Botox, bekannt für seine Anwendung in der ästhetischen Medizin zur Reduktion von Mimikfalten, hat sich auch als wirksame Prophylaxe bei chronischer Migräne etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Botox zur Migräneprävention, die potenziellen Nebenwirkungen sowie alternative Behandlungsmöglichkeiten.
Einführung
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Sie unterscheidet sich von Spannungskopfschmerzen in der Art des Schmerzes, seiner Intensität und den Begleiterscheinungen. Migräne zeichnet sich meist durch pochend-pulsierende Schmerzen aus, die oft nur in einer Kopfhälfte auftreten. Häufige Begleiterscheinungen sind Licht- und Lärmempfindlichkeit, Sehstörungen, Müdigkeit und Übelkeit. Eine Migräneattacke kann mehrere Stunden oder sogar Tage andauern. Typische Auslöser (Trigger) sind individuell verschieden, wobei Stress, Schlafmangel oder -überschuss sowie bestimmte Nahrungsmittel häufig genannt werden.
Was ist Botox und wie wirkt es?
Botox, kurz für Botulinumtoxin Typ A, ist ein Neurotoxin, das vom Bakterium Clostridium botulinum produziert wird. Es wird vom Pharmaunternehmen Pharm-Allergan GmbH unter dem Markennamen "Botox" vertrieben. Nach der Injektion lähmt das Präparat die Muskeln, indem es die Freisetzung des Botenstoffs Acetylcholin verhindert, der normalerweise für die Muskelaktivierung verantwortlich ist.
Der genaue Wirkmechanismus von Botox bei Migräne ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass Botox die Freisetzung von Neuropeptiden und Neurotransmittern hemmt, die an der Schmerzweiterleitung beteiligt sind, darunter Glutamat, Substanz P, CGRP und Neurokinin A. Zudem wird angenommen, dass Botox die Empfindlichkeit des Trigeminusnervs herabsetzt, der im Gesichtsbereich eine wichtige Rolle bei der Schmerzwahrnehmung spielt. Es handelt sich nicht um ein Akutmedikament, sondern um eine vorbeugende Therapie.
Indikation und Zulassung
Botox ist in Deutschland zur Behandlung der chronischen Migräne zugelassen, jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Eine Migräne gilt als chronisch, wenn ein Patient an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leidet, davon an mindestens acht Tagen unter Migräne. Zudem ist Botox nur dann indiziert, wenn andere orale prophylaktische Medikamente nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden. Botox Präparate sind zur Behandlung von chronischer Migräne zugelassen, wenn Patienten auf orale vorbeugende Medikamente nicht angesprochen oder diese nicht vertragen haben.
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Anwendung und Dosierung
Bei der Botox Migräne Therapie werden bis zu 39 Injektionspunkte gesetzt, entsprechend bewährten Behandlungsprotokollen. Die Injektionen erfolgen in bestimmte Muskeln im Kopf- und Nackenbereich. Die aktuelle Standarddosierung beträgt zwischen 155 und 195 Allergan-Einheiten (AE) pro Behandlung. Die Erstbehandlung erfolgt in der Regel mit 155 AE, verteilt über 31 Injektionspunkte. Bei ausbleibendem Erfolg kann die Dosis in einer zweiten Sitzung auf 195 AE erhöht werden.
Die Behandlung wird üblicherweise alle drei Monate wiederholt, da die Wirkung von Botox etwa drei bis vier Monate anhält. Im zweiten Behandlungsjahr kann bei anhaltendem Therapieerfolg versucht werden, das Intervall auf vier Monate zu verlängern.
Mögliche Nebenwirkungen
Wie bei jeder Therapie können auch bei Botox Nebenwirkungen auftreten. Grundsätzlich können an der Injektionsstelle kurzfristig Schmerzen auftreten. Da Botox auch in die Stirn gespritzt wird und Muskeln lähmt, kann als Nebenwirkung eine Lidschwäche auftreten, bei der das Augenlid herunterhängt. In den Zulassungsstudien trat dies bei 3,3 Prozent der Patienten auf.
Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:
- Muskelkaterartige Beschwerden im Nacken- und Kopfbereich
- Muskelschwäche
- Kosmetisch unerwünschte Effekte wie Ptosis (Herabhängen eines oder beider Oberlider des Auges)
- Verschlechterung der Migräne
- Schluckstörung (Dysphagie), selten
Häufige lokale Reaktionen sind Beschwerden an der Einstichstelle, Erytheme, Hämatome, kurzzeitige Kopfschmerzen und, in seltenen Fällen, Migräne. Verletzungen an der Einstichstelle zählen zu den häufigen lokalen Nebenwirkungen der Botulinumtoxinbehandlung.
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Eine Ptosis des Augenlids kann entstehen, wenn sich das Gift im Orbitalseptum ausbreitet und den oberen Augenlidheber paralysiert. Eine Ptosis der Augenbrauen wird meist durch eine Überbehandlung des Augenbrauenhebers oder durch die Ausbreitung des Gifts bei der Behandlung des Glabellakomplexes verursacht.
Anwendungen von Botulinumtoxin unterhalb des Jochbogens haben oft schwächere Effekte als im oberen Drittel des Gesichts. Zudem können hier die unerwünschten Ereignisse sowohl kosmetischer als auch funktioneller Natur sein - daher sollte nur ein erfahrener Arzt mit umfassenden Anatomiekenntnissen diese Regionen behandeln. Ein asymmetrisches Lächeln kann entstehen, wenn Injektionen in den Kinnmuskel zu stark seitlich erfolgen, oder wenn sie in den Musculus depressor anguli oris zu mittig appliziert werden.
Die Ausbreitung des Nervengifts in die laryngealen Muskeln oder die direkte Injektion in den Musculus sternocleidomastoideus kann zu Dysphagie, Heiserkeit und einer Schwäche im Nackenflexor führen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die meisten Komplikationen nur leicht und vorübergehend sind.
Kontraindikationen
In bestimmten Fällen darf Botox nicht eingesetzt werden:
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- Bei Erkrankungen, die die neuromuskuläre Übertragung beeinflussen, wie z.B. Myasthenia gravis
- Bei bekannter Unverträglichkeit gegenüber Botulinumtoxinen
- Während der Schwangerschaft und Stillzeit
- Bei akuten Infekten und Entzündungen im Bereich der Injektionsstellen
- Bei Einnahme bestimmter Medikamente, die die muskuläre Funktion beeinflussen sowie bestimmter Antibiotika (Amynoglykosid-Antibiotika, Spectinomycin)
Kosten und Kostenübernahme
Die Kosten für eine Botox-Behandlung gegen Migräne können variieren. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten, wenn eine chronische Migräne vorliegt und eine prophylaktische Behandlung mit herkömmlichen Medikamenten erfolglos versucht wurde. Jede Krankenkasse hat jedoch eigene Voraussetzungen.
Alternativen zur Botox-Therapie
Neben Botox gibt es medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren zur Migräneprophylaxe. Bei weniger stark ausgeprägter Migräne sollten zunächst nicht-medikamentöse Verfahren ausgeschöpft werden. Dazu gehören Entspannungsübungen, regelmäßiger Ausdauersport, regelmäßige Mahlzeiten und Schlafzeiten sowie ein gutes Stressmanagement.
Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine medikamentöse Therapie in Betracht gezogen werden. Zu den Standard-Therapien gehören Betablocker, Topiramat und Flunarizin.
Seit Ende 2018 stehen mit Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab neue Wirkstoffe zur Verfügung, die als monoklonale Antikörper gezielt am CGRP-Rezeptor angreifen, der an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Migräne beteiligt ist.
Die Migräne-Spritze: Monoklonale Antikörper
Die monoklonale Antikörper-Therapie, oft als Migräne-Spritze bezeichnet, reduziert die Häufigkeit von Migräneattacken. Die Wirkstoffe setzen an CGRP an, einem Botenstoff, der bei Entzündungsvorgängen im Körper eine Rolle spielt und bei Migräne vermehrt ausgeschüttet wird. Die Antikörper hemmen entweder das CGRP-Molekül selbst oder dessen Andockstelle.
Typische Nebenwirkungen sind Rötungen an der Einstichstelle oder Verstopfung. Daten legen zudem eine erhöhte Infektanfälligkeit nahe. Die Dosierung und Häufigkeit der Anwendung hängen vom jeweiligen Medikament ab. Die Spritze wird unter die Haut injiziert, wobei Galcanezumab, Fremanezumab und Erenumab mit Fertigpens selbst verabreicht werden können. Eptinezumab wird alle zwölf Wochen intravenös verabreicht.
Die Kosten von rund 400 Euro pro Spritze werden von den gesetzlichen Krankenkassen nur übernommen, wenn herkömmliche Therapien nicht geholfen haben. Die Antikörpertherapie ist für Erwachsene mit Migräne ab vier Schmerztagen im Monat zugelassen. Für Frauen mit Kinderwunsch und in der Stillzeit ist sie nicht geeignet. Bei bestimmten schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Vorsicht geboten.
Bruxismus und Botox
Unbewusstes, meist nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) kann zu Schädigungen der Zahnsubstanz, des Zahnhalteapparats, der Kiefergelenke und der Kaumuskeln führen. Botox-Behandlungen können die Aktivität der Kaumuskulatur reduzieren und somit Verspannungen und Schmerzen im Kiefergelenk- und Kaumuskelbereich beseitigen. Die Anwendung von Botox-Unterspritzungen zur Muskelentspannung ist auch bei Bruxismus Behandlungen äußerst risikoarm.
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