Neurologische Erkrankungen sind weit verbreitet und können verschiedene Ursachen haben. Die postinfektiöse Neuralgie im Bein ist eine spezifische Form von Nervenschmerzen, die nach einer Infektion auftreten kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten dieser Erkrankung und bietet umfassende Informationen für Betroffene und Interessierte.
Einleitung
Die postinfektiöse Neuralgie ist ein Zustand, der durch anhaltende Nervenschmerzen gekennzeichnet ist, die nach einer Infektion auftreten. Diese Schmerzen können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und eine erhebliche Belastung darstellen. Umso wichtiger ist es, die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankung zu verstehen.
Ursachen der postinfektiösen Neuralgie im Bein
Die postinfektiöse Neuralgie im Bein kann verschiedene Ursachen haben. Eine der häufigsten Ursachen ist die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (VZV), das Windpocken verursacht. Nach einer Windpockeninfektion bleibt das Virus inaktiv in bestimmten Nervenknoten (Ganglien) im Gehirn und Rückenmark. Wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann das Virus reaktiviert werden und sich entlang der Nervenbahnen in die Haut ausbreiten, was zu einer Gürtelrose führt.
Varizella-Zoster-Virus (VZV) und Gürtelrose
Die Gürtelrose ist ein schmerzhafter Hautausschlag, der im Bereich der betroffenen Nervenbahnen auftritt. Bei den meisten Menschen klingt der Hautausschlag nach zwei bis vier Wochen ab, aber bei einigen Betroffenen bleiben die Nervenschmerzen bestehen oder kehren nach dem Abheilen des Hautausschlags zurück. Bestehen die Schmerzen drei Monate nach der Abheilung des Hautausschlags immer noch, sprechen Fachleute von einer Post-Zoster-Neuralgie (PZN).
Andere mögliche Ursachen
Neben dem Varizella-Zoster-Virus können auch andere Infektionen zu einer postinfektiösen Neuralgie im Bein führen. Dazu gehören bakterielle Infektionen wie Borreliose und virale Infektionen wie Herpes Simplex Virus Enzephalitis (HSVE). Auch das Guillain-Barré-Syndrom (GBS), eine akut oder subakut verlaufende Polyradikuloneuritis, die häufig postinfektiös auftritt, kann zu Nervenschmerzen im Bein führen.
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Symptome der postinfektiösen Neuralgie im Bein
Die Symptome der postinfektiösen Neuralgie im Bein können je nach betroffener Nervenregion variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Anhaltende brennende oder bohrende Schmerzen
- Plötzlich einschießende Schmerzen
- Heftige Schmerzen bei Berührung
- Missempfindungen wie Juckreiz oder Taubheitsgefühle
- Schmerzen und Missempfindungen im Bereich der vorangegangenen Gürtelrose
Die Haut an den betroffenen Stellen kann überempfindlich sein, sodass jede Berührung schmerzhaft ist. Menschen mit einer Post-Zoster-Neuralgie haben häufig Probleme, diese Hautregionen zu waschen, sich im Bett zu drehen oder sich zu umarmen.
Risikofaktoren für die Entwicklung einer postinfektiösen Neuralgie im Bein
Das Risiko, an einer postinfektiösen Neuralgie zu erkranken, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören:
- Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Während das Risiko bei den 55- bis 59-Jährigen bei 30 Prozent der Herpes-Zoster-Fälle liegt, bleiben die Schmerzen bei der Hälfte der Betroffenen über 60 Jahren länger bestehen und sogar bei zwei Dritteln der über 70-Jährigen.
- Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
- Betroffene Körperstelle oder Nervenbahn: Das Risiko ist nach einer Gürtelrose im Gesicht und an den Augen sowie am Steißbein erhöht.
- Starke Schmerzen zu Beginn der Gürtelrose: Das Risiko steigt, wenn die Betroffenen bereits zu Beginn der Gürtelrose - teilweise noch vor dem Ausschlag - starke Schmerzen haben.
- Immunsuppression: Patienten mit Erkrankungen des entzündlich-rheumatischen und auch des entzündlich-dermatologischen Formenkreises haben sowohl aufgrund der Grunderkrankung als auch aufgrund der in aller Regel lebensbegleitenden, immunmodulierenden Therapie ein deutlich erhöhtes Risiko für Zosteraktivierungen auch schon im jüngeren Lebensalter.
Diagnose der postinfektiösen Neuralgie im Bein
Um eine postinfektiöse Neuralgie im Bein zu diagnostizieren, ist die Krankengeschichte des Patienten von entscheidender Bedeutung. Der Arzt wird Fragen stellen wie:
- Wie lange dauern die Schmerzen bereits an?
- Hatten Sie vor einigen Wochen oder Monaten an der entsprechenden Stelle bereits einen schmerzhaften Hautausschlag - eine Gürtelrose?
- Wie ist Ihr Impfstatus?
- Wie ist die Intensität der Schmerzen?
Eventuell erhält der Patient einen standardisierten Fragebogen, in dem er die Schmerzen mittels einer Skala einschätzen kann. Anschließend untersucht der Arzt das betroffene Hautareal nach Rötungen, Pusteln oder Narben und prüft, wie berührungsempfindlich die Haut ist.
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In unklaren Fällen kann eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, um die Entzündungswerte und eventuell spezielle Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus zu ermitteln. Wenn noch andere Ursachen für die Nervenschmerzen in Frage kommen, kann eine Überweisung in eine Fachpraxis für Neurologie erfolgen.
Therapie der postinfektiösen Neuralgie im Bein
Bei einer postinfektiösen Neuralgie im Bein zielt die Therapie darauf ab, die Schmerzen zu lindern, Missempfindungen zu unterdrücken und die Lebensqualität zu verbessern. In vielen Fällen werden die Symptome mit der Zeit schwächer. Es kann aber auch zu einem chronischen Verlauf kommen, bei dem die Beschwerden zwar nachlassen, aber immer wieder auftreten.
Die Behandlung richtet sich danach, wie schwer die Symptome sind. Es kann sein, dass der Patient nach ärztlicher Rücksprache mehrere Wirkstoffe und Dosierungen ausprobieren muss, bis er die passende Therapie findet. Dabei gibt es unterschiedliche Wirkstoffe:
- Schmerzpflaster: Wirken gezielt an den betroffenen Stellen.
- Antikonvulsiva: Medikamente gegen Krampfanfälle, die die Nervenzellen weniger erregbar machen und sich seit Jahren in der Schmerztherapie bewährt haben.
- Antidepressiva: Verhindern unter anderem, dass Schmerzsignale im Rückenmark weitergeleitet werden.
- Schmerzmittel: Können einzeln oder mit anderen Therapieverfahren kombiniert werden und die Schmerzen dämpfen.
- Nervenblockaden: Eine neuere Therapieoption für schwer zu behandelnde Schmerzen, bei denen bestimmte Nerven mit lokal angewendeten Betäubungsmitteln oder Steroiden „abgeschaltet“ werden. Diese Therapie führen ausschließlich spezialisierte Schmerzärzte durch.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Hierbei werden mithilfe von Elektroden auf der Haut die Nerven mit Stromimpulsen angesprochen. Wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit dieses Verfahrens fehlen allerdings noch.
Heilbar ist die Post-Zoster-Neuralgie mit keiner der Therapien. Alle Behandlungen lindern jedoch die Schmerzen und verringern so den Leidensdruck.
Prävention der postinfektiösen Neuralgie im Bein
Eine Impfung gegen Windpocken reduziert auch das Risiko, später an Gürtelrose zu erkranken und eine Post-Zoster-Neuralgie zu entwickeln. Impfungen gegen die Windpocken gehören seit dem Jahr 2004 zu den empfohlenen Impfungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Säuglinge und Kleinkinder. Vor einer geplanten Schwangerschaft sollten Frauen, die in ihrem Leben noch keine Windpocken hatten, ebenfalls gegen Windpocken geimpft werden.
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Auch wer schon einmal an Windpocken erkrankt war, kann sich später gegen Gürtelrose impfen lassen, um sein Risiko zu reduzieren. Die STIKO empfiehlt eine Herpes-Zoster-Impfung für Menschen ab 60 Jahren, die nicht gegen Windpocken geimpft sind, sowie für besonders gefährdete Menschen (wie etwa chronisch Kranke) ab 50 Jahren. Die Kosten für diese Impfung übernimmt die Krankenkasse.
Durch den rekombinanten, adjuvantierter Zosterimpfstoff steht eine wirkungsvolle Prophylaxe für diese Patientengruppe bereit. Der Impfstoff wird in 2 Dosen im Abstand von 2-6 Monaten gegeben und schützt über mehrere Jahre vor einer Zosterreaktivierung.
Weitere neurologische Erkrankungen und ihre Bedeutung
Neben der postinfektiösen Neuralgie gibt es eine Vielzahl weiterer neurologischer Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen können. Diese Erkrankungen können vielfältige Ursachen haben, darunter Infektionen, Autoimmunprozesse, genetische Faktoren und degenerative Veränderungen.
Entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS)
Entzündliche Erkrankungen des ZNS spielen eine zunehmende Rolle in der Neurologie. Sie können erregerbedingt durch Bakterien, Pilze, Protozoen und Viren sowie nicht erregerbedingt/autoimmun auftreten. Autoimmunologische Prozesse können am Nervensystem Entzündungen hervorrufen, wenn der Organismus nicht in der Lage ist, bestimmte Strukturen als körpereigene zu erkennen.
Häufige Krankheitsbilder durch erregerbedingte Infektionen des Gehirns sind die Neuborreliose und die Gürtelrose. Im Zusammenhang mit immunsuppressiven und immunmodulatorischen Therapien treten Infektionen des ZNS häufig bei immungeschwächten Patienten auf wie die progressive multifokale Leukenzephalopahtie (PML) bei der Multiplen Sklerose. Eine der häufigsten sporadischen Enzephalitiden Westeuropas ist die Herpes-Simplex-Virus-Enzephalitis (HSVE).
Multiple Sklerose (MS)
Eine der bekanntesten Autoimmunerkrankungen ist die Multiple Sklerose (MS). Die MS ist eine chronisch entzündliche, demyelinisierende Erkrankung mit axonaler Schädigung des zentralen Nervensystems. Der Erkrankungsbeginn liegt meist im jungen Erwachsenenalter. Die Ursache der MS ist unklar, dennoch legt der therapeutische Erfolg von immunsupprimierenden Therapien eine autoimmune Pathogenese nahe.
Häufige Symptome einer MS sind Sehstörungen, Taubheit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Sprechstörungen, Koordinationsschwierigkeiten, Spastik, Blasenstörung, Sexualfunktionsstörung, Sprachstörungen, Schluckstörungen, Doppelbilder. Die MS ist heute aber gut behandelbar und je früher die Diagnose und Therapie begonnen werden, desto besser lässt sich der Verlauf verlangsamen.
Myelitis
Ein weiteres Beispiel einer entzündlichen ZNS-Erkrankung ist die Myelitis. Sie ist eine Entzündung des Rückenmarks. Das Rückenmark kann entweder diffus über den gesamten Querschnitt (Querschnittsmyelitis - Myelitis transversa) oder herdförmig betroffen (disseminierte Myelitis) sein. Die Symptome reichen über Muskelschwäche, Lähmungen, spastische Lähmungen, Gefühlsstörungen, Schmerzen, Depressionen und Erschöpfung bis hin zu Fehlfunktionen von Enddarm und Harnblase.
Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) gehört zu den eher seltenen ZNS-Erkrankungen. Es ist eine akut oder subakut verlaufende, häufig postinfektiös auftretende Polyradikuloneuritis, die innerhalb von Tagen bis Wochen das Erkrankungsmaximum erreicht. Es kommt zu einer multifokalen Demyelinisierung und/oder axonalen Schädigung der peripheren Nerven und der Rückenmarkwurzeln. Sie ist seit dem Rückgang der Poliomyelitis die häufigste Ursache akuter schlaffer Lähmungen in der westlichen Welt.
Krankheiten der peripheren Nerven bei Kindern
Krankheiten der peripheren Nerven treten bei Kindern seltener als bei Erwachsenen auf. Sie können sehr verschiedene Ursachen haben. Akute para- sowie postinfektiöse Neuritiden und hereditäre Polyneuropathien machen jeweils etwa 1/3 der Gesamtzahl der Fälle aus. Klinisch manifestieren sich die peripheren Neuropathien mit Muskelschwäche, Verlust der Muskeleigenreflexe und Muskelatrophie. Sensibilitätsstörungen unterschiedlichen Ausmaßes können hinzutreten, wobei die Funktion der großen sensiblen Fasern (Berührung, Tiefensensibilität) meist mehr betroffen ist als die der kleinen (Schmerz, Temperatur).
Neuralgische Amyotrophie (NA)
Die Neuralgische Amyotrophie (NA) stellt eine monophasische, autoimmun getriggerte Neuritis dar, die typischerweise mit sehr starken Schulter- beziehungsweise Armschmerzen einhergeht, auf die mit Latenz auftretende Paresen folgen. Der entzündliche Prozess betrifft in der Regel nicht den Plexus brachialis selbst, sondern proximale Abschnitte der aus dem Plexus entspringenden Armnerven.
Polyneuropathie
Bei einer Polyneuropathie können verschiedene Symptome auftreten:
- Wahrnehmungsstörungen: Bei Beteiligung von sensiblen Nerven kommt es zu Wahrnehmungsstörungen in Armen und Beinen. Dabei treten kribbelnde, stechende oder elektrisierende Missempfindungen oder ein Hitze- oder Kältegefühl auf. Auch ein Schwellungsgefühl oder Gefühl der Eingeschnürtheit kommt vor.
- Schwächegefühl oder Muskelschwund: Sind motorische Nerven betroffen, können Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen, im Verlauf aber auch Lähmungen, auftreten.
- Schäden an vegetativen Nerven: Hier ist die Steuerung der Organe gestört.
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