Parkinson-Medikamente: Einnahmehinweise für eine optimale Therapie

Bei der Behandlung von Morbus Parkinson stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Diese Medikamente zielen darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Da die Parkinson-Krankheit nicht heilbar ist, konzentriert sich die medikamentöse Therapie auf die Reduzierung der Symptome und die Linderung der Beschwerden.

Einführung in die Parkinson-Therapie

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Zellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen und die Koordination zuständig ist. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen Symptomen von Parkinson, wie Zittern, Muskelsteifheit, Bewegungsverlangsamung und Gleichgewichtsstörungen.

Ziel der medikamentösen Behandlung ist es, das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn so weit wie möglich wiederherzustellen. Die Parkinson-Medikamente haben dabei verschiedene Aufgaben, da nicht nur der Dopaminmangel ausgeglichen werden muss, sondern auch ein Ungleichgewicht anderer Botenstoffe wie Glutamat reduziert werden soll.

Überblick über die verschiedenen Medikamentengruppen

Es gibt verschiedene Medikamentengruppen, die bei der Behandlung von Parkinson eingesetzt werden. Jede Gruppe wirkt auf unterschiedliche Weise, um die Symptome zu lindern. Zu den wichtigsten Medikamentengruppen gehören:

  • L-Dopa (Levodopa)
  • Dopaminagonisten
  • MAO-B-Hemmer
  • COMT-Hemmer
  • NMDA-Antagonisten (Amantadin)

L-Dopa (Levodopa): Der Goldstandard in der Parkinson-Therapie

Levodopa, oft als L-Dopa abgekürzt, ist ein Medikament, das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird. Es wirkt somit wie der Botenstoff selbst an den Rezeptoren. L-Dopa gilt als der Goldstandard in der Parkinson-Therapie und ist das wirksamste Medikament zur Behandlung der motorischen Symptome. Es wird als Standard in der Frühphase eingesetzt und hat die beste Wirkung auf alle Kernsymptome. Akut hat es die wenigsten Nebenwirkungen.

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Wirkmechanismus: L-Dopa ist eine Vorläufersubstanz von Dopamin. Anders als der Neurotransmitter selbst, überwindet L-Dopa die Blut-Hirn-Schranke und kann daher als Medikament von außen zugeführt werden. Erst im Gehirn wird Levodopa zu Dopamin umgebaut und kann dort den Dopaminmangel bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Das lindert die Bewegungsstörungen bei Parkinson und RLS.

Einnahmehinweise: Die Tabletten werden am besten 30 Minuten vor oder 90 Minuten nach den Mahlzeiten unzerkaut mit einem Glas Wasser geschluckt. Anschließend wird empfohlen, etwas Gebäck zu essen. Vor der Einnahme sind große eiweißreiche Mahlzeiten zu vermeiden, da Eiweiß die Aufnahme von L-Dopa im Darm beeinträchtigen kann.

Dosierung: Die empfohlene Initialdosis beträgt dreimal täglich 100 mg Levodopa kombiniert mit 25 mg Carbidopa. Eine Dosissteigerung kann um 100 mg/25 mg Tablette jeden Tag oder jeden 2. Tag vorgenommen werden. Bei höherer Dosis als 600 mg Levodopa und Carbidopa 150 mg sollte jedoch auf Levodopa/Carbidopa im Verhältnis 1:10 (Levodopa 250 mg kombiniert mit Carbidopa 25 mg) umgestellt werden. Die optimale Tagesdosis sollte individuell durch vorsichtige Titration von Levodopa ermittelt werden. Dabei sollte je Anwendung nur eine Tablette der Fixkombination eingenommen werden.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen: Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Levodopa gehören Herz-Kreislauf-Störungen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Nach längerer Therapie (mehrere Jahre) verstärkt Levodopa offenbar auch die On-Off-Symptomatik bei Parkinson. Levodopa kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch Müdigkeit und in sehr seltenen Fällen übermäßige Tagesmüdigkeit und plötzlich auftretende Schlafattacken (eventuell auch ohne vorherige Warnzeichen) verursachen kann. Patienten, bei denen übermäßige Tagesmüdigkeit und Schlafattacken aufgetreten sind, dürfen keine Aktivitäten ausführen (z. B. das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen).

Es gibt zahlreiche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und L-Dopa. L-Dopa-haltige Medikamente und Dopaminagonisten ersetzen fehlendes Dopamin im Gehirn. Die Wirkung entfaltet sich über die Aktivierung intakter dopaminerger Nervenzellen durch Stimulation von Dopamin-Rezeptoren (Bindungsstellen an der Oberfläche der Zellen). Es verbieten sich bei der Parkinson-Krankheit Medikamente, welche diese Dopaminbindungsstellen im Gehirn besetzen und dadurch die Aufnahme von Dopamin einschränken oder verhindern. Bei diesen Mitteln handelt es sich in erster Linie um Medikamente gegen seelische und psychische Erkrankungen, sogenannte Neuroleptika. Unter der Kombination von L-Dopa und COMT-Hemmern (z. B. Entacapon, Tolcapon) mit Eisenpräparaten ist eine Wirkungsabschwächung durch Chelatbildung (unlösliche Verbindungen) möglich. Eisenpräparate sollten deshalb immer im Abstand von 2 Stunden nach der L-Dopa- bzw.

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Kontraindikationen: Es gibt zahlreiche Kontraindikationen, die den Einsatz von Levodopa unmöglich machen. Diese hängen stark davon ab, ob es sich um eine L-Dopa/Carbidopa-Kombination, L-Dopa/Benserazid-Kombination oder L-Dopa/Carbidiopa/Entacapon-Kombination handelt. Die entsprechende Verordnung von Levodopa erfolgt deshalb stets in enger Absprache mit den behandelnden Ärzten. Levodopa sollte in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da über mögliche Risiken in der Schwangerschaft unzureichende Daten vorliegen. In tierexperimentellen Untersuchungen wurden pathologische Veränderungen an inneren Organen und Skelett nachgewiesen. Levodopa hemmt die Prolaktinausschüttung und somit die Laktation und geht zudem in die Muttermilch über.

Dopaminagonisten: Nachahmung der Dopaminwirkung

Dopaminagonisten sind Medikamente, die die Dopaminrezeptoren im Gehirn anregen und so die Wirkung von Dopamin nachahmen. Sie werden auch in der Frühphase der Erkrankung eingesetzt und haben eine schwächere Wirkung als L-Dopa.

Wirkmechanismus: Dopaminagonisten wirken direkt an den Dopaminrezeptoren und stimulieren diese, wodurch die Dopaminwirkung imitiert wird. Verschiedene Wirkstoffe sollen die Dopamin-Rezeptoren anregen, um dadurch die Dopamin Aufnahme zu steigern. Welches Medikament den Betroffenen beim Dopaminaufbau unterstützen soll, wird vom Arzt entschieden. Hier spielen neben dem Alter auch die Intensität der Symptome sowie die möglichen Nebenwirkungen eine Rolle.

Einnahmehinweise: Im Gegensatz zu L-Dopa können Dopaminagonisten unabhängig von der Nahrungszufuhr (also auch zum Essen) eingenommen werden. Sie müssen aber über mehrere Wochen langsam eingeschlichen werden, um mögliche Nebenwirkungen gering zu halten. Eine erkennbare Wirkung tritt daher oft erst nach einigen Wochen ein - es können sogar bis zu drei Monate vergehen, bevor eine Wirkung beobachtet wird. Je nach Präparat ist die Einstiegsdosis sehr gering, so dass die Einschleichphase bis zur empfohlenen Dosis sehr lange dauern kann und die Gefahr besteht, im unterschwelligen Bereich "steckenzubleiben". Bei der Dosierung ist daher darauf zu achten, dass tatsächlich eine ausreichende Wirkung erreicht wird.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen: Dopaminagonisten können als Nebenwirkung Übelkeit verursachen. Außerdem kann es, wenn auch selten, zu Tagesmüdigkeit mit Einschlafattacken kommen oder es können sich Beinödeme entwickeln. Einige Dopaminagonisten können in hohen Dosierungen in einzelnen Fällen auch eine Vermehrung von Bindegeweben an den Herzklappen auslösen und somit zu sogenannten Fibrosen führen.

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Bei der Kombination von Pramipexol mit beruhigenden Arzneimitteln oder Alkohol ist wegen dem möglichen additiven Effekt zu erhöhter Vorsicht geraten. Mögliche Folge: erhöhte Tagesmüdigkeit mit Einschlafattacken. Pramipexol und Arzneimittel, welche ebenfalls über die Niere abgebaut oder aus-geschieden werden, können sich gegenseitig beeinflussen und zu einer reduzier-ten Ausscheidung und damit zu einem unerwünschten Anstieg der Wirkung führen, z.B. Chinidin, Ranitidin, Triampteren, Verapamil, Digoxin, Diltiazem, Procainamid, Trimethoprim. Ropinirol wird über eines der Leberenzyme (CYP1A2) abgebaut. Medikamente, die dieses Enzym in seiner Tätigkeit hemmen (Ciprofloxacin, Fluvoxamin) oder anre-gen (Omeprazol, Lansoprazol, Nikotin) können die Wirkung von Ropinirol erhöhen oder vermindern. Unter einer hochdosierten Östrogenbehandlung wurde ein Anstieg des Blutspie-gels von Ropinirol beobachtet.

Entscheidung für L-Dopa oder Dopaminagonisten: Die Entscheidung für L-Dopa oder für einen Dopaminagonisten orientiert sich vor allem am Lebensalter des Patienten. Bei jüngeren Patienten unter 70 Jahren beginnt die Arztpraxis die Therapie in der Regel mit einem Dopaminagonisten, bei Patienten über 70 Jahren wird primär L-Dopa eingesetzt. Neben dem Alter spielen auch Begleiterkrankungen eine Rolle. Dopaminagonisten führen im längeren Einsatz zu deutlich weniger motorischen Komplikationen als L-Dopa, weshalb diese bei jüngeren Patienten mit langer Lebenserwartung eingesetzt werden, da hier auch die Vorbeugung solcher Komplikationen noch eher im Vordergrund steht als bei älteren Patienten. Bei Letzteren sind eher die Effektivität und Verträglichkeit wichtig, deshalb wird bei ihnen L-Dopa eingesetzt.

MAO-B-Hemmer: Schutz von Dopamin vor Abbau

MAO-B-Hemmer sind Medikamente, die ein Enzym (MAO-B) hemmen, das Dopamin abbaut. Dadurch steht dem Gehirn mehr Dopamin zur Verfügung. MAO-B-Hemmer wirken noch etwas schwächer als Dopaminagonisten und haben sehr wenige Nebenwirkungen.

Wirkmechanismus: Selektive MAO-B-Hemmer (Selegilin, Rasagilin) können die Wirkung von Dopamin nach der Ausschüttung aus den Nervenzellen verlängern. Im Frühstadium können sie als Monotherapie eingesetzt werden und die Notwendigkeit einer L-Dopa-Behandlung hinauszögern. Selektive MAO-B-Hemmer werden auch in fortgeschrittenen Krankheitsstadien in Kombination mit L-Dopa eingesetzt, wenn bereits Wirkungsfluktuationen aufgetreten sind. Die Kombination kann dann zu einer Zunahme der wirksamen "On"-Zeiten und zu einer Abnahme der "Off"-Zeiten führen.

COMT-Hemmer: Verlängerung der L-Dopa-Wirkung

COMT-Hemmer sind Medikamente, die ein Enzym (COMT) hemmen, das Dopamin abbaut. Dadurch steht dem Gehirn mehr Dopamin zur Verfügung.

Wirkmechanismus: Das Enzym COMT befindet sich vorwiegend außerhalb des Gehirns (in geringerem Maße aber auch im Gehirn) und verwandelt Dopamin bzw. L-Dopa recht schnell zu unwirksamen Substanzen. Der COMT-Hemmer Entacapon blockiert die COMT-Aktivität außerhalb des Gehirns, der COMT-Hemmer Tolcapon zusätzlich auch die Enzymaktivität im Gehirn. Wenn L-Dopa zusammen mit einem COMT-Hemmer eingenommen wird, so wird der vorzeitige Abbau von L-Dopa unterdrückt. Daher kann mehr L-Dopa ins Gehirn gelangen, wo es dann zu Dopamin umgewandelt wird. Bei Patienten mit motorischen Wirkungsfluktuationen kann die Kombination von L-Dopa mit einem COMT-Hemmer die Phasen guter Beweglichkeit ("On-Phasen") verlängern.

Wechselwirkungen: Benserazid kann als Nebenwirkung Durchfall auslösen. Die Kombination mit anderen Durchfall-auslösenden Arzneistoffen, wie z. B. den COMT-Hemmern Entacapon oder Tolcapon, sollte deshalb überwacht werden. Unter der Kombination von L-Dopa und COMT-Hemmern (z. B. Entacapon, Tolcapon) mit Eisenpräparaten ist eine Wirkungsabschwächung durch Chelatbildung (unlösliche Verbindungen) möglich. Eisenpräparate sollten deshalb immer im Abstand von 2 Stunden nach der L-Dopa- bzw. Die Kombination mit Antidepressiva mit einer Wiederaufnahmehemmung von No-radrenalin, z.B. Reboxetin/Venlafaxin/Duloxetin birgt die Gefahr von Blutdruckkri-sen. Die Kombination mit Eisenpräparaten führt zur Bildung von Chelaten (siehe L-Dopa).

NMDA-Antagonisten (Amantadin): Ausgleich des Glutamat-Überschusses

NMDA-Antagonisten, wie Amantadin, hemmen den Glutamat-Rezeptor, sodass das Verhältnis von Glutamat und Dopamin wieder ins Gleichgewicht kommt. Beim Parkinson liegt nicht nur zu wenig Dopamin vor, sondern zugleich kommt auch das Verhältnis von Glutamat und Dopamin aus dem Gleichgewicht. Amantadin sorgt als Gegenspieler des Glutamats dafür, dass die Wirkung des im Überschuss vorhandenen Glutamats im Gehirn reduziert wird. Aufgrund dieser Wirkweise wird Amantadin auch als „Glutamat-Antagonist“ bezeichnet. Die Tabletten werden in der Regel über einen langen Zeitraum eingenommen, wodurch der Arzt die Dosierung stetig anpassen kann, um das optimale Ergebnis zu erzielen.

Wechselwirkungen: Amantadin darf nicht mit anderen Medikamenten kombiniert werden, welche eben-falls eine Leitungsstörung am Herzen hervorrufen können (QT-Strecken-Verlängerung), z.B. Domperidon, Amiodaron, Sotalol, Opipramol, bestimmte Antibi-otika. Amantadin und Budipin haben anticholinerge Nebeneffekte. Die Kombination mit anderen Medikamenten, welche ebenfalls anticholinerg wirken, kann zu einer un-erwünschten Verstärkung dieser Nebeneffekte führen. Mögliche Folge: Mundtrockenheit, Verstopfung, akuter Harnverhalt, Verwirrtheit, Halluzinationen, Psychosen, Erektionsschwäche, Gedächtnisstörungen. Amantadin kann zu einem Natriummangel im Blut (Hyponatriämie) führen. Die Kombination mit anderen Medikamenten, welche ebenfalls eine Hyponatriämie auslö…

Weitere Therapieoptionen bei Parkinson

Neben der medikamentösen Therapie gibt es weitere Optionen zur Behandlung von Parkinson, die je nach Stadium der Erkrankung und individuellen Bedürfnissen eingesetzt werden können.

Parkinsonchirurgie: Tiefe Hirnstimulation

Hier spielt vor allem die tiefe Hirnstimulation die größte Rolle. Bei der Tiefen Hirnstimulation werden Elektroden in bestimmte Hirnbereiche implantiert, um die Symptome von Parkinson zu lindern. Die Tiefe Hirnstimulation verbessert in der Regel die Hauptsymptome von Parkinson. Weitere Symptome müssen zusätzlich behandelt werden.

Medikamentöse Pumpentherapien

Die Apomorphin-Pumpe verabreicht das Parkinsonmedikament kontinuierlich unter die Haut. Eine zweite Möglichkeit kommt infrage, wenn wegen Schluckstörungen eine Ernährungssonde nötig ist. Sie wird durch die Bauchwand direkt in den Magen gelegt (sogenannte PEG-Sonde). Über diese Sonde kann auch eine Pumpe angeschlossen werden, die den Wirkstoff direkt in den Dünndarm abgibt.

Allgemeine Einnahmehinweise für Parkinson-Medikamente

  • Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig und pünktlich ein.
  • Beachten Sie die spezifischen Einnahmehinweise für jedes Medikament (z. B. Einnahme vor oder nach den Mahlzeiten).
  • Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, um Wechselwirkungen zu vermeiden.
  • Melden Sie Ihrem Arzt alle Nebenwirkungen, die Sie feststellen.
  • Führen Sie ein Tagebuch über Ihre Beschwerden, um die Wirkung der Medikamente zu dokumentieren.

Medikamente gegen Parkinson müssen zu sehr regelmäßigen Zeiten eingenommen werden. „Eine allgemeine Dosierungsempfehlung wie ‚dreimal täglich eine Tablette‘ oder ‚mittags‘ ist oft zu ungenau. Besser ist es, sich die Einnahmezeitpunkte mit genauen Zeitangaben zu notieren und die Medikamente pünktlich einzunehmen“, weiß Apothekerin Hiltrud von der Gathen. „Wenn die Medikamente auch nur eine Viertelstunde später als geplant eingenommen werden, wirken sie nicht so gut, wie es möglich wäre.

Wenn die Medikamente über die Sonde verabreicht werden, müssen sie vorher sondengerecht zerkleinert werden. Nicht jedes Medi-kament darf/kann jedoch aufgelöst oder gemörsert werden.

Wichtige Aspekte bei der Einnahme von L-Dopa

L-Dopa besitzt große Ähnlichkeit zu Eiweißbausteinen. Es kann mit Eiweißbestandteilen aus der Nahrung um die Aufnahme durch den Magen-Darm-Trakt konkurrieren. Daher kann es passieren, dass eingenommenes L-Dopa nicht vollständig ins Blut gelangt, wenn in einem bestimmten Zeitfenster gleichzeitig eiweißreiche Nahrung verzehrt wird. „L-Dopa-Medikamente müssen daher mindestens eine halbe Stunde vor oder 90 Minuten nach dem Essen eingenommen werden“, rät Dr. Bergmann. „Patienten sollten die Packungsbeilage genau beachten und sich bei Unklarheiten mit dem Arzt oder einem Apotheker besprechen.“

L-Dopa kann nicht im gesamten Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, son-dern nur in einem begrenzten Abschnitt im Dünndarm (Absorptionsfenster). Dar-über hinaus muss es aus der Schleimhaut des Dünndarms über ein aktives Transportsystem in die Blutbahn transportiert werden. Auch Eiweiße aus der Nahrung (Fisch, Fleisch, Käse etc.) gelangen so in das Blut. Nimmt man L-Dopa zum oder nach dem Essen ein, so kommt es an der Dünndarmschleimhaut zu ei-nem Streit um das Transportsystem. Wenn der Patient Glück hat, siegt L-Dopa, es wird in die Blutbahn und von dort in das Gehirn befördert und der Patient kann sich bewegen. Wenn er Pech hat, schafft der Käse den Durchbruch, L-Dopa wandert im Darm weiter und verlässt den Dünndarmabschnitt, in dem seine Aufnahme möglich ist. Eine deutliche Reduktion der Wirkung bis zum völligen Wirkverlust sind die Fol-gen, der Patient wird oder bleibt steif und unbeweglich - Eiweißakinese (Unbe-weglichkeit durch Eiweiß) genannt.

Um dies zu vermeiden, sollte die Aufnahme von L-Dopa-Präparaten mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit erfolgen. Diese 30 Minuten benötigt das Medika-ment, um in den Magen und in den Dünndarm zu gelangen, von dort ins Blut und in das Gehirn. Jetzt kann der Patient essen, denn es gibt keinen Streit mehr um das Transportsystem. Falls es trotz Einhalten dieser Regeln zu einer Wirkungsab-schwächung der Medikamente nach dem Mittagessen kommt, so sollte die Haupt-mahlzeit auf den Abend verschoben werden, um eine ausreichende Beweglichkeit in den Nachmittagsstunden zu gewährleisten. Die in den Beipackzetteln angege-bene Empfehlung, die Medikamente 1 bis 1,5 Stunden nach der Mahlzeit einzu-nehmen, ist leider nicht sehr sicher, da die Magenentleerung bei Parkinson-Patienten ja verzögert ist und nach größeren Mahlzeiten bis zu 4 Stunden andauern kann.

Mit Beginn der L-Dopa-Therapie erfolgt die erste Einnahme der Medikation mor-gens auf nüchternen Magen. Die meisten Patienten vertragen dies gut und benöti-gen keine besonderen Schutzmaßnahmen. Falls jedoch ein empfindlicher Magen bekannt ist oder Magenbeschwerden auftreten, kann die erste Tabletteneinnahme mit einem Zwieback/Keks erfolgen. Bei stärkeren Beschwerden empfiehlt sich die Einnahme mit ein bis zwei Esslöffeln Haferschnee in lauwarmem Wasser aufgelöst. Wichtig ist auch hier, die Medikamente mit ausreichend Flüssigkeit (mindestens 200 ml) einzunehmen, damit der Weitertransport aus dem Magen in den oberen Dünn-darm nicht verzögert wird.

Einige Patienten nehmen Medikamente zur Ansäuerung des Urins ein, um Infektio-nen in der Blase vorzubeugen. Eines dieser Medikamente - Methionin - ist eben-falls ein Eiweiß und kann, genau wie Eiweiß aus der Nahrung, zu einer Wirkungs-abschwächung von L-Dopa führen. Methionin sollte deshalb möglichst nicht ver-wendet werden.

Entzündungen der Magen-Darm-Schleimhaut, z.B. durch den bekannten Magen-keim Helicobacter pylori, können zu einer verminderten Aufnahme von L-Dopa füh-ren. Unklare Magenbeschwerden sollten deshalb immer untersucht werden, bei Nachweis einer Entzündung der Magenschleimhaut oder des oberen Dünndarms sollten diese behandelt werden.

Umgang mit Nebenwirkungen

Wie bei allen Medikamenten können auch bei der medikamentösen Therapie des Morbus Parkinson Nebenwirkungen auftreten. Typische Nebenwirkungen von Medikamenten bei Parkinson können Impulskontrollstörungen, nächtlicher Heißhunger, Müdigkeitsattacken, Überstimulation oder Beinödeme sein. Ob und welche von diesen auftreten, ist individuell sehr unterschiedlich. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Ärztin/ Ihren Arzt beim Auftreten darüber informieren.

Patienten halten zum Beispiel eine zu Behandlungsbeginn auftretende Übelkeit für eine Unverträglichkeit. Das stimmt aber nicht: Die Übelkeit ist ein Zeichen dafür, dass die Wirkung der Medikamente einsetzt. Diese Nebenwirkung lässt zum Glück innerhalb von ein bis zwei Wochen deutlich nach“, erläutert von der Gathen.

Wechselwirkungen zwischen Medikamenten

Unter Wechselwirkungen zwischen Medikamenten (Interaktionen genannt) versteht man eine gegenseitige Beeinflussung ihrer Wirkung und/oder Verträglichkeit. Sie können auftreten, wenn zwei oder mehr Wirkstoffe gleichzeitig verabreicht werden, wobei das Risiko mit der Anzahl der eingesetzten Mittel steigt. Kombiniert man zwei oder mehr Medikamente miteinander, so kann es durch ge-genseitige Beeinflussung zu einer verstärkten Wirkung bis hin zur Vergiftung (Into-xikation) oder zu einer Wirkungsabschwächung bis hin zum völligen Wirkverlust kommen. Ebenso wie Arzneimittel können auch Nahrungs- und Genussmittel die Aufnahme eines Medikamentes, seinen Weg durch den Körper und/oder seine Ausscheidung verändern.

Es verbieten sich bei M. Parkinson Medikamente, welche diese Dopamin-Bindungsstellen im Gehirn besetzen und dadurch die Aufnahme von Dopamin ein-schränken oder verhindern. Neuroleptika Beispiele: Alle Vertreter dieser Wirkstoffgruppe sind kontraindiziert mit Ausnahme von Clozapin und Quetiapin. In diese Gruppe gehört auch Fluspirilen, welches häu-fig gegen Angstzustände als i.m.

Bedeutung der Therapietreue

In einer Studie wurde gezeigt, dass bei einem Fünftel der untersuchten Parkinson-Patienten die Medikamenten-einnahme unzureichend war und unter 80 % lag. Insbesondere die Einhaltung der häufigen Einnahmezeiten bereitete größte Schwierigkeiten. Eine unzureichende Tabletteneinnahme führt in der Regel zu einer Abschwächung der Wirkung und darüber hinaus zu einer ungleichmäßigen Wirkstoffzufuhr im Gehirn.

Wird die Einnahme der Medikation vergessen, so sollten externe Hilfen wie Uhren oder Pillenboxen mit Klingel- und/oder Vibrationsalarm Einsatz finden. Neben der zeitgenauen Einnahme der Medikamente gehört auch eine vollständige Angabe aller eingenommenen Medikamente bzw. Nahrungsergänzungsmittel so-wie interaktionsfreudiger Nahrungs- und Genussmittel (wie z.B. Alkohol und Niko-tin) in diesen Bereich.

Besonderheiten bei Patienten mit Schluckstörungen

Besonderheiten in diesem Bereich beginnen bei Parkinson-Patienten schon in der Mundhöhle: in den ersten Krankheitsjahren ist es die Mundtrockenheit, in den späteren Phasen der vermehrte Speichelfluss, welcher die Aufnahme von Medika-menten beeinflussen kann. Bei vorherrschender Mundtrockenheit sollten alle Medikamente mit mindestens 200 ml Flüssigkeit eingenommen werden. Sonst besteht die Gefahr, dass diese über Stunden in der Mundhöhle, im Rachen oder in der Speiseröhre hängen blei-ben und nicht zur Wirkung kommen. Bei Schluckstörungen Wasser ohne Kohlen-säure oder Kamillentee verwenden, Kaffee, schwarzen Tee und Fruchtsäfte jedoch meiden. Die Einnahme L-Dopa-haltiger Medikamente mit Milch, Molke, Quark und Joghurt ist wegen dem hohen Eiweißgehalt verboten.

Manchmal hilft es, Wasser oder Tee etwas anzuwärmen und mit einem kleinen Löffel schlückchenweise zu verabreichen. Bei aufrechtem Oberkörper sollte der Kopf beim Schlucken leicht nach vorn gebeugt werden (in der Fachsprache chin-tuck Manöver genannt) und der Patient sollte nicht sprechen. Sind die Schluckstörungen ausgeprägter, hilft das An-dicken des Wassers mit in der Apotheke erhältlichen Dickungsmitteln. Auf ausrei-chendes Nachspülen sollte man insbesondere bei Medikamenten achten, welche die Schleimhaut der Speiseröhre schädigen könnten, z.B. Eisenpräparate oder Me-dikamente gegen Osteoporose. Nehmen die Schluckstörungen zu, ist bei einigen Patienten die Versorgung mit einer Magensonde (PEG =perkutane endoskopische Gastrostomie) erforderlich.

Die langsame Magenentleerung führt bei einigen Patienten übrigens zu Übelkeit und Brechreiz, da Dopamin im Körper (außerhalb des Gehirns) den Blutdruck senkt und das Brechzentrum anregt. Damit diese Nebenwirkungen nicht auftreten, wird ebenfalls Domperidon verabreicht, um durch den schnellen Weitertransport von L-Dopa in die Blutbahn und in das Gehirn die sogenannten peripheren (im Körper) Nebenwirkungen, die ganz und gar nicht erwünscht sind, so gering wie möglich zu halten oder ganz zu vermeiden.

Fazit

Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Morbus Parkinson. Durch die richtige Auswahl und Dosierung der Medikamente können die Symptome gelindert und die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden. Es ist wichtig, die Einnahmehinweise genau zu beachten und eng mit dem behandelnden Arzt zusammenzuarbeiten, um die bestmögliche Therapie zu gewährleisten.

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