Der Traum vom Fliegen ist für viele Menschen ein Lebenstraum. Doch was passiert, wenn eine Erkrankung wie Epilepsie diesen Traum zu zerstören droht? Dieser Artikel beleuchtet die Möglichkeiten und Einschränkungen für Menschen mit Epilepsie, Pilot zu werden oder weiterhin zu fliegen.
Der persönliche Traum und die Realität
Der Wunsch, Pilot zu werden, kann schon in jungen Jahren entstehen. So begann ein junger Mann bereits mit 14 Jahren seine PPL-C-Ausbildung und setzte diese mit 17 Jahren mit dem PPL-A fort. Doch kurz vor dem Abschluss erlitt er mehrere epileptische Anfälle. Seitdem nimmt er Medikamente und ist seit fast einem Jahr anfallsfrei. Nun stellt sich die Frage, wie lange er anfallsfrei sein muss, um wieder in die Fliegerei einsteigen zu können. Und wie sieht es mit den beruflichen Möglichkeiten als Pilot aus?
Medizinische Aspekte der Epilepsie
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Ein epileptischer Anfall entsteht durch eine plötzliche, unkontrollierte Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Die Symptome eines Anfalls können vielfältig sein und reichen von kurzen Bewusstseinsverlusten bis hin zuGeneralisierten tonisch-klonischen Anfällen (Grand mal).
Ursachen und Auslöser
Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig. In vielen Fällen ist die Ursache unbekannt (idiopathische Epilepsie), aber es gibt auch genetische und erworbene Formen. Zu den erworbenen Ursachen gehören beispielsweise Hirnverletzungen, Schlaganfälle, Tumore oder Infektionen des Gehirns. Bestimmte Faktoren können epileptische Anfälle begünstigen, wie z.B. Schlafmangel, unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, Alkoholkonsum oder Stress.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von Epilepsie basiert in erster Linie auf der Anamnese (Krankengeschichte) und den Ergebnissen von neurologischen Untersuchungen, insbesondere dem Elektroenzephalogramm (EEG). Das EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann epilepsietypische Veränderungen aufzeigen. In einigen Fällen ist auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erforderlich, um strukturelle Veränderungen auszuschließen. Die Behandlung von Epilepsie erfolgt in der Regel mit Medikamenten (Antiepileptika), die die Anfallshäufigkeit reduzieren oder die Anfälle vollständig unterdrücken können. In einigen Fällen kann auch eine Operation oder eine spezielle Diät (ketogene Diät) in Betracht gezogen werden.
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Epilepsie ist nicht gleich Epilepsie
Es ist wichtig zu betonen, dass Epilepsie nicht gleich Epilepsie ist. Es gibt verschiedene Formen von Epilepsie mit unterschiedlichen Ursachen, Symptomen und Prognosen. Einige Formen sind gut behandelbar, während andere schwerer zu kontrollieren sind. Auch die Auswirkungen auf die Flugtauglichkeit können je nach Form und Schweregrad der Epilepsie unterschiedlich sein.
Flugtauglichkeit bei Epilepsie: Die rechtliche Lage
Die Frage der Flugtauglichkeit bei Epilepsie ist komplex und wird durch nationale und internationale Vorschriften geregelt. In Europa sind die European Aviation Safety Agency (EASA) und die nationalen Luftfahrtbehörden für die Festlegung der medizinischen Anforderungen an Piloten verantwortlich.
EASA-Bestimmungen
Die EASA-Bestimmungen legen fest, dass eine Epilepsie-Diagnose grundsätzlich ein Ausschlusskriterium für die Flugtauglichkeit ist. Es gibt jedoch Ausnahmen für bestimmte Formen von gutartiger Epilepsie im Kindesalter, wenn der Betroffene seit mehr als zehn Jahren anfallsfrei und ohne Behandlung ist.
Die EASA-Bestimmungen enthalten folgende Passage:
"(1) A diagnosis of epilepsy is disqualifying, unless there is unequivocal evidence of a syndrome of benign childhood epilepsy associated with a very low risk of recurrence, and unless the applicant has been free of recurrence and off treatment for more than 10 years (Das ist bei Dir ja nicht der Fall (erst 2 Jahre), also ein Ausschlusskriterium). One or more convulsive episodes after the age of 5 are disqualifying. An applicant with a condition with a high propensity for cerebral dysfunction should be assessed as unfit. (2) Epileptiform paroxysmal EEG abnormalities and focal slow waves should be disqualifying."
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Nationale Regelungen
Die nationalen Luftfahrtbehörden können die EASA-Bestimmungen ergänzen oder konkretisieren. In Deutschland ist das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) für die Umsetzung der EASA-Bestimmungen und die Erteilung von Flugtauglichkeitszeugnissen zuständig.
Flugtauglichkeitszeugnisse
Für den Erwerb einer Fluglizenz ist ein Flugtauglichkeitszeugnis erforderlich. Dieses wird von einem Fliegerarzt ausgestellt, der die medizinischen Voraussetzungen des Bewerbers prüft. Für die PPL (Private Pilot License) ist ein Flugtauglichkeitszeugnis der Klasse 2 erforderlich, für die LAPL (Light Aircraft Pilot Licence) ein Tauglichkeitszeugnis LAPL. Die Anforderungen an die Flugtauglichkeit sind für die verschiedenen Lizenzarten unterschiedlich.
Epilepsie und die Möglichkeit der Flugausübung
Auch wenn die Diagnose Epilepsie zunächst wie ein Ausschlusskriterium wirkt, gibt es dennoch Möglichkeiten, den Traum vom Fliegen nicht ganz aufgeben zu müssen.
PPL-A und LAPL
Für den Erwerb einer PPL-A oder LAPL ist ein Flugtauglichkeitszeugnis erforderlich. Fluguntauglich machen Erkrankungen, die die Gefahr bergen, dass der Pilot nicht zu jeder Zeit präsent ist und in der Lage, das Flugzeug zu führen. Beispiel: Epilepsie. Aber selbst eine Herzerkrankung, wenn sie positiv behandelt werden konnte, z.B. durch das Setzen von Stents, führt nicht zur Untauglichkeit. Auch eine Fehlsichtigkeit ist mittlerweile unproblematisch, solange ein ausreichendes Sehvermögen mit korrigierender Sehhilfe erreicht wird.
Berufspilot
Die Anforderungen an die Flugtauglichkeit für Berufspiloten sind noch strenger als für Privatpiloten. Die Chancen, trotz Epilepsie Berufspilot zu werden, sind extrem gering, aber nicht Null. Es ist wichtig, sich von einem erfahrenen Fliegerarzt beraten zu lassen und alle Möglichkeiten auszuloten.
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Ultraleichtflugschein
Eine weitere Möglichkeit ist der Erwerb eines Ultraleichtflugscheins. Die medizinischen Anforderungen für Ultraleichtflieger sind in der Regel weniger streng als für Piloten von Motorflugzeugen. Es ist jedoch auch hier erforderlich, sich von einem Fliegerarzt beraten zu lassen und die individuellen Voraussetzungen zu prüfen.
Sicherheitspilot
Eine weitere Option ist die Eintragung eines Sicherheitspiloten in die Fluglizenz. In diesem Fall darf man selber fliegen, benötigt aber einen zweiten Piloten im Cockpit, der in der Lage sein muss jederzeit übernehmen zu können, sollte man selber als Pilot ausfallen.
Was tun? Empfehlungen für Betroffene
Wer trotz Epilepsie den Traum vom Fliegen verwirklichen möchte, sollte folgende Schritte unternehmen:
- Fliegerarzt konsultieren: Ein erfahrener Fliegerarzt kann die individuelle Situation beurteilen und über die medizinischen Voraussetzungen und Möglichkeiten informieren.
- Regelmäßige Untersuchungen: Es ist wichtig, sich regelmäßig neurologisch untersuchen zu lassen und die Anfallsfreiheit zu dokumentieren.
- EASA- und LBA-Bestimmungen prüfen: Die aktuellen Bestimmungen der EASA und des LBA sollten genau geprüft werden, um die rechtlichen Rahmenbedingungen zu kennen.
- Alternativen prüfen: Wenn der Erwerb einer PPL oder ATPL nicht möglich ist, sollten Alternativen wie Ultraleichtfliegen oder die Eintragung eines Sicherheitspiloten in Betracht gezogen werden.
Ambulanzflug als Alternative
Für Menschen mit Epilepsie, die auf Flugreisen angewiesen sind, kann ein Ambulanzflug eine sichere Alternative zu Linienflügen darstellen. In einem Ambulanzflugzeug ist eine medizinische Betreuung durch geschultes Personal gewährleistet, das im Notfall auch medikamentös eingreifen kann.
Vorteile eines Ambulanzfluges
- Medizinische Betreuung: Während des gesamten Fluges ist medizinisches Personal anwesend, das im Notfall sofort eingreifen kann.
- Medikamentöse Versorgung: Im Ambulanzflugzeug sind alle notwendigen Medikamente vorhanden, um einen epileptischen Anfall zu behandeln.
- Individuelle Anpassung: Der Flug kann individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden, z.B. durch Anpassung des Kabinendrucks oder Bereitstellung von speziellem Equipment.
- Schneller Transport: Ein Ambulanzflug kann schnell und flexibel organisiert werden, um den Patienten schnellstmöglich an den gewünschten Zielort zu bringen.
Kosten eines Ambulanzfluges
Die Kosten für einen Ambulanzflug hängen von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Flugstrecke, der medizinischen Ausstattung und der Dringlichkeit des Transports. Es ist ratsam, sich von einem spezialisierten Anbieter ein individuelles Angebot erstellen zu lassen.