Sinnesstörungen, insbesondere des Geschmacks, können vielfältige Ursachen haben. Ein salziger Geschmack im Mund ist ein solches Phänomen, das Betroffene beunruhigen kann. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für einen salzigen Geschmack im Mund, geht speziell auf den Zusammenhang mit Multipler Sklerose (MS) ein und diskutiert allgemeine Aspekte von Geschmacksstörungen.
Grundlagen der Geschmackswahrnehmung
Um die Ursachen für einen veränderten Geschmackssinn zu verstehen, ist es wichtig, die Grundlagen der Geschmackswahrnehmung zu kennen. Geschmackspapillen, die sich hauptsächlich auf der Zungenschleimhaut, aber auch im Rachen, Nasenraum und der oberen Speiseröhre befinden, wandeln Geschmacksauslöser in Nervenzellsignale um. Diese Signale werden über Nervenbotenstoffe an das Gehirn weitergeleitet, wo die Information für eine bestimmte Geschmackswahrnehmung entsteht.
Man unterscheidet zwischen quantitativen und qualitativen Schmeckstörungen. Zu den quantitativen Störungen zählen:
- Hypergeusie: Besondere Empfindlichkeit gegenüber Geschmacksreizen.
- Hypogeusie: Herabsetzung des Geschmacksempfindens (alles schmeckt fade).
- Partielle Ageusie: Nur einzelne Geschmacksqualitäten sind betroffen.
- Totale Ageusie: Kein Geschmack wird mehr wahrgenommen.
Qualitative Schmeckstörungen umfassen:
- Parageusie (Dysgeusie): Veränderte Geschmackswahrnehmung, bei der z. B. süße Speisen plötzlich bitter, sauer oder metallisch schmecken.
- Phantogeusie: Geschmackssensationen treten ohne Reiz auf (halluzinatorische Geschmackswahrnehmung).
Mögliche Ursachen für einen salzigen Geschmack im Mund
Ein salziger Geschmack im Mund kann verschiedene Ursachen haben, die von harmlosen bis hin zu behandlungsbedürftigen Zuständen reichen.
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Dehydration und Elektrolytstörungen
Wenn alles salzig schmeckt, deutet dies auf eine pH-Wert-Verschiebung des Körpers hin, d. h. der Säure-Basen-Haushalt ist nicht in Ordnung. Hier könnte eine Dehydrierung des Körpers vorliegen, ob durch unzureichenden Wasserkonsum oder Flüssigkeitsverlust wie etwa bei starkem Durchfall.
Medikamente und Vitaminmangel
Bestimmte Medikamente können einen salzigen Geschmack verursachen. Auch Vitaminmangel, insbesondere ein Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel, kann sich durch einen salzigen Geschmack bemerkbar machen. Eine Anämie, die besonders im Alter häufiger auftritt, kann sich übrigens mit einem salzigen Geschmack bemerkbar machen.
Erkrankungen
Verschiedene Erkrankungen können ebenfalls einen salzigen Geschmack im Mund verursachen:
- Sjögren-Syndrom: Eine Autoimmunerkrankung, die zu trockenen Augen und trockenem Mund führt.
- Diabetes mellitus: Stoffwechselerkrankung, die unter anderem den Geschmackssinn beeinträchtigen kann.
- Nierenerkrankungen: Können zu Veränderungen im Geschmacksempfinden führen.
- Multiple Sklerose (MS): Eine neurologische Erkrankung, die auch den Geschmackssinn beeinträchtigen kann.
Weitere Ursachen
Weitere mögliche Ursachen sind:
- Mangelnde Mundhygiene: Kann zu Entzündungen im Mundraum führen, die den Geschmack verändern.
- Zahnfleischerkrankungen: Entzündungen des Zahnfleisches können ebenfalls einen salzigen Geschmack verursachen.
- Hormonelle Veränderungen: Insbesondere während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren können hormonelle Schwankungen den Geschmackssinn beeinflussen.
Salziger Geschmack im Mund bei Multipler Sklerose (MS)
Patienten mit Multipler Sklerose (MS) haben ein signifikant schlechteres Geschmacksempfinden als gesunde Vergleichspersonen. Das Ausmaß der Beeinträchtigung korreliert dabei mit der Größe und der Zahl MS-bedingter Läsionen im Gehirn.
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In einer Studie zeigten MS-Patienten bei den vier Geschmacksrichtungen Süß, Sauer, Bitter und Salzig signifikant niedrigere Erkennungswerte. Diejenigen, die so schlecht abschnitten, wiesen im MRT-Bild sowohl größere als auch mehr Läsionen im Gehirn auf als Patienten mit besserer Geschmackserkennung.
Die genauen Mechanismen, wie MS den Geschmackssinn beeinflusst, sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass MS-bedingte Läsionen in den für die Geschmacksverarbeitung zuständigen Hirnarealen eine Rolle spielen. Bei der multiplen Sklerose (MS) ist die Hyposmie mit Beeinträchtigung von Diskrimination und Identifizierung Folge der Neurodegeneration (Lucassen et al. 2016); v. a. bei der primär progredienten MS ist sie häufiger (Schmidt et al. 2017). Beim akuten MS-Schub kommt es zu einer vorübergehenden Änderung der Geruchsschwelle (Bsteh et al. 2018).
Diagnose und Behandlung
Bei anhaltendem oder wiederkehrendem salzigem Geschmack im Mund sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben, um mögliche Ursachen einzugrenzen. Dabei werden Fragen zu Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, Ernährungsgewohnheiten und anderen Symptomen gestellt. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der insbesondere der Mund- und Rachenraum inspiziert werden.
Geschmackstests
Um die Art der Geschmacksstörung zu bestimmen, können Geschmackstests durchgeführt werden. Dabei werden verschiedene Geschmacksrichtungen (süß, sauer, salzig, bitter) in unterschiedlichen Konzentrationen auf die Zunge aufgetragen. Der Patient gibt an, welche Geschmacksrichtung er wahrnimmt und wie intensiv sie ist.
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Weitere Untersuchungen
Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z. B.:
- Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss von Vitaminmangel, Anämie oder anderen Erkrankungen.
- MRT des Gehirns: Bei Verdacht auf MS oder andere neurologische Erkrankungen.
- Speichelflussmessung: Bei Verdacht auf Sjögren-Syndrom.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des salzigen Geschmacks im Mund. Mögliche Behandlungen sind:
- Behandlung der Grunderkrankung: Bei Erkrankungen wie MS, Diabetes oder Sjögren-Syndrom steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.
- Anpassung der Medikamente: Wenn Medikamente die Ursache sind, kann der Arzt möglicherweise die Dosis anpassen oder auf ein anderes Medikament umstellen.
- Vitamin- oder Mineralstoffergänzung: Bei einem Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen können diese durch entsprechende Präparate ergänzt werden.
- Verbesserung der Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen, die Verwendung von Zahnseide und Mundspülungen können helfen, Entzündungen im Mundraum zu reduzieren.
- Speichelanregende Maßnahmen: Bei trockenem Mund können speichelanregende Mittel oder Kaugummis helfen.
Was kann man selbst tun?
Zusätzlich zu den ärztlichen Maßnahmen können Betroffene selbst einiges tun, um den salzigen Geschmack im Mund zu lindern:
- Ausreichend trinken: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um Dehydration zu vermeiden.
- Gute Mundhygiene: Putzen Sie regelmäßig Ihre Zähne und verwenden Sie Zahnseide und Mundspülungen.
- Vermeiden Sie reizende Substanzen: Verzichten Sie auf Alkohol, Nikotin und scharfe Gewürze, die den Mundraum reizen können.
- Kaugummi kauen: Kaugummi kauen kann die Speichelproduktion anregen und so den Mund befeuchten.
- Ernährung anpassen: Vermeiden Sie stark salzhaltige Speisen.