Plegie: Medizinische Definitionen, Formen und Ursachen

Eine Plegie, im allgemeinen Sprachgebrauch als Lähmung bekannt, bezeichnet in der Medizin den vollständigen Funktionsausfall von Körperteilen, Organen oder Nerven. Im Gegensatz dazu steht die Parese, eine unvollständige Lähmung oder Schwächung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Plegie, einschließlich ihrer Definition, Klassifizierung, Ursachen und Auswirkungen.

Definition und Abgrenzung

Umgangssprachlich wird unter einer Lähmung die Unfähigkeit verstanden, Körperteile oder den gesamten Körper zu bewegen. In der Medizin jedoch bezeichnet der Fachbegriff Lähmung den Funktionsausfall bzw. die Funktionsminderung von Körperteilen, Organen oder Nerven.

Eine unvollständige Lähmung wird auch Parese genannt, eine vollständige Lähmung Paralyse oder Plegie. Dementsprechend ist eine Hemiparese eine unvollständige Lähmung einer Körperhälfte, eine Hemiplegie eine vollständige Lähmung einer Körperhälfte. Beide Formen werden auch unter dem Begriff der Halbseitenlähmung zusammengefasst. Als Paraplegie bezeichnet man die vollständige Lähmung beider Beine, bei einer Tetraplegie sind alle vier Extremitäten, Arme und Beine, vollständig gelähmt. Beide Formen können bei einer Querschnittlähmung auftreten.

Formen der Querschnittlähmung

Die Querschnittlähmung, oft mit Paraplegie oder Tetraplegie gleichgesetzt, entsteht durch Schädigung des Rückenmarks. Dabei sind Nervenbahnen unterbrochen, die für Bewegung (motorische Nerven) oder Sinneswahrnehmungen (sensible Nerven) zuständig sind. Die Ausprägung hängt von der Höhe und dem Ausmaß der Rückenmarkschädigung ab.

Einteilung nach Lokalisation

Die Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbeln, und das darin liegende Rückenmark ist in neurologische Segmente unterteilt. Aus jedem Segment entspringen links und rechts Spinalnerven, die für Sensibilität und Bewegungsfähigkeit zuständig sind. Die Höhe der Verletzung (Läsion) der Wirbelsäule bzw. des Rückenmarks ist entscheidend für die Schwere der Verletzung und die funktionellen Einschränkungen.

Lesen Sie auch: Individualität im Alter: Wohnkonzepte

  • Paraplegie: Das Rückenmark ist auf Höhe der Brust- oder Lendenwirbelsäule geschädigt. Untere Extremitäten und Teile des Rumpfes sind betroffen.
  • Tetraplegie: Die Verletzung liegt im obersten thorakalen Segment (Th 1) oder höher. Arme, Beine und der Rumpf sind betroffen.

Einteilung nach Schädigungsgrad

Die American Spinal Injury Association (ASIA) verwendet die ASIA Impairment Scale (AIS), um 5 Schädigungsgrade der Querschnittlähmung (A-E) zu unterscheiden. Dabei wird häufig Bezug auf das "neurologische Niveau" genommen.

Ob ein Mensch komplett oder inkomplett gelähmt ist, wird durch Sensibilität und Muskelfunktion am Anus definiert. Spüren Betroffene Berührungen in diesem Körperbereich oder können dort willentlich den Schließmuskel bewegen, gelten sie als inkomplett gelähmt. Dementsprechend gelten Menschen mit einer tiefen Rückenmarksverletzung, die eigenständig gehen, aber weder die Blase noch den Enddarm kontrollieren können und denen jegliche Sensibilität im Anus-Bereich fehlt, als komplett gelähmt. Andererseits gibt es Menschen mit hoher Tetraplegie, die praktisch vollständig auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind, jedoch aus oben genannten Gründen als inkomplett gelähmt gelten.

Schlaffe vs. Spastische Lähmung

Eine weitere Unterscheidung erfolgt zwischen schlaffer und spastischer Lähmung. Ausschlaggebend ist, welche Motoneurone geschädigt sind - die oberen oder die unteren.

  • Obere Motoneurone (UMN): Eine Schädigung des ersten Motoneurons oder dessen Axons führt zu einer spastischen Lähmung, die als Upper Motor Neuron Lesion (UMNL) bezeichnet wird. Dies äußert sich in gesteigerten, ungebremsten Reflexen und erhöhtem Muskeltonus sowie Muskelkrämpfen.
  • Untere Motoneurone (LMN): Eine Schädigung des Rückenmarks in einem oder mehreren Segmenten (und damit der dort liegenden zweiten motorischen Neuronen) führt zu einer schlaffen Lähmung, einer Lower Motor Neuron Lesion (LMNL). Bei einer LMNL ist die Nervenverbindung zwischen Blase bzw. Darm und dem Miktionszentrum unterbrochen oder das Miktionszentrum zerstört.

Die Fachbegriffe LMNL und UMNL begegnen Betroffenen hauptsächlich im Zusammenhang mit neurogenen Blasenfunktionsstörungen.

Ursachen von Plegien

Lähmungen können verschiedene Ursachen haben, darunter:

Lesen Sie auch: Was Sie über Paralyse wissen sollten

  • Unfallbedingt (Traumatisch): Verletzungen der Wirbelsäule durch Unfälle oder Stürze, die Druck auf das Rückenmark ausüben und Nerven schädigen.
  • Krankheitsbedingt: Druck auf das Rückenmark oder direkte Schädigung im Rückenmark, beispielsweise durch Tumore, Entzündungen oder Gefäßerkrankungen.
  • Angeboren: Seltenere Ursache, bei der Fehlbildungen des Nervensystems zu Lähmungen führen.
  • Bandscheibenvorfall: Reißt der zähe Faserknorpel der Bandscheibe. Ihr gallertiger Kern tritt in den Wirbelkanal aus. Drückt der Gallertkern auf einen Rückenmarksnerven, leiden Betroffene unter starken Rückenschmerzen, die teilweise bis in Arme und Beine ausstrahlen.

Inzwischen machen krankheitsbedingte Querschnittlähmungen den größten Anteil aus.

Diagnose und Therapie

Bei Verdacht auf eine Rückenmarksverletzung ist sofort ein Notarzt zu rufen. Dieser wird Symptome und Unfallhergang erfragen. Akutbehandlung und Rehabilitation sollten idealerweise in einem spezialisierten Behandlungszentrum erfolgen.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Parese. Bei einem Schlaganfall versuchen Ärzte beispielsweise, das blockierte Hirngefäß wieder freizubekommen, und bei Infekten erfolgt eine gezielte Antibiotika-Behandlung. Tritt die Parese infolge eines Tumors auf, wird dieser nach Möglichkeit operativ entfernt und/oder eine Chemotherapie verordnet. Wird die unvollständige Lähmung durch eine chronische Krankheit ausgelöst, bieten sich immunmodulierende Medikamente und/oder Physiotherapie an.

Die Therapie kann Physiotherapie, Medikamente oder andere Maßnahmen umfassen. Am Anfang steht jedoch immer die Frage, wodurch die Muskeleinschränkungen ausgelöst wurden. Fachpersonen klären diese Frage in der Regel mit entsprechenden körperlichen Untersuchungen. So überprüfen sie beispielsweise die Bewegungsfähigkeit, Muskelkraft, Reflexe und Gefühlsempfinden.

Leben mit einer Plegie

Lähmungen bringen enorme Auswirkungen mit sich. Das bisher selbstbestimmte Leben ist nur noch teilweise oder nicht mehr möglich. Menschen mit einer Plegie sind meist auf Hilfsmittel wie Rollstühle angewiesen.

Lesen Sie auch: Kopf Bewegungsstörungen verstehen

Unbürokratische Unterstützung bieten in dieser schwierigen Situation Interessensgemeinschaften und Verbände wie zum Beispiel die Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten in Deutschland e.V., die sich für die Bedürfnisse gelähmter Menschen stark machen.

Da Lähmungen oftmals eine dauerhafte Einschränkung darstellen, gelten betroffene Personen in Deutschland als schwerbehindert und haben Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis. Je nach Grad der Berhinderung (GdB) sind damit verschiedene Vergünstigungen und Rechte verbunden.

tags: #plegie #medizinische #ubersetzung #englisch