Viele ältere Menschen sind von der Parkinson-Krankheit betroffen, einer chronisch fortschreitenden, neurodegenerativen Erkrankung, die sich bei jedem Menschen unterschiedlich äußert. Die Parkinson-Krankheit, benannt nach dem englischen Arzt James Parkinson, der 1817 die Hauptsymptome der Erkrankung erstmals beschrieb, ist durch Symptome wie verlangsamte Bewegungen (Bradykinese), unkontrollierbares Zittern (Tremor) und steife Muskeln (Rigor) gekennzeichnet. Allein in Deutschland sind laut der Parkinson-Gesellschaft rund 400.000 Menschen von der Erkrankung betroffen. Damit ist sie die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach der Alzheimer-Demenz.
Die Häufigkeit der Parkinson-Krankheit hat in den letzten Jahrzehnten rasant zugenommen. Während 1990 rund 2,5 Millionen Menschen weltweit betroffen waren, gab es 2016 rund 6,1 Millionen Parkinson-Erkrankte. Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist die zunehmende Alterung der Bevölkerung. Aber auch innerhalb einzelner Altersgruppen ist die Häufigkeit von Parkinson um mehr als 20 Prozent gestiegen.
Die Parkinson-Krankheit und ihre Auswirkungen auf die Sprache
Morbus Parkinson ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der unter anderem Nervenzellen (Neurone) einer bestimmten Hirnregion absterben. Diese Krankheit schreitet chronisch fort. Wissenschaftler*innen des Studienbereichs Logopädie der Hochschule für Gesundheit (hsg Bochum) forschen über Folgen dieser Erkrankung und Studierende lernen, sie zu behandeln.
Einer der Aspekte, die oft übersehen werden, ist die Auswirkung von Parkinson auf die Sprache. Bis zu 90 Prozent der Betroffenen entwickeln im Laufe der Parkinsonerkrankung eine Stimm- und Sprechstörung. Diese Störungen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, da sie zu Problemen bei der Verständlichkeit, Sprechangst, Sprechvermeidung und Frustration führen können.
Dysarthrie als häufige Sprachstörung bei Parkinson
Eine häufige Sprachstörung bei Parkinson ist die Dysarthrie oder Dysarthrophonie, eine neurologische Sprechstörung, bei welcher eine Schädigung der Hirnnerven vorliegt. Die Sprechweise, aber nicht der Sprachinhalt, ist durch die Störung der Muskelkoordination beeinträchtigt. Typische Symptome der Dysarthrie sind eine verwaschene oder stark abgehackte Aussprache, leises bzw. schnell leiser werdendes Sprechen sowie eine monotone Sprechweise oder unpassende Betonung (Störung der Prosodie). Häufig kommt es auch zu veränderten Stimmklang, wie beispielsweise einer rauen, behauchten, heiseren und oder gepressten Stimme. Auch die Atmung kann unter anderem in Form einer verkürzten oder verlängerten Ein- und Ausatmung betroffen sein. Damit verbunden kann es zu unpassenden Atempausen oder gepresstem Sprechen kommen.
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Weitere Symptome, die bei Parkinson-bedingten Sprachstörungen auftreten können, sind:
- allgemeine "Unterbeweglichkeit" (Akinese)
- Beeinträchtigung des Schluckvorgangs
- zunehmend leiseres und undeutlicheres Sprechen
- abnehmende Sprechgeschwindigkeit
- erschwerte Atem-Koordination
- kognitive Veränderungen (bei Fortschreiten der Erkrankung)
- Schwierigkeiten in Gesprächen (sogenannte Parkinson-Demenz)
Maßnahmen zur Behandlung von Sprachstörungen bei Parkinson
Obwohl die medikamentöse Therapie bei Parkinson in der Regel kaum Auswirkungen auf das Sprechen hat, gibt es verschiedene Maßnahmen, die ergriffen werden können, um die Kommunikation und Lebensqualität von Betroffenen zu verbessern. Enorm wichtig ist der frühzeitige Beginn der Logopädie.
Logopädie: Ein wichtiger Therapieansatz
Die Logopädie spielt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Sprachstörungen bei Parkinson. Logopäden sind Experten für Sprech-, Stimm-, Sprach- und Schluckstörungen und können Betroffenen helfen, ihre Kommunikationsfähigkeiten zu erhalten oder sogar zu verbessern.
Die logopädische Behandlung umfasst in der Regel:
- Diagnostik: Der Logopäde führt eine umfassende Untersuchung durch, um die Art und den Schweregrad der Sprachstörung zu bestimmen.
- Therapieplanung: Basierend auf den Ergebnissen der Diagnostik erstellt der Logopäde einen individuellen Therapieplan, der auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist.
- Übungen: Die Therapie umfasst verschiedene Übungen zur Verbesserung der Atmung, Stimmgebung, Artikulation, Sprachmelodie und Sprechgeschwindigkeit.
- Kommunikationsstrategien: Der Logopäde vermittelt Kommunikationsstrategien, die dem Patienten helfen, sich trotz der Sprachstörung verständlich zu machen.
- Beratung: Der Logopäde berät den Patienten und seine Angehörigen über die Sprachstörung und gibt Tipps für den Umgang damit im Alltag.
Ein Beispiel für eine intensive Sprachtherapie, auf die viele Logopäden bei der Behandlung von Sprechstörungen zurückgreifen, ist das Lee Silverman Stimmtraining, welches ursprünglich für Parkinson-Patienten entwickelt wurde. Das Stimmtraining ist jedoch für alle Formen der Dysarthrie gut anwendbar. Dieses Training wurde von den US-Amerikanerinnen Dr.
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Weitere Therapieansätze und Hilfsmittel
Neben der Logopädie gibt es weitere Therapieansätze und Hilfsmittel, die bei Sprachstörungen bei Parkinson eingesetzt werden können:
- Medikamentöse Therapie: In einigen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um die Symptome der Parkinson-Krankheit zu lindern und indirekt auch die Sprachfunktion zu verbessern.
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Die THS ist ein chirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert werden, um die Hirnaktivität zu modulieren. In einigen Fällen kann die THS auch die Sprachfunktion verbessern.
- Kommunikationshilfen: Es gibt verschiedene Kommunikationshilfen, die Menschen mit Parkinson helfen können, sich zu verständigen, z. B. tragbare elektronische Geräte wie eine portable Schreibmaschine, mit denen Betroffene kommunizieren können. Auch elektronische Sprachverzögerer zur Verlangsamung des Sprechtempos und weitere Hilfsmittel für sprechmotorische Koordinationsstörungen stehen zur Verfügung.
Schluckstörungen und ihre Behandlung
Neben Sprachstörungen können bei Parkinson auch Schluckstörungen (Dysphagie) auftreten. Schlucken ist eine angeborene Fähigkeit, die phasenweise abläuft und willkürliche (bewusst gesteuerte) sowie reflektorische (willentlich nicht beeinflussbare) Anteile aufweist. Eigentlich passiert Schlucken nebenbei, ungefähr 600 bis 2.000 Mal in 24 Stunden, nachts schluckt man weniger als am Tag. Die Auslösung des Schluckreflexes (Triggerung) ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Speichelproduktion. Wichtig sind auch die Größe des Bissens (Bolus) und seine Beschaffenheit (Konsistenz) sowie das Kauen. Bei normalem Zahnstatus und Speichelfluss beträgt die Kaufrequenz bis zur Auslösung des Schluckreflexes durchschnittlich ca. 20 bis 30 Kauvorgänge. Gestörtes Schlucken wird mit dem Fachbegriff "Dysphagie" bezeichnet. Das Wort leitet sich ab vom griechischen Wort "phagein" (essen) und "dys" (gestört). Störungen des Schluckvorganges können in allen Phasen auftreten. Die Gefahr dabei ist, dass Speichel, Nahrung und Flüssigkeiten nicht in den Magen, sondern in die Atemwege und damit in die Lunge gelangen ("Aspiration"). Wenn aspirierte Nahrung tiefer in die Lunge rutscht, kann sie dort eine Lungenentzündung verursachen und zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Normalerweise schützen wir uns durch Husten vor einer Aspiration. Gerade die orale Phase des Schluckens ist bei Menschen mit Parkinson gestört. Durch die verminderte Flotationsbewegung des Kiefers und die Abnahme der Beweglichkeit/Kraft der Zunge kann der Speisebrei (Bolus) nicht richtig geformt und der Transport der Nahrung beeinträchtigt werden. Die Speise verbleibt zu lange im vorderen Mund, der Schluckreflex wird zu spät oder gar nicht ausgelöst, was zum unkontrollierten Überlaufen der Nahrung oder Flüssigkeiten in den Rachen führt (Leaking). Weiter führen Bewegungseinschränkungen im Rachen- und Kehlkopfbereich zu einem verlangsamten Nahrungstransport durch den Rachen und zu einem reduzierten Kehlkopfverschluss, der dringend nötig ist, um den "falschen Weg“ der Nahrung in die Luftröhre zu verhindern. Nahrungsreste verbleiben im Rachen und werden aufgrund von Wahrnehmungsproblemen nicht bemerkt.
Schwere Schluckstörungen, die häufig erst sehr spät erkannt werden, können unter Umständen sogar lebensbedrohlich sein.
Maßnahmen bei Schluckstörungen
- Logopädie: Logopäden können spezielle Übungen und Techniken vermitteln, um die Schluckfunktion zu verbessern.
- Anpassung der Ernährung: Die Konsistenz der Nahrung kann angepasst werden, um das Schlucken zu erleichtern.
- Schluckstrategien: Es gibt verschiedene Schluckstrategien, die helfen können, das Verschlucken zu vermeiden.
- Medikamentöse Therapie: In einigen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um die Speichelproduktion zu reduzieren oder die Muskelspannung im Rachen zu verbessern.
Tipps für den Umgang mit Sprachstörungen im Alltag
- Sprechen Sie in Ruhe mit den Betroffenen. Meist sind die kognitiven Fähigkeiten nicht beeinträchtigt, jedoch ist ihre Sprechweise unnatürlich.
- Nehmen Sie sich Zeit für Gespräche. Zeitdruck, Stress, Unruhe und Aufregung verstärken die Probleme bei der Aussprache.
- Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung. Wer sich als Angehöriger oder als Fremder mit einem Patienten mit Sprechstörung unterhalten möchte, sollte dies an einem ruhigen Ort tun und sich viel Zeit dafür nehmen.
- Konzentrieren Sie sich auf den Inhalt des Gesprächs.
- Vermeiden Sie es, Sätze für den Betroffenen zu beenden. Nehmen Sie ihm das Formulieren nicht ab. Das „Sprechen können“ ist eine ständige und notwendige Übung.
- Wiederholen Sie Worte und Sätze, indem Sie sie langsam und mit einer ansteigenden Lautstärke aussprechen.
- Seien Sie geduldig und ermutigend.
- Nutzen Sie Kommunikationshilfen, falls erforderlich.
- Suchen Sie Unterstützung bei Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen.
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