Einführung
Die Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich der Neurologie des Kindes- und Jugendalters in Deutschland, Österreich und der Schweiz widmet. Sie ist die zentrale Anlaufstelle für Ärzt:innen, die sich auf die Diagnose, Behandlung und Erforschung neurologischer Erkrankungen bei jungen Menschen spezialisiert haben. Die GNP engagiert sich für die wissenschaftliche Ausbildung, Forschung, Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse, Patientenversorgung sowie die qualifizierte Fort- und Weiterbildung und die kontinuierliche Entwicklung und Aktualisierung diagnostischer und therapeutischer Standards.
Was ist Neuropädiatrie?
Neuropädiatrie, auch bekannt als Kinder- und Jugendneurologie oder pädiatrische Neurologie, befasst sich mit der körperlichen und geistigen Entwicklung sowie den möglichen Störungen und Erkrankungen des Nervensystems von Kindern und Jugendlichen. Das Nervensystem, bestehend aus Gehirn, Rückenmark, Nerven und Muskeln, kann durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt werden, darunter angeborene Veränderungen, Schädigungen während der Schwangerschaft oder Geburt, Erkrankungen unterschiedlicher Ursachen und Art sowie Unfälle. Diese Beeinträchtigungen können die optimale Entwicklung des Kindes gefährden.
Aufgabenbereiche der Neuropädiatrie
Die Neuropädiatrie deckt ein breites Spektrum an Aufgaben ab, von der Beurteilung der Entwicklung bis zur Behandlung seltener Erkrankungen. Zu den hervorgehobenen Gebieten gehören:
- Entwicklungsneurologie: Die Entwicklungsneurologie befasst sich mit der Einschätzung der körperlichen und geistigen Entwicklung von Kindern, sowohl von gesunden als auch von kranken. Ziel ist es, den voraussichtlichen weiteren Verlauf zu beurteilen und ein individuelles Behandlungskonzept zu erstellen, das umfassende Fördermöglichkeiten wie Krankengymnastik, Sprachförderung, Ergotherapie und Pädagogik erschließt.
- Bewegungsstörungen: Neuropädiater entwickeln in Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten individuelle Behandlungskonzepte, die Medikamente und Operationen einschließen können, um schmerzfreie Beweglichkeit zu erreichen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Epileptologie: Die Untersuchung und Behandlung von Krampfanfällen, insbesondere Epilepsien, stellt einen besonderen Schwerpunktbereich dar. Dies umfasst die Beurteilung akuter Krampfanfälle, die Ursachenklärung, die Einschätzung des Risikos einer chronischen Anfallserkrankung sowie die Auswahl und Überwachung geeigneter Medikamente. In manchen Fällen wird auch der Nutzen einer Operation in Erwägung gezogen.
Wer ist ein/e Neuropädiater/in?
Ein Neuropädiater, eine Neuropädiaterin ist ein/e auf die Entwicklung und Erkrankungen des Nervensystems spezialisierte/r Kinder- und Jugendarzt/-ärztin. Neuropädiater/-innen haben nach Medizinstudium und weiterer fachärztlicher Ausbildung in der Kinder- und Jugendmedizin eine mindestens 3jährige spezialisierte Weiterbildung durchlaufen. In dieser Zeit haben sie sich mit den Untersuchungsmethoden und Behandlungsverfahren des Nervensystems vertraut gemacht, fundierte Kenntnisse über die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen erworben sowie spezialisierte Erfahrungen in der Erstellung von Behandlungsplänen gesammelt.
Die Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP)
Die Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP) wurde 1975 gegründet und hat ihren Sitz im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München. Sie ist ein eingetragener Verein (e.V.).
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Ziele und Aufgaben der GNP
Die GNP hat sich zum Ziel gesetzt, die Neuropädiatrie in Forschung, Lehre und Krankenversorgung zu fördern. Zu ihren Hauptaufgaben gehören:
- Förderung der wissenschaftlichen Forschung: Die GNP unterstützt Forschungsprojekte im Bereich der Neuropädiatrie und fördert den Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen.
- Qualitätssicherung und Standardisierung: Die GNP setzt sich für die Entwicklung und Aktualisierung von diagnostischen und therapeutischen Standards ein, um eine hohe Qualität der Patientenversorgung zu gewährleisten.
- Fort- und Weiterbildung: Die GNP bietet ein breites Spektrum an Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen für Neuropädiater und andere Fachkräfte an, um deren Wissen und Fähigkeiten auf dem neuesten Stand zu halten.
- Interessenvertretung: Die GNP vertritt die Interessen der Neuropädiatrie gegenüber Politik, Behörden und anderen Organisationen.
- Vernetzung: Die GNP bietet eine Plattform für den Austausch und die Zusammenarbeit von Neuropädiatern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Mitgliedschaft in der GNP
Die GNP zählt aktuell 1136 Mitglieder (Stand: ). Die Mitgliedschaft steht Ärzt:innen offen, die im Bereich der Neuropädiatrie tätig sind oder sich dafür interessieren. Mitglieder profitieren von zahlreichen Vorteilen, darunter der Zugang zu Fortbildungsveranstaltungen, die Möglichkeit zur Teilnahme an Forschungsprojekten und die Vernetzung mit anderen Expert:innen. Angemeldete GNP-Mitglieder haben über die Webseite der GNP auch Vollzugriff auf das Journal "Neuropediatrics".
Mitgliedschaft in der AWMF
Die GNP ist seit 1978 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Die AWMF ist ein Dachverband, der die Interessen von über 170 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland vertritt. AWMF-Delegierte(r) der Gesellschaft ist aktuell Prof. Dr. Regina Trollmann, Erlangen.
Untersuchungsmethoden in der Neuropädiatrie
In der Neuropädiatrie werden vielfältige Untersuchungsmethoden zur Diagnosestellung und Verlaufskontrolle eingesetzt:
- Laboruntersuchungen von Blut, Liquor (Nervenwasser), Gewebeproben (z.B. Muskel)
- Ultraschall von Gehirn und Muskel
- Klinische Neurophysiologie: Am bekanntesten ist das Elektroencephalogramm (EEG / Schlaf-EEG/Polygraphen), die Aufzeichnung der Hirnstromkurve.
Zusammenarbeit in der Neuropädiatrie
Die enge Zusammenarbeit mit den betreuenden Kinder- und Jugendärztinen und -ärzten steht an erster Stelle, um Erkrankungen möglichst früh diagnostizieren und optimal behandeln zu können. Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen bieten dafür die Basis. Die Neuropädiatrie hat besondere Gemeinsamkeiten und Schnittstellen mit der Sozialpädiatrie insbesondere auf dem Gebiet der Entwicklungsneurologie und in der Versorgung chronisch kranker Patienten. Es ist die vordringliche Aufgabe, für jedes Kind ein Behandlungsteam zusammenzuführen, das sich um die verschiedenen Aspekte der oft komplexen neurologischen Krankheitsbilder kümmert. Die betreuende kinder- und jugendärztliche Praxis wird bei Bedarf Spezialist/-innen nennen können. Neuropädiater und Neuropädiaterinnen sind oft an Kliniken tätig, in Sozialpädiatrischen Zentren, in Reha-Einrichtungen oder Praxen mit neuropädiatrischem Schwerpunkt.
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Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen
Die Neuropädiatrie steht vor einer Reihe von Herausforderungen, die sich aus dem medizinischen Fortschritt und den gesellschaftlichen Veränderungen ergeben. Dazu gehören:
- Zunehmende Komplexität der Krankheitsbilder: Durch den medizinischen Fortschritt können immer mehr genetisch bedingte und andere seltene neurologische Erkrankungen diagnostiziert werden. Dies erfordert eine hohe Expertise und eine enge Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen.
- Personalisierte Therapien: Die rasante Entwicklung der Medizin bringt eine immer stärkere Ausrichtung auf personalisierte und zielgerichtete Therapien mit sich. Dies gilt auch für die Neuropädiatrie, wo zunehmend individualisierte Behandlungsansätze entwickelt werden.
- Ethische Fragen: Die Fortschritte in der Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen werfen auch ethische Fragen auf, beispielsweise im Zusammenhang mit der pränatalen Diagnostik oder der Gentherapie.
- Ressourcenverteilung: Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit neurologischen Erkrankungen ist oft aufwendig und kostenintensiv. Es ist daher wichtig, die Ressourcen so einzusetzen, dass alle Patient:innen eine optimale Versorgung erhalten.
Die 51. Jahrestagung der GNP
Die GNP veranstaltet jährlich eine Jahrestagung, die eine wichtige Plattform für den Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen und die Diskussion aktueller Themen darstellt. Die 51. Jahrestagung bot ein vielseitiges wissenschaftliches Programm mit Schwerpunkten in den Bereichen Epilepsie, moderne Therapieformen, Entwicklungsmedizin und Rehabilitation mit Fokus auf Technik in der Neuropädiatrie. Selbstverständlich kamen auch alle weiteren Themengebiete der Neuropädiatrie nicht zu kurz.
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