Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) und die Polyneuropathie (PNP) sind zwei unterschiedliche neurologische Erkrankungen, die jedoch ähnliche Symptome aufweisen können, was eine Differentialdiagnose erforderlich macht. Die Komorbidität beider Erkrankungen ist hoch, was bedeutet, dass viele Patienten gleichzeitig an beiden Leiden erkranken. Dies führt oft dazu, dass ein gleichzeitig bestehendes RLS bei Patienten mit PNP übersehen wird.
Symptome und Beschwerden
Die Symptome des Restless-Legs-Syndroms (RLS) und der Neuropathie ähneln sich teilweise stark.
Restless-Legs-Syndrom (RLS)
Menschen mit dieser Erkrankung leiden an Episoden mit einem quälenden, unwiderstehlichen Drang, die Unterschenkel zu bewegen. Dies ist begleitet von Missempfindungen in den Beinen und lässt sich durch Bewegung bessern. Die Beschwerden treten nur in Ruhe auf und bessern sich durch Bewegung. Abends oder nachts sind die Symptome am stärksten.
Bei den Betroffenen tritt in Ruhe- und Entspannungsphasen ein Ziehen, Jucken, Reißen oder Kribbeln in Beinen und Armen auf und zwar vor allem - aber nicht nur - abends und nachts, da das Syndrom an den Tag-Nacht-Rhythmus gebunden ist. Der Bewegungsdrang ist so stark, dass man aufstehen und umhergehen muss. Dadurch werden die Beschwerden erst einmal besser. Tagsüber treten in der Regel kaum Beschwerden auf, solange man sich aktiv bewegt. Aufgrund der Beschwerden fällt das Einschlafen schwer, unwillkürliche Zuckungen in den Beinen können den Schlaf wiederholt unterbrechen. Am nächsten Tag fühlen sich die Betroffenen oft müde und erschöpft. Kommt es in Ruhephasen auch tagsüber zu den Symptomen, kann dies die Betroffenen in ihren beruflichen und sozialen Aktivitäten (zum Beispiel Konzertbesuche, Kino, Theater) beeinträchtigen.
Polyneuropathie (PNP)
Polyneuropathie verläuft schleichend und quälend. Vor allem ältere Menschen leiden an Symptomen wie Missempfindungen an Füßen, Beinen und Händen, Gefühlsverlust und Schmerzen. Hinzu kommen Schwäche und motorische Störungen beim Gehen.
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Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Kribbeln in den Beinen - Missempfindungen wie diese sind bei der Nervenschädigung Polyneuropathie als auch bei „unruhigen Beinen“ (Restless-Legs-Syndrom, RLS) typisch. Sie sind daher oft nicht einfach zu unterscheiden.
"Es gibt jedoch einen typischen Unterschied zwischen Polyneuropathie und RLS. Viele, die an einer Polyneuropathie leiden, empfinden Wärme an den Beinen als unangenehm. Die Schmerzen sind bewegungs- und lageunabhängig.
Ursachen
Noch hat man nicht im Detail verstanden, was hinter dem Restless Legs Syndrom steckt. Klar ist allerdings, dass bei der Krankheit die Funktion des Nervenbotenstoffs Dopamin gestört ist.
Die Ursachen sind noch nicht hinreichend geklärt. Es handelt sich um eine Erkrankung, die von mehreren Einflüssen abhängig ist. Man geht davon aus, dass das Restless-Legs-Syndrom (RLS) durch Interaktionen zwischen genetischen und sozioökonomischen Faktoren, Umweltfaktoren sowie anderen Erkrankungen entsteht. Diskutiert werden verschiedene Störungen von Stoffwechselvorgängen, z. B. Eisen, dem Hormon Dopamin oder dem körpereigenen Opioidsystem. Auch eine Sauerstoff-Minderversorgung von Gewebe wird als mögliche Ursache vermutet.
In einigen Fällen haben die Betroffenen eine genetische Veranlagung für die Krankheit. Häufig ist sie aber auch Folge einer Grunderkrankung und entsteht etwa durch eine stark reduzierte Nierenfunktion, eine Rheumatoide Arthritis oder eine Multiple Sklerose. Weitere Ursachen können Parkinson oder Nervenreizungen, beispielsweise durch einen verengten Rückenmarkskanal, sein. Sehr häufig führt auch ein Eisenmangel zu RLS. Ebenso können vorübergehende Faktoren die RLS begünstigen: "Beispielsweise eine Schwangerschaft, nach deren Ende die RLS aber häufig direkt zurückgeht", sagt Jörn-Peter Sieb.
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Sehr wahrscheinlich besteht ein Zusammenhang mit Eisenmangel, Nierenschwäche, Schwangerschaft (v. a. im 3. Trimenon) und Polyneuropathie.
Weitere Erkrankungen und Faktoren, die mit einem RLS in Verbindung gebracht werden:
- Diabetes
- Schlafapnoe-Syndrom
- Vitamin-Mangel (Vitamin B12/Folsäure)
- Rheuma
- Zöliakie
- chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
- Bluthochdruck, kardiovaskuläre Erkrankungen
- Migräne
- Parkinson-Syndrom
- Multiple Sklerose
- Depression und Angsterkrankungen
- Rauchen, Alkohol, Koffein
- Übergewicht
- Regionalanästhesie
Auch bestimmte Medikamente können ein RLS auslösen oder verschlimmern, z. B. Antidepressiva sowie einige Medikamente gegen andere psychische Erkrankungen (Neuroleptika), Antiepileptika, Koffein und verschiedene andere Wirkstoffe.
Diagnostik
Der Arzt diagnostiziert die Krankheit vor allem anhand der Beschwerden. Allerdings existieren auch eine Reihe weiterer Erkrankungen wie die Polyneuropathie und arterielle oder venöse Durchblutungsstörungen, die RLS-ähnliche Symptome verursachen können.
Die Diagnose wird auf Grundlage der von den Betroffenen beschriebenen typischen Symptome gestellt. Die Betroffenen werden gründlich körperlich untersucht, um evtl. Hinweise auf eine zugrunde liegende Krankheit zu finden, wie z. B. die Nervenerkrankung Polyneuropathie.
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Liegt ein RLS nahe, so gibt es aber keine zusätzlichen Untersuchungen, durch die sich die Diagnose bestätigen oder widerlegen lässt. Allerdings gibt es Diagnosekriterien:
Diagnosekriterien laut Leitlinie
- Drang, die Beine zu bewegen, meist begleitet oder ausgelöst durch Missempfindungen oder ein Unruhegefühl der Beine
- Verschlechterung in Ruhe/Inaktivität wie Sitzen oder Liegen
- Besserung durch Bewegungen wie Laufen oder Strecken, mindestens für die Dauer der Aktivität
- Auftreten/Verschlechterung nur abends/nachts
- Keine andere Grunderkrankung als alleinige Erklärung für die Beschwerden
Unterstützende Kriterien
- Periodische Beinbewegungen im Schlaf (PLMS)
- Ansprechen auf Medikamente, die Dopamin enthalten („dopaminerg“).
- Relativ geringe Tagesschläfrigkeit im Verhältnis zur verkürzten Schlafzeit
- Positive Familienanamnese
Andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen
- Polyneuropathie
- Nächtliche Wadenkrämpfe
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
- Venenschwäche (chronisch-venöse Insuffizienz)
- Orthopädisch-neurologische Erkrankungen
- Fibromyalgie
- Medikamentenbedingte Bewegungsstörung
Weitere Untersuchungen
Der Eisengehalt im Blut sollte bestimmt werden, da RLS oft mit einem Eisenmangel einhergeht. Weitere Blutuntersuchungen dienen dem Ausschluss anderer Erkrankungen.
Zur genaueren Beurteilung der Schlafqualität können Untersuchungen im Schlaflabor sinnvoll sein, in denen auch das Auftreten von periodischen Beinbewegungen aufgezeichnet werden kann.
Stufendiagnostik
Bei der Stufendiagnostik folgt der Untersuchungsgang dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Seit jeher gilt für diagnostische Maßnahmen das Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Es soll nicht bei jedem Patienten immer alles untersucht werden. Üblicherweise orientiert sich der Arzt am Schema der sogenannten Stufendiagnostik: Am Anfang steht die Anamnese und vielleicht eine orientierende körperliche Untersuchung. Dadurch gewinnt der Arzt einen ersten Eindruck vom Patienten und den gesundheitlichen Problemen, die ihn in die Sprechstunde geführt haben. Was jetzt zunächst folgt, ist die Basisdiagnostik bei Polyneuropathie (PNP) oder Restless-Legs-Syndrom (RLS). Sie soll nur so weit in die Tiefe getrieben werden, wie es in Abwägung aller Umstände sinnvoll erscheint. Gegeneinander abzuwägen sind Aufwand, Patientenbelastung und Risiko der Untersuchung gegen ihren praktischen Nutzen. Dieser bemisst sich an der Beantwortung von vier Fragen (s. Übersicht):
- Kann man der Krankheit einen Namen geben?
- Lässt sich eine passende Therapie finden?
- Welche Prognose kann man stellen, d. h. mit welchem Verlauf seiner Erkrankung muss der Patient rechnen?
- Können möglicherweise gefährliche Krankheiten oder Belastungsfaktoren ausgeschlossen werden?
Soll die Diagnostik um jeden Preis die Ursache der PNP aufdecken? Nicht selten sind der Patient oder sein Arzt der Meinung, es müsse unbedingt eine Ursache gefunden werden, damit die Krankheit behandelt werden kann. Auch hier gilt es, Augenmaß zu bewahren. Ohnehin kann bei vielen Patienten keine Ursache ihrer PNP gefunden werden. Und selbst wenn man sie findet, sind die Möglichkeiten der Therapie überschaubar. Die Diagnostik sollte deshalb auch bezüglich der Ursachenfrage die Grundsätze der Stufendiagnostik beachten.
Für die rein symptomatische Schmerzbehandlung ist die Ursachenfrage nicht relevant.
Basisdiagnose bei PNP und RLS - Untersuchungsgang
- Anamnese
- Körperliche Untersuchung
- Laboruntersuchungen
- Apparative Untersuchungen: Neurographie, Myographie
Anamnese
Die Diagnose beginnt mit der Patientenbefragung, der Anamnese. 90% aller Informationen, die man für eine Diagnosestellung benötigt, stammen aus der Anamnese. Die meisten Informationen zur Gewinnung einer Diagnose entnimmt der Arzt dem Anamnesegespräch.
Themen des Anamnesegespräches:
- Eine genaue Schilderung der Beschwerden; Klärung der Frage nach dem Wie und Wo und Wann
- Wodurch die Krankheit möglicherweise ausgelöst oder verschlimmert wird (psychische Belastung, Nahrungsmittel, Wetter, Tageszeiten, Infekte)
- Was lindert die Beschwerden (Bewegung oder Ruhe; Wärmen oder Kühlen)
- Wann alles angefangen und wie es sich über Wochen, Monate, Jahre entwickelt hat
- Wo und wieweit das Alltagsleben behindert ist durch die Erkrankung (Mobilität, Schlaf, Alltagsverrichtungen)
- Ob bisher schon andere Ärzte oder Heilpraktiker konsultiert wurden
- Frühere und gegenwärtige Erkrankungen
- Erkrankungen (insbesondere solche des neurologischen Fachgebietes) der Eltern, Geschwister, Verwandten
- Früher oder gegenwärtig eingenommene Arzneimittel
- Chemische Substanzen, denen Sie in Beruf oder Freizeit ausgesetzt waren oder sind
- Alltagsgewohnheiten, Ernährung, Genussmittel, Schlafen, Schwitzen, Ausscheidung usw. (die sogenannte vegetative Anamnese), bei jungen Frauen auch noch Besonderheiten im Verlauf des weiblichen Zyklus
Die Diagnose des RLS beruht in den allermeisten Fällen allein auf einer präzisen Beschwerdeschilderung des Patienten.
Körperliche Untersuchung
Nach der allgemein-körperlichen Untersuchung folgt der neurologische Untersuchungsgang, u. a. mit der Stimmgabel, Geräten zur Sensibilitätsprüfung und dem Reflexhämmerchen.
Die körperliche Untersuchung beim Neurologen:
- Inaugenscheinnahme des Körpers (z. B. Muskelschwund, Fehlstellungen, Hautveränderungen)
- Prüfung der Reflexe mit dem Reflexhämmerchen (z. B. Patellarsehne unter der Kniescheibe, Achillessehne zwischen Ferse und Wadenmuskel, Bizepssehne in der Ellenbeuge)
- Prüfung der Sensibilität - getestet wird die Fähigkeit, spitze, stumpfe, kalte und warme Reize auf der Haut zu empfinden
- Prüfung von Beweglichkeit und Kraft der Muskulatur (z. B. Fußheber)
- Testung der Tiefensensibilität mit der Stimmgabel
- Untersuchungen zu Bewegungskoordination, Gleichgewicht
Laboruntersuchungen
Das Basisprogramm bei unkomplizierter PNP umfasst Blutbild, Leber- und Nierenwerte, Eisen- und Ferritinspiegel, Entzündungsparameter, Blutzucker und weitere Stoffwechselwerte, Vitamin-B12-Spiegel und einen Test auf Paraproteine. Bei Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung kommen verschiedene Autoantikörpertests hinzu, ferner Laborwerte zum Ausschluss einer muskulären Erkrankung, vor allem, wenn Lähmungen im Vordergrund der Erkrankung stehen.
Apparative Untersuchungen: Neurographie, Myographie
Nerven leiten elektrischen Strom in Form von Spannungspulsen. Auch die Erregung eines Muskels ist mit einer messbaren elektrischen Aktivität verbunden. Die Fähigkeit zur Erzeugung und Weiterleitung von Spannungspulsen ist beim geschädigten Nerv beeinträchtigt. Neurographie und Myographie (»neuro … « = Nerv, »myo … « = Muskel, » … graphie« = Schreiben) sind Verfahren, um die nach Beschwerdebild und Untersuchung vermutete Nervenstörung messtechnisch genauer zu charakterisieren. Die Neuromyographie ist eine anspruchsvolle apparative Untersuchungsmethode, die der Neurologe in der Regel einem gut eingearbeiteten Team von Mitarbeitern überlässt. Die Neuromyographie ist eine anspruchsvolle apparative Untersuchungsmethode.
Untersucht werden verschiedene Nervenbahnen in Armen und Beinen. Dabei werden Nadel- oder Klebeelektroden über dem zu untersuchenden Nerv oder einem Muskel angebracht. Weil die körpereigenen Ströme zu schwach sind für genaue Messungen, wird der Nerv über Reizelektroden durch einen Spannungsstoß elektrisch stimuliert. Messelektroden, die in einem definierten Abstand zu den Reizelektroden über dem gleichen Nerv angebracht sind, registrieren die ankommenden Spannungssignale.
Die Neurographie kann durch das Einstechen der Elektroden und die leichten Stromstöße durchaus mit unangenehmen und schmerzhaften Empfindungen verbunden sein. Manche Patienten fragen uns deshalb, ob denn eine solche Untersuchung notwendig sei. Unsere Antwort: Wenn sich für einen erfahrenen Neurologen aus Beschwerdeschilderung und der körperlichen Untersuchung eine klare Diagnose ergibt, wenn zudem ein gefährlicher Verlauf und eine behandlungswürdige Grunderkrankung ausgeschlossen sind, kann die Frage nach den therapeutischen Konsequenzen einer Neurographie das Gespräch zwischen Arzt und Patient durchaus beleben. Neuromyographie ist sinnvoll zur Sicherung der Diagnose.
Der Patient möge aber zweierlei bedenken: Wir heutigen Menschen, Ärzte und Patienten, haben ein merkwürdiges Bedürfnis, das, was nach Beschwerdeschilderung und körperlicher Untersuchung klar zu Tage liegt, durch einen »objektiven Befund«, einen Messwert, bestätigt zu sehen. Überdies sind die Gebührenordnungen der Ärzte so beschaffen, dass die Zuwendung, das Gespräch mit den Patienten unzureichend honoriert wird.
Therapie
Ziel der Behandlung ist es, die Symptome zu lindern. Aktuell existiert keine Behandlung, die zu einer vollständigen Heilung führt. Ob eine Behandlung erforderlich ist, hängt davon ab, wie sehr die Betroffenen durch die Beschwerden beeinträchtigt sind. Es ist wichtig, festzustellen, ob andere Ursachen (wie z. B. Eisenmangel) vorliegen, und diese ggf. zu behandeln. Medikamente, die die Beschwerden verursachen können, sollten möglichst abgesetzt werden - allerdings nur in Absprache mit den behandelnden Ärzt*innen!
Medikamentöse Therapie
Bei einem Eisenmangel wird die Einnahme von Eisenpräparaten empfohlen. Dies kann zu einer Linderung der Symptome führen. Es gibt wirksame Medikamente gegen die Erkrankung, sog. dopaminerge Mittel, die auch bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit zum Einsatz kommen. Die beiden Erkrankungen haben jedoch grundsätzlich nichts miteinander zu tun. Dopaminerge Mittel führen bei vielen Patientinnen zu einer Linderung der Symptome. Sie sind jedoch nicht frei von Nebenwirkungen; die Beschwerden können sich bei manchen Patientinnen sogar verstärken. Deshalb sollte gemeinsam mit den behandelnden Ärzt*innen kritisch geprüft werden, ob eine medikamentöse Behandlung erforderlich ist.
Als Alternative zu den verschiedenen dopaminergen Mitteln können Patient*innen Wirkstoffe einnehmen, die auch gegen Krampfanfälle eingesetzt werden. Schmerzmittel auf der Basis von Opioiden sind ebenfalls eine mögliche Option.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
- Sorgen Sie für einen ausreichenden, regelmäßigen Schlaf. Sie können sich z. B. bestimmte Rituale aneignen, um besser einschlafen zu können (siehe auch Tipps für einen besseren Schlaf).
- Regelmäßiger Tagesablauf
- Körperliche Aktivität
- Dehnübungen
- Massagen
- Heiße oder kalte Bäder
- Vermeiden Sie Alkohol, Koffein und Nikotin.
Schwangerschaft
Tritt RLS während einer Schwangerschaft auf, sollten Sie Allgemeinmaßnahmen (s. u.) anwenden.
Bei Eisenmangel sollten Eisenpräparate eingenommen werden.
Bei starken Beschwerden können nach Rücksprache mit den behandelnden Gynäkolog*innen ggf. Medikamente verordnet werden.
Nach der Geburt bessern sich meist auch die Symptome (bei 70 % innerhalb der ersten Monate nach der Entbindung).
Weitere Therapieansätze
- Physiotherapie: Physiotherapie unterstützt durch gezieltes Ausdauer- und Koordinationstraining die Durchblutung, Muskelkraft und die Nervengesundheit.
- Ernährung: Eine ausgewogene, entzündungshemmende Ernährung ohne Zucker und Weißmehlprodukte kann die Symptome deutlich verbessern.
- Kühlende Gele: Das kühlende Gel von „Kalter Bruder“ ist ein wichtiger Baustein zur Linderung der Symptome bei Restless Legs und Polyneuropathie.
Komorbidität und Substantia Nigra Hypoechogenität
Die Hirnforscher verglichen den differentialdiagnostischen Stellenwert der Hypoechogenität der Substantia nigra (SN) mittels TCS bei 75 Patienten mit idiopathischem RLS ohne Neuropathie-Zeichen und bei 75 Polyneuropathie-Patienten. 65 gesunde Kontrollpersonen dienten dem Vergleich. Die der anatomischen Lage der S. nigra enstprechende Hirnstammregion wurde planimetrisch evaluiert.
41,2% der PNP-Patienten litten zusätzlich an einem RLS. Bei 6,8% der Teilnehmer gelang die TCS nicht. Eine SN-Hypoechogenität lag bei 44,1% der PNP-Patienten vor, bei 10% der gesunden Kontrollen und bei 91,2% der Patienten mit idiopathischem RLS.
Der Anteil an Personen mit Hypoechogenität war trotz des groß erscheinenden Unterschieds von 60,8 vs. 32,5% bei PNP-Patienten mit und ohne komorbidem RLS nach Bonferroni-Korrektur nicht signifikant. Insbesondere die Fläche der Hypoechogenität (0,24 vs. 0,25 cm²) unterschied sich nicht signifikant. ?! Bei fast der Hälfte aller Polyneuropathie-Patienten liegt eine Hypoechogenität der Substantia nigra vor. Auch wenn die hohe Odds Ratio von 4,2 für das Vorliegen eines RLS bei PNP-Patienten mit hypoechogener S.
Verlauf
Es gibt große Unterschiede im Verlauf. Das Restless-Legs-Syndrom ist meist eine chronische lebenslange Erkrankung. Zu Beginn der Erkrankung sind wochen- bis monatelange weitgehend symptomfreie Phasen möglich. Die Beschwerden verschlimmern sich häufig mit dem Alter.
Häufigkeit
Unter dem Restless-Legs-Syndrom (RLS) leiden schätzungsweise zwei bis acht Prozent der Deutschen. Nach aktuellen Studien wird das Restless-Legs-Syndrom bei 76 Prozent der Betroffenen nicht rechtzeitig erkannt. Das Syndrom tritt meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf. Es dauert aber meist rund zehn Jahre stillen Leidens, bis Patienten einen Arzt aufsuchen. Die Unruhe-Symptome und der unstillbare Bewegungsdrang sind zwischen 18 Uhr abends und 4 Uhr morgens am stärksten ausgeprägt. Taube Füße, schmerzende und unruhige Beine, die Krankheit Polyneuropathie und das Restless Legs Syndrom gehören zu den Volkskrankheiten. Immerhin fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung leidet unter polyneuropathischen Schmerzen, etwa jeder zehnte unter unruhigen Beinen.
Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, auch Kinder können betroffen sein (1 %). Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens erhöht sich aber mit dem Alter.
Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb seines Lebens ein Restless-Legs-Syndrom zu entwickeln, liegt bei etwa 5-10 %.
Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Bei Frauen steigt das Risiko mit der Anzahl der Geburten.
Fälle, die vor dem 45. Lebensjahr auftreten, weisen oft eine familiäre Häufung auf. Unter Verwandten ersten Grades kommt das Restless-Legs-Syndrom 3- bis 4-mal häufiger als in der Normalbevölkerung vor.
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