Pille Absetzen und Migräne: Was Sie Wissen Sollten

Viele Frauen entscheiden sich im Laufe ihres Lebens, die Pille abzusetzen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Kinderwunsch, Nebenwirkungen oder der Wunsch, den eigenen Körper und Zyklus wieder natürlich kennenzulernen. Dieser Schritt wirft jedoch Fragen auf, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte, die Sie beim Absetzen der Pille und im Umgang mit Migräne beachten sollten.

Einleitung

Mit der Einführung der Pille in den 1960er Jahren begann eine neue Ära der Selbstbestimmung für Frauen. Heute rückt das Absetzen der Pille immer mehr in den Fokus. Es ist wichtig, diese Entscheidung gut zu überdenken und sich der möglichen Auswirkungen bewusst zu sein.

Der Richtige Zeitpunkt zum Absetzen

Der beste Zeitpunkt, die Mikropille abzusetzen, ist in der Regel nach dem Ende eines Blisters. Es ist ratsam, sich bei dieser Entscheidung von einem Arzt oder einer anderen medizinischen Fachkraft unterstützen zu lassen. Der Körper hat sich an die regelmäßige Zufuhr künstlicher Hormone gewöhnt, und die Umstellung kann herausfordernd sein.

Was passiert im Körper nach dem Absetzen?

Während der Pilleneinnahme erhält der Körper synthetische Hormone, wodurch die eigene Hormonproduktion weitgehend eingestellt wird. Nach dem Absetzen muss der Körper erst wieder lernen, seine Hormone selbst zu produzieren und zu regulieren.

  • Die Hypophyse im Gehirn erkennt den Abfall der Hormonspiegel und kurbelt über FSH und LH die körpereigene Hormonproduktion an.
  • In der ersten Zyklushälfte produziert der Körper FSH zur Follikelreifung und Östrogenbildung.
  • Der LH-Anstieg sorgt für den Eisprung, woraufhin Progesteron gebildet wird.
  • Ohne Befruchtung fallen beide Hormonspiegel wieder ab, und die Menstruation setzt ein.

Auch männliche Hormone (Androgene) spielen eine wichtige Rolle im weiblichen Körper und beeinflussen unter anderem Motivation und sexuelle Lust. Die Pille kann die Schilddrüsenfunktion beeinflussen, da Östrogene die Wirkung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 hemmen können. Nach dem Absetzen kann sich die Schilddrüse erholen und wieder optimal arbeiten.

Lesen Sie auch: Risiko von Schlaganfall durch Pille bei Migräne

Mögliche Begleiterscheinungen

Nach dem Absetzen der Pille können verschiedene Begleiterscheinungen auftreten. Diese sind von Frau zu Frau unterschiedlich stark ausgeprägt.

  • Hautprobleme: Durch das Einpendeln der Hormone können Pickel auftreten, da die Haut in der zweiten Zyklushälfte mehr Talg produziert.
  • Haarausfall: Auch Haarausfall kann eine vorübergehende Begleiterscheinung sein.
  • Stärkere Periodenblutungen und -schmerzen: Da sich die Gebärmutterschleimhaut ohne Pille wieder dicker aufbaut, kann die Menstruation intensiver sein.
  • Zyklusunregelmäßigkeiten: Die Zykluslänge kann variieren und anfangs länger sein (zwischen 30 und 35 Tagen).

Positive Effekte des Absetzens

Das Absetzen der Pille kann auch positive Auswirkungen haben:

  • Verbesserte emotionale Balance: Künstliche Östrogene können die Wirkung des Glückshormons Serotonin beeinträchtigen.
  • Gesteigerte Libido: Viele Frauen erleben eine Zunahme des sexuellen Verlangens.
  • Gewichtsverlust: Wassereinlagerungen, die durch die Pille verursacht wurden, können verschwinden.
  • Besseres Körpergefühl: Viele Frauen möchten ihren eigenen Körper und Eisprung wieder besser kennenlernen.
  • Entlastung der Leber: Die Leber muss die synthetischen Hormone nicht mehr abbauen.

Pille absetzen und Migräne

Migräne tritt bei Frauen dreimal häufiger auf als bei Männern. Oftmals verschlimmern sich die Kopfschmerzen zum Zeitpunkt der Menstruation oder beim Eintritt in die Wechseljahre. Diese Form von Kopfschmerzen wird als Migräne bezeichnet, die zyklusabhängig auftritt. Sie entsteht, wenn der Spiegel des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen im Blut abfällt.

Was hat Östrogen mit Migräne zu tun?

Einige Frauen bemerken, dass die Migräne kurz vor, nach oder während der Menstruation auftritt. Studien belegen, dass ein absinkender Östrogenspiegel Migräneattacken begünstigt. Entscheidend ist aber nicht die absolute Höhe des Hormonspiegels, sondern die Veränderung des Hormonspiegels. Um den Eisprung herum, wenn der Östrogenspiegel höher ist, gibt es oft weniger Attacken als an den restlichen Tagen des Zyklus.

Menstruelle vs. menstruationsassoziierte Migräne

Es wird unterschieden zwischen:

Lesen Sie auch: Pille: Risiken für Frauen

  • Menstrueller Migräne: Attacken treten ausschließlich kurz vor oder nach der Periode auf (5-10 % der Patientinnen mit Migräne).
  • Menstruationsassoziierter Migräne: Attacken treten gehäuft in den Tagen rund um die Menstruation auf, aber auch in anderen Zyklusphasen.

Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, die Art der Migräne zu bestimmen. Neben dem sinkenden Östrogenspiegel können auch weitere Faktoren wie Stress die Entstehung von Migräne beeinflussen.

Migräne durch Pille?

Früher wurde die Pille oft zur Migräneprophylaxe eingesetzt. Mittlerweile raten Ärzte eher von einer hormonellen Therapie durch die orale Gabe von Östrogen oder Hormonpflastern ab, da die Migräne- oder Kopfschmerz-Attacke dadurch nur für ein paar Tage verschoben, aber nicht verhindert wird.

Eine norwegische Studie ergab, dass Frauen, die östrogenhaltige orale Kontrazeptiva (Pille) einnahmen, durchschnittlich 1,4-mal häufiger Migräne-Attacken und 1,2-mal häufiger Spannungskopfschmerzen hatten als diejenigen, die auf eine andere Weise verhüteten. Es wurde kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Höhe der Östrogendosis und der Kopfschmerzhäufigkeit gefunden. Die Anfälligkeit war sowohl bei der normalen Antibabypille als auch bei der Mikropille vorhanden. Für die Mini-Pille, ein reines Gestagen Präparat, wurde kein Zusammenhang mit dem Auftreten von Kopfschmerzen oder Migräne gefunden. Wenn die Kopfschmerzattacken erstmalig bei Anwendung einer Pille aufgetreten sind, sollte das Präparat auf jeden Fall abgesetzt werden.

Migräne mit und ohne Aura

Bei Migräne mit Aura hat die Pille leider keinen positiven Nebeneffekt, denn sie wird selten menstruell assoziiert. Die WHO rät Aura-Patient:innen mit Migräne sowohl von östrogenhaltigen als auch gestagenhaltigen Pillen in jeden Altersstufen ab, weswegen alternative Verhütungsmethoden besonders interessant und wichtig sind. Bei Migräne ohne Aura ist die Verhütung mit Pille oft hilfreich, um weitere Attacken abzuschwächen oder sogar zu verhindern. Dabei ist es wichtig, Dosierung und Einnahmefrequenz zu beachten, denn Migräne ohne Aura wird häufig beim prämenstruellen Abfall des Östrogenspiegels vor der Periode getriggert.

Alternative Verhütungsmethoden bei Migräne

Wenn die Kopfschmerz- oder Migräne-Attacken unabhängig vom Zyklus auftreten, sollten alternative Verhütungsmethoden in Betracht gezogen werden:

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Wadenkrämpfen

  • Kupfer- oder Gold-Spiralen
  • Mechanische Verhütungsmittel (Kondome, Diaphragma)
  • Natürliche Verhütungsmethoden (NFP)
  • Zyklus-Apps oder Hormon- bzw. Temperaturcomputer

Wenn trotz Migräne hormonell verhütet werden soll, ist eine niedrig dosierte Pille, die nur das Hormon Gestagen enthält (z.B. Mini-Pille), besser geeignet als Kombinationspillen mit Östrogen. Diese wird ohne Pause eingenommen, sodass hier auch der Abfall des Hormonspiegels wegfällt.

Nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe

Eine Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, kann Migräneanfällen vorbeugen. Die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea bietet die Gelegenheit, mittels eines Blutzuckersensors die Reaktion des Blutzuckers auf Mahlzeiten und Lebensmittel zu testen und individuelle Ernährungsempfehlungen zu erhalten.

Was tun bei Beschwerden nach dem Absetzen?

  • Hormontest: Ein Hormontest kann ein klares Bild der hormonellen Situation liefern.
  • Ärztliche Beratung: Ein Gespräch mit dem Gynäkologen oder Neurologen kann helfen, die richtige Vorgehensweise zu finden.
  • Kopfschmerztagebuch: Festhalten von Menstruationszeiten und Kopfschmerzen, um die Art der Migräne zu bestimmen.
  • Akupunktur: Einige Frauen haben positive Erfahrungen mit Akupunktur bei Migräne gemacht.
  • Frauenmanteltee: Kann bei Migräne helfen, die am Ende des Zyklus auftritt.

tags: #pille #absetzen #ohne #migrane