Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die von heftigen Kopfschmerzen begleitet wird und das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Viele Patienten sind daher auf wirksame Medikamente angewiesen, um die Symptome zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern. Phenazon ist ein Wirkstoff, der in der Behandlung von Migräne eingesetzt werden kann. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit Phenazon bei Migräne, seine Wirkungsweise, Anwendungshinweise und mögliche Risiken.
Was ist Phenazon?
Phenazon ist ein Analgetikum aus der Gruppe der Pyrazolone. Es wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts synthetisch hergestellt und gehört damit zu den ältesten Schmerz- und Fiebermitteln. Chemisch ist Phenazon eng mit Metamizol verwandt. Phenazon wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend, jedoch kaum entzündungshemmend.
Wie wirkt Phenazon bei Migräne?
Die genaue Wirkungsweise von Phenazon ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass Phenazon die Bildung von Prostaglandinen im Gehirn hemmt. Prostaglandine sind Gewebshormone, die an der Entstehung von Schmerzen und Entzündungen beteiligt sind. Darüber hinaus scheint Phenazon auch einen direkten Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung im Gehirn zu haben.
Phenazon kann bei einem Migräneanfall nicht nur die Schmerzen lindern, sondern auch Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit reduzieren.
Erfahrungen mit Phenazon bei Migräne
Phenazon ist in Deutschland unter anderem im Medikament Migräne-Kranit enthalten. Laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) sind zur Selbstbehandlung akuter Migräneattacken Mittel der Wahl Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Paracetamol sowie die fixe Kombination aus ASS, Paracetamol und Coffein.
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Eine Studie des Kieler Schmerzspezialisten Professor Dr. Hartmut Göbel untersuchte die Wirksamkeit von Phenazon bei Migräneattacken. An der Untersuchung nahmen 208 Patienten teil, die pro Monat ein bis sechs mittelschwere beziehungsweise schwere Migräneattacken hatten. Bei einer Attacke nahmen sie entweder zweimal 500 mg Phenazon (Migräne-Kranit®) oder Placebo ein. Primärer Endpunkt war eine deutliche Reduktion der Kopfschmerzen innerhalb von zwei Stunden (von starken oder moderaten auf leichte bis keine Schmerzen). Mit Phenazon erreichten dies 48,6 Prozent, mit Placebo 27,2 Prozent. Dabei sprachen jeweils Patienten mit mittelstarker Migräne besser auf die Therapie an, als diejenigen mit starken Schmerzen: 54 und 39 Prozent mit Phenazon, 32 und 17 Prozent mit Placebo. Schmerzfrei nach zwei Stunden waren mit Verum 27,6 Prozent (Placebo: 13,6 Prozent). Alle Unterschiede waren signifikant.
Zwei Stunden nach Einnahme der Studienmedikation nahmen 38 Prozent der Patienten in der Verumgruppe und 70 Prozent in der Placebogruppe aufgrund unzureichender Schmerzlinderung ein weiteres Medikament ein.
Göbel wertet die gute Magenverträglichkeit als Vorteil von Phenazon. Zudem mindert das Analgetikum die Migräne-typischen Begleitsymptome wie Licht- und Geräuschempfindlichkeit und Übelkeit.
Ein Anwender berichtet, seit etwa 25 Jahren unter Migräne zu leiden und sich seit etwa 10 Jahren überwiegend in heilpraktischer Behandlung zu befinden. Sein Arzt empfahl ihm Migräne-Kranit® 500 in Zäpfchenform, das er ab und an benutzt. Ein Arzt äußerte sich dazu, dass gegen Migräne-Kranit® Zäpfchen (Wirkstoff Phenazon) von der Wirksamkeit her nichts einzuwenden sei, der Wirkstoff jedoch wenig gebräuchlich und chemisch eng mit Metamizol verwandt sei, das selten schwere Störungen der Blutbildung verursacht und deshalb in vielen Ländern nicht zugelassen oder verboten ist. Der Anwender habe Phenazon offenbar bisher gut vertragen.
Anwendungshinweise für Phenazon
Phenazon ist in Form von Tabletten und Zäpfchen erhältlich. Die Dosierung richtet sich nach der Stärke der Schmerzen und dem Alter des Patienten.
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- Erwachsene und Jugendliche über 15 Jahre nehmen als Einzeldosis 500 bis 1000 mg Phenazon im Abstand von mindestens vier bis acht Stunden.
- Kinder von 12 bis 15 Jahren erhalten ein bis zweimal täglich je eine Tablette (entsprechend je 500 mg Phenazon) im Abstand von sechs bis acht Stunden. Die tägliche Gesamtdosis von zwei Tabletten, also 1000 mg Phenazon, darf dabei nicht überschritten werden.
Schwangere und Stillende sollten Phenazon nicht anwenden.
Mögliche Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Phenazon ist im Allgemeinen gut verträglich. In seltenen Fällen kann es jedoch zu Nebenwirkungen kommen, wie zum Beispiel:
- Magenbeschwerden
- Allergische Reaktionen
- Veränderungen im Blutbild
Phenazon sollte nicht eingenommen werden bei:
- Bekannter Überempfindlichkeit gegen Phenazon oder andere Pyrazolone
- Veränderungen im Blutbild
- Schwangerschaft und Stillzeit
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Medikamenteninduzierter Kopfschmerz: Wie viele andere Schmerzmittel kann auch Phenazon bei häufiger Einnahme (mehr als 10 Tage pro Monat) zu einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz führen. In diesem Fall sollte das Medikament abgesetzt und ein Arzt konsultiert werden.
- Nierenschädigung: Bei längerfristiger Anwendung von Phenazon kann es zu einer Nierenschädigung kommen.
- Wechselwirkungen: Phenazon kann die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen. Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Medikamente einnehmen.
Alternativen zu Phenazon
Zur Behandlung von Migräne stehen verschiedene Alternativen zu Phenazon zur Verfügung, darunter:
- Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS), Naproxen
- Paracetamol
- Triptane: Almotriptan, Naratriptan, Sumatriptan (teilweise rezeptfrei)
- Kombinationspräparate: ASS, Paracetamol und Koffein
Bei häufigen Migräneattacken kann eine Migräneprophylaxe mit Betablockern, Kalziumkanalblockern oder Antiepileptika in Erwägung gezogen werden.
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Antiemetika bei Migräne
Bei vielen Patienten ist der Migräne-Anfall mit Übelkeit und Erbrechen verbunden. Hier können spezielle Medikamente (Antiemetika) wie Metoclopramid oder Domperidon helfen. Sie sollten sie vor dem Schmerzmittel einnehmen. Antiemetika regen die Bewegungen der Magenmuskulatur an und sorgen dafür, dass das Schmerzmittel besser aufgenommen wird.
Die Rolle der Neurologisch-verhaltensmedizinischen Schmerzklinik Kiel
Die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Hartmut Göbel bietet eine spezielle Therapie für Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen, alle Kopfschmerzen, wie z. B. chronische Spannungskopfschmerzen, Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, Clusterkopfschmerz, Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz), Rückenschmerz und andere Formen chronischer Schmerzerkrankungen. Die Klinik bietet sowohl stationäre als auch ambulante Behandlungen an.