Parkinson, auch Morbus Parkinson genannt, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die hauptsächlich ältere Menschen betrifft. Schätzungsweise leben in Deutschland 220.000 Menschen mit der Diagnose Parkinson. Etwa zehn Prozent der Betroffenen sind jedoch jünger als 40 Jahre. In seltenen Fällen tritt die Parkinson-Krankheit auch bei Kindern und Jugendlichen auf, was als juveniler Parkinson bezeichnet wird. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten von Parkinson bei Jugendlichen, um ein umfassendes Verständnis dieser seltenen Erkrankung zu ermöglichen.
Was ist Parkinson?
Parkinson ist eine chronische, fortschreitende Erkrankung des Nervensystems, die den Teil des Gehirns betrifft, der für die Kontrolle der Bewegungen zuständig ist. Die betroffenen Nervenzellen produzieren den Botenstoff Dopamin, der für die Übermittlung von Signalen für die Bewegungskontrolle zuständig ist. Sterben diese Nervenzellen ab, sinkt der Dopamin-Spiegel, was zu den charakteristischen Symptomen der Parkinson-Krankheit führt.
Die Parkinson-Krankheit ist nicht heilbar, aber die Beschwerden können dank wirksamer Therapien gut behandelt und gelindert werden.
Parkinson: Was geschieht im Körper?
Die Parkinson-Erkrankung wird durch einen Mangel des Botenstoffs Dopamin verursacht. Dieser Stoff wird in den Nervenzellen der Substantia Nigra (schwarze Substanz) gebildet. Ihren Namen hat diese Region im Gehirn aufgrund ihrer dunklen Färbung. Sie liegt in den Basalganglien, einem Netzwerk von Nervenzellen, das für die Steuerung der Bewegungen verantwortlich ist. Grundsätzlich nimmt die Zahl der Nervenzellen in der Substantia Nigra bei jedem Menschen im Laufe seines Lebens ab. Bei Menschen mit Parkinson verläuft dieser Zellabbau jedoch beschleunigt. Sind etwa 50 bis 60 Prozent der Dopamin bildenden Zellen abgestorben, treten die typischen motorischen Symptome auf.
Ursachen von Parkinson bei Jugendlichen
Die Ursachen von Parkinson sind im Detail noch nicht genau bekannt. In etwa 75 Prozent der Fälle ist die Erkrankung idiopathisch, was bedeutet, dass es keine greifbare Ursache dafür gibt. Ärzte sprechen auch von primärem Parkinson. Der sekundäre sowie der atypische Parkinson sind hingegen genetisch bedingt. Es scheint, dass junge Parkinson-Patienten eine größere genetische Veranlagung für die Krankheit haben.
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Genetische Ursachen
In sehr wenigen Fällen ist Parkinson erblich bedingt. Etwa 5 Prozent der Betroffenen haben einen nahen Verwandten mit Parkinson. Dabei wird die Erkrankung meist nicht direkt von den Eltern an die Kinder vererbt. Vielmehr geht man davon aus, dass ein Zusammenspiel verschiedener genetischer Anlagen einige Menschen anfälliger für Parkinson macht als andere. Bei den sogenannten monogenetischen Formen von Parkinson wird jede von ihnen durch eine Veränderung (Mutation) in einem bestimmten Gen verursacht. Diese geben Eltern an ihre Kinder weiter. Monogenetische Formen von Parkinson sind also vererbbar. Sie werden oft auch als familiäres Parkinson-Syndrom bezeichnet. Sie sind aber selten. Patienten mit genetischer - man sagt auch familiärer- Parkinson sind im Schnitt etwas jünger, wenn sich Symptome zeigen: oft treten erbliche Formen schon vor dem 50. Lebensjahr auf.
Umweltfaktoren
Es scheint, dass verschiedene Schadstoffe das Risiko für eine Parkinson-Erkrankung erhöhen können. Dazu zählen unter anderem Lösungsmittel auf Kohlenwasserstoffbasis, Pestizide und Nervengifte. Verschiedene Beobachtungen haben gezeigt, dass Menschen in ländlichen Gebieten, die nicht an die städtische Wasserversorgung angeschlossen sind, sondern sich über einen eigenen Brunnen mit Wasser versorgen, ein erhöhtes Parkinson-Risiko haben, wenn Pestizide aus der Landwirtschaft in das Wasser gelangen.
Kopfverletzungen
Bestimmte Arten von Kopfverletzungen können das Risiko erhöhen, an sekundärem Parkinson zu erkranken. Durch schwere Schläge auf den Kopf, wie sie beispielsweise beim Boxen vorkommen, Schlaganfälle oder Hirntumore kann die Substantia Nigra geschädigt werden. Ist der Zellverlust in dieser Region des Gehirns zu groß, kann es zu einem Dopamin-Mangel und damit zu Parkinson-Beschwerden kommen.
Dopaminmangel
Die Parkinson-Erkrankung geht von einer bestimmten Hirnregion aus, der sogenannten „schwarzen Substanz“ (Substantia nigra) im Mittelhirn. In der Substantia nigra befinden sich spezielle Nervenzellen, die den Nervenbotenstoff (Neurotransmitter) Dopamin produzieren. Dopamin ist sehr wichtig für die Steuerung von Bewegungen.
Die nach derzeitigem Kenntnisstand wahre Ursache von Parkinson ist das Absterben von immer mehr Nervenzellen, die normalerweise Dopamin produzieren. Warum das passiert und wie Parkinson genau entsteht, ist allerdings bis heute nicht geklärt. Bekannt ist, dass sich in den Nervenzellen vermehrt ein fehlerhaftes Protein ablagert und diese schädigt.
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Weil immer mehr Nervenzellen absterben, sinkt der Dopaminspiegel im Gehirn auch immer weiter ab - es entwickelt sich ein Dopaminmangel. Der Körper gleicht diesen Mangel lange Zeit aus: Erst wenn etwa 60 Prozent der Dopamin-produzierenden Nervenzellen abgestorben sind, macht sich der Dopaminmangel durch die Bewegungsstörungen bemerkbar, die für Parkinson so typisch sind.
Doch der Dopaminmangel ist nicht die einzige Ursache von Parkinson: Er stört zudem das empfindliche Gleichgewicht der Nervenbotenstoffe. Weil immer weniger Dopamin vorhanden ist, steigt zum Beispiel die Menge des Botenstoffes Acetylcholin an. Experten vermuten, dass dies der Grund für das Zittern (Tremor) und die Muskelsteifheit (Rigor) bei Parkinson ist.
Ursachen für sekundären Parkinson
Im Unterschied zur klassischen Parkinson-Krankheit hat das symptomatische (oder sekundäre) Parkinson-Syndrom eindeutig erkennbare Ursachen. Einige wichtige Auslöser und Risikofaktoren sind zum Beispiel:
- Medikamente, die Dopamin hemmen (Dopamin-Antagonisten), zum Beispiel Neuroleptika (zur Behandlung von Psychosen) oder Metoclopramid (gegen Übelkeit und Erbrechen), Lithium (gegen Depressionen), Valproin-Säure (gegen Krampfanfälle), Kalzium-Antagonisten (gegen Bluthochdruck)
- Andere Erkrankungen wie Hirntumoren, Entzündungen des Gehirns (etwa infolge von AIDS), Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus) oder Morbus Wilson (Kupferspeicher-Krankheit)
- Vergiftungen, etwa mit Mangan oder Kohlenmonoxid
- Verletzungen des Gehirns
Ursachen für atypischen Parkinson
Das atypische Parkinson-Syndrom entsteht im Rahmen verschiedener neurodegenerativer Erkrankungen. Das sind Erkrankungen, bei denen immer mehr Nervenzellen im Gehirn absterben. Im Unterschied zum klassischen Parkinson-Syndrom betrifft dieser Zelluntergang aber nicht nur die „Substantia nigra“, sondern auch andere Hirnregionen. Deshalb treten beim atypischen Parkinson-Syndrom neben Parkinson-ähnlichen Beschwerden noch weitere Symptome auf.
Neurodegenerative Erkrankungen, die teilweise ein atypisches Parkinson-Syndrom auslösen, sind beispielsweise:
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- Lewy-Body-Demenz
- Multisystematrophie (MSA)
- Progressive supranukleäre Blickparese (PSP)
- Kortikobasale Degeneration
Solche Erkrankungen haben eine deutlich schlechtere Prognose als das „echte“ (früher: idiopathische) Parkinson-Syndrom.
Symptome von Parkinson bei Jugendlichen
Die Symptome von Parkinson können bei Jugendlichen sehr unterschiedlich sein und sich von den typischen Symptomen bei älteren Erwachsenen unterscheiden. Im Allgemeinen schreitet die Krankheit langsamer voran und die kognitiven Funktionen bleiben länger erhalten. Da jüngere Patienten sensibler auf die Nebenwirkungen von Medikamenten reagieren, ist eine angepasste Behandlung erforderlich.
Motorische Symptome
Die vier Hauptsymptome von Parkinson sind:
- Muskelzittern (Tremor): Das auffälligste Krankheitszeichen bei Parkinson ist das Muskelzittern, der sogenannte Tremor. Er wird von den Betroffenen meist als Erstes wahrgenommen. In vielen Fällen handelt es sich dabei um ein Zittern im Ruhezustand. Das bedeutet, dass der Tremor in Ruhesituationen besonders ausgeprägt ist und in der Bewegung verschwindet. Seltener äußert sich der Tremor auch beim Halten von Dingen oder in Bewegung als sogenannter Halte- bzw. Aktionstremor. In der Regel zeigt er sich zunächst an den oberen Extremitäten, also an den Armen und am Kopf. Seltener betrifft er auch die Füße. Ein Tremor muss nicht zwangsläufig auftreten. Nur etwa die Hälfte aller Betroffenen stellt gleich zu Beginn der Erkrankung ein Muskelzittern fest. Bei rund 10 Prozent verläuft Parkinson sogar völlig ohne Tremor.
- Muskelsteifheit (Rigor): Der sogenannte Rigor oder auch Muskelsteifheit tritt bei den meisten Betroffenen auf. Spannt ein gesunder Mensch einen Muskel an, kommt es automatisch zur Entspannung des Gegenmuskels. Diese Reaktion ist durch Parkinson eingeschränkt. Sowohl die Beuge- als auch die Streckmuskeln sind permanent angespannt. Dadurch wird der gesamte Körper steif. Versucht beispielsweise eine zweite Person Arm oder Bein eines Betroffenen zu strecken, ist dies nur schwer möglich, obwohl kein aktiver Widerstand geleistet wird. In der Folge sind Bewegungen oft nur stufenweise oder ruckartig möglich. Der Rigor ist auch an der Entwicklung von Fehlstellungen beteiligt. So bewegen sich Betroffene oft vornübergebeugt oder halten die Schultern nach vorn gezogen. Auch kann es zur leicht angewinkelten Haltung von Ellbogen- und Kniegelenken sowie zu gebeugten Fingergelenken kommen.
- Verlangsamung der Bewegung (Bradykinese): Die Verlangsamung der Bewegung wird als Bradykinese bezeichnet. Eine Steigerung ist die Bewegungsarmut, die man Akinese nennt. Betroffene können Bewegungen oft nur verzögert einleiten. Das zeigt sich vor allem bei spontanen Bewegungen, beispielsweise beim Aufstehen zur Begrüßung oder beim unvermittelten Losgehen. Die Bradykinese zeigt sich auch am Gang. Betroffene machen oft kleine Schritte und schlurfen. Ebenso kann es sein, dass die Arme nicht oder kaum mehr mitschwingen. Meist sind gleitende Bewegungen erschwert, sie erfolgen ruckartig. Manchmal verharren Betroffene mitten im Bewegungsablauf. Das wird auch als „Freezing“ bezeichnet. Bewegungen wirken dann wie eingefroren. Solche Situationen können auch durch emotionalen Stress ausgelöst werden. Darüber hinaus kann es zu weiteren Beschwerden kommen. So kann beispielsweise die Mimik verlangsamt sein und starr wirken. Die Zahl der Lidschläge kann abnehmen und die Augenbewegungen können vermindert sein. Dadurch erscheint der Gesichtsausdruck möglicherweise weniger lebhaft. Da auch die an Stimm- und Sprachbildung beteiligten Muskeln von der Bradykinese betroffen sein können, sprechen manche Betroffene leiser als gewöhnlich oder monotoner. Häufig haben Menschen mit Parkinson auch Schwierigkeiten beim Schlucken. Der Speichel wird dann nicht optimal abtransportiert, ein erhöhter Speichelfluss (Hypersalivation) ist die Folge. Die Feinmotorik kann ebenfalls beeinträchtigt sein, was sich beispielsweise in der Schrift zeigt. Diese wird zum Zeilenende hin kleiner und weicht nach oben aus.
- Gang- und Gleichgewichtsstörungen (posturale Instabilität): Die oben genannten Beschwerden können bei starker Ausprägung zu Gang- und Gleichgewichtsstörungen führen, der sogenannten posturalen Instabilität. Bewegungen werden dann nicht schnell genug ausgeglichen. Schon geringe Einwirkungen von außen, wie beispielsweise ein Anrempeln im Gedränge, können in manchen Fällen zu einem Sturz führen.
Nicht-motorische Symptome
Neben den motorischen Symptomen können bei Parkinson auch nicht-motorische Symptome auftreten, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Dazu gehören:
- Verlust und Störung des Geruchssinns: Die Hyposmie, das teilweise aufgehobene bzw. eingeschränkte Geruchsempfinden ist oft ein erstes, der Parkinson-Erkrankung vorangehendes Krankheitszeichen. Zur Bestätigung der Diagnose ist es daher immer sinnvoll, differenziert die Riechfähigkeit zu prüfen.
- Schlafstörungen: Schlafstörungen, geträumte Bewegungen werden ausgelebt. Erste Frühzeichen der Erkrankung können Ein- und Durchschlafprobleme, lebhafte Träume oder Reden, Schreien und Treten im Schlaf sein.
- Schulterschmerzen / Gelenkschmerzen
- Verstopfungen: Verstopfung ist ein weiteres frühes Anzeichen von Parkinson.
- Sehstörungen
- Verkrampfte und verkleinerte Handschrift: Typisch für Parkinson ist die Mikrografie, d. h. bei einem in Schreibschrift niedergeschriebenen Satz wird die Auslenkung bzw. die Schrift immer kleiner.
- Gesichtszüge verlieren an Ausdruck: Hypomimie bezeichnet eine deutlich reduzierte Mimik; das bedeutet, die Ausdrucksmöglichkeiten im Gesicht des Parkinson-Patienten sind stark eingeschränkt. Dies fällt als eines der ersten Symptome auch der unmittelbaren Umgebung auf. Bezeichnet das Fehlen jeglicher Mimik, das Gesicht des Betroffenen wird als starr und ausdruckslos erlebt.
- Schwierigkeiten beim Gehen, allgemeine Verlangsamung
- Verlangsamte Reaktionsfähigkeit
- Müdigkeit
- Halluzinationen, Angstzustände, Reizbarkeit, Apathie, Vitalitätsverluste
- Depressionen
- Demenz: Im weiteren Krankheitsverlauf kann es in seltenen Fällen zur Entwicklung einer Parkinson-Demenz kommen.
- Sexuelle Funktionsstörungen
- ** vegetative Begleitsymptome:** Zu Parkinson gehören auch vegetative Begleitsymptome, d. h. Beschwerden des Herz-Kreislauf-, Magen-Darm- oder Niere-Blase-Systems. Die Dysurie bezeichnet einen Zustand, bei dem das Wasserlassen erschwert, gestört, verzögert oder schmerzhaft ist. Auch eine Harninkontinenz kann unter den Begriff der Dysurie fallen.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen mit Parkinson alle diese Symptome entwickeln und dass die Ausprägung der Symptome von Person zu Person unterschiedlich sein kann.
Diagnose von Parkinson bei Jugendlichen
Einen speziellen Parkinson-Test, mit dessen Hilfe eine schnelle und sichere Diagnose gestellt werden könnte, gibt es nicht. Eine erfahrene Neurologin oder ein erfahrener Neurologe ist jedoch in der Lage, die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen wie ein Puzzle zusammenzusetzen und so zur richtigen Diagnose zu gelangen. Dazu muss sie oder er Ihren Krankheitsverlauf gut kennen. Die Basis der Untersuchung bildet ein ausführliches Gespräch (Anamnese). Ihre Neurologin oder Ihr Neurologe wird Sie dabei zu Art und Dauer Ihrer Beschwerden befragen und Sie auf die Hauptsymptome der Erkrankung hin untersuchen: Muskelzittern (Tremor), Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese), Versteifung der Muskulatur (Rigor) sowie Gang- oder Gleichgewichtsstörungen (posturale Instabilität).
Um andere Erkrankungen auszuschließen und die Diagnose Parkinson zu bestätigen, können in der Neurologie Tätige zudem testen, ob Sie auf die Gabe von Levodopa ansprechen. Bessern sich die Beschwerden unter dem Wirkstoff Levodopa, ist das ein weiteres Indiz für eine Parkinson-Erkrankung. Bleiben die Beschwerden gleich oder verschlechtern sie sich, deutet das fast immer auf eine andere Erkrankung hin.
Auch der Einsatz bildgebender Verfahren kann dabei helfen, andere Erkrankungen auszuschließen und die Verdachtsdiagnose Parkinson zu erhärten. Hierzu zählen die Computertomografie (CT), die Magnetresonanztomografie (MRT), die Ultraschalluntersuchung sowie die Single-Photonen-Emissions-Computertomografie (SPECT).
Je nach Beschwerden erfolgen weitere Untersuchungen:
- Riechtest
- Schellong-Test (Funktionstest der Kreislauffunktion)
- Liquor-Untersuchung
Auf Wunsch des Patienten kann ein genetischer Test durchgeführt werden, insbesondere wenn mindestens zwei Verwandte ersten Grades bereits von der Krankheit betroffen sind.
Behandlung von Parkinson bei Jugendlichen
Da die Parkinson-Krankheit im Jugendalter eine besondere Herausforderung darstellt, ist eine individuelle und umfassende Behandlungsstrategie erforderlich. Im Allgemeinen entwickelt sich die Krankheit langsamer und die kognitiven Funktionen bleiben länger erhalten. Da jüngere Patienten sensibler auf die Nebenwirkungen von Medikamenten reagieren, ist eine angepasste Behandlung erforderlich. Die Verwendung von L-Dopa wird so lang wie möglich hinausgezögert.
Medikamentöse Behandlung
Dopaminmedikamente wie Levodopa, ergoline Dopamin-Agonisten und Monoaminoxidase-Inhibitoren helfen, den vorhandenen Dopaminmangel auszugleichen und die typischen Symptome wie Zittern, verlangsamte Bewegung und versteifte Muskeln zu lindern. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto höher ist die benötigte Dosis. Neben diesen Medikamenten kommen auch weitere Behandlungsoptionen zum Einsatz:
- COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkung von Levodopa (z.B. Entacapon, Tolcapon).
- Nicht-ergoline Dopamin-Agonisten: Stimulieren Dopaminrezeptoren (z.B. Pramipexol, Ropinirol).
- Anticholinergika: Blockieren Acetylcholin, um das Gleichgewicht zu Dopamin zu verbessern (z.B. Biperiden, Trihexyphenidyl).
Allgemein sind die Medikamente gut verträglich, können jedoch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel hervorrufen. Sie werden in Form von Tabletten, als Spritze, als Pflaster oder über eine Pumpe verabreicht.
Das wirksamste Medikament für die Behandlung des echten Parkinson-Syndroms ist Levodopa (L-Dopa oder chem. L-3,4-Dihydroxyphenylalanin). Es kommt natürlicherweise in Pflanzen und in Tieren vor. Die eingesetzten Medikamente werden jedoch ausschließlich industriell hergestellt. Der Körper nimmt L-Dopa in die Nervenzellen auf und stellt daraus Dopamin her. Dopamin selbst kann nicht als Medikament gegeben werden, da es die so genannte Blut-Hirnschranke nicht überwindet. Das bedeutet, dass der Wirkstoff zwar in die Blutgefäße des Gehirns gelangt, nicht aber den letzten Schritt ins Nervengewebe vollziehen kann. Dies wird durch eine spezielle Barriere verhindert, die das Gehirn vor Schadstoffen schützen soll. L-Dopa wird gewöhnlich mit Carbidopa kombiniert. Carbidopa verhindert, dass L-Dopa bereits in Dopamin umgewandelt wird, bevor es das Gehirn erreicht hat. Die Mehrzahl der Patienten erfährt im Frühstadium der Erkrankung eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome nach einmonatiger Therapie mit ca. 300 mg L-Dopa am Tag. L-Dopa kann so genannte Dyskinesien hervorrufen. Es handelt sich um unwillkürliche Zuckungen und ruckartige Bewegungen, die der Patient nicht verhindern kann. Häufigkeit und Schwere nehmen unter fortdauernder Behandlung mit L-Dopa meist weiter zu. Alternativ zur L-Dopa-Therapie werden häufig so genannte Dopamin-Agonisten verordnet. Diese Moleküle sind dem Dopamin chemisch sehr ähnlich und wirken im Körper wie der natürliche Botenstoff oder auf parallele Rezeptoren. Dopamin-Agonisten sind schwächer wirksam als L-Dopa. Heute werden Dopamin-Agonisten zu Beginn der Behandlung als alleiniges Mittel (Mono-Therapie) bei jüngeren Patienten verabreicht. Auch wenn Dopamin-Agonisten dem L-Dopa ähnlich sind, haben sie doch vom L-Dopa verschiedene Nebenwirkungen. Diese sind von Dopamin-Agonist zu Dopamin-Agonist verschieden. Grundsätzlich gilt, dass die Vielzahl der Mittel dem Patienten die Chance bietet, das für ihn am besten verträgliche Medikament zu finden. Es existieren noch weitere Medikamente, welche u.a. die Wirksamkeit von L-Dopa unter-stützen und damit seine Nebenwirkungen reduzieren. So genannte COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer verzögern den Abbau von L-Dopa bzw. Dopamin im Körper.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Reichen die Medikamente nicht mehr aus, kann der Einsatz eines Hirnschrittmachers notwendig werden. Bei diesem chirurgischen Eingriff werden kleine Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns eingesetzt, um diese zu reizen oder zu hemmen. Die tiefe Hirnstimulation kann die Symptome deutlich lindern und somit die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Die Wirkung ist jedoch abhängig von individuellen Voraussetzungen wie Alter, Symptomatik und Ansprechen auf Levodopa. Vor dem Einsatz des Hirnschrittmachers erfolgt eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung und der Ausschluss von Kontraindikationen, um sicherzustellen, dass der Eingriff geeignet ist.
Die Tiefe Hirnstimulation THS ist ein etabliertes Therapieverfahren, das seit über 25 Jahren bei weltweit circa 100.000 Patienten angewandt wurde. Die Indikation zur THS sollte in einem spezialisierten Zentrum gestellt werden und kann dann zum Einsatz kommen, wenn es im Krankheitsverlauf zu Schwankungen der Beweglichkeit mit überbeweglichen (Dyskinesien) oder unterbeweglichen (Hypokinese) Phasen kommt, die zu einer Einschränkung der Lebensqualität führen und/oder wenn ein Tremor im Vordergrund des Beschwerdebildes steht, der nur unzureichend mittels einer medikamentösen Therapie beeinflusst werden kann. Bei der THS werden Elektroden stereotaktisch in tiefere Gehirnregionen implantiert, und zwar handelt es sich beim idiopathischen Parkinsonsydnrom in der Regel um den Nucleus subthalamicus (STN) oder die Pars interna des Globus pallidus (GPi). Mit Hilfe eines implantierten Impulsgenerators erfolgt in den entsprechenden Regionen eine individuell steuerbare elektrische Stimulation. In mehreren großen Studien konnte dahingehend nachgewiesen werden, dass die erzielte Symptomreduktion mit einer erheblichen Besserung der Lebensqualität für den Betroffenen einhergeht. Obwohl die Tiefe Hirnstimulation die Parkinson-Erkrankung nicht heilen kann, ist hierdurch eine in der Regel über viele Jahre anhaltende Beschwerdelinderung möglich. Zudem ist mittlerweile bekannt, dass eine mögliche Operation frühzeitig erfolgen sollte, d.h. bevor Patienten durch die o.g. Beschwerden relevant in ihren beruflichen und sozialen/familiären Aktivitäten eingeschränkt werden.
Dopaminpumpe
Über eine Sonde wird durch den Bauchnabel in den oberen Dünndarm ein flüssiges Medikament eingeleitet. Durch die kontinuierliche Medikamentenabgabe tritt bei den Betroffenen eine spürbare Besserung ein und macht die Kontrolle der Symptome einfacher.
Weitere Therapiemöglichkeiten
Neben den operativen Verfahren gibt es noch zahlreiche unterstützende Therapieformen, die dabei helfen, die Beschwerden der Krankheit zu lindern:
- Bewegungstherapie: Die Physiotherapie ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Behandlung des Parkinson-Syndroms. Die Therapie fördert die Beweglichkeit, Körperstabilität und Reaktionsfähigkeit. Sie kann daneben bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium einer Versteifung von Gelenken (Kontraktur) vorbeugen. Physiotherapie und Kraftübungen sind gut für Beweglichkeit und Gang, verbessern das Gleichgewicht und dienen der Sturzprävention. Auch Schwimmen, Nordic Walking und Tai-Chi können hilfreich sein.
- Logopädie: Die Logopädie stellt eine wichtige Therapiemaßnahme zur Verbesserung der Sprechstörung bei Parkinson-Syndromen dar. Trainiert werden die Muskeln für das Stimmvolumen, die Atemtechnik und die klare Aussprache. Logopädie hilft das Sprech- und Schluckvermögen zu verbessern und fördert die Kommunikation.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann dabei helfen, die Selbstständigkeit der Betroffenen im Alltag und im Beruf so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Die Therapie verbessert mit gezielten Übungen die kognitiven Fähigkeiten und hilft den richtigen Umgang mit Hilfsmitteln zu erlernen.
- Künstlerische Therapie: Musik-, Tanz-, Kunst,- Theatertherapien aktivieren Motorik und Stimme und steigern so das emotionale Wohlbefinden der Erkrankten.
- Psychotherapeutische Betreuung: Psychotherapie kann Betroffenen dabei helfen, Methoden zu finden, um mit der Krankheit umzugehen. Auch für Angehörige kann sie eine große Hilfe sein. Um diesen Herausforderungen Stand halten zu können, bedarf es manchmal auch professioneller Hilfe. Sprechen Sie Ihren Arzt auf eine Empfehlung an. Auch die Unterstützung von Freunden und authentische Erfahrungen aus Selbsthilfegruppen können sehr hilfreich sein.
Leben mit Parkinson im Jugendalter
Das Leben mit Parkinson im Jugendalter stellt Betroffene und ihre Familien vor besondere Herausforderungen. Es ist wichtig, sich an die veränderten Lebensbedingen anzupassen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Spezielle Therapien können helfen, die Beweglichkeit und Selbstständigkeit im Alltag und Beruf zu erhalten. Hilfsmittel können Betroffene zusätzlich unterstützen.
Hilfsmittel
Verschiedene Hilfsmittel unterstützen Parkinson-Patienten dabei, ihren Alltag zu bewältigen:
- Anziehhilfen: Nutzen Sie Kleidung Reißverschluss-Verlängerungen, Knöpfhilfen und Strumpfanzieher, um das An- und Ausziehen zu erleichtern. Nacht- und Bettwäsche aus Satin, beziehungsweise einem glatten Material, erleichtern das Umdrehen im Bett.
- Kommunikationshilfen: Spezielle Kugelschreiber oder Hilfsmittel wie eine Tremor-Maus unterstützen beim Schreiben und Arbeiten am Computer.
- Spezielles Geschirr: Nutzen Sie Trinkhalme, robustes Besteck wie „Tremor-Löffel“, tiefe Teller und Servierwagen für das Geschirr.
Pflegebedürftigkeit
Mit fortschreitender Erkrankung erhöht sich die Pflegebedürftigkeit der Betroffenen. Stellen Sie rechtzeitig einen Pflegeantrag und informieren Sie sich über zusätzliche Hilfen, wie die Häusliche Krankenpflege und weitere Pflegeleistungen. Denken Sie daran, für den Fall, dass Sie nicht mehr handlungsfähig sind, eine Vorsorgevollmacht zu erstellen.
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