Das Parkinson-Syndrom ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit und betrifft Männer und Frauen etwa gleich häufig. Die Erkrankung manifestiert sich typischerweise nach dem 60. Lebensjahr. James Parkinson beschrieb die Krankheit erstmals im Jahr 1817 in seiner "Abhandlung über die Schüttellähmung".
Was ist das Parkinson-Syndrom?
Das Parkinson-Syndrom ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen, die ähnliche Symptome aufweisen. Es wird hauptsächlich in drei Kategorien unterteilt:
- Primäres Parkinson-Syndrom (IPS), auch Morbus Parkinson genannt
- Sekundäre Parkinson-Syndrome (SPS)
- Atypische Parkinson-Syndrome (aPS)
1. Primäres Parkinson-Syndrom (IPS) oder Morbus Parkinson
Das idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS), auch Morbus Parkinson genannt, ist eine langsam fortschreitende neurodegenerative Erkrankung. Die Ursache ist in den meisten Fällen unbekannt, weshalb man von einem idiopathischen Parkinson-Syndrom spricht. Je nach vorherrschender Symptomatik wird das IPS in verschiedene Typen unterteilt:
- Akinetisch-rigider Typ (eingeschränkte Beweglichkeit)
- Tremor-dominanter Typ (vorherrschendes Zittern)
- Äquivalenz-Typ (etwa gleich ausgeprägte Bewegungsstörung und Zittern)
Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ist die sporadische Parkinson-Krankheit (PK) eine Lewy-Körperchen-Krankheit, die zu einem Parkinson-Syndrom führt. Die Bezeichnung »idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS)« soll möglichst nicht mehr verwendet werden, da es laut DGN »eine nicht zu vernachlässigende Zahl von Fällen« gibt, die nicht idiopathisch sind.
2. Sekundäre Parkinson-Syndrome (SPS)
Sekundäre Parkinson-Syndrome machen bis zu 20 % aller Patienten mit Parkinson-Krankheitszeichen aus. Sie entstehen durch äußere Einflüsse wie Medikamente (z. B. Neuroleptika, Lithium), Gifte (z. B. MTPT, Kohlenmonoxid, Mangan) oder strukturelle Veränderungen im Gehirn. Diese Veränderungen können durch Durchblutungsstörungen, Hydrocephalus internus, Entzündungen, Tumore oder Verletzungen in bewegungsrelevanten Gehirnarealen verursacht werden. Strukturelle Veränderungen des Gehirns sind in Kernspinuntersuchungen erkennbar. Eine Parkinson-Symptomatik mit einer identifizierbaren, nicht genetischen Ursache wird als symptomatisches oder auch sekundäres Parkinson-Syndrom bezeichnet. Mögliche Auslöser sind unter anderem lysosomale Speicherkrankheiten, traumatische Gehirnverletzungen, Schlaganfall, Hirntumor oder Enzephalitis.
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3. Atypische Parkinson-Syndrome (aPS)
Atypische Parkinson-Syndrome (aPS) unterscheiden sich vom IPS durch einen rascheren Krankheitsverlauf und zusätzliche Beschwerden wie häufige Stürze nach hinten oder Demenz zu Beginn der Erkrankung. Zu den aPS gehören:
- DLB = Lewyköperkrankheit oder Demenz vom Lewykörpertyp
- MSA = Multisystematrophie (mit Untergruppierung in Typ-„P“ und Typ-„C“)
- PSP = Progressive Supranucleäre Paralyse
- CBD = Cortiko-Basale Degeneration
MSA, PSP und CBD können im Krankheitsverlauf typische Veränderungen in Kernspinuntersuchungen zeigen.
Ursachen des Parkinson-Syndroms
Die Parkinson-Erkrankung wird durch die Veränderung einer bestimmten Kernregion im Gehirn, der Substantia nigra, verursacht. Diese Region ist nach ihrer dunklen Färbung benannt. Bei Parkinson-Patienten ist diese Region jedoch ausgeblichen. Die Substantia nigra enthält etwa 400.000 Zellen, die sich kurz nach der Geburt dunkel färben. Im Laufe des Lebens sterben diese Zellen nach und nach ab. Beim Parkinson-Syndrom ist dieser Prozess aus ungeklärten Gründen beschleunigt. Studien haben gezeigt, dass mehr als 60 % der Zellen in der Substantia nigra zugrunde gehen müssen, bevor sich die typischen Parkinson-Symptome zeigen.
Die Zellen der Substantia nigra sind durch Nervenfortsätze mit einer anderen Gehirnregion verbunden, dem Corpus striatum. Die Nigra-Zellen setzen im Corpus striatum einen Botenstoff namens Dopamin frei. Dieser Neurotransmitter überträgt Signale von einer Nervenzelle auf die andere. Die Nervenzellen des Corpus striatum stehen mit einer Reihe weiterer Hirnregionen in Verbindung, so dass das freigesetzte Dopamin in ein Netzwerk von Schaltkreisen eingebunden ist. Mittels des Dopamins führt das Gehirn eine Feinabstimmung der Muskelbewegungen durch. Ohne Dopamin ist die Regulierung der Muskeln im Zusammenspiel von An- und Entspannung nicht möglich. Parkinson-Symptome treten auf, wenn der Dopamin-Gehalt um 70 bis 80 % abgesunken ist.
Die Rolle der Substantia Nigra und des Striatums
Die Substantia nigra pars compacta ist ein schmaler Streifen dunkler Nervenzellen tief im Mittelhirn. Hier befinden sich die dopaminergen Neurone, die den Botenstoff Dopamin ausschütten. Dieser ist am sogenannten Basalgangliensystem (zu dem das Striatum gehört) beteiligt und steuert Bewegungsabläufe mit. Dopamin wirkt dabei wie ein Modulator: Es sorgt dafür, dass Bewegungen flüssig eingeleitet, angepasst und gestoppt werden können. Es reguliert das Gleichgewicht zwischen hemmenden und aktivierenden Signalen im motorischen Netzwerk des Gehirns. Wenn ein Teil dieser dopaminergen Zellen abstirbt - wie es bei Parkinson der Fall ist - gerät dieses Gleichgewicht aus dem Takt.
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Wie sterben Zellen?
Ein zentrales Merkmal der Parkinson-Krankheit auf zellulärer Ebene ist die Anhäufung des Proteins α-Synuclein. Bei Parkinson beginnt das Protein jedoch, sich falsch zu falten und zu verklumpen. Diese fehlgefalteten Aggregate werden auch Lewy-Körperchen genannt und lagern sich im Inneren von Neuronen ab, vor allem in dopaminergen Zellen der Substantia nigra. Diese Ablagerungen stören die normale Zellfunktion, da sie wie ein „zelluläres Gift“ wirken, das letztlich zum Zelltod führt.
Auch die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle, spielen eine Rolle. Bei Parkinson kommt es zu molekularen Schäden an den Mitochondrien, welche deren Funktion beeinträchtigen. In der Folge entsteht sogenannter oxidativer Stress: Aggressive Sauerstoffverbindungen reichern sich in der Zelle an und schädigen Proteine, Lipide und DNA.
Zellen verfügen mit den Lysosomen über ein eigenes Entsorgungssystem. Bei Parkinson ist diese zelluläre Müllabfuhr jedoch oft überlastet oder gestört. Wenn die Lysosomen nicht mehr richtig funktionieren, stauen sich schädliche Substanzen in der Zelle an. Der Abbau von α-Synuclein gerät ins Stocken und die toxischen Aggregate nehmen weiter zu.
Wie das Gehirn gegensteuert
Um den Dopaminmangel zu kompensieren, erhöhen die postsynaptischen Nervenzellen im frühen Krankheitsstadium die Anzahl ihrer Dopamin-Rezeptoren. Dadurch können sie empfindlicher auf das verbliebene Dopamin reagieren. Neben den Nervenzellen gibt es im Gehirn auch sogenannte Gliazellen. Diese übernehmen viele wichtige Aufgaben, wie die Reparatur beschädigter Stellen und die Unterstützung der Nervenzellen bei ihrem Stoffwechsel. Gliazellen können außerdem ein Protein namens GDNF (Glial cell line-Derived Neurotrophic Factor) produzieren. Dieses Protein ist wichtig, da es das Überleben, das Wachstum und die Entwicklung von Nervenzellen fördert.
Diagnostik
Die Diagnose des Morbus Parkinson stützt sich auf die Anamnese, die neurologische Untersuchung und die Analyse der Bewegungsabläufe. Andere Erkrankungen, die sekundäre Parkinsonsyndrome auslösen können, müssen ausgeschlossen werden. Eine kernspintomographische Untersuchung des Gehirns sollte erfolgen. In speziellen Fragestellungen können nuklearmedizinische Verfahren wie SPECT, Ultraschall und ein L-Dopa-Test helfen.
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Therapie des idiopathischen Parkinsonsyndroms
Die Parkinsontherapie erfolgt symptomatisch, d. h. sie reduziert die Symptome. Zur Linderung der motorischen Symptome wird häufig L-Dopa eingesetzt, eine chemische Vorstufe von Dopamin, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann. Im Gehirn wird L-Dopa in Dopamin umgewandelt und versorgt die verbliebenen dopaminergen Neurone. Eine weitere Möglichkeit, die Dopaminkonzentration im synaptischen Spalt zu erhöhen, ist die Gabe von MAO-B-Hemmern.
Einfluss von Ausdauersport
Die motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung können durch Sport verbessert werden. Ausdauersport führt zu einer erhöhten funktionellen Konnektivität des anterioren Putamens mit dem sensomotorischen Kortex im Verhältnis zur Verbindung mit dem posterioren Putamen. Auf funktioneller Ebene resultiert das Ausdauertraining in einer besseren kognitiven Kontrolle. Daneben führt Ausdauersport zu einer erhöhten funktionellen Konnektivität im rechten frontoparietalen Netzwerk, proportional zur Steigerung der Fitness, und zu einem geringeren Grad der Atrophie des Gehirns.
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