Migräne-Aura und Kalte Kopfschmerzen: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Migräne ist mehr als nur starke Kopfschmerzen. Viele Menschen assoziieren Migräne in erster Linie mit heftigen Kopfschmerzen, was bei den meisten Betroffenen auch zutrifft. Allerdings gibt es auch Formen der Migräne, die sich nicht durch Kopfschmerzen äußern. Eine solche Form ist die Migräne mit Aura ohne Kopfschmerzen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Migräne, insbesondere die Migräne mit Aura, die Migräne ohne Kopfschmerzen und die möglichen Ursachen und Behandlungsansätze.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige, oft sehr starke Kopfschmerzen äußert. Diese Kopfschmerzen treten in unregelmäßigen Abständen wieder auf und werden meist als pulsierend, hämmernd oder bohrend beschrieben. Oft sind die Schmerzen einseitig lokalisiert, können aber auch im gesamten Kopf auftreten. Migräne kann den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und zu einem hohen Leidensdruck führen.

Zusätzlich zu den Kopfschmerzen können Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Lichtempfindlichkeit, Lärmempfindlichkeit und Geruchsempfindlichkeit auftreten. In einigen Fällen kommt es auch zu Sehstörungen, Wahrnehmungsstörungen und neurologischen Ausfällen.

Weltweit leiden etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung an Migräne, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. In Deutschland sind schätzungsweise acht Millionen Menschen von Migräne betroffen.

Formen der Migräne

Mediziner unterscheiden verschiedene Formen der Migräne, je nach Auftreten und Ausprägung der Symptome. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterscheidet folgende Arten von Migräne:

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  1. Migräne ohne Aura
  2. Migräne mit Aura
  3. Chronische Migräne
  4. Migränekomplikationen
  5. Wahrscheinliche Migräne mit oder ohne Aura
  6. Episodische Syndrome, die mit einer Migräne einhergehen können
  7. Stille Migräne

Die Hauptformen sind Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura.

Migräne ohne Aura

Die Migräne ohne Aura ist die häufigste Form der Migräne. Typisch sind anfallsartig auftretende, einseitige, pulsierende Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität. Sie verstärken sich durch körperliche Routineaktivitäten und halten vier (bei Kindern und Jugendlichen zwei) bis 72 Stunden an. Begleitet werden sie von Übelkeit und/oder Licht- und Lärmempfindlichkeit.

Die Mehrheit der Migräne-Betroffenen (80 bis 85 Prozent) leiden unter einer Migräne ohne Aura. Die Symptome entstehen meist binnen kurzer Zeit und kündigen sich nur selten an. Viele Patienten berichten aber von typischen äußerlichen Einflüssen, die zu einer Attacke führen können.

Migräne mit Aura

Etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten leiden unter einer Migräne mit Aura. Bei dieser Form der Migräne treten vor oder während der Kopfschmerzphase neurologische Symptome auf, die als Aura bezeichnet werden.

Die Aura-Symptome können vielfältig sein und das Sehen, die Sensibilität, die Sprache oder die Motorik betreffen. Typische Aura-Symptome sind:

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  • Sehstörungen: Lichtblitze, Flimmern, Zickzack-Linien, Gesichtsfeldausfälle
  • Sensibilitätsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle in Armen, Beinen oder im Gesicht
  • Sprachstörungen: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden oder Sätze zu bilden
  • Motorische Störungen: Schwäche oder Lähmungserscheinungen

Die Aura-Symptome entwickeln sich meist langsam über einen Zeitraum von 5 bis 20 Minuten und halten in der Regel 15 bis 60 Minuten an. In den meisten Fällen setzt der Kopfschmerz nach dem Ende der Aura ein, aber es gibt auch Fälle, in denen Aura und Kopfschmerz gleichzeitig auftreten oder die Aura ohne nachfolgenden Kopfschmerz auftritt.

Migräne ohne Kopfschmerzen (Migraine sans Migraine)

Eine besondere Form der Migräne ist die Migräne ohne Kopfschmerzen, auch als "migraine sans migraine" bezeichnet. Bei dieser Form der Migräne tritt eine Aura auf, ohne dass es zu den typischen Migräne-Kopfschmerzen kommt.

Die Aura bei einer Migräne ohne Kopfschmerzen dauert meist 15 Minuten bis maximal eine Stunde und kann auch eher schwach ausfallen. So werden die visuellen Probleme von den Erkrankten zwar wahrgenommen, aber nicht mit einer Migräne assoziiert. Mit höherem Lebensalter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Migräne ohne Kopfschmerzen auftritt, vor allem bei Männern. Warum das so ist, ist bisher ungeklärt.

Für Ärzte ist die Diagnose einer Migräne ohne Kopfschmerzen oft schwierig, da die Symptome leicht mit denen eines Schlaganfalls oder anderer neurologischer Erkrankungen verwechselt werden können.

Ursachen der Migräne

Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und äußeren Einflüssen (Triggerfaktoren) eine Rolle spielt.

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Genetische Veranlagung

Migräne tritt häufig familiär gehäuft auf, was auf eine genetische Veranlagung hindeutet. Veränderungen (Mutationen) in mehreren Genen erhöhen das Migränerisiko. Manche dieser Gene sind an der Regulierung der neurologischen Schaltungen im Gehirn beteiligt. Andere Genveränderungen werden mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht.

Triggerfaktoren

Verschiedene innere und äußere Faktoren können bei entsprechender genetischer Veranlagung eine Migräne-Attacke auslösen. Diese Faktoren werden als Triggerfaktoren bezeichnet. Welche Faktoren im Einzelfall einen Anfall triggern, ist individuell verschieden. Zu den häufigsten Triggerfaktoren gehören:

  • Stress
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Reizüberflutung
  • Wetter/Wetterwechsel
  • Bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Käse, Schokolade, Zitrusfrüchte)
  • Alkohol
  • Hormonelle Veränderungen (z.B. Menstruation, Schwangerschaft)
  • Lange Bildschirmzeiten
  • Hohe Sonneneinstrahlung

Es ist wichtig zu beachten, dass Triggerfaktoren nicht die alleinige Ursache einer Migräneattacke sind, sondern diese lediglich begünstigen können.

Die Rolle des Gehirns

Eine Theorie besagt, dass Auren und Kopfschmerzen durch denselben Mechanismus ausgelöst werden. Dabei sind Zellen der Hirnrinde übererregbar. Diese Hyperaktivität breitet sich wie eine Welle durch das Gehirn aus. Trifft die Welle Zellen des Sehzentrums, bemerken die Betroffenen eine Aura. Die Welle wandert derweil weiter und erreicht schließlich den Trigeminusnerv. Dieser ist unter anderem für die Übermittlung von Schmerzsignalen zuständig. Die Folge: Kopfschmerzen entstehen. Möglicherweise ist bei einigen Menschen die Reizschwelle für die Erregung des Trigeminusnervs höher.

Diagnose der Migräne

Die Diagnose der Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese, also der Erhebung der Krankengeschichte, und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Der Arzt wird Fragen zu Art, Stärke, Dauer und Häufigkeit der Kopfschmerzen stellen, sowie zu Begleitsymptomen und möglichen Triggerfaktoren.

Ein Kopfschmerztagebuch kann hilfreich sein, um die Häufigkeit, Dauer und den Verlauf der Kopfschmerzen zu dokumentieren und mögliche Triggerfaktoren zu identifizieren.

In einigen Fällen können weitere Untersuchungen erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. Dazu gehören beispielsweise eine neurologische Untersuchung, eine Blutuntersuchung oder bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns.

Behandlung der Migräne

Die Behandlung der Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren und die Symptome während einer Attacke zu lindern. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Schweregrad der Migräne und den individuellen Bedürfnissen des Patienten eingesetzt werden können.

Akutbehandlung

Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Symptome während einer Migräneattacke zu lindern. Dazu können folgende Maßnahmen eingesetzt werden:

  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol helfen.
  • Triptane: Bei stärkeren Migräneattacken werden häufig Triptane eingesetzt. Triptane sind spezielle Migränemittel, die die geweiteten Blutgefäße im Gehirn verengen und die Freisetzung von entzündungsfördernden Botenstoffen hemmen.
  • Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika eingesetzt werden.
  • Ruhe und Entspannung: Ein ruhiger, abgedunkelter Raum und Entspannungsübungen können helfen, die Symptome zu lindern.

Es ist wichtig, die Medikamente so früh wie möglich nach Beginn der Attacke einzunehmen, um eine optimale Wirkung zu erzielen.

Prophylaktische Behandlung

Die prophylaktische Behandlung zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Sie kommt infrage, wenn die Migräneattacken sehr häufig auftreten oder die Lebensqualität des Patienten stark beeinträchtigen. Zur Prophylaxe können folgende Medikamente eingesetzt werden:

  • Betablocker: Betablocker werden häufig zur Blutdrucksenkung eingesetzt, können aber auch die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
  • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
  • Antiepileptika: Einige Antiepileptika haben sich auch bei der Migräneprophylaxe als wirksam erwiesen.
  • CGRP-Antikörper: CGRP-Antikörper sind eine neue Klasse von Medikamenten, die speziell für die Migräneprophylaxe entwickelt wurden. Sie blockieren die Wirkung des Botenstoffs CGRP, der bei der Entstehung von Migräneattacken eine wichtige Rolle spielt.
  • Magnesium und Vitamin B12: Die Einnahme von Magnesium und Vitamin B12 kann ebenfalls eine vorbeugende Wirkung haben.

Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Migräneprophylaxe beitragen:

  • Regelmäßiger Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Triggerfaktor für Migräne. Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen.
  • Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
  • Vermeidung von Triggerfaktoren: Wenn bestimmte Triggerfaktoren bekannt sind, sollten diese möglichst vermieden werden.

Augenmigräne

Die Augenmigräne (ophthalmische oder retinale Migräne) ist eine seltene Form der Migräne, die ein oder beide Augen betrifft. Betroffene haben vorübergehende Sehstörungen, die nicht zusammen mit Kopfschmerzen auftreten müssen.

Symptome der Augenmigräne

Die Symptome der Augenmigräne können vielfältig sein und umfassen:

  • Lichtblitze
  • Flimmern
  • Sehen von gezackten Linien
  • Gesichtsfeldausfälle
  • Vorübergehende Blindheit

Die Symptome treten meist plötzlich auf und dauern in der Regel nur wenige Minuten bis maximal eine Stunde.

Ursachen der Augenmigräne

Die genauen Ursachen der Augenmigräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass eine Durchblutungsstörung im Bereich der Sehrinde oder eine Störung der Nervenfunktion eine Rolle spielt.

Behandlung der Augenmigräne

Die Behandlung der Augenmigräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und weitere Attacken zu verhindern. In akuten Fällen können Ruhe, Dunkelheit und kalte Umschläge helfen. Bei häufigen Attacken können Medikamente zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.

Atlastherapie

Die Atlastherapie ist eine manuelle Behandlungsmethode, die darauf abzielt, Fehlstellungen des Atlaswirbels (des obersten Halswirbels) zu korrigieren. Einige Therapeuten behaupten, dass eine Atlasfehlstellung zu Kopfschmerzen und Migräne führen kann und dass die Korrektur der Fehlstellung die Beschwerden lindern kann.

Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass die Atlastherapie bei Migräne wirksam ist. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt die Atlastherapie nicht zur Behandlung von Migräne.

Selbsthilfemaßnahmen bei Migräne

Neben der ärztlichen Behandlung können Betroffene auch selbst einiges tun, um Migräneattacken vorzubeugen oder die Symptome zu lindern:

  • Führen eines Kopfschmerztagebuchs: Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, Triggerfaktoren zu identifizieren und den Verlauf der Migräne zu dokumentieren.
  • Regelmäßiger Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Triggerfaktor für Migräne. Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen.
  • Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
  • Vermeidung von Triggerfaktoren: Wenn bestimmte Triggerfaktoren bekannt sind, sollten diese möglichst vermieden werden.
  • Entspannungstechniken: Atemtherapie, Autogenes Training oder auch Muskelentspannungstraining nach Jacobson. Wer es exotischer mag, kann auch durch Yoga und Meditation zur Entspannung finden.
  • Unterstützung suchen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann hilfreich sein.

Migräne bei Kindern

Kinder können genauso von Migräne und Kopfschmerzen betroffen sein, wie es bei Erwachsenen der Fall ist. Auslöser sind meist Lärm, schlechte Luft, grelles Licht oder Hitze. Aber auch zu wenig Schlaf, körperliche Überanstrengung wie beim Sport oder in der Schule sowie eine ungünstige Körperhaltung können Kinder anfälliger machen. Weiterhin sind Lebensmittelunverträglichkeiten oder Belastungen mit Stress, Ängsten oder Sorgen ein möglicher Grund für die Migräneattacke.

Positiv ist, dass die Anfälle in den meisten Fällen deutlich milder ablaufen und die Kinder sich schneller erholen als Erwachsene. Es ist ratsam, zunächst auf eine nichtmedikamentöse Behandlung zurückzugreifen. Schaffen Sie eine ruhige und angenehme Umgebung für Ihr Kind, sodass der Körper die Möglichkeit hat, sich selbst zu regulieren. Sollten die Attacken öfter auftreten und eine medikamentöse Behandlung scheint sinnvoll zu sein, sprechen Sie mit dem Kinderarzt oder Kinderärztin. Die gängigen Arzneimittel für Migräne sind in der Dosierung auf einen Erwachsenen ausgerichtet und sollten in keinem Fall einfach von Kindern eingenommen werden. Versuchen Sie den Auslöser bei Ihrem Kind herauszufiltern und diesen zu vermeiden. Außerdem können Sie vorbeugend darauf achten, dass Ihr Kind genügend Schlaf bekommt, es sich an der frischen Luft bewegt und ausreichend trinkt. Weiterhin eignen sich auch viele Entspannungstechniken für Kinder, die Sie prima gemeinsam machen können.

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