Epilepsie ist eine häufige neurologische Erkrankung, die etwa 1 % der Bevölkerung betrifft. Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Wahl des geeigneten Medikaments zur Anfallssuppression ist von großer Bedeutung, da nicht jeder Patient zufriedenstellend auf jeden Wirkstoff anspricht. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass das Medikament, das die Anfälle unterdrückt, gerade zu Beginn der Behandlung gewechselt werden muss.
Die Bedeutung der Lebensqualität bei Epilepsie
Die Lebensqualität ist ein wichtiger Aspekt bei der Behandlung von Epilepsie. Studien haben gezeigt, dass Maßnahmen, die zu einer geringeren Anfallsfrequenz oder Anfallsfreiheit führen oder die soziale Teilhabe von Betroffenen verbessern, zu einer deutlichen Reduktion direkter, indirekter und intangibler Krankheitskosten führen können. Insbesondere die intangiblen Kosten (iCOI), die den durch die Erkrankung bedingten Verlust an Lebensqualität und psychischem Wohlbefinden umfassen, sind von Bedeutung.
Eine Studie, die sich mit den Auswirkungen der Epilepsiechirurgie auf die Lebensqualität und die iCOI befasste, ergab, dass die jährliche Reduktion der iCOI zum Zeitpunkt des Follow-up nach 24 Monaten auf im Mittel -4866 € kalkuliert wurde. Die Unterschiede zwischen anfallsfreien Patienten und Patienten mit anhaltenden Anfällen waren signifikant. Die Studie zeigte auch, dass eine Reduktion der Anzahl der Medikamente zur Anfallssuppression, das Sistieren von unerwünschten Arzneimittelwirkungen, generalisiert tonisch-klonischen sowie fokalen Anfällen und eine rückläufige Depressivität signifikant mit einer Reduktion der iCOI zum Zeitpunkt 24 Monate nach epilepsiechirurgischem Eingriff assoziiert waren.
Pharmakologische Behandlung von Epilepsie
Die Pharmakotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Epilepsie. Bei der Auswahl des Medikaments zur Anfallssuppression ist es wichtig, die individuelle Konstellation des Betroffenen zu berücksichtigen. Im Allgemeinen sollte eine anfallssuppressive Duotherapie bei der ersten Einstellung vermieden werden, da sie der Monotherapie nicht sicher überlegen ist. Im Therapieverlauf kann es jedoch bei vielen Patienten notwendig werden, zwei Medikamente zur Anfallssuppression parallel zu geben, um eine bestmögliche Anfallskontrolle zu erreichen.
Bei älteren Patienten wird Lamotrigin als Mittel der ersten Wahl bei einer neu aufgetretenen fokalen Epilepsie empfohlen, da diese Substanz wenig Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten hat und gut verträglich ist. Wenn die Gabe von Lamotrigin nicht infrage kommt, sollten Gabapentin, Lacosamid oder Levetiracetam eingesetzt werden.
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Nebenwirkungen von Antiepileptika
Nicht tolerierte Nebenwirkungen können die Epilepsie-Behandlung torpedieren. Eine Studie untersuchte das Auftreten spezifischer Nebenwirkungen unter verschiedenen Antiepileptika-Monotherapien. Häufigste Nebenwirkungen waren Schläfrigkeit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Gedächtnisprobleme. Levetiracetam ging mit einer gehäuften Prävalenz von Ärger/Aggression, Nervosität/Agitation, Magenbeschwerden, Depression und Schlafstörungen einher. Unter Lamotrigin waren Nervosität/Agitation, Magenbeschwerden und Konzentrationsstörungen signifikant häufiger. Unter Valproinsäure traten gehäuft Magenbeschwerden und Handtremor auf.
Neue Therapieansätze bei therapieresistenter Epilepsie
Für Patienten, bei denen die Anfälle nicht medikamentös unterdrückt werden können, stehen neue Therapieansätze zur Verfügung. Dazu gehören neurochirurgische Eingriffe und neurostimulatorische Verfahren wie die Vagusnervstimulation (VNS) und die tiefe Hirnstimulation (DBS). Ein neuer Therapieansatz ist die fokale Kortexstimulation (FCS) mit EASEE. Studien haben gezeigt, dass sich die Wirkung dieser Therapie über zwei Jahre nicht nur hält, sondern bei vielen Patienten sogar noch verstärkt. Nach zwei Jahren erreichten 65,4 % der Patienten eine Anfallsreduktion von mindestens 50 %, 42 % lagen über 75 %, und mehr als 30 % der Patienten erzielten eine Reduktion der Anfälle um mehr als 90 %. Die Implantation und die Therapie werden sehr gut vertragen, und es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet.
Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Epilepsie
Es gibt Hinweise darauf, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede bei Epilepsie gibt. Eine Studie, die sich mit Geschlechtsunterschieden bei Epilepsie befasste, ergab, dass idiopathisch generalisierte Epilepsien bei Männern häufiger vorkommen als bei Frauen. Frauen wiesen im Vergleich zu Männern eine signifikant höhere Prävalenz von Angstzuständen und Depressionen auf. Die Lebensqualität war bei Frauen geringer als bei Männern.
Bedeutung von Online-Programmen zur Verbesserung der Lebensqualität
Online-Programme können eine Möglichkeit sein, die Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie zu verbessern. Eine randomisiert, kontrollierte Interventionsstudie untersucht die Wirksamkeit des internetbasierten Selbsthilfe-Programms emyna zur positiven Beeinflussung der Lebensqualität und damit des Krankheitsverlaufs bei erwachsenen Patienten mit Epilepsie. Das Online-Programm wird für 180 Tage zusätzlich zur üblichen Behandlung eingesetzt.
Fazit
Epilepsie ist eine komplexe Erkrankung, die eine individuelle Behandlung erfordert. Die Pharmakotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, aber auch die Lebensqualität der Betroffenen sollte berücksichtigt werden. Neue Therapieansätze wie die fokale Kortexstimulation bieten Hoffnung für Patienten mit therapieresistenter Epilepsie. Online-Programme können eine Möglichkeit sein, die Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie zu verbessern.
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Zusätzliche Informationen
Intangible Krankheitskosten (iCOI)
Intangible Krankheitskosten (iCOI) sind krankheitsbedingte Nutzeneinbußen, die selbst keinen unmittelbaren Ressourcenverbrauch aufweisen. Hierunter fallen z. B. Kosten für die Allgemeinheit, die durch eine verminderte Lebensqualität, z. B. durch Schmerz, Stress und Leid oder eine Einschränkung der individuellen Freiheit und Teilhabe am Sozialleben, wie etwa durch eine kognitive oder körperliche Beeinträchtigung bedingt, entstehen.
QOLIE-31
Der QOLIE-31 (Quality of Life in Epilepsy Patients, 31 items) ist ein Fragebogen zur Messung der Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie. Der Fragebogen umfasst verschiedene Bereiche wie Anfallsbezogene Beeinträchtigungen, Kognition, Energie/Ermüdung, Stimmungslage, Soziale Funktion, Medikamenteneffekte und Allgemeine Lebensqualität.
Engel-Klassifikation
Die Engel-Klassifikation ist ein System zur Beurteilung des Erfolgs eines epilepsiechirurgischen Eingriffs. Die Klassifikation umfasst vier Klassen:
- Klasse I: Anfallsfreiheit
- Klasse II: Seltene Anfälle
- Klasse III: Deutliche Anfallsreduktion
- Klasse IV: Keine wesentliche Verbesserung
Antiepileptika (AED)
Antiepileptika (AED) sind Medikamente zur Behandlung von Epilepsie. Es gibt verschiedene Arten von AED mit unterschiedlichen Wirkmechanismen und Nebenwirkungen. Die Wahl des geeigneten AED hängt von der Art der Epilepsie, dem Alter des Patienten, Begleiterkrankungen und anderen Faktoren ab.
Fokale Kortexstimulation (FCS)
Die fokale Kortexstimulation (FCS) ist ein neurostimulatorisches Verfahren zur Behandlung von therapieresistenter Epilepsie. Bei der FCS wird ein elektrischer Strom auf die Hirnrinde appliziert, um die Anfallsaktivität zu reduzieren.
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EASEE
EASEE ist ein System zur fokalen Kortexstimulation, das von der Firma Precisis GmbH entwickelt wurde. Das System besteht aus einem implantierbaren Stimulator und einer Elektrode, die auf die Hirnrinde platziert wird.
Multivariable, ordinale Regressionsanalyse (MORA)
Die multivariable, ordinale Regressionsanalyse (MORA) ist ein statistisches Verfahren zur Analyse von ordinalen Daten. Die MORA wird verwendet, um den Einfluss verschiedener Faktoren auf ein ordinales Outcome zu untersuchen.
Beck-Depressions-Inventar (BDI)
Das Beck-Depressions-Inventar (BDI) ist ein Fragebogen zur Messung der Schwere einer Depression. Der BDI besteht aus 21 Fragen, die sich auf verschiedene Symptome einer Depression beziehen.
Vagusnervstimulation (VNS)
Die Vagusnervstimulation (VNS) ist ein neurostimulatorisches Verfahren zur Behandlung von Epilepsie. Bei der VNS wird ein elektrischer Strom auf den Vagusnerv appliziert, um die Anfallsaktivität zu reduzieren.
Tiefe Hirnstimulation (DBS)
Die tiefe Hirnstimulation (DBS) ist ein neurochirurgisches Verfahren zur Behandlung von Epilepsie. Bei der DBS werden Elektroden in bestimmte Hirngebiete implantiert, um die Anfallsaktivität zu reduzieren.
Liverpool Adverse Event Profile (LAEP)
Das Liverpool Adverse Event Profile (LAEP) ist ein Fragebogen zur Erfassung von Nebenwirkungen von Antiepileptika. Der Fragebogen umfasst 19 spezifische unerwünschte Ereignisse.
Patient Health Questionnaire for Depression (PHQ-D)
Der Patient Health Questionnaire for Depression (PHQ-D) ist ein Fragebogen zur Diagnose einer Depression. Der PHQ-D besteht aus neun Fragen, die sich auf verschiedene Symptome einer Depression beziehen.
Quality of Life Inventory 31 (QOLIE-31)
Das Quality of Life Inventory 31 (QOLIE-31) ist ein Fragebogen zur Messung der Lebensqualität von Menschen mit Epilepsie. Der Fragebogen umfasst 31 Fragen, die sich auf verschiedene Aspekte der Lebensqualität beziehen.
EpiTrack
EpiTrack ist ein Instrument zur Erfassung von Anfallshäufigkeit und anderen klinischen Parametern bei Epilepsie.
NDDI-E
NDDI-E ist ein Fragebogen zur Erfassung von Depressionen bei Menschen mit Epilepsie.
QOLIE-31-P
QOLIE-31-P ist eine Version des QOLIE-31-Fragebogens, die speziell für die Verwendung bei Kindern und Jugendlichen mit Epilepsie entwickelt wurde.
GAIA AG
GAIA AG ist ein Unternehmen, das internetbasierte Selbsthilfe-Programme für Menschen mit chronischen Erkrankungen entwickelt.
emyna
emyna ist ein internetbasiertes Selbsthilfe-Programm für Menschen mit Epilepsie, das von der GAIA AG entwickelt wurde.
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ist ein Ministerium der Bundesrepublik Deutschland, das für Bildung und Forschung zuständig ist.
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