Rattenbiss: Finger, Nerven und mögliche Komplikationen

Ein Rattenbiss kann, obwohl oft als geringfügig abgetan, ernsthafte Folgen haben, insbesondere wenn Nerven oder andere tieferliegende Strukturen betroffen sind. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Risiken eines Rattenbisses, insbesondere im Hinblick auf Finger und Nerven, und gibt einen Überblick über die notwendigen Schritte zur Behandlung und Vorbeugung von Komplikationen.

Einführung

Ratten sind anpassungsfähige und intelligente Nagetiere, die in der Nähe von Menschen häufig gute Nahrungsquellen und günstige Bedingungen für den Nestbau finden. Obwohl sie in der Wissenschaft wertvolle Helfer sind, können wildlebende Ratten in menschlicher Umgebung unerwünscht sein, da sie Krankheiten übertragen und Schäden anrichten können. Ein Biss ist eine direkte Folge der Interaktion zwischen Mensch und Tier und birgt spezifische Risiken.

Symptome und Anzeichen eines Rattenbisses

Ein Rattenbiss kann verschiedene Symptome verursachen, abhängig von der Tiefe und dem Ort des Bisses. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schmerzen: Unmittelbar nach dem Biss treten Schmerzen an der Bissstelle auf.
  • Blutung: Die Wunde blutet, wobei die Stärke der Blutung von der Tiefe des Bisses abhängt.
  • Schwellung: Der Bereich um den Biss kann anschwellen.
  • Rötung: Die Haut um die Bissstelle kann sich röten.
  • Entzündung: Es kann zu einer Entzündung der Bissstelle kommen, die sich durch Wärme, Schwellung und Schmerzen äußert.
  • Funktionsbeeinträchtigung: Wenn Nerven, Muskeln oder Gelenke betroffen sind, kann es zu einer eingeschränkten Beweglichkeit des Fingers kommen.
  • Rattenbiss-Nekrosen: In schweren Fällen kann es, insbesondere an den Fingerspitzen, zu Geschwüren und Entzündungen kommen, die als "Rattenbiss-Nekrosen" bezeichnet werden.

Gefahren und Komplikationen eines Rattenbisses

Obwohl Rattenbisse oft als oberflächlich angesehen werden, können sie zu ernsthaften Komplikationen führen:

  • Infektionen: Ratten tragen eine Vielzahl von Bakterien in ihrem Maul, die durch einen Biss in die Wunde gelangen und Infektionen verursachen können. Zu den häufigsten Erregern gehören Streptococcus anginosus und Eikenella corrodens.
  • Tetanus: Tetanus ist eine schwere bakterielle Infektion, die durch Wunden, einschließlich Tierbisse, übertragen werden kann.
  • Tollwut: Obwohl Deutschland seit 2008 als tollwutfrei gilt, besteht weiterhin ein geringes Risiko durch importierte Tiere.
  • Rattenbisskrankheit: Diese Krankheit wird durch Bakterien der Gattung Streptobacillus oder Spirillum verursacht und kann Fieber, Hautausschlag und Gelenkschmerzen verursachen.
  • Nervenverletzungen: Wenn der Biss tief genug ist, können Nerven beschädigt werden, was zu Taubheit, Kribbeln oder Schmerzen führen kann.
  • Sehnen- und Gelenkverletzungen: Insbesondere an der Hand können Rattenbisse Sehnen und Gelenke verletzen, was zu Bewegungseinschränkungen führen kann.
  • Blutvergiftung (Sepsis): In seltenen Fällen kann eine unbehandelte Infektion zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung führen.

Diagnose

Die Diagnose eines Rattenbisses basiert in erster Linie auf der Anamnese und der körperlichen Untersuchung. Der Arzt wird die Wunde inspizieren, um die Tiefe und das Ausmaß der Verletzung zu beurteilen. Es ist wichtig, dem Arzt alle relevanten Informationen über den Biss mitzuteilen, wie z.B. wann und wo er stattgefunden hat und ob die Ratte wild oder zahm war.

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In einigen Fällen können zusätzliche Tests erforderlich sein, um Komplikationen auszuschließen:

  • Blutuntersuchungen: Um Infektionen oder andere systemische Erkrankungen festzustellen.
  • Röntgenaufnahmen: Um Knochenverletzungen oder Fremdkörper in der Wunde auszuschließen.
  • Neurologische Untersuchung: Um Nervenverletzungen festzustellen.

Behandlung

Die Behandlung eines Rattenbisses hängt von der Schwere der Verletzung und dem Vorliegen von Komplikationen ab. Zu den allgemeinen Behandlungsmaßnahmen gehören:

  • Reinigung der Wunde: Die Wunde sollte gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden, um Bakterien und Schmutz zu entfernen.
  • Desinfektion: Die Wunde sollte mit einem Antiseptikum desinfiziert werden, um das Risiko einer Infektion zu verringern.
  • Antibiotika: In vielen Fällen werden Antibiotika verschrieben, um bakterielle Infektionen zu behandeln oder zu verhindern.
  • Tetanus-Impfung: Der Tetanus-Impfstatus sollte überprüft und gegebenenfalls aufgefrischt werden.
  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt werden.
  • Chirurgische Intervention: In schweren Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um beschädigtes Gewebe zu entfernen, Nerven oder Sehnen zu reparieren oder Abszesse zu drainieren.
  • Wundversorgung: Die Wunde sollte sauber und trocken gehalten werden. Regelmäßige Verbandswechsel sind wichtig, um Infektionen vorzubeugen.

Spezifische Behandlung bei Nervenverletzungen

Wenn bei einem Rattenbiss Nerven verletzt wurden, kann eine spezielle Behandlung erforderlich sein:

  • Nervenreparatur: In einigen Fällen kann eine Operation durchgeführt werden, um beschädigte Nerven zu reparieren.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Funktion der betroffenen Finger oder Hand wiederherzustellen.
  • Schmerzmanagement: Chronische Nervenschmerzen können mit Medikamenten oder anderen Therapien behandelt werden.

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung gegen Rattenbisse ist, den Kontakt mit Ratten zu vermeiden. Hier sind einige Tipps, um Ratten fernzuhalten:

  • Nahrungsquellen entfernen: Lebensmittel, Tierfutter, Biomüll und Kompost sollten unzugänglich aufbewahrt werden.
  • Zugänge verschließen: Spalten und Löcher, die als Zugänge zu Gebäuden dienen können, sollten verschlossen werden.
  • Vegetation kurz halten: Eine kurz gehaltene Vegetation bietet ein schlechtes Versteck vor Räubern und lädt nicht zum Verweilen ein.
  • Mülltonnen verschließen: Überfüllte Mülltonnen sollten vermieden werden, da sie Ratten anlocken.
  • Vogelfutterstellen vermeiden: Vogelfutterstellen mit ihrem „Streuradius“ können Ratten anlocken.

Sklerodermie und Rattenbiss-ähnliche Symptome

Es ist wichtig zu beachten, dass bestimmte Autoimmunerkrankungen wie Sklerodermie Symptome verursachen können, die einem Rattenbiss ähneln. Die Sklerodermie ist eine seltene Erkrankung des Bindegewebes, die zu einer Verhärtung und Verdickung der Haut und inneren Organe führen kann. In schweren Fällen kann es, insbesondere an den Fingerspitzen, zu Geschwüren und Entzündungen kommen, die als "Rattenbiss-Nekrosen" bezeichnet werden.

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Wenn Symptome auftreten, die einem Rattenbiss ähneln, aber kein Biss vorliegt, sollte ein Arzt konsultiert werden, um andere mögliche Ursachen auszuschließen, einschließlich Sklerodermie.

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