Pflanzliche Mittel gegen Trigeminusneuralgie: Linderung und Alternativen

Die Trigeminusneuralgie ist eine chronische Erkrankung, die durch heftige, blitzartige Schmerzattacken im Gesicht gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen entstehen durch eine Reizung oder Schädigung des Trigeminusnervs, der für die Wahrnehmung und Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzreizen im Gesichtsbereich verantwortlich ist. Während schwere Fälle oft eine ärztliche Behandlung und verschreibungspflichtige Medikamente erfordern, suchen viele Betroffene nach ergänzenden oder alternativen Behandlungsmethoden, einschließlich pflanzlicher Mittel, um die Symptome zu lindern.

Konventionelle Behandlungsmethoden

Ärzte behandeln eine Trigeminusneuralgie in erster Linie medikamentös. Dabei steht die Beseitigung der Symptome im Vordergrund. Eine Operation kommt nur infrage, wenn die Medikamente nicht wirken oder die Nebenwirkungen zu schwerwiegend sind.

Medikamentöse Therapie

Die üblichen Schmerzmedikamente (nicht-steroidale Analgetika) wie Ibuprofen oder Diclofenac entfalten ihre Wirkung zu spät für die blitzartigen, kurzen Schmerzattacken. Eine Trigeminusneuralgie erfordert deshalb eine vorbeugende Dauertherapie mit speziellen Schmerzmedikamenten. Hierbei kommen Wirkstoffe wie Carbamazepin und Oxcarbazepin zum Einsatz. Oft hilft auch der muskelentspannende Wirkstoff Baclofen. Nach Möglichkeit verschreibt der Arzt bei Trigeminusneuralgie nur einen Wirkstoff allein (Monotherapie). Bei starken Schmerzen sind unter Umständen jedoch zwei Medikamente sinnvoll (Kombinationstherapie). Akute Schmerzen behandeln Ärzte mitunter stationär im Krankenhaus mit dem Wirkstoff Phenytoin. Die Tatsache, dass die Ursachen der Gesichtsschmerzen nicht gänzlich geklärt sind, erschwert die Trigeminusneuralgie-Therapie. Findet sich die richtige Behandlung, lassen sich die Schmerzen gut lindern, jedoch nie ganz beziehungsweise für immer "abstellen".

Operative Eingriffe

Eine Operation lindert bei einer Trigeminusneuralgie die Schmerzen oder beseitigt sie sogar langfristig. Aber auch hierbei besteht die Möglichkeit, dass sie nach einigen Jahren erneut auftreten. Zudem birgt jede Operation naturgemäß Risiken. Vor der Operation empfiehlt es sich daher, mit dem behandelnden Arzt ausführlich über Chancen und Risiken des Eingriffs zu sprechen.

Prinzipiell gibt es bei Trigeminusneuralgie drei Operationsmöglichkeiten:

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  • Klassisches Operationsverfahren (mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta): Diese Methode kommt bei gesunden Menschen mit geringem Operationsrisiko zum Einsatz. Über eine Öffnung im Hinterkopf setzt der Arzt ein Goretex- oder Teflonschwämmchen zwischen Nerv und Gefäß. Das soll verhindern, dass der Trigeminusnerv erneut unter Druck gerät. Direkt nach dem Eingriff sind über 80 Prozent der Patienten schmerzfrei. Fünf Jahre nach der Operation sind es meist noch über 70 Prozent. Für Folgeoperationen ist die Erfolgsrate für Schmerzfreiheit geringer. Mögliche Nebenwirkungen beziehungsweise Risiken der Operation sind zum Beispiel Blutungen, Verletzungen des Kleinhirns sowie auf der betroffenen Seite Verlust des Hörvermögens und Taubheitsgefühle im Gesicht.
  • Perkutane Thermokoagulation (nach Sweet): Bei diesem Verfahren erfolgt die Operation durch die Haut. Dieser Eingriff eignet sich für Menschen mit höherem Operationsrisiko. Der Arzt schiebt eine Sonde durch die Haut zum sogenannten Ganglion Gasseri. Das ist eine Ansammlung von Nervenzellkörpern des Trigeminusnervs. Dort zerstört beziehungsweise verödet er dann vor allem die Schmerzfasern des Nervs - entweder durch lokale Hitzeanwendung (Radiofrequenzthermokoagulation), mechanisch mittels Druckballon oder chemisch mittels Glyzerin. Die Erfolgsrate direkt nach der Operation ist hoch: Etwa 90 Prozent der Patienten sind zunächst schmerzfrei. Dieser Erfolg hält allerdings nur bei etwa jedem Zweiten dauerhaft an. Mögliche Nebenwirkung ist ein zum Teil schmerzhafter Gefühlsverlust auf der betroffenen Gesichtshälfte.
  • Radiochirurgisches Verfahren: Das ist eine vergleichsweise schonende Methode der Strahlentherapie. Dabei bestrahlt der Arzt den Trigeminusnerv nahe am Hirnstamm einmalig mit einer hohen Strahlendosis. Dazu verwendet er das sogenannte Gamma-Knife oder Cyber-Knife. Im Vergleich zu den beiden anderen OP-Methoden kommt es bei diesem Eingriff seltener zu Komplikationen. Dafür sind aber auch die Erfolgsaussichten niedriger: Wird dieses Verfahren ohne vorangegangene andere Operationen durchgeführt, sind mehr Patienten nach dem Eingriff schmerzfrei als wenn zuvor schon eine andere Operation stattgefunden hat. Insgesamt tritt die Wirkung der Therapie meist erst nach einigen Wochen ein, also deutlich später als bei den anderen Verfahren.

Eine Trigeminusneuralgie bei Multiple-Sklerose-Patienten behandelt der Arzt medikamentös (Wirkstoff Misoprostol) oder mittels perkutaner Thermokoagulation und radiochirurgischem Verfahren.

Alternative und pflanzliche Behandlungsmethoden

Einige Menschen sind davon überzeugt, dass neben den klassischen medizinischen Behandlungsverfahren alternative Methoden wie Homöopathie bei der Therapie einer Trigeminusneuralgie helfen. Ebenso gibt es verschiedene pflanzliche Schmerzmittel oder Hausmittel wie eine Infrarotlicht-Lampe zur Behandlung insbesondere der Schmerzen, die bei Neuralgien typisch sind.

Das Konzept der Homöopathie, ihre spezifische Wirksamkeit und die anderer alternativer Therapien sind in der Wissenschaft umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt. Sprechen Sie daher vor Beginn einer solchen Therapie mit Ihrem behandelnden Arzt, ob sie für Sie sinnvoll ist.

Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) raten zudem von Vitaminpräparaten ab, die beispielsweise Vitamin B1 oder Vitamin E enthalten. Vitaminpräparate werden häufig damit beworben, Neuropathien, zu denen auch die Trigeminusneuralgie gehört, zu lindern. Es gibt jedoch keine medizinischen Studien, die das belegen.

Einige nicht verschreibungspflichtige Mittel aus der Apotheke können zur Linderung leichterer Symptome beitragen:

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  • Ibuprofen: Dieses nichtsteroidale Antirheumatikum (NSAID) kann bei leichten bis mittelschweren Schmerzen helfen.
  • Paracetamol: Ebenfalls ein gängiges Schmerzmittel, das vor allem schmerzlindernd und fiebersenkend wirkt.
  • Capsaicin-Creme: Capsaicin, der Wirkstoff in Chilischoten, kann helfen, die Schmerzsignale zu blockieren, wenn es auf die Haut aufgetragen wird.
  • Magnesium: Magnesiumpräparate können bei der Entspannung der Muskeln helfen und somit indirekt die Schmerzen lindern.
  • Vitamin B-Komplex: Besonders die Vitamine B1, B6 und B12 spielen eine wichtige Rolle bei der Nervenfunktion.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Die TCM unterscheidet verschiedene Ursachen für die Trigeminusneuralgie:

  • Wind-Kälte: Ein äußerer pathogener Faktor greift das Gesicht an; dies kann sich auch in Wind-Hitze wandeln. Der Patient hat häufig eine Abneigung gegen Wind und Kälte, die Zunge ist meist unauffällig, der Puls ist gespannt. Das Behandlungsprinzip ist, Wind-Kälte auszuleiten.
  • Magen- und Leber-Feuer: Die Hitzesymptomatik steht im Vordergrund, der Patient hat Durst, häufig kommt es zu starker Reizbarkeit. Die Zunge ist gerötet und hat einen dicken gelben Belag, der Puls ist schnell und saitenförmig. Das Behandlungsprinzip ist, die Hitze auszuleiten.
  • Nieren-Yin Mangel: Der Patient zeigt eher Mangelsymptome wie Schwäche und leichte Schmerzen im unteren Rücken, er hat gerötete Wangen und schwitzt nachts. Die Zunge ist rot und hat keinen oder nur wenig Belag, der Puls ist schnell und dünn. Das Behandlungsprinzip ist, das Nieren-Yin zu nähren.

Akupunkturpunkte können je nach betroffenem Ast des Nervus trigeminus ausgewählt werden. Als Fernpunkt eignet sich zur Schmerzenbehandlung im Verlauf des 1. Astes 3E 5 sehr gut, zur Schmerzbehandlung im Verlauf des 2. Astes ist Di 4 ein guter Punkt. Ma 44 ist besonders gut geeignet für die Behandlung von Schmerzen im Verlauf des 3. Astes. Als lokale Punkte können Bl 2, Tai Yang, Ma 3, Ma 7 etc. dazu kontralateral sedierend genadelt werden. Bei Fülle-Muster Wind-Kälte oder Magen- und Leber-Feuer werden alle Punkte sedierend genadelt. Zeigt der Patient einen Nieren-Yin-Mangel, werden alle Punkte tonisierend genadelt.

Anthroposophische Medizin

Aus Sicht der Anthroposophischen Medizin liegt der Trigeminusneuralgie ein gestörtes Verhältnis zwischen Empfindungs- und Lebensorganisation zugrunde. Der Seelenleib greift übermäßig stark in die Prozesse des Lebensleibs ein und „verhakt“ sich (sympathische Hyperreagibilität mit gleichzeitig verminderter Vagusausprägung). Dies führt zu einer muskulären, vaskulären, neurologischen und emotionalen Grundtonuserhöhung: z. B. Spasmen in den Hohlorganen, Muskeln (Myogelosen u. ä.) und Gefäßen (Migräne etc.), erhöhter emotionaler Reizbarkeit und Angespanntsein sowie schmerzhaften Reizungen der Nerven. Diese spastische Diathese verstärkt die Auskühlung des Nervensystems, das oft durch rationelle-analytische Überforderungssituationen bereits per se stark unterkühlt ist; degenerative Veränderungen im Gewebe bilden sich.

Es gibt verschiedene Therapieansätze:

  • Je 1 Amp. Nervus trigeminus Gl (D 30-20) + Hypericum ex herba D 30 + Aconitum comp. (alle Fa. Wala), je 1-2-mal tgl. als Mischinjektion s. c.
  • 1 Amp. Chelidonium Ferro cultum Rh D 2 (Fa. Weleda) s. c.
  • Rhus toxicodendron comp. (Fa. Wala), 3-6-mal tgl.
  • Ceres Hypericum 0 (Fa. Ceres)
  • Je 1 Amp. Nervus trigeminus Gl II (D 30-D 8) + Rhus toxicodendron comp. (beide Fa. Wala), je 1-2-mal wöchentlich als Mischinjektion s.c.
  • 1 Amp. Chelidonium Ferro cultum Rh D 2 (Fa. Weleda), s.c.
  • Rhus toxicodendron comp. (Fa. Wala), 1 x tgl.

Nachbehandlung und Anfallsprophylaxe (z. B. Z.n. Durchnässung oder Unterkühlung):

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  • Solum Globuli velati (Fa. Wala), 2-3-mal 5-7 Glob.
  • Aconit Schmerzöl (Fa. Wala) mit einigen Tropfen Ceres Hypericum 0 (Fa. Ceres) mehrmals tgl. in die betroffenen Hautareale einreiben.
  • Kupfersalbe rot (Fa. Wala) 2-3-mal tgl. in den Nacken einreiben.

Homöopathie

Die Gesichtsneuralgie kann oft erfolgreich mit Homöopathie behandelt werden. Die Stelle, an der der Schmerz lokalisiert ist, ist oft wahlanzeigende für die richtige Arznei. Dann muss man eruieren, um welche Art von Schmerz es sich handelt. Weitere Faktoren sind: Wann tritt er auf? Ist er ständig da? Schlimmer bei Berührung? Schlimmer durch Hitze? Was ist die Ursache? Gibt es bestimmte Auslöser? Kalter Wind vielleicht? Allergien? Nachts oder beim Hinlegen?

Einige häufig verwendete homöopathische Mittel sind:

  • Hypericum: Gegen Nervenschmerzen in allen Körperteilen.
  • Tarentula cubensis: Ebenfalls eine Arznei, die zur Hand sein sollte.
  • Spigelia anthelmia: Kann besonders bei LINKSSEITIGEN Gesichtsschmerzen hilfreich sein, die sich über die Schläfen, das Auge, die Wange und sogar bis in die Zähne ziehen. Die Schmerzen sind so heftig, dass die gesamte Region sehr berührungsempfindlich wird.
  • Magnesium phosphoricum: Für RECHTSSEITIGE Gesichtsneuralgie. Wenn die Schmerzen positiv auf warme Kompressen reagieren, ist das eine gute Bestätigung, dass Mag. phos. das angezeigte Mittel ist.

Weitere Mittel sind Colocynthis, Verbascum, Hecla lava, Plantago, Ranunculus bulbosus etc.

Ernährung

Es gibt einige Hinweise, dass die mediterrane Ernährung zum Neuroschutz beitragen kann. Bei entzündlichen demyelinisierenden Krankheiten des Zentralen Nervensystems wie der multiplen Sklerose wirkt sich die mediterrane Ernährung positiv auf das Krankheitsrisiko und den Schweregrad der Erkrankung aus. Die mediterrane Kost legt den Schwerpunkt auf Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse, Fisch und Olivenöl sowie auf einen geringen Verzehr von Fleisch, Geflügel, Milchprodukten und Rotwein.

Besonders das native Olivenöl extra (naturbelassen, höchste Güteklasse) soll durch Bereitstellung von Ölsäure und Bioaktivität der enthaltenen phenolischen Verbindungen zum Neuroschutz beitragen. Die Bildung von Myelin (Grundlage der Markscheiden), das sich aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Öl- und Nervonsäure) zusammensetzt, hängt zum Teil von den Nahrungsquellen der einzelnen Fettsäuren ab. Die Versorgung mit reichlich Ölsäure kann die Myelinisierung fördern und einer Demyelinisierung vorbeugen. Diese Unterstützung kann dazu beitragen, die elektrische Aktivität im Trigeminusnerv zu verbessern. Es wird weiter angenommen, dass Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) im nativen Olivenöl extra, z. B. durch entzündungshemmende Wirkungen von Oleuropein (Bitterstoff in Olivenblättern) und anderen Substanzen, ebenfalls zum Neuroschutz beitragen.

Eine Studie hat gezeigt, dass die tägliche Einnahme von nativem Olivenöl extra die Beeinträchtigungen durch die Trigeminusneuralgie verbessern könnte. Ein erhöhter Verzehr von nativem Olivenöl extra könnte eine begleitende Rolle bei der Schmerzlinderung spielen.

Weitere unterstützende Maßnahmen

  • Entspannungstechniken: Gegen Neuralgien tragen zur Verringerung der Schmerzintensität bei.
  • Vermeidung von Triggerfaktoren: Auslösende und belastende Faktoren bei Neuralgien zu erkennen und zu meiden.
  • Physikalische Heilmethoden: In manchen Fällen ist Bettruhe unabdingbar. Häufig bessert die Anwendung von Wärme, zum Beispiel als Rotlicht, die Schmerzzustände.

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