung der motorischen Fähigkeiten, Reflexe, Koordination und des Gleichgewichts.
  • Geruchstest: Überprüfung der Riechfähigkeit.
  • Neuropsychologische Tests: Untersuchung der kognitiven Funktionen.
  • Schlafdiagnostik: Analyse des Schlafmusters.
  • L-Dopa-Test: Gabe von L-Dopa (einem Medikament, das Dopamin ersetzt) zur Überprüfung, ob sich die Symptome verbessern.
  • Bildgebende Verfahren: MRT, CT, DAT-Scan (bildgebende Untersuchung des Dopamin-Stoffwechsels).
  • Neurologische Funktionsdiagnostik: EEG, Elektroneurografie, Evozierte Potentiale, Transkranielle Magnetstimulation.
  • Autonome Funktionsdiagnostik: HFV-Untersuchungen, SHA.
  • Videonystagmografie: VNG inkl. Kalorik.
  • Posturografie.
  • Neurovaskuläre Diagnostik: Extra- und transkranielle Farbduplex- und Dopplersonografie.
  • Liquordiagnostik: Inkl. Zytologie in eigenem Liquorlabor.
  • Internistische Funktionsdiagnostik: EKG in Ruhe, unter Belastung und in Langzeit, Langzeit-Blutdruckmessung, Echokardiografie, Spirometrie, Schlafapnoe-Screening, Sonografie von Schilddrüse, Abdomen, Thorax, Gelenken und Gefäßen.
  • Fieberendoskopische Schluckdiagnostik (FEES).
  • Radiologische Schluckdiagnostik (Röntgen-Brei-Schluck).
  • Multifunktionale Röntgendiagnostik.

Therapie der Parkinson-Krankheit

Die Parkinson-Krankheit ist derzeit nicht heilbar. Es gibt jedoch verschiedene Therapieansätze, die den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und die Symptome lindern können. Die Behandlung zielt darauf ab, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Parkinson-Behandlung. Ziel ist es, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen oder die Wirkung von Dopamin zu verstärken. Es gibt verschiedene Medikamentengruppen, die eingesetzt werden können:

Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt

  • L-Dopa: Wird im Körper in Dopamin umgewandelt und gleicht so den Dopaminmangel aus.
  • Dopaminagonisten: Imitieren die Wirkung von Dopamin im Gehirn.
  • MAO-B-Hemmer: Verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn.
  • COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkung von L-Dopa.
  • Amantadin: Kann die Symptome von Dyskinesien (unwillkürliche Bewegungen) reduzieren.

Die Medikamente werden individuell auf den Patienten abgestimmt und müssen im Laufe der Erkrankung möglicherweise angepasst werden.

Nicht-medikamentöse Therapie

Neben der medikamentösen Therapie spielen auch nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle:

  • Physiotherapie: Hilft, die Beweglichkeit zu verbessern, Muskelsteifheit zu reduzieren und das Gleichgewicht zu trainieren.
  • Ergotherapie: Unterstützt bei der Bewältigung von Alltagsaktivitäten und der Anpassung des Wohnumfelds.
  • Logopädie: Behandelt Sprach- und Schluckstörungen.
  • Weitere Therapien: Musiktherapie, Tanztherapie, Kunsttherapie, Psychotherapie.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

In bestimmten Fällen kann eine tiefe Hirnstimulation (THS) in Betracht gezogen werden. Dabei werden Elektroden in bestimmte Hirnregionen eingesetzt, die elektrische Impulse abgeben und so die Symptome lindern können.

Leben mit Parkinson

Die Diagnose Parkinson kann für Betroffene und Angehörige ein tiefer Einschnitt sein. Es ist wichtig, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen, sich zu informieren und Unterstützung zu suchen.

Selbsthilfegruppen

Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein. Hier können Erfahrungen ausgetauscht, Informationen erhalten und neue Kontakte geknüpft werden.

Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson

Welt-Parkinson-Tag

Der Welt-Parkinson-Tag am 11. April bietet eine gute Gelegenheit, auf die Krankheit aufmerksam zu machen und sich für die Belange von Betroffenen einzusetzen.

Junge Parkinsonkranke (Parkinson U40)

Mindestens 10 % der bundesweit ca. 300.000 Betroffenen sind unter 40, manche sogar unter 30 und die Zahl steigt. Gerade junge Menschen mit Parkinson vertuschen ihre Symptome oft. Es treten Zukunftsängste auf, Angst vor dem Verlust der bisherigen Fähigkeiten und vor dem Verlust des Arbeitsplatzes.

Die Rote Tulpe als Symbol der Parkinson-Krankheit

Die rote Tulpe ist das offizielle Symbol des Welt-Parkinson-Tages und der Parkinson-Krankheit im Allgemeinen. Sie wurde 2005 auf der 9. World Parkinson’s Disease Day Conference in Luxemburg als internationales Zeichen eingeführt. Die Wahl fiel auf die rote Tulpe, da der niederländische Gartenspezialist J.W.S. Van der Wereld 1980 eine rot-weiße Tulpenart gezüchtet hatte, die er zu Ehren von James Parkinson "Dr. James Parkinson Tulpe" nannte. Van der Wereld war selbst von der Parkinson-Krankheit betroffen und wollte mit seiner Züchtung ein Zeichen setzen. Die rote Tulpe symbolisiert Hoffnung, Mut und die unermüdliche Suche nach einer Heilung für diese Krankheit. Auch in Deutschland ist die rote Tulpe Teil des Namenszuges des Dachverbandes „Deutsche Parkinson Vereinigung e.V.“ sowie der Landesgruppen. Außerdem gibt es sie in vielen Staaten als Anstecknadel.

Forschung und Ausblick

Die Parkinson-Forschung hat in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Es werden kontinuierlich neue Therapien erforscht, die an der Ursache der Erkrankung ansetzen. Deutschland gehört zu den international führenden Standorten der Parkinson-Forschung. Das Ziel ist es, die Parkinson-Krankheit eines Tages heilen oder zumindest ihren Verlauf deutlich verlangsamen zu können.

tags: #parkinson #krankheit #als #symbol