Fortschritte in der Parkinson-Medikamentenentwicklung in den USA

Parkinson ist eine der häufigsten neurodegenerativen Erkrankungen, von der in Deutschland rund 400.000 Menschen betroffen sind. Die Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung von Parkinson ist ein aktives Forschungsgebiet, und in den USA wurden in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt.

Aktuelle Herausforderungen in der Parkinson-Behandlung

Parkinson entsteht durch einen Mangel an Dopamin im Gehirn, der durch das Absterben von Nervenzellen verursacht wird, die diesen wichtigen Botenstoff produzieren. Dies führt zu Muskelzittern und eingeschränkter Beweglichkeit. Die derzeitigen Parkinson-Medikamente können die Symptome lindern, verlieren aber mit der Zeit an Wirksamkeit. Die Behandlung beschränkt sich oft auf die Linderung von Symptomen. Daher besteht ein dringender Bedarf an neuen Medikamenten, die den Krankheitsverlauf verlangsamen oder aufhalten können.

Neue Therapieansätze und Medikamente

Xadago® (Safinamid)

Im Juli 2017 gaben die Kooperationspartner Newron Pharmaceuticals S.p.A. und Zambon S.p.A. bekannt, dass Xadago® (Safinamid) nun Parkinson-Patienten in den USA als Zusatztherapie zur Verfügung steht, wenn diese Levodopa/Carbidopa einnehmen und unter „OFF”-Episoden leiden. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) definiert die "OFF"-Zeit als Phase, in der die Medikation eines Patienten nicht gut funktioniert, was eine Verschlechterung von Parkinson-Symptomen wie Tremor oder Gehstörungen zur Folge hat.

Xadago® ist ein Hemmstoff für Monoaminoxidase-B (MAO-B). Man nimmt an, dass die Inhibition der MAO-B-Aktivität über eine Blockade des Dopamin-Abbaus den Dopaminspiegel und folglich die dopaminerge Aktivität im Gehirn erhöht. In klinischen Studien zeigten Patienten, die einmal täglich mit Xadago® (Safinamid) behandelt wurden, eine signifikante Verlängerung der „ON”-Zeit ohne beschwerliche Dyskinesien. Safinamid wird einmal täglich angewendet und zeichnet sich durch eine hohe MAO-B/MAO-A-Selektivität aus. Safinamid ist eine Zusatztherapie zu Levodopa/Carbidopa. Eine Wirksamkeit als Monotherapie ist nicht belegt.

Inbrija (L-Dopa Inhalationspulver)

Die Michael J. Fox Foundation (MJFF) gab bekannt, dass die US-amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde (Food and Drug Administration, FDA) am 21. Dezember 2018 die Zulassung für das bereits mehrfach in Kongressberichten erwähnte L-Dopa Inhalationspulver erteilt hat. Das Medikament wurde von Acorda Therapeutics entwickelt. Es wird erwartet, dass das neue Medikament unter dem Handelsnamen Inbrija ab dem ersten Quartal 2019 in den USA auf den Markt kommt. Inbrija soll Patienten mit Parkinson und Wirkungsschwankungen helfen, welche durch eine orale Medikation nicht ausreichend geglättet werden können.

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Emrusolmin (TEV-56286)

Die Food and Drug Administration (FDA) hat dem gemeinsam entwickelten Wirkstoffkandidaten Emrusolmin (TEV-56286) den Fast Track Designation-Status für die Behandlung der Multi-System-Atrophie (MSA) erteilt. Bereits 2022 hatte Emrusolmin die Orphan-Drug-Designation erhalten. Die Fast Track Designation ist ein besonderes Verfahren der FDA, das für Arzneimittel mit hohem, ungedecktem medizinischem Bedarf reserviert ist, die das Potential haben den Krankheitsverlauf schwerer Erkrankungen zu verändern. Emrusolmin ist ein niedermolekularer Wirkstoff, der pathologische Alpha-Synuclein-Oligomere adressiert, die entscheidend an der Entstehung und Fortschreiten von MSA beteiligt sind. Die Multi System Atrophie ist eine seltene, schnell fortschreitende neuro-degenerative Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Bisher gibt es keine zugelassene Therapie, die den Krankheitsverlauf verlangsamen oder aufhalten kann - die Behandlung beschränkt sich auf die Linderung von Symptomen.

KI-gestützte Medikamentenentwicklung

Der Darmstädter Merck-Konzern will seine Pipeline in der Pharmasparte durch eine Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Valo Health voranbringen. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) Medikamente gegen Parkinson und verwandte Erkrankungen entwickeln. Valo Health verweist auf seine KI-gestützte Forschungsplattform und einen Datenpool von mehr als 17 Millionen anonymisierten Patientenakten. Dadurch lasse sich die Zielauswahl schärfen und die Arzneimittelentwicklung optimieren, "sodass wir die vielversprechendsten Kandidaten schneller vorantreiben können". Merck will sich nach der im Sommer erfolgten milliardenschweren Übernahme des US-Krebsspezialisten Springwork Therapeutics künftig auf seltene Erkrankungen konzentrieren.

Weitere vielversprechende Forschungsansätze

Diabetesmittel gegen Parkinson?

Eine französische Studie hat gezeigt, dass ein Wirkstoff zur Diabetes-Behandlung möglicherweise auch bei Parkinson hilft. An der Studie nahmen 156 Probandinnen und Probanden mit leichtem bis mittelschwerem Parkinson teil. Die Hälfte bekam das Diabetesmittel, die anderen nur ein Placebo. Alle schluckten außerdem weiter ihre Standardmedikamente. Nach einem Jahr hatte sich die Parkinson-Erkrankung in der Placebogruppe verschlechtert. Noch ist offen, wie sich der positive Effekt bei Parkinson erklären lässt. Möglicherweise liegt es daran, dass der Wirkstoff Entzündungen bekämpft. Für David Standaert, einem Neurologen an der University of Alabama in Birmingham, ist es vor allem wichtig, ob der Effekt länger als ein Jahr anhält und ob er mit den Behandlungsjahren zunimmt oder klein bleibt. Wenn sich Parkinson mit dieser Klasse von Diabetesmitteln über mehrere Jahre stoppen ließe, wäre das ein Riesenfortschritt.

Neuroprothese

Ende vergangenen Jahres gab es aufsehenerregende Ergebnisse: Ein französischer Parkinson-Patient kann jetzt dank einer neuartigen Neuroprothese zum ersten Mal seit Jahren wieder weitgehend normal laufen. Eine Chirurgin in Lausanne hat dem Mann mehrere kleine Pulsgeber direkt am Rückenmark implantiert. Und zwar genau an den Stellen, an denen die Nervensignale für die Beinbewegungen abgehen. Das Problem sind die Informationen, die aus dem Gehirn Richtung Beine losgesendet werden. Genau hier hat das Forschungsteam angesetzt und diese Information durch elektrische Signale korrigiert. Dieses Jahr sollen sechs weitere Menschen mit Parkinson in Lausanne behandelt werden. Danach wissen wir mehr darüber, wie aussichtsreich der Ansatz auch für andere Patienten ist.

Bedeutung von Bewegung und Ernährung

Die neue Behandlungsleitlinie betont unter anderem, dass es neben dem Zittern und den Bewegungsstörungen weitere häufige Probleme bei Parkinson gibt, die aber oft übersehen werden. Dazu gehören niedriger Blutdruck, Verstopfung, Schwierigkeiten mit der Blase und Sprach- oder Schluckstörungen. Ganz wichtig ist, dass Parkinson sich auch mit Bewegung und Ernährung positiv beeinflussen lässt. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Ausdauersport dem Abbau von körperlichen und geistigen Fähigkeiten bei Menschen mit Parkinson entgegenwirkt. Wer an Parkinson leidet, könnte auch von spezieller Physiotherapie und kognitiven Übungen profitieren.

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