Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Obwohl die genauen Ursachen der Parkinson-Krankheit noch nicht vollständig geklärt sind, deuten aktuelle Forschungsergebnisse auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Cholesterin und der Entstehung bzw. dem Verlauf der Erkrankung hin.
Cholesterin und seine Rolle im Gehirn
Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen und spielt eine entscheidende Rolle bei der Funktion des Gehirns. Es wird im Gehirn synthetisiert und kann die Blut-Hirn-Schranke nicht ohne Umwandlung seiner Struktur überwinden. Veränderungen in den Cholesterin-abbauenden Enzymen können den Export von Cholesterin aus dem Gehirn beeinträchtigen und zu einer Anhäufung von Cholesterin im Gehirn führen.
Genetische Faktoren und Cholesterinstoffwechsel bei Parkinson
Wissenschaftler der Universität des Saarlandes haben in einer Studie die Rolle von Cytochrom-P450-Proteinen im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit untersucht. Diese Proteine regulieren verschiedene Stoffwechselreaktionen im Körper, einschließlich des Cholesterinabbaus. Die Forscher analysierten die Cytochrom-P450-Gene von Personen mit genetischer Prädisposition für Parkinson und stellten fest, dass bei erkrankten Personen zusätzliche Veränderungen in verschiedenen P450-Genen überrepräsentiert waren. Insbesondere identifizierten sie die Bedeutung von P450-Genen, die am Vitamin A- und Vitamin D-Stoffwechsel sowie am Cholesterinabbau im Gehirn beteiligt sind.
Die Studie deutet darauf hin, dass Störungen beim Cholesterinabbau im Gehirn, bedingt durch Veränderungen in Cytochrom P450-Genen, zur Ausprägung der Parkinson-Erkrankung beitragen können. Eine genaue Analyse des Genoms von Parkinson-Patienten, unter Einbeziehung der Cytochrome P450, könnte somit dazu beitragen, die verschiedenen Stoffwechselwege zu analysieren und daraus zukünftig neue Behandlungen abzuleiten und anzuwenden.
Cholesterinwerte als potenzielle Biomarker für Parkinson
Ein Forschungsteam aus Japan hat herausgefunden, dass sich der Blutdruck, der Cholesterinwert und der Anteil der Zellen im Blut lange vor dem Auftreten erster Parkinson-Symptome verändern können. Im Vergleich zu gesunden Personen hatten Männer mit Parkinson schon lange vor dem Auftreten erster motorischer Auffälligkeiten niedrigere Werte für den Anteil der Zellen im Blut (Hämatokrit), Gesamt- und LDL-Cholesterin. Frauen mit Parkinson hatten im Vergleich zu Gesunden einen höheren Blutdruck.
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Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Blutdruck, Hämatokrit und Cholesterinspiegel potenzielle Biomarker für die Parkinson-Krankheit sein könnten, noch bevor die motorischen Symptome auftreten. Allgemeine Gesundheitsuntersuchungen könnten somit dazu beitragen, frühe Anzeichen einer Parkinson-Krankheit zu erkennen.
Statine und das Parkinson-Risiko
Statine sind Medikamente, die zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden. Es gibt widersprüchliche Forschungsergebnisse bezüglich des Einflusses von Statinen auf das Parkinson-Risiko. Einige Studien deuten darauf hin, dass Statine das Parkinsonrisiko nicht senken oder sogar erhöhen könnten.
Eine Studie von US-amerikanischen Forschern ergab, dass die Einnahme von Statinen mit einer erhöhten Prävalenz der Parkinsonkrankheit assoziiert war, insbesondere im ersten Behandlungsjahr. Dabei gab es einen Unterschied zwischen lipophilen (ZNS-gängigen) und wasserlöslichen Wirkstoffen: Patienten, die lipophile Statine einnahmen, hatten ein signifikant erhöhtes Risiko.
Andere Studien haben jedoch keinen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Statinen und dem Parkinson-Risiko gefunden. Es ist daher wichtig zu betonen, dass die Datenlage weiter inkonsistent ist und weitere Forschung erforderlich ist, um den Einfluss von Statinen auf das Parkinson-Risiko abschließend zu klären.
Metabolisches Syndrom und Parkinson-Risiko
Das metabolische Syndrom (MetS) ist eine Kombination von Risikofaktoren wie abdominelle Adipositas, Bluthochdruck, niedriges HDL-Cholesterin, Hypertriglyceridämie und erhöhte Blutzuckerwerte. Eine Studie mit über 467.000 Teilnehmern ergab, dass Personen mit MetS ein um 39 % erhöhtes Risiko hatten, an Parkinson zu erkranken. Zudem bestand eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung: Mit jeder zusätzlichen MetS-Komponente stieg das Risiko.
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Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass MetS ein potenziell modifizierbarer Risikofaktor für Parkinson sein könnte. Blutdruckkontrolle, Gewichtsmanagement, Verbesserung der Blutzuckerwerte und ein optimiertes Lipidmanagement (insbesondere Anhebung von HDL-C) könnten potenziell nicht nur Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugen, sondern langfristig auch das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson senken.
Weitere Faktoren, die den Cholesterinspiegel beeinflussen
Es gibt einige Hinweise darauf, dass Vitaminmangel auch den Cholesterinspiegel beeinflussen kann. Eine Studie ergab, dass Vitamin B6, B12 und Folsäure bei 20 % der Parkinson-Patienten erniedrigt waren. Es wurde auch festgestellt, dass erhöhte Homocysteinwerte mit Läsionen in der MRT und der Intimadicke der A. carotis korrelierten.
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