Parkinson und Riechstörungen: Ein komplexer Zusammenhang

Der Verlust des Geruchssinns ist ein häufiges Symptom bei Parkinson-Patienten, oft lange bevor die typischen motorischen Symptome auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Riechstörungen und Parkinson, von den zugrunde liegenden Mechanismen bis hin zu potenziellen diagnostischen und therapeutischen Ansätzen.

Der Geruchssinn als Frühwarnsystem

Mehr als 80 Prozent der Menschen mit Parkinson leiden unter einem verminderten Geruchssinn, der oft schon Jahre vor dem Auftreten der typischen bewegungsbezogenen Symptome auftritt. Diesem Phänomen will nun ein internationaler Verbund von Forscher*innen auf den Grund gehen. Die Parkinson-Krankheit ist berüchtigt dafür, dass eine Früherkennung äußerst schwierig ist. Die meisten Menschen haben zum Zeitpunkt ihrer Diagnose bereits die Hälfte der Dopamin erzeugenden Gehirnzellen verloren, die dieser Krankheit zum Opfer fallen.

Die Rolle der Riechbahn bei Parkinson

Das internationale Team hofft herauszufinden, ob die geruchsverarbeitenden Nerven, die das Innere der Nase mit dem Gehirn verbinden, bei der Entstehung der Parkinson-Krankheit eine Rolle spielen könnten. Ein Ziel der Verbundforschung ist es zu untersuchen, ob die Riechschleimhaut als Eintrittspforte für einen „Umwelttrigger“, wie z. B. für ein Virus, funktioniert und damit als mögliche Ursache für die Parkinson-Krankheit in Frage kommt.

Das internationale Team wird mögliche Zusammenhänge zwischen Umwelteinflüssen in der Nasenhöhle, Entzündungen, geruchsverarbeitenden Zentren im Gehirn und mit Parkinson zusammenhängenden Genen sowohl in Tiermodellen als auch bei Menschen untersuchen. Dabei werden neben der Riechschleimhaut auch Entzündungsvorgänge und Nervenzellschädigung entlang der Riechbahn sowie möglicherweise mit Parkinson im Zusammenhang stehende Gene in Tiermodellen und in menschlichen Gewebeproben untersucht. Insbesondere wird sich das Verbund-Team darauf konzentrieren, die Rolle des bei der Parkinsonerkrankung krankhaft verklumpten Eiweißes alpha-Synuklein im Riechepithel der Nase und im Riechhirn zu studieren.

Alpha-Synuclein und die Riechbahn

„Wir werden die Hypothese testen, dass bestimmte Umweltauslöser, wie z. B. Viren, in der Lage sein könnten, eine Kettenreaktion in den geruchssensiblen Zellen in der Nase auszulösen, die zur Bildung von Klumpen eines Proteins namens Alpha-Synuclein führt", sagt Dr. Schlossmacher. „Wir vermuten, dass sich dieser Prozess allmählich über die Verbindungen im gesamten Gehirn ausbreiten und so die Parkinson-Krankheit fördern könnte, insbesondere bei Menschen mit mehreren Risikofaktoren für die Erkrankung."

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Das internationale Team plant, systematisch die zellulären Mechanismen zu untersuchen, die ein möglicher Virusinfekt und eine dadurch ausgelöste Entzündung auf die alpha-Synuklein Aggregation im Bereich der Riechschleimhaut und entlang der Riechbahn haben, um mögliche Auslöser für die Parkinsonkrankheit zu finden.

Die Suche nach einem Parkinson-Geruchstest

Vor Kurzem verschaffte der Fall einer Frau, die Parkinson riechen kann, der Idee des Erschnüffelns von Krankheiten wieder mehr Aufmerksamkeit. Parkinson ist berüchtigt dafür, dass eine Früherkennung äußerst schwierig ist. Die meisten Menschen haben zum Zeitpunkt ihrer Diagnose bereits die Hälfte der Dopamin erzeugenden Gehirnzellen verloren, die dieser Krankheit zum Opfer fallen.

Barran arbeitet jetzt am Manchester Institut für Biotechnologie, wo sie versucht, den Geruch von Parkinson mit Hilfe biochemischer Verfahren zu identifizieren. Sie und ihre Kollegen wollen einen Geruchstest für Parkinson entwickeln - und zwar einen exakteren und praktischeren. Zuerst muss das Team chemisch die Moleküle identifizieren, was in „CSI“ einfach aussieht, in der echten Welt aber deutlich schwieriger ist. Von den Tausenden flüchtiger Verbindungen sind viele bislang nicht gut beschrieben. In den bisherigen Tests haben sie diverse Moleküle entdeckt, die bei Leuten mit Parkinson vermehrt vorkommen. Als nächstes muss das Team nicht nur bestätigen, dass diese speziellen Moleküle bei Parkinsonpatienten tatsächlich durchweg vermehrt auftreten, sondern auch herausfinden, wie man den Geruch entdecken kann, bevor die ersten Symptome auftreten.

Die Rolle von Joy Milne

„Joy [Milne] hat einen außergewöhnlich guten Geruchssinn“, sagt Barran. „Aber sie ist nicht die einzige Person, die das riechen kann. Das bringt uns zu der Frage zurück, was gewöhnliche Menschen eigentlich alles riechen können.

Allergischer Schnupfen und Parkinson: Ein möglicher Zusammenhang

Einer bevölkerungsbasierten Studie zufolge ist eine allergische Rhinitis mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Parkinson-Erkrankung assoziiert - und das auch bei Menschen, die nicht rauchen, keinen Alkohol trinken und sich regelmäßig bewegen.

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Wissenschaftler aus Seoul, Südkorea, haben nun in einer großen longitudinalen Studie retrospektiv Daten von fast 400.000 Personen aus der nationalen Gesundheitsversicherung ausgewertet. Das neben vielen anderen möglichen Einflussfaktoren, unter anderem auch nach Nikotin- und Alkoholkonsum sowie körperlicher Aktivität, adjustierte PD-Risiko erhöhte sich bei Allergikerinnen und Allergikern gegenüber Menschen ohne Atopie insgesamt um 18 %. Bei Personen, die nie geraucht hatten, keinen Alkohol konsumierten und regelmäßig Sport machten, war das PD-Risiko um 24 % erhöht, wobei bekannt ist, dass Raucherinnen und Raucher seltener einen Morbus Parkinson entwickeln.

Entzündungen als Ursache?

Wie die Autoren und Autorinnen ausführen, wird bei Menschen mit allergischer Rhinitis die Mikroglia im Bulbus olfactorius aktiviert. Das führt zu einer vermehrten Ausschüttung proentzündlicher Zytokine und kann so den Bulbus olfactorius schädigen. Ein möglicher pathophysiologischer Zusammenhang mit PD könnte darin bestehen, dass über die Riechbahn eine Neuroinflammation getriggert wird. Immerhin haben Menschen mit Morbus Parkinson häufig Riechstörungen, die der Erkrankung oft um viele Jahre vorausgehen.

Weitere Studien zum Thema

Auch amerikanische Forscher schließen aus den Ergebnissen einer Studie mit Parkinson-Patienten und einer Gruppe von gesunden Kontrollpersonen, dass chronischer allergischer Schnupfen das Risiko erhöhen könnte, an Parkinson zu erkranken. Verantwortlich für diesen Zusammenhang sind nach Ansicht der Wissenschaftler die Entzündungen, die mit der allergischen Reaktion einhergehen und die Veränderungen der chemischen Gleichgewichte im Gehirn, die als Folge davon entstehen.

In ihrer Studie verglichen Bower und seine Kollegen die Krankengeschichten der Parkinson-Patienten mit denen ihrer gesunden Altersgenossen. Je ausgeprägter und langwieriger die allergische Reaktion, desto wahrscheinlicher sei es auch, dass die zugrunde liegende Immunantwort auch das Gehirn beeinflusse, betont Studienleiter Bower den Zusammenhang. Das könne eine Entzündung und damit die Produktion bestimmter Botenstoffe im Hirn auslösen, die wiederum der für Parkinson typischen Zerstörung von Hirnzellen den Weg bereiten.

Schluckstörungen bei Parkinson

Neben Riechstörungen leiden viele Parkinson-Patienten auch unter Schluckstörungen (Dysphagie). Störungen des Schluckvorganges können in allen Phasen auftreten. Die Gefahr dabei ist, dass Speichel, Nahrung und Flüssigkeiten nicht in den Magen, sondern in die Atemwege und damit in die Lunge gelangen ("Aspiration"). Wenn aspirierte Nahrung tiefer in die Lunge rutscht, kann sie dort eine Lungenentzündung verursachen und zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

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Gerade die orale Phase des Schluckens ist bei Menschen mit Parkinson gestört. Durch die verminderte Flotationsbewegung des Kiefers und die Abnahme der Beweglichkeit/Kraft der Zunge kann der Speisebrei (Bolus) nicht richtig geformt und der Transport der Nahrung beeinträchtigt werden. Die Speise verbleibt zu lange im vorderen Mund, der Schluckreflex wird zu spät oder gar nicht ausgelöst, was zum unkontrollierten Überlaufen der Nahrung oder Flüssigkeiten in den Rachen führt (Leaking). Weiter führen Bewegungseinschränkungen im Rachen- und Kehlkopfbereich zu einem verlangsamten Nahrungstransport durch den Rachen und zu einem reduzierten Kehlkopfverschluss, der dringend nötig ist, um den "falschen Weg“ der Nahrung in die Luftröhre zu verhindern. Nahrungsreste verbleiben im Rachen und werden aufgrund von Wahrnehmungsproblemen nicht bemerkt.

Anzeichen für Schluckstörungen

Eine Dysphagie ist nicht immer eindeutig erkennbar, aber es gibt Erfahrungswerte und Anzeichen, die deutliche Hinweise auf beginnende Schluckprobleme liefern können. lndirekte Anzeichen können darauf hinweisen, stellen sich jedoch nicht bei jedem und vielleicht zeitlich verzögert ein: Gewichts- und Flüssigkeitsverlust, Sodbrennen und Aufstoßen, Erhöhte Körpertemperatur, plötzliches Fieber, Verschlechterung des Allgemeinzustandes mit unklarer Ursache, Auffälliges Blutbild, Bronchitis und Lungenentzündung. Direkte Anzeichen treten unmittelbar beim oder nach dem Essen und Schlucken auf: Häufiges Verschlucken an Speichel, bestimmten Speisen oder Getränken, Häufiges Räuspern oder Husten (ggf. auch verspätet), bis hin zu Hustenanfällen, Erschwerte Atmung nach dem Schlucken (Atemnot, -geräusche, -stopp), Kloßgefühl im Hals, Vermehrter Speichel, ungewollter Speichel - bzw. Nahrungsaustritt aus dem Mund, Gurgelnde Stimme, Brodelnde, rasselnde Atemgeräusche, Niesen beim Essen.

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