Ataxie beim Pferd: Ursachen, Diagnose und Therapie

Ataxie beim Pferd ist eine neurologische Erkrankung, die sich auf den Bewegungsapparat und die Mobilität des Pferdes auswirkt. Dabei sprechen die Gliedmaßen nur verzögert auf die Botschaften der Nervenzellen an. Was für Laien zunächst wie reine Unsicherheit in der Bewegung aussieht, ist in Wahrheit ein ernstes Warnsignal. Die Ursachen sind vielfältig - von Infektionen über Verletzungen bis hin zu Stoffwechselstörungen - doch gemeinsam ist ihnen: Der Körper ist aus dem Gleichgewicht geraten.

Einführung in die Ataxie beim Pferd

Der Begriff „Ataxie“ stammt aus dem Griechischen und bezeichnet einen Symptomenkomplex, der sich in gestörten Bewegungsabläufen zeigt. Die Kommunikation zwischen Gliedmaßen und zentralem Nervensystem funktioniert dabei nur eingeschränkt. Eine Ataxie manifestiert sich in einem unsicheren, oft gar torkelnden Gang, Gleichgewichtsstörungen und unkontrollierten Bewegungen. Je nach Ausprägung kann die Erkrankung eine Gefahr für das Pferd und seine unmittelbare Umwelt darstellen.

Ursachen der Ataxie

Die Ursachen einer Ataxie sind vielfältig und können schwer zu diagnostizieren sein. Das zentrale Nervensystem des Pferdes besteht aus Gehirn und Rückenmark. Reize werden dadurch innerhalb des Körpers weitergeleitet und Bewegungen über die Nervenbahnen des Pferdes koordiniert. Wird das ZNS beschädigt, sind Störungen des Bewegungsablaufs die Folge. Neben Infekten, Parasitenbefall, Vergiftungen oder Traumata können auch andere Faktoren der Auslöser sein. Dazu zählen:

  • degenerative Erkrankungen wie Arthrose im Bereich der Halswirbelsäule
  • neoplastische Umfangsvermehrung wie ein Tumor im Gehirn oder Rückenmark
  • entwicklungsbedingte Erkrankung wie das Wobbler-Syndrom
  • starker Nährstoffmangel
  • Stoffwechselerkrankung
  • erbliche Erkrankung

Ataktische Störungen beim Pferd können auf unterschiedliche Erkrankungen hindeuten:

  • Verletzungen: Frakturen und Traumata im Kopf-, Hals- und Rückenbereich können Schäden am zentralen Nervensystem verursachen und infolgedessen zu einer Ataxie führen. Eine spinale Ataxie kann beispielsweise entstehen, wenn sich das Pferd überschlägt und am Wirbelkanal verletzt.
  • Infektionen: Virusbedingte und bakterielle Infektionen sind weitere mögliche Ursachen. So tritt bei einer Infektion mit dem Equinen Herpesvirus (EHV-1) häufig eine Ataxie der Hintergliedmaßen auf. Mit fortschreitendem Stadium wird das Pferd immer unkoordinierter. Auch das Equine Parvovirus und der bakterielle Erreger Borrelia burgdorferi stehen in Verdacht, Ataxie bei Pferden zu erzeugen.
  • Degenerative Erkrankungen: Degenerative Erkrankungen wie Arthrose können Nervenschädigungen und Ataxie zur Folge haben. Wird die Knochensubstanz rissig, kann es im weiteren Verlauf zu arthritischen Veränderungen an den Wirbeln kommen, die Schwellungen verursachen und das Rückenmark verletzen.
  • Neoplasien: Neoplasien, also Neubildungen von Körpergewebe, können ebenfalls Nervenschäden und Ataxie zur Folge haben.
  • Vergiftung: Eine Ataxie kann auch im Zuge einer Vergiftung entstehen, beispielsweise durch die Aufnahme von Rattengift oder Giftpflanzen.
  • Nährstoffunterversorgung: Ein schwerer Nährstoffmangel kann Erkrankungen wie die degenerative Myeloenzephalopathie auslösen. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Rückenmarks und Hirnstamms. Sie tritt vor allem bei jüngeren Tieren auf, die keinen Zugang zu frischem Gras haben.
  • Genetische Faktoren: Erbliche und rassespezifische Einflüsse können die Entstehung von Ataxie begünstigen.

Die Rolle von Kissing Spines und Muskelverspannungen

Mittlerweile gilt in bestimmten Tierarztkreisen die Diagnose Kissing spines nicht mehr als Erkrankung sonder Spätfolge einer bereits langfristig und dadurch nachhaltig verspannten Muskulatur bzw. einer erlöschenden Tragfähigkeit. Die verspannte Muskulatur zieht die Wirbelkörper (Spondylgelenke) zusammen, so dass es auch zu Konsequenzen für den Gelenksknorpel kommt, der abgenutzt bzw. abgetragen werden kann. Die Dornfortsätze können durch den entstandenen Druck sogar eine Art Abrieb und damit Substanzverlust erfahren. Ähnlich einer Spondylarthrose (Wirbelgelenks-Arthrose) kommt es zu einer Verbreiterung der Gelenkfläche und somit zu einer Randzackenbildung, die dazu führen kann, dass Bänder-, Sehnen- und Kapselstrukturen geschädigt werden können und sich somit chronische Entzündungen im Gelenk manifestieren.

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Trainingsfehler können unter anderem ein bereits länger vorliegendes "Nicht-über-den-Rücken-arbeiten" des Pferdes sein, so dass die Muskulatur abgebaut wird und die Wirbel bei Arbeit nicht geöffnet und damit durchflutet werden können. Fehlerhafte Hufbearbeitung, zum Beispiel mit der Folge, dass Pferde fühlig gehen und damit gerade im Brustbereich verspannen sind ebenso Auslöser. Schließlich und endlich kann auch eine nicht auf das Pferd angepasste Mineralisierung zu einer Kontraktion der Muskulatur und schließlich der gesamten Rückenwirbelsäule führen. Durch die meist schon lange Zeit voraus vorliegenden Muskelverspannungen bzw. als Ursache für diese können in den meisten Fällen Nährstoffmängel im Bereich von Magnesium, Mangan, Selen, Vitamin E und Sekundären Pflanzenstoffen verantwortlich gemacht werden. Vorwiegend sind blutgeprägte Pferde, Pferde aus dem Sport aber auch schon in der Aufzucht nicht ausreichend mineraliserte Pferde betroffen. Bei älteren Pferden kommen Mineralstoffdefizite und die nachlassenden Tragkraft ursächlich in Betracht.

Die Bedeutung von Magnesium bei Kissing Spines ist in zweierlei Hinsicht überragend. Zunächst kann ein Magnesiummangel zu Verspannungen führen. Durch Muskelverspannungen können sich die Wirbelkörper aneinander drücken. Einen Hinweis auf Muskelverspannungen geben die LDH und CK-Wert im Blut. Erhöhte Werte deuten auf Muskelerkrankungen hin. An dieser Stelle beginnt bereits der Knochen auf seine reichen Magnesiumspeicher zurückzugreifen. Die Manganwerte bei Patienten mit Kissings Spins liegen meist unter 1,0 µg/dl. Mangan und Selen stehen in einer Art Wechselwirkung zueinander.

Genetische Faktoren und Rasseprädisposition

Grundsätzlich ist eine Ataxie nicht erblich, denn sie entsteht durch massive Infektionen, Unfälle oder andere, angeeignete Ursachen. Daher kann eine Ataxie auch nicht an Nachkommen weitergegeben werden. Dennoch solltest du von der Zucht mit erkrankten Pferden absehen. Eine Form der Ataxie, die sogenannte Kleinhirnataxie, ist allerdings erblich. Sie betrifft vorrangig Araber und Oldenburger. Eine Zucht mit erkrankten Tieren sollte auch hier grundsätzlich vermieden werden, um eine weitere Verbreitung der Krankheit einzuschränken.

Formen der Ataxie

Ataxie kann zwar verschiedene Ursachen haben, in der Regel äußert sie sich aber in Form eines bestimmten Symptomenkomplexes. Drei verschiedene Formen treten hauptsächlich auf:

  • spinale Ataxie
  • zerebrale Ataxie
  • zerebelläre Ataxie

Die spinale Ataxie tritt am häufigsten auf und betrifft das Rückenmark. Dabei liegt eine Schädigung der Nervenbahnen im Rückenmark aufgrund von Verletzungen des Wirbelkanals, Knochenbrüche oder Veränderungen an der Wirbelsäule vor.

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Von einem „Wobbler-Pferd“ wird gesprochen, wenn die Einengung des Wirbelkanals von Geburt an besteht. Dadurch entstehen degenerative und entzündliche Veränderungen, die bereits bei jungen Pferden auftreten können und zu Auffälligkeiten in den Bewegungsabläufen führen.

Die zerebrale Ataxie entsteht durch Traumata des Schädels, Hirntumore oder schwere Infektionen. Außerdem zählen Vergiftungen oder ein massiver Parasitenbefall zu den weiteren Auslösern. Dabei wird das Groß-, Mittel- oder Zwischenhirn des Pferdes angegriffen.

Schädigen schwere Infektionen, Vergiftungen, Traumata oder Parasiten das Kleinhirn, kann dies zur sogenannten zerebellären Ataxie führen. Die Symptome sind bei allen Formen der Ataxie ähnlich, jedoch sind die Störungen bei der zerebellären und der zerebralen Ataxie sowohl in der Bewegung als auch im Stand zu erkennen. Bei der spinalen Ataxie ist dies nicht der Fall.

Symptome der Ataxie

Typische Symptome einer neurologischen Erkrankung hängen vom betroffenen Teil des Nervensystems ab. Bei Erkrankungen des Gehirns und der Gehirnnerven zeigen Pferde häufig Verhaltens- und Bewusstseinsveränderungen, Bewegungsstörungen, Sehstörungen, Augenveränderungen, Krampfanfälle oder Festliegen. Häufige Erkrankungen sind Infektionen (z. B. Herpes-Virus, Borna-Virus, West-Nile-Virus, Zeckenenzephalitis), metabolische Erkrankungen, Kopfverletzungen, Tumore, Epilepsie oder Schlafstörungen. Bei Erkrankungen des Rückenmarks zeigen Pferde Gangstörungen und fehlende Koordination (Ataxie), Niederstürzen oder Festliegen. Häufige Ursachen sind Infektionserkrankungen, das „Wobbler Syndrom“ oder Rückenmarksverletzungen. Bei peripheren Nervenerkrankungen, oft durch Verletzungen oder Entzündungen, zeigen Pferde häufig lokalisierte Veränderungen wie Gangstörungen oder Muskelatrophie.

Eine schwache Ausprägung einer Ataxie kann schwierig zu erkennen sein, denn die Bewegungen sind lediglich schlaksig und schwungvoll. Allerdings deuten schlaksige Bewegungsabläufe nicht zwingend auf eine Ataxie beim Pferd hin, sondern können auch mit einem Wachstumsschub bei einem noch jungen Pferd zusammenhängen.

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Eine Ataxie kann alle vier Gliedmaßen betreffen, aber auch nur die Hinterhand oder nur die Vorhand. Dabei erhält das Pferd von seinen Beinen nur begrenztes Feedback, wo sich diese befinden.

Achte auf diese Anzeichen:

  • Dein Pferd stolpert plötzlich häufiger - nicht nur auf unwegsamem Boden, sondern auch in der Halle oder auf festem Untergrund.
  • Sein Bewegungsablauf wirkt unsicher, taumelnd oder auffällig schwankend - besonders in Wendungen oder beim Rückwärtsrichten.
  • Es gelingt ihm immer weniger, seine Gliedmaßen gezielt zu setzen - das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Bewegungskoordination gestört ist.
  • Plötzliche Stürze ohne erkennbare Ursache sind ein ernstes Warnsignal.
  • Ein häufiges und auffälliges Anzeichen für Ataxie beim Pferd: Plötzliche Koordinationsverluste, bei denen die Hinterhand regelrecht wegsackt - oftmals ohne Vorwarnung.

Schweregrade der Ataxie

Bei ataktischen Pferden liefert die Beobachtung des Bewegungsablaufs wichtige Hinweise auf den Schweregrad der Erkrankung. Der Schweregrad der Ataxie ist Teil der diagnostischen Einordnung durch den Tierarzt. Die Therapie und der Therapieerfolg sind auch von der Ausprägung abhängig. Die Schweregrade sind:

  • 0: gesundes Pferd
  • 1: neurologische Defizite, die durch spezifische Tests zutage treten
  • 2: Pferd zeigt bereits im Schritt auf der Geraden Auffälligkeiten
  • 3: Pferd zeigt im Schritt auf der Geraden deutliche Defizite, die auch vom Laien erkennbar sind
  • 4: Pferd stolpert und schwankt stark
  • 5: Pferd kann nicht mehr allein aufstehen

Diagnose der Ataxie

Eine gesicherte Diagnose einer Ataxie ist schwierig, insbesondere bei einer milden Ausprägung der Ataxie. Neurologische Tests im Rahmen einer klinischen Untersuchung bilden die Grundlage. Bestimmte Tests sind dabei besonders aussagekräftig:

  • Bewegung auf einem sehr engen Zirkel: Pferde mit Ataxie brechen mit der Hinterhand stark aus.
  • Rückwärtsrichten: Pferde mit Ataxie lassen sich in vielen Fällen nicht rückwärtsrichten.
  • Anhalten aus dem Schritt oder Trab: Die Pferde nehmen beim Halten meist eine breite Stellung mit der Hinterhand ein und korrigieren diese auch nicht.
  • Bergauf und bergab: Ein wechselnder Untergrund ist für Pferde mit Ataxie schwer zu bewältigen.

Um eine verbindliche Diagnose zu ermitteln, wäre häufig der Einsatz einer Vollnarkose notwendig. Allerdings ist dies bei Pferden mit Ataxie unter anderem wegen der fehlenden Koordination während des Aufwachprozesses gefährlich. Eine Spinalkanalstenose kann etwa durch die Gabe eines Kontrastmittels diagnostiziert werden. Grundsätzlich sind Erkrankungen bei Pferden, die mit dem zentralen Nervensystem zusammenhängen, schwierig zu diagnostizieren.

Bildgebende Verfahren

Die Bildgebende Diagnostik umfasst die Untersuchung eines Pferdes mittels digitaler Röntgentechnik, Ultraschall, Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) und Szintigrafie. Um die Halswirbelsäule in ihrer gesamten Länge sowie in gebeugter und gestreckter Position abzubilden, sind in der Regel mehrere Aufnahmen notwendig. Für eine zuverlässige Diagnose ist die Verabreichung eines Kontrastmittels vor der Röntgenaufnahme wichtig.

Ataxie-Test

Besteht durch die Symptomatik der Verdacht auf eine Ataxie, werden klinische und neurologische Untersuchungen wie der Ataxie-Test durchgeführt. Manche von diesen Tests können von einem erfahrenen Pferdehalter auf dem Hof ausgeführt werden. Dabei gilt es jedoch, vorsichtig zu sein. Das Pferd sollte in keine Situation gebracht werden, in der es sich verletzen kann. Auch dienen diese Tests nur einer ersten Einschätzung und ersetzen keinen Tierarzt.

Ataktische Pferde haben Schwierigkeiten, sich in engen Wendungen auszubalancieren. Werden sie auf einem sehr kleinen Kreis geführt, schert für gewöhnlich die Hinterhand nach außen aus. Das Rückwärtsrichten fällt ihnen ebenfalls schwer, vor allem mit hoch erhobenem Kopf. Hier gilt besondere Vorsicht, denn stark ataktische Pferde können sich dabei rückwärts überschlagen. Werden sie aus der Bewegung plötzlich angehalten, bleiben ataktische Pferde oft in auffälligen Positionen mit bodenweitem Stand stehen. In der Bewegung beim Führen wirken sie oft unkoordiniert und taumeln. Zieht man dazu seitlich an der Schweifrübe machen diese Pferde oft einen Ausfallschritt oder taumeln seitlich. Gesunde Pferde würden dagegen mit Widerstand darauf reagieren. Auch auf weitere Tests zur Überprüfung der Reflexe reagieren diese Pferde meist verzögert oder gar nicht.

Therapie der Ataxie

Der Therapieerfolg ist abhängig vom Schweregrad der Ataxie. Manche Formen können durchaus therapiert werden. Ob das Pferd im Anschluss wieder als Reitpferd dienen kann oder als Rentner auf die Weide entlassen wird, hängt von der Ursache und Diagnose ab.

Ist die Ataxie durch eine Infektion wie Borreliose oder Parasiten entstanden, muss dies mithilfe von Antibiotika primär therapiert werden. Vergiftungen werden meist symptomatisch behandelt, die oft per Infusion verabreichte Kochsalzlösung spült die Giftstoffe aus dem Körper. Arthrosen, die durch Traumata hervorgerufen wurden, behandelt der Tierarzt in der Regel gezielt mit Cortison und Hyaluronsäure. Leidet das Pferd am Wobbler-Syndrom, können die Halswirbel im Rahmen einer Operation versteift werden und so zur Stabilisierung beitragen.

Vergleichsweise einfach ist die Therapie im Falle eines akuten Nährstoffmangels. Anhand der Ergebnisse einer Blutuntersuchung kannst du durch gezieltes Füttern von Nahrungsergänzungsmitteln die Defizite beheben. In manchen Fällen verbessern Akupunktur-Sitzungen das Krankheitsbild. Hierfür solltest du einen in der Pferdeakupunktur erfahrenen Fachmann konsultieren.

Weil Verletzungen oder Traumata im Rückenmark sowie im Groß- oder Kleinhirn zumeist irreversibel sind, ist die Ataxie in diesen Fällen in der Regel nur bedingt therapierbar. Für ein erfolgreiches Therapiekonzept ist daher eine gesicherte Diagnose umso bedeutsamer. Taumelt das Pferd plötzlich und zeigt akute Symptome, können auch andere Ursachen zugrunde liegen. Abschwellende und entzündungshemmende Medikamente wie Glucocorticoide lindern solche Beschwerden.

Konservative und operative Behandlungsmethoden

Die Behandlung des Wobbler Syndroms bei Pferden läuft konservativ oder operativ ab. Zu den konservativen Maßnahmen zählen unter anderem Bewegungstherapie, Medikamente, Rotlicht- und Infrarotbestrahlung, Wärme, Massagen und Vibrationstherapien. Die Behandlung des equinen Wobbler-Syndrom erfordert meist einen ganzheitlichen Therapieansatz, der individuell auf das betroffene Pferd abgestimmt wird. Es gibt keine Standardbehandlung.

Bewegungstherapie: Zentraler Bestandteil der Therapie des equinen Wobbler-Syndroms ist die Bewegungstherapie. Mithilfe gezielter Physiotherapie- und Bewegungseinheiten verbessern betroffene Pferde ihre Koordination und gewinnen mehr Kontrolle über ihren Körper zurück. Massagen und Wärme: Bei der Behandlung der spinalen Ataxie kommen auch Massagen, Vibrationstherapie sowie Wärmebehandlungen, zum Beispiel durch Rotlicht- oder Infrarotbestrahlung, zum Einsatz. Die Maßnahmen wirken entspannend auf die Muskulatur und fördern die Durchblutung. Medikamentöse Behandlung: Entzündungshemmende und abschwellende Mittel reduzieren den Druck auf das Rückenmark und lindern die Symptome des Wobbler Syndroms. Bei Prellungen oder Blutergüssen im Bereich der Wirbelsäule kommen teilweise auch Diuretika zum Einsatz. Diuretika sind Medikamente, die die Ausscheidung von überschüssigem Wasser und Salzen aus dem Körper unterstützen. In Einzelfällen, wenn eine bakterielle Infektion vermutet wird, ist der gezielte Einsatz von Antibiotika angeraten. Medikamente lindern jedoch nur die Symptome wie Schmerzen und Steifheit.

Chirurgische Eingriffe: Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder die Symptome der spinalen Ataxie fortschreiten, ist ein chirurgischer Eingriff notwendig. Ziel der Operation ist es, das Rückenmark dauerhaft zu entlasten. Dabei gibt es zwei gängige Verfahren: Entweder wird ein Teil der Einengung im Wirbelkanal entfernt, um mehr Platz für das Rückenmark zu schaffen, oder die betroffenen Wirbel werden durch Schrauben oder Platten stabilisiert.

Heilungsaussichten und Management

Eine klassische Heilung einer Ataxie ist nicht möglich, denn Nervengewebe ist nur begrenzt zur Regeneration in der Lage. Operative Eingriffe wie die partielle Versteifung der Halswirbelsäule dienen lediglich der Vorbeugung weiterer Schäden, nicht aber der Heilung. Ob ein Pferd mit Ataxie wieder einsatzfähig wird, ist davon abhängig, unter welcher Form es leidet und wie schwer die Erkrankung ist. Eine Ataxie (vor allem, wenn die Ursache arthritischer Natur ist) kann für das Pferd mit Schmerzen und einer teils deutlichen Bewegungseinschränkung verbunden sein.

Tieren mit geringgradig ausgeprägter Ataxie hilft das Trainieren der Muskulatur an der Longe oder gezielte Bodenarbeit an der Hand. Auf diese Weise stärkst du wichtige Muskeln, und das Tier lernt, seinen Körper besser zu kontrollieren. Eine gut ausgebildete Muskulatur kann gewisse durch die Ataxie hervorgerufene Defizite ausgleichen und übernimmt eine Art „Stützfunktion“. Noch intakte Nervenfasern sind zudem in der Lage, die Aufgaben der beeinträchtigten Nervenfasern zu übernehmen und damit die Störungen teilweise zu kompensieren. Doch eine Heilung im eigentlichen Sinne ist nicht möglich, zumal die Verbesserung stark vom Ausmaß der Ataxie und dem Alter des Pferdes abhängig ist.

Mit ruhiger, strukturierter Gymnastik und koordinationsfördernden Übungen kann dein Pferd lernen, sich trotz Ataxie sicherer zu bewegen - in kleinen Schritten zurück zu mehr Lebensqualität. Vom Reiten solltest du bei einem Pferd mit Ataxie absehen. Zeigt eine Therapie keinen Erfolg, kann das Reiten gefährlich sein. Das Tier besitzt nur eine begrenzte Kontrolle über seine Bewegungsabläufe, zudem können sich die Beschwerden weiter verschlimmern. Auch eine Herdenhaltung solltest du genau abwägen und dein Pferd innerhalb der Herde im Blick behalten. Falls eine kleine Pferdegruppe infrage kommt, eignen sich ruhigere Artgenossen am besten.

Verschlechtert sich der Zustand des Pferdes trotz Behandlung und alternativer Therapieansätze, verbleibt die Euthanasie als letzte Möglichkeit. Das Einschläfern des Pferdes ist besonders dann in Betracht zu ziehen, wenn das Tier für sich und andere zur Gefahr wird. Dennoch: Therapien mit Akupunktur oder Akupressur können sich im Rahmen einer ganzheitlichen Behandlung als effektiv erweisen und sollten in jedem Fall in Erwägung gezogen werden.

Fütterung und Nährstoffmanagement

Bei neurologischen Schädigungen ist die Fütterung von B-Vitaminen wichtig. Zwar erhält das Pferd im Regelfall ausreichend B-Vitamine, bei einer Ataxie ist die Versorgung aber entscheidend für die optimale Unterstützung. Nährstoffmängel solltest du bei betroffenen Tieren in jedem Fall vermeiden.

Auf der Basis einer qualitativ hochwertigen Heufütterung (keinesfalls Silage) sollten diese Pferde maßvoll und der Leistung entsprechend mit Kraftfutter gefüttert werden. Eine gute Mineralisierung incl. der Versorgung mit Spurenelementen stellt Nr. 21 Beinhart dar. Wichtig ist die Fütterung von Magnesium und Vitamin E zur Bekämpfung ernährungsbedingter Verspannungen. Im Nr. 7 Jungbrunnen oder Mg Magnesium liegt Magnesium in der hochverfügbaren Citrat - Form vor. Die Zufütterung von Mn Mangan gestaltet sich langwieriger und sollte gerade im Fall von Kissing Spines oder Spinaler Ataxie mindestens über ein halbes Jahr aufrecht erhalten werden. Um den Wiedereinstieg in Bewegungsprogramme (zum Beispiel Longieren über den Rücken) zu erleichtern, hat sich die Fütterung von Glucosaminsulfat, Teufelskralle oder natürlichem Vitamin E bewährt.

Umgang mit betroffenen Pferden

Grundsätzlich sollten nur erfahrene Personen mit betroffenen Pferden umgehen. Wichtig ist die regelmäßige Bewegung des Vierbeiners. Dabei kann es sich um ausgedehnte Spaziergänge, Arbeit an der Hand oder die vorsichtige Arbeit mit der Doppellonge handeln. Ist das Pferd noch jung, besteht je nach Ausprägung die Möglichkeit, dass die Defizite des zentralen Nervensystems zumindest teilweise durch eine ausgeprägte Muskulatur und benachbarte Nervenzellen übernommen werden. Auf das Reiten sollte dennoch verzichtet werden. Eine große Box, in der sich das Pferd gut bewegen kann, ist ebenfalls notwendig.

Das Wobbler-Syndrom als Sonderform der spinalen Ataxie

Eine Sonderform der spinalen Ataxie ist das sogenannte Wobbler-Syndrom. Das Wobbler-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, die Pferde betrifft. Es ist auch bekannt als zervikale stenotische Myelopathie (CSM). Pferde mit Wobbler-Syndrom zeigen unspezifische neurologische Symptome, die oft als „Wackeln“ oder „Schwanken“ beschrieben werden, daher der Name. Die Symptome sind auf eine Kompression des Rückenmarks im Bereich der Halswirbelsäule zurückzuführen.

Ursachen des Wobbler-Syndroms

Das Wobbler-Syndrom kann aus verschiedenen Gründen auftreten:

  • Entwicklungsbedingte Ursachen: Bei jungen Pferden können Wachstumsstörungen zu einer Verengung des Wirbelkanals und zu einer Kompression des Rückenmarks führen.
  • Traumatische Ursachen: Verletzungen der Halswirbelsäule können zu einer Kompression des Rückenmarks führen.
  • Degenerative Ursachen: Bei älteren Pferden kann es zu einer allmählichen Verschlechterung der Bandscheiben und/oder der Wirbelknochen kommen, die zu einer Kompression des Rückenmarks führen kann.

Diagnose des Wobbler-Syndroms

Die Diagnose des Wobbler-Syndroms kann schwierig sein, da die Symptome oft unspezifisch sind und mit anderen neurologischen Erkrankungen verwechselt werden können. Es gibt jedoch eine Reihe von diagnostischen Tests, die helfen können, die Ursache der Ataxie zu identifizieren:

  • Klinische Untersuchung: Der Tierarzt wird das Pferd sorgfältig untersuchen und auf Anzeichen von Ataxie, Schwäche oder Schmerzen achten.
  • Neurologische Untersuchung: Der Tierarzt wird eine Reihe von Tests durchführen, um festzustellen, ob das Pferd neurologische Probleme hat.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, CT-Scans oder MRT-Scans der Halswirbelsäule können helfen, die Ursache der Kompression des Rückenmarks zu identifizieren.
  • Myelographie: Dies ist ein spezielles bildgebendes Verfahren, bei dem ein Kontrastmittel in den Raum um das Rückenmark injiziert wird, um eine bessere Darstellung der Wirbel und des Rückenmarks zu ermöglichen.

Behandlung des Wobbler-Syndroms

Die Behandlung des Wobbler-Syndroms kann je nach Ursache und Schwere der Erkrankung variieren. In einigen Fällen kann eine konservative Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten und physiotherapeutischen Übungen ausreichen. In anderen Fällen kann eine chirurgische Behandlung erforderlich sein, um die Kompression des Rückenmarks zu lindern.

Präventive Maßnahmen

Präventive Maßnahmen umfassen eine gute Stallhygiene, regelmäßige Impfungen, eine ausgewogene Ernährung, die Vermeidung von Traumata und die sorgfältige Auswahl bei der Zucht, um genetisch bedingte Risiken zu minimieren. Zunächst einmal sind Situationen zu vermeiden, die das Pferd überfordern oder Stress verursachen könnten. Das Tier sollte keine körperlichen Aktivitäten ausüben, die über seine Fähigkeiten hinausgehen. Sinnvoll ist auch, die Gruppengröße und -zusammensetzung anzupassen, um Konflikte mit Artgenossen zu vermeiden. Ebenso ist darauf zu achten, die Umgebung für das Pferd sicher zu gestalten und Stolperfallen zu entfernen.

Vorbeugung des Wobbler-Syndroms

  • Zuchtauswahl: Zur Vorbeugung des Wobbler Syndroms ist es wichtig, Pferde mit diagnostiziertem Wobbler-Syndrom oder engen Wirbelkanälen konsequent von der Zucht auszuschließen.
  • Früherkennung: Bei schnell wachsenden Fohlen wird eine frühzeitige Untersuchung empfohlen, inklusive bildgebender Verfahren zur Überwachung des Wirbelkanals.
  • Nährstoffversorgung: Ein ausgewogenes Nährstoffverhältnis und die gezielte Zufuhr von Vitamin E unterstützen die neurologische Gesundheit und die Entwicklung des Bewegungsapparates.
  • Fütterungskontrolle: Zu den präventiven Maßnahmen gehört die Reduzierung von Futtermitteln mit hohem Protein- und Stickstoffgehalt.
  • Bewegungsmanagement: Um eine gesunde körperliche Entwicklung zu fördern, ist es wichtig, Pferden ausreichend Pausen und Erholungsphasen von sportlichen Veranstaltungen oder intensivem Training zu ermöglichen.

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