Pheromone und ihre Auswirkungen auf das männliche Nervensystem: Eine umfassende Studie

Einführung

Pheromone sind chemische Botenstoffe, die Lebewesen zur Kommunikation untereinander nutzen. Obwohl ihre Rolle im Tierreich gut dokumentiert ist, ist der Einfluss von Pheromonen auf den Menschen und insbesondere auf das männliche Nervensystem noch Gegenstand intensiver Forschung. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Studienlage, um ein besseres Verständnis dieser komplexen Wechselwirkungen zu ermöglichen.

Was sind Pheromone?

Pheromone sind Duftstoffe, die von Lebewesen derselben Art zur Kommunikation eingesetzt werden. Sie dienen als Werkzeug der nonverbalen Kommunikation und können Erkennungs- und Sexuallockstoffe sein. Tiere nehmen Pheromone über ein spezielles Organ in ihren Nasenhöhlen wahr, das Jacobson-Organ genannt wird. Beim Menschen ist dieses Organ zwar vorhanden, aber nicht funktionsfähig. Trotzdem zeigen Duftstoffe auch bei uns eine Wirkung.

Pheromone in der Tierwelt

In der Tierwelt spielen Pheromone eine entscheidende Rolle. Kirschfruchtfliegen markieren beispielsweise ihre Eiablageplätze, um andere Weibchen derselben Art abzuschrecken. Bienenköniginnen setzen die sogenannte Königinnensubstanz frei, die das Verhalten des Bienenstocks steuert.

Wie wirken Pheromone auf den Menschen?

Obwohl der Mensch kein funktionsfähiges Jacobson-Organ besitzt, können Pheromone auch beim Menschen eine Wirkung entfalten. Sie werden über die Riechschleimhaut der Nase erkannt, wo Pheromonzellen eine eigene Leitungsbahn ins Gehirn haben. Diese werden in einer anderen Region verarbeitet als Geruchsmoleküle.

Einfluss auf den Menstruationszyklus

Der Duftstoff Androstenon, der in den Achselschweißdrüsen von Männern vorkommt, kann den Menstruationszyklus von Frauen synchronisieren. Es wird angenommen, dass sich Männer und Frauen dadurch sexuell stärker voneinander angezogen fühlen. Umgekehrt können auch die Sekretdrüsen der Vagina und die Schweißdrüsen der weiblichen Achselhöhle Männer beeinflussen und ihre Herz- und Atemfrequenz erhöhen, wenn sie im Schlaf wahrgenommen werden.

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Pheromone und Emotionen

Forscher haben mit dem künstlichen Duftstoff Hedion Pheromonrezeptoren aktiviert. Unter dem Einfluss dieses Pheromons zeigten Menschen in Belohnungsspielen mehr Vertrauen und in Bestrafungsspielen mehr Misstrauen. Dies deutet darauf hin, dass Pheromone auch unsere Emotionen beeinflussen können.

Studien zu Pheromonen und dem männlichen Nervensystem

Gehirnaktivität und Pheromone

Eine Studie im Journal Neuron (August 2017) untersuchte die Reaktion von Männern und Frauen auf synthetische Geschlechtshormone (Östrogen und Testosteron) mithilfe der Positronenemissionstomographie (PET). Die Ergebnisse zeigten, dass bestimmte Bereiche des Gehirns durch Pheromone aktiviert werden. Dr. Ivanka Savic vom Karolinska Institut stellte fest, dass hormonähnliche Gerüche den Hypothalamus aktivieren, der normalerweise bei gewöhnlichen Gerüchen keine Reaktion zeigt. Interessanterweise reagierten die Gehirne von Männern und Frauen unterschiedlich auf Pheromone.

Pheromone und Aggression

Eine Studie untersuchte, ob Tränen bei Menschen die gleiche Wirkung haben wie bei Nagetieren, bei denen weibliche Tränen die männliche Aggression blockieren. Männer, die den emotionalen Tränen von Frauen ausgesetzt waren, zeigten in einem Spiel mit aggressivem Verhalten eine Reduktion von über 40 %. MRT-Scans zeigten, dass zwei mit Aggression zusammenhängende Hirnregionen (präfrontaler Kortex und vordere Insel) weniger aktiv waren, wenn die Männer an den Tränen schnupperten. Dies deutet darauf hin, dass menschliche Tränen ein chemisches Signal enthalten, das die Aggression von männlichen Artgenossen blockiert.

Pheromone und sexuelle Orientierung

Eine Studie des Karolinska-Instituts in Stockholm untersuchte, wie hetero- und homosexuelle Frauen auf bestimmte Duftstoffe reagieren. Lesbische Frauen reagierten anders auf Substanzen, die möglicherweise wie weibliche bzw. männliche Sexuallockstoffe wirken. Bei ihnen wurden andere Gehirnregionen aktiviert als bei heterosexuellen Frauen. Dies deutet darauf hin, dass die Gehirnaktivität bei der Verarbeitung von Pheromonen je nach sexueller Orientierung variieren kann.

Die Rolle von Pheromonen bei der Partnerwahl

Die Rolle von Pheromonen bei der Anziehung und Partnerwahl ist umstritten. Es gibt die Theorie, dass Menschen bei der Partnerwahl Individuen mit einem möglichst unterschiedlichen Immunsystem bevorzugen. Dies basiert auf der Idee, dass ein unterschiedliches Immunsystem die besten Voraussetzungen für gesunden Nachwuchs bietet. Einige Menschen veranstalten Pheromonpartys, bei denen die Gäste getragene T-Shirts beschnuppern, um potenzielle Partner zu finden.

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Kritik an Pheromonpartys

Hanns Hatt, ein Experte auf dem Gebiet der Geruchsforschung, hält es für unwahrscheinlich, dass Menschen anhand eines T-Shirts Informationen über das Immunsystem anderer Partygäste sammeln können. Er argumentiert, dass der Mensch mit seiner geringen Anzahl an Pheromonrezeptoren dazu nicht in der Lage ist. Stattdessen könnten die Menschen eher die Duftwolke des Mikrobioms riechen, die Auskunft über die Gesundheit geben kann.

Pheromon-Parfüms: Mythos oder Realität?

Pheromon-Parfüms werden damit beworben, dass sie durch ihre Inhaltsstoffe Pheromonrezeptoren ansprechen und sexuelle Anziehung auslösen. Die wissenschaftliche Evidenz für diese Behauptung ist jedoch begrenzt. Viele Faktoren beeinflussen die Anziehung zwischen Menschen, und es ist schwierig, eine Verhaltensänderung eindeutig auf einen Duftstoff zurückzuführen.

Die Kosmetikindustrie und Pheromone

Die Kosmetikindustrie hat das Potenzial von Pheromonen erkannt und versucht, unwiderstehliche Sexuallockstoffe zu entwickeln. Einige Unternehmen bieten synthetische Imitationen von Schweißgeruch an, um die Chancen von Männern bei Frauen zu erhöhen. Es ist jedoch fraglich, ob diese Produkte tatsächlich wirksam sind, da die persönliche Duftnote nicht einfach verändert werden kann und die Anziehungskraft des Körpergeruchs ein komplexes Wechselspiel zwischen zwei Personen ist.

Weitere Faktoren, die das Sozialverhalten beeinflussen

Körpergeruch kann das menschliche Sozialverhalten beeinflussen und über Zu- oder Abneigung entscheiden. Der Körpergeruch ist ein Geschlechtsmerkmal und kann je nach Körperregion unterschiedlich sein. Die markantesten Geruchsquellen sind die Achselhöhlen, deren Duft von Drüsensekreten und Bakterien beeinflusst wird.

Die Bedeutung von Geruch in der frühen Kindheit

Die Geruchserkennung spielt schon in den ersten Lebensjahren eine wichtige Rolle. Mütter können ihre Säuglinge am Geruch erkennen, und Neugeborene erkennen den Duft der Mutterbrust. Kleinkinder können durch von der Mutter getragene Kleidungsstücke beruhigt werden.

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Die Rolle des Gehirns bei Verliebtheit

Die Gehirnaktivität Frischverliebter ist ein komplexes Zusammenspiel von Botenstoffen wie Oxytocin, Vasopressin, Dopamin und Serotonin. Dopamin suggeriert Erfüllung und Befriedigung und wird mit Euphorie in Verbindung gebracht. Adrenalin ist für die Ruhelosigkeit und das Kribbeln im Bauch verantwortlich. Zu Beginn einer Partnerschaft sinkt bei Männern der Testosteronspiegel, während bei Frauen das männliche Sexualhormon ansteigt. Serotonin unterliegt in der Anfangsphase großen Schwankungen. Oxytocin sorgt für die Bindung und das Vertrauen zwischen zwei Individuen.

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