Parkinson gehört zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems und beeinträchtigt vor allem die Beweglichkeit und den Bewegungsablauf der Betroffenen. Die Krankheit wurde erstmals 1817 von Dr. James Parkinson, einem englischen Arzt, Apotheker und Paläontologen, beschrieben. Er nannte sie „Schüttellähmung“, da er bei vielen Patienten einen auffälligen Ruhetremor beobachtete.
Was ist das Parkinson-Syndrom?
Das Parkinson-Syndrom umfasst verschiedene Formen, die sich in ihren Ursachen und Verläufen unterscheiden. Grundsätzlich lassen sich drei Hauptkategorien unterscheiden:
Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS), Morbus Parkinson: Dies ist die eigentliche Parkinson-Krankheit, auch bekannt als primäres Parkinson-Syndrom. Sie ist eine langsam fortschreitende neurodegenerative Erkrankung und eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. Die Ursache ist in den meisten Fällen unbekannt. Je nach vorherrschender Symptomatik wird das IPS in verschiedene Typen unterteilt:
- Akinetisch-rigider Typ (eingeschränkte Beweglichkeit)
- Tremor-dominanter Typ (vorherrschendes Zittern)
- Äquivalenz-Typ (gleich ausgeprägte Bewegungsstörung und Zittern)
Sekundäre Parkinson-Syndrome (SPS): Diese Form macht bis zu 20% aller Parkinson-Fälle aus und wird durch äußere Faktoren verursacht. Dazu gehören:
- Medikamente (z.B. Neuroleptika, Lithium)
- Gifte (z.B. MTPT, Kohlenmonoxid, Mangan)
- Strukturelle Gehirngewebsveränderungen (nach Durchblutungsstörungen, Hydrocephalus internus, Entzündungen, Tumore oder Verletzungen)
Atypische Parkinson-Syndrome (aPS): Diese ähneln dem IPS, weisen aber einen rascheren Krankheitsverlauf und zusätzliche Beschwerden auf. Zu den atypischen Parkinson-Syndromen gehören:
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- Lewy-Körperchen-Demenz (DLB)
- Multisystematrophie (MSA)
- Progressive supranukleäre Lähmung (PSP)
- Cortikobasale Degeneration (CBD)
Ursachen im Fokus: Das Striatum und Dopamin
Die genaue Ursache des idiopathischen Parkinson-Syndroms ist trotz intensiver Forschung noch nicht vollständig geklärt. Eine Vererbung ist möglich, aber selten. Eindeutig nachgewiesen ist jedoch, dass im Verlauf der Krankheit Nervenzellen in der Substantia nigra (Schwarze Substanz) vermehrt absterben.
Die Rolle der Substantia Nigra und des Corpus Striatum
Die Substantia nigra ist eine Kernregion im Gehirn, die für die Parkinson-Erkrankung von zentraler Bedeutung ist. Sie ist nach ihrer dunklen Färbung in medizinischen Anatomie-Präparaten benannt. Bei Parkinson-Patienten ist diese Region jedoch ausgeblichen. Die Substantia nigra enthält etwa 400.000 Zellen, die sich kurz nach der Geburt dunkel färben. Im Laufe des Lebens sterben diese Zellen ab, beim Parkinson-Syndrom jedoch beschleunigt.
Die Zellen der Substantia nigra sind durch Nervenfortsätze mit einer anderen Gehirnregion verbunden, dem Corpus striatum (Streifenkörper). Die Nigra-Zellen setzen im Corpus striatum den Botenstoff Dopamin frei. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der Signale von einer Nervenzelle zur anderen überträgt und so die Kommunikation zwischen den Nervenzellen ermöglicht. Das Corpus striatum ist Teil der Basalganglien, einer Gruppe von Hirnstrukturen, die für die Steuerung von Bewegungen, das Lernen und andere kognitive Funktionen wichtig sind.
Dopaminmangel als Hauptursache der Symptome
Die Nervenzellen des Corpus striatum stehen mit weiteren Hirnregionen in Verbindung, wodurch das freigesetzte Dopamin in ein Netzwerk von Schaltkreisen eingebunden ist. Mittels Dopamin führt das Gehirn eine Feinabstimmung der Muskelbewegungen durch. Ohne Dopamin ist die Regulierung der Muskeln im Zusammenspiel von An- und Entspannung nicht möglich.
Der Mangel an Dopamin, verursacht durch das Absterben der Substantia nigra, ist im Wesentlichen für die verlorene Kontrolle der Muskeln und in der Folge für die typischen Symptome der Parkinson-Erkrankung verantwortlich. Parkinson-Symptome treten auf, wenn der Dopamin-Gehalt um 70 bis 80% abgesunken ist.
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Weitere beteiligte Botenstoffe
Neben Dopamin spielen auch andere Botenstoffe eine Rolle bei der Impulsübertragung zwischen Nerven, die an der Bewegungskoordination beteiligt sind:
- Acetylcholin: Dieser Botenstoff ist wichtig für die Muskelkontraktion und spielt auch eine Rolle bei kognitiven Funktionen.
- Glutamat: Glutamat ist ein exzitatorischer Neurotransmitter, der die Aktivität von Nervenzellen erhöht.
Nur wenn diese drei Stoffe miteinander im Gleichgewicht sind, kann eine koordinierte Bewegung erfolgen. Bei Parkinson-Patienten ist dieses Gleichgewicht gestört.
Risikofaktoren und mögliche Ursachen
Obwohl die genauen Ursachen des idiopathischen Parkinson-Syndroms unbekannt sind, gibt es verschiedene Faktoren, die das Risiko einer Erkrankung erhöhen können:
- Alter: Das Risiko, an Parkinson zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Die Erkrankung wird meist im höheren Erwachsenenalter ab 55 bis 60 Jahren diagnostiziert.
- Genetische Faktoren: In einigen Fällen tritt die Parkinson-Krankheit familiär gehäuft auf. Es gibt bestimmte Genmutationen, die das Risiko einer Erkrankung erhöhen können, insbesondere bei frühzeitigem Erkrankungsbeginn (vor dem 40. Lebensjahr). Allerdings sind die meisten Fälle von Parkinson nicht erblich bedingt.
- Umweltfaktoren: Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Umweltfaktoren, wie z.B. die Belastung durch Pestizide oder eine Schädigung der Körperzellen durch freie Radikale, eine Parkinson-Erkrankung begünstigen können.
- Fehlfunktion des Ubiquitin-Proteasomen-Systems: Dieses System ist für den Abbau von Proteinen in der Zelle verantwortlich. Eine Fehlfunktion kann dazu führen, dass sich schädliche Proteine ansammeln und die Nervenzellen schädigen.
- Mitochondriale Dysfunktion und oxidativer Stress: Mitochondrien sind die "Kraftwerke" der Zelle. Eine Störung ihrer Funktion kann zu oxidativem Stress führen, der die Nervenzellen schädigen kann.
- Einschränkungen der Autophagozytose und ER-Stress: Autophagozytose ist ein Prozess, bei dem Zellen beschädigte Zellbestandteile abbauen. ER-Stress bezieht sich auf eine Überlastung des endoplasmatischen Retikulums, einem Zellorganell, das für die Proteinsynthese und -faltung wichtig ist. Beide Faktoren können zur Entstehung von Parkinson beitragen.
- Veränderungen im Eisenmetabolismus: Ein gestörter Eisenstoffwechsel kann zu vermehrtem oxidativem Stress führen und somit neurotoxisch wirken.
Symptome der Parkinson-Krankheit
Die Krankheitssymptome entwickeln sich schleichend und sind im Anfangsstadium kaum zu erkennen. Typische Parkinson-Symptome sind:
- Hypokinese (Akinese): Bewegungsverlangsamung und -armut
- Rigor: Muskelsteifigkeit und erhöhter Muskeltonus
- Tremor: Zittern, meist in Ruhe (Ruhetremor)
- Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen und erhöhte Sturzneigung
Diesen typischen Symptomen können im Vorlauf über mehrere Jahre unspezifische Symptome vorausgehen, wie z.B.:
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- Depressionen
- Schmerzen
- Störungen im Blasen- und Darmtrakt
- Schlafstörungen
- Abgeschlagenheit
Diagnose von Parkinson
Die Diagnose des Morbus Parkinson stützt sich auf die Anamnese (Krankengeschichte), die neurologische Untersuchung und die Analyse der Bewegungsabläufe. Es müssen andere Erkrankungen, die sekundäre Parkinson-Syndrome auslösen können, ausgeschlossen werden.
Folgende Untersuchungen können zur Diagnose eingesetzt werden:
- Levodopa-Test (L-Dopa-Test): Levodopa ist eine Vorstufe von Dopamin. Bei dem Test wird Betroffenen L-Dopa verabreicht. Verbessern sich die Symptome nach der Einnahme von L-Dopa, ist dies ein Hinweis auf Parkinson.
- Computertomographie (CT) und/oder Kernspintomographie (MRT): Diese bildgebenden Verfahren dienen dazu, andere Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Tumore auszuschließen.
- DAT-SCAN: Dieses nuklearmedizinische Verfahren kann die Dopamintransporterbindung im Gehirn darstellen. Bei Parkinson ist diese reduziert.
- MIBG-Szintigraphie des Herzens: Dieses Verfahren kann bei der Unterscheidung zwischen idiopathischem Parkinson-Syndrom und atypischen Parkinson-Syndromen helfen.
- Ultraschall: Bei etwa 90% der Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom zeigt sich eine Hyperechogenität innerhalb der Substantia nigra.
Therapie von Parkinson
Morbus Parkinson ist nach wie vor nicht heilbar. Daher liegt der Fokus auf der Verringerung der Symptome und der Linderung der Beschwerden. Mit der richtigen Therapie und passender Medikation kann der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen oder die Wirkung von Dopamin zu verstärken. Folgende Medikamente werden häufig eingesetzt:
- Levodopa (L-Dopa): Dies ist die wichtigste Substanz zur Behandlung von Parkinson. Sie wird im Gehirn in Dopamin umgewandelt.
- Dopaminagonisten: Diese Medikamente imitieren die Wirkung von Dopamin im Gehirn.
- MAO-B-Hemmer: Diese Medikamente verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn.
- COMT-Hemmer: Diese Medikamente verhindern den Abbau von Levodopa im Blut, so dass mehr Levodopa ins Gehirn gelangt.
- Amantadin: Dieses Medikament kann die Wirkung von Dopamin verstärken und die Symptome der Parkinson-Krankheit lindern.
- Anticholinergika: Diese Medikamente können den Tremor bei Parkinson-Patienten reduzieren. Sie werden jedoch aufgrund ihrer Nebenwirkungen nur noch selten eingesetzt.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Die Tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgischer Eingriff, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert werden. Diese Elektroden geben elektrische Impulse ab, die die Aktivität der Hirnregionen beeinflussen und die Symptome der Parkinson-Krankheit reduzieren können. Die THS kommt vor allem für Patienten in Frage, bei denen die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend wirkt oder starke Nebenwirkungen verursacht.
Weitere Therapien
Neben der medikamentösen Therapie und der Tiefen Hirnstimulation gibt es weitere Therapien, die bei Parkinson-Patienten eingesetzt werden können:
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit, Kraft und Koordination zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag besser zu bewältigen und die Selbstständigkeit zu erhalten.
- Logopädie: Logopädie kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu behandeln.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, mit den psychischen Belastungen der Parkinson-Krankheit umzugehen.
- Sport: Ausdauersport kann die motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung verbessern und die Krankheitsprogression verlangsamen.
Parkinson-Forschung: Neue Erkenntnisse und Therapieansätze
Die Parkinson-Forschung ist sehr aktiv und es werden ständig neue Erkenntnisse gewonnen. Wissenschaftler arbeiten an neuen Medikamenten, Therapien und diagnostischen Verfahren, um die Behandlung von Parkinson-Patienten zu verbessern.
Aktuelle Forschungsansätze
- Identifikation neuer Parkinson-Gene: Die Entdeckung neuer Gene, die mit Parkinson in Verbindung stehen, kann helfen, die Ursachen der Krankheit besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln.
- Zellbiologische und proteinbiochemische Charakterisierung von Parkinson-Genprodukten: Die Untersuchung der Funktion von Parkinson-Genprodukten kann helfen, die molekularen Mechanismen der Krankheit zu verstehen und neue Angriffspunkte für Medikamente zu identifizieren.
- Tiermodelle des Morbus Parkinson: Tiermodelle sind wichtig, um neue Medikamente und Therapien zu testen und die Mechanismen der Krankheit zu untersuchen.
- Untersuchung der Rolle des Darmmikrobioms: Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass das Darmmikrobiom eine Rolle bei der Entstehung von Parkinson spielen könnte. Die Untersuchung des Darmmikrobioms könnte zu neuen Therapieansätzen führen.
Leben mit Parkinson
Die Parkinson-Krankheit ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinträchtigen kann. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Bewältigungsstrategien
- Frühzeitige Diagnose und Behandlung: Je früher die Diagnose gestellt wird und die Behandlung beginnt, desto besser können die Symptome kontrolliert und die Lebensqualität erhalten werden.
- Regelmäßige Bewegung: Sport und Bewegung können die motorischen Symptome verbessern und die Krankheitsprogression verlangsamen.
- Gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung kann helfen, die allgemeine Gesundheit zu verbessern und die Symptome der Parkinson-Krankheit zu lindern.
- Unterstützung suchen: Es ist wichtig, sich Unterstützung von Familie, Freunden, Selbsthilfegruppen oder professionellen Therapeuten zu suchen.
- Achtsamkeit und Entspannung: Achtsamkeit und Entspannungstechniken können helfen, Stress abzubauen und die psychische Gesundheit zu verbessern.