Raus aus Kopfschmerzen und Migräne: Ursachen und Auswege

Migräne ist mehr als nur ein lästiges Übel; für viele Betroffene beeinträchtigen die Symptome und immer wiederkehrenden Attacken den Alltag und schränken die Lebensqualität ein. Charakteristisch für Migräne sind pochende, pulsierende und sehr starke Kopfschmerzen, die sich bis ins Extreme steigern und am Gesundheitszustand zerren können. Doch welche Faktoren lösen diese Schmerzattacken aus? Die Ursachenforschung gestaltet sich komplex, und nicht alle Auslöser sind bei jedem Betroffenen gleich.

Was ist Migräne?

Migräne, oft als episodische Migräne bezeichnet, zeichnet sich durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken aus, die zwischen 4 Stunden und 3 Tagen anhalten. Während einer Attacke treten starke, pulsierend-pochende oder hämmernde Kopfschmerzen auf, die sich bei Bewegung verschlimmern können. Vielfach kommen zu den Kopfschmerzen noch Übelkeit oder Erbrechen hinzu. Bei manchen kündigt sich die Migräne durch eine sogenannte Aura an. Der Alltag kann dadurch stark beeinflusst sein. Allein die Angst vor dem nächsten Migräneanfall kann einen normalen Tagesablauf verhindern. Oft fallen Betroffene im Beruf aus oder haben Schuldgefühle, weil sie sich z. B. nicht mehr so intensiv um ihre Familie kümmern können.

Ursachenforschung: Ein Blick ins Gehirn

Bei Migräne reagiert unser Gehirn besonders empfindlich. Welche Trigger und Ursachen Migräne auslösen, ist noch nicht eindeutig erforscht. Bis heute sind für Migräne keine eindeutigen Ursachen erforscht. Als Auslöser werden Stress, hormonelle Störungen, ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus aber auch bestimmte Nahrungsmittel diskutiert, wissenschaftlich belegt ist aber keine dieser Kopfschmerzen. Ursachen sind dabei meistens nicht auf einen Faktor zurückzuführen. Denn Migräne schlägt gerne zu, wenn mehrere ungünstige Faktoren aufeinandertreffen - und kann dadurch die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.

Mediziner gehen davon aus, dass es im Hirnstamm - der Verbindung zwischen Rückenmark und Großhirn - Regionen gibt, die bei einer Migräneattacke durch schmerzvermittelnde Nervenbotenstoffe aktiviert werden. Schon seit längerem steht der blutgefäßerweiternde Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) im Fokus der Migräneforschung. Kommt es zu einer Migräneattacke, setzt der Körper vermehrt CGRP frei, unter anderem aus Fasern des Trigeminusnervs.

Mögliche Trigger: Individuelle Auslöser aufspüren

Es gibt bestimmte innere und äußere Einflussfaktoren, die eine Migräne-Attacke begünstigen können. Viele Migränepatienten wissen mit der Zeit, auf welche Dinge oder Situationen bei ihnen eine Attacke folgt. Solch mögliche Auslöser, auch Trigger genannt, sind:

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  • Stress: Migräne durch Stress kommt bei etwa 80 Prozent der Betroffenen infrage.
  • Entspannungsphasen nach Stresssituationen: Z.B. der abrupte Wechsel vom stressigen Alltag in die erholsame Urlaubszeit.
  • Schlafmangel oder veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus: Z.B. durch späteres Zubettgehen oder längeres Ausschlafen am Wochenende.
  • Körperliche Anstrengung: Bei Sport, Freizeitaktivitäten oder der Arbeit.
  • Nackenschmerzen
  • Hormonelle Veränderungen: Durch Periode, Schwangerschaft oder Wechseljahre.
  • Auslassen von Mahlzeiten
  • Lebensmittel: Käse, Alkohol, Kaffee und das darin enthaltene Koffein (auch die Reduzierung des Kaffeekonsums), Cola, Schokolade.
  • Wetterumschwünge und Klimawechsel: Temperaturanstieg mit plötzlicher Hitze, Luftdruckveränderungen, Föhnwetter.
  • Düfte und Gerüche: Parfüm, Zigarettenrauch, Duftbaum im Auto, Raumsprays.
  • Licht: Blendende Scheinwerfer, Helles oder flackerndes Licht, Neonlicht.

Mögliche Trigger sind individuell sehr verschieden und können bei jedem anders ausgeprägt sein. Die gute Nachricht: Wenn Sie Ihre Trigger kennen, lassen sich manche davon bewusst vermeiden. Finden Sie Ihre persönlichen Auslöser heraus, indem Sie ein Kopfschmerztagebuch führen.

Ernährung und Migräne: Was wirklich zählt

Stark tyramin- und histaminhaltigen Lebensmittel wird nachgesagt, dass sie Migräneattacken auslösen können. Demnach sollten Sie - wenn diese Lebensmittel bei Ihnen zu den auslösenden Faktoren zählen -vor allem lang gelagerte oder gereifte Speisen, wie beispielsweise Käse, Salami und Schinken oder Sauerkraut, vermeiden. Gleiches gilt für Getränke wie Sekt, Wein oder Bier. Auch Koffein, bestimmte Eiweißstoffe in Milchprodukten, Konservierungsstoffe in Fertiggerichten oder der Geschmacksverstärker Glutamat konnten in Zusammenhang mit Migräneattacken gebracht werden.

Nicht nur bestimmte Lebensmittel spielen eine Rolle. Bei Migräne sollte auch auf die Zubereitung, die Menge sowie die Tageszeit der Aufnahme und die sonstige körperliche Verfassung geachtet werden. Nur, weil man Käse verträgt, heißt das noch nicht, dass die individuelle Schwelle für Migräne in Verbindung mit einem weiteren Nahrungsmittel ebenso unter der Toleranzgrenze bleibt. Hingegen werden Magnesium und Omega-3-Fettsäuren nachgesagt, dass sie sich positiv auf Migräne auswirken können. Während Magnesium an allen energieerzeugenden Enzymreaktionen im Körper beteiligt ist, hemmen Omega-3-Fettsäuren unter anderem Entzündungsreaktionen. Aufgrund dessen gehen Wissenschaftler davon aus, dass diese vermutlich auch an Migräne beteiligt sein könnten. Geeignete Lebensmittel mit reichlich Omega-3-Fettsäuren ist Fisch sowie Lein-, Walnuss- und Rapsöl. Eine große Menge an Magnesium enthalten Nüsse, Hülsenfrüchte oder Getreidekeime. Eine vollwertige und ausgewogene Ernährungs- sowie Lebensweise wirken sich positiv auf den gesamten Organismus aus und sind ebenso bei Migräne empfehlenswert.

Histamine und andere verdächtige Stoffe

Histamine stehen im Verdacht, als "Trigger" für Kopfschmerz-Attacken zu wirken. Lebensmittel, die akuten Kopfschmerz lindern, gibt es nicht. Die Chance für Betroffene liegt in der Vorbeugung, bei der die Ernährung eine wichtige Rolle spielen kann. Nicht nur was man isst, wirkt sich aus, sondern auch wie man isst. In Ruhe essen, drei Mahlzeiten pro Tag (Regelmäßigkeit beachten), davon eine warm. Ausreichend und regelmäßig trinken: mindestens 1,5 Liter pro Tag.

Aminreich sind beispielsweise:

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  • lang gelagerte, gereifte oder fermentierte Lebensmittel wie lange angehangenes geräuchertes oder gegrilltes Fleisch, wie Schinken, Salami, Rohwürste
  • marinierter, eingelegter Fisch
  • salzlakengereifter Käse wie Cheddar, Blauschimmelkäse, Emmentaler
  • Schokolade, Nougat. Likörpralinen
  • Bananen
  • Rotwein

Serotonin und Tryptophan: Die Rolle der Neurotransmitter

Serotonin ist eine lebenswichtige Substanz, die der menschliche Organismus braucht, um bestimmte Regelungen bewerkstelligen zu könne. Serotonin ist am Blutdruckgeschehen beteiligt, regt die Darmtätigkeit an, signalisiert Sättigung, regelt den Schlaf-Wach- Rhythmus und spielt eine entscheidende Rolle für die jeweilige Stimmungslage. So ist beispielsweise die Lust auf Süßigkeiten eine Folge des Serotonin-Mangels im Gehirn, der durch eiweißreiche und kohlehydratarmer Kost ausgelöst werden kann. Serotonin ist abhängig von seiner Vorstufe, dem sogenannten Tryptophan, das besonders in Cashewnüssen, Haferflocken, Sojabohnen, Weizenkeimen und Käse enthalten ist. Es wird vermutet, dass Migräniker einen zu geringen Anteil an Tryptophan haben, da das Serotonin zu Beginn einer Migräne-Attacke sehr erniedrigt ist. Deshalb wird häufig Sumatriptan eingesetzt, da es Serotonin zusätzlich freisetzt.

Fettsäuren: Entzündungshemmer im Kampf gegen Migräne

Fettsäuren sind in allen Nahrungsmitteln enthalten. Sie bestimmen Konsistenz und Verdaulichkeit, beeinflussen in hohem Maß die Zusammensetzung der Blutfettwerte und die Bildung von Entzündungs- Mediatoren, die das Schmerzempfinden beeinflussen. Um einen entzündungshemmenden Effekt zu erzielen, ist eine regelmäßige Zufuhr an alpha- und gamma-Linolensäure erforderlich.

Chronische Migräne: Wenn der Schmerz zum Dauerzustand wird

Vielen Menschen und sogar Ärzten ist die Chronische Migräne als Erkrankung, bzw. der Begriff, noch unbekannt. Was viele nicht wissen: Sie ist eine eigenständige Krankheitsform, die sich von anderen Arten des Kopfschmerzes deutlich unterscheidet. Sie kann den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen extrem beeinträchtigen.

Üblicherweise tritt Migräne in unregelmäßigen Abständen als anfallsartiger Kopfschmerz auf. Wird die Migräne immer häufiger und geht eine Migräneattacke nahezu ohne Pause in die nächste über, kann aus der Episodischen Migräne eine Chronische Migräne werden. Laut WHO ist eine schwere Migräne eine der am stärksten einschränkenden Erkrankungen. Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne. Haben Sie im Monat mehr Tage mit Kopfschmerzen als ohne, kann das ein Hinweis auf Chronische Migräne sein.

Symptome der Chronischen Migräne

Wiederholte Kopfschmerzattacken, die unbehandelt 4-72 Stunden anhalten. Meist nur eine Kopfseite betroffen, wobei der Schmerz die Seite wechseln kann. Dumpfer, drückender Schmerz. Bewegung (Aufstehen, Gehen, Bücken, Treppensteigen) verschlimmert den Schmerz, er wird stechend, pulsierend oder pochend. Mittlere bis starke Schmerzintensität, die zu Beeinträchtigung im Alltag führt. Typische Begleiterscheinungen sind Übelkeit und/oder Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, Geräusche wie Musik oder Straßenlärm werden unerträglich, Geruch von z.B. Parfüm oder Blumenduft wird als störend empfunden, allgemeines Krankheitsgefühl, erhöhtes Ruhebedürfnis und der Wunsch, sich zurückzuziehen, Appetitlosigkeit.

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Mögliche Vorboten einer chronischen Migräne

Bereits ein paar Tage vor der eigentlichen Migräneattacke können sogenannte Vorboten Hinweise auf den nächsten Anfall liefern. Etwa 30 % der Menschen mit Migräne ohne Aura beschreiben dieses Phänomen. Mögliche Symptome, die auf eine bevorstehende Migräneattacke hindeuten, sind Stimmungsschwankungen, häufiges Gähnen, Heißhunger oder Appetitlosigkeit, extremer Durst sowie Verdauungsprobleme.

Bei etwa 10-15 % der Migränepatienten kommt es zu neurologischen Reiz- und Ausfallerscheinungen (Aura). Die Symptome klingen in der Regel spätestens nach einer Stunde wieder vollständig ab. Der typische Migränekopfschmerz tritt entweder zusammen mit den Ausfallerscheinungen auf oder etwas verzögert.

Sehstörungen, die bei geöffneten und geschlossenen Augen auftreten:

  • Sehfeldeinschränkung
  • Flimmersehen
  • Blendende Kreise oder Vierecke, die sich immer weiter ausbreiten
  • Lichtblitze, Zickzackstrukturen oder Sterne vor den Augen

Gefühlsstörungen:

  • Taubheitsgefühle in Arm, Bein oder im Gesicht
  • Sensibilitätsstörungen, z.B. Kribbeln in Armen oder Beinen
  • Essen kann anders schmecken oder geschmacklos werden

Lähmungserscheinungen## Sprech- und Wortfindungsstörungen:

  • Aussprache und/oder die richtige Verwendung von Worten ist beeinträchtigt

Migräne und Begleiterkrankungen: Ein komplexes Zusammenspiel

Menschen mit Migräne leiden häufig zusätzlich an Angststörungen und Depressionen. Zudem haben Migränepatienten ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Auch zeigt sich ein Zusammenhang von Migräne und hohem Blutdruck sowie Herzkreislauf-Erkrankungen und anderen Schmerzerkrankungen.

Was tun bei Migräne? Akutbehandlung und Prävention

Die Zufuhr von täglich etwa zwei Litern Flüssigkeit und der Verzicht auf Genussmittel wie Nikotin und Alkohol hilft ebenfalls als Präventionsmaßnahme. Gegen das Vorliegen einer Migräne sprechen beispielsweise beidseitige Kopfschmerzen sowie drückende oder ziehende Schmerzen. Falls körperliche Aktivitäten nicht schmerzsteigernd wirken, ist ebenfalls eine andere Erkrankung zu vermuten.

Akutbehandlung

Bei akuten Migräne-Kopfschmerzen helfen oft Massagen von Schläfen, Stirn oder Nacken z. B. mit Franzbranntwein und Pfefferminzöl oder die Kühlung der genannten Kopfregionen. Zuweilen hilft auch etwas Kaffee gegen einen aufkommenden Migräne-Anfall.

Geeignete Migräne-Medikamente bekämpfen die Schmerzen, Entzündungen und Übelkeit. Hilfreich sind bei Erwachsenen Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac und Naproxen. Einige Medikamente vereinen mehrere Wirkstoffe und enthalten u.a. auch Koffein. Wichtig: Schmerzmittel sollten maximal an 10 Tagen pro Monat eingenommen werden. Andernfalls können als Nebenwirkungen der Medikamente Kopfschmerzen auftreten. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, falls Sie an mehr als 10 Tagen im Monat auf Schmerzmittel angewiesen sind.

Fallen die Migräne-Anfälle schwerer aus oder werden zusätzlich von einer Migräne-Aura begleitet, kommen sog. Triptane zum Einsatz. Diese greifen in den Stoffwechsel des Botenstoffs Serotonin ein und verengen die geweiteten Blutgefäße im Kopf. Am besten wirken Triptane, wenn sie frühzeitig, d.h. direkt zu Beginn eines Migräne-Anfalls eingenommen werden. Wenn keine gewünschte Wirkung eintritt, sollte keine weitere Einnahme erfolgen. In diesem Fall ist es ratsam mit einem Neurologen zu sprechen und ggf. andere Triptane-Präparate zu testen.

Prävention

Ein ausgeglichener Lebensstil und regelmäßiger Ausdauersport wird als vorbeugendes Mittel gegen Migräne empfohlen. Gezielte Entspannung erweist sich oft als wirksam gegen Kopfschmerzen. Bereits ein warmes Bad, ein Spaziergang oder spezielle Entspannungsübungen sorgen für Linderung. Bewährt hat sich auch die „Progressive Muskelentspannung“ nach Jacobsen.

Effektive Migräne-Prophylaxe basiert auf vier Säulen:

  • Ausreichend ungesättigte Fettsäuren
  • Entsprechende, ausgewogene Ernährung
  • Regelmäßige Entspannungsübungen
  • Rationale Schmerzmittel-Therapie

Alternative Behandlungsansätze

Neben der Behandlung mit chiropraktischen oder osteopathischen Maßnahmen, kann Migräne unter gewissen Umständen auch mit Botulinumtoxin A (Botox) behandelt werden. Volljährige Patienten, die den Kriterien einer chronischen Migräne entsprechen, können eine Behandlung mit Botox durchführen lassen. Das bedeutet, dass sie mindestens über 3 Monate lang 15 Tage im Monat Kopfschmerzen haben, von denen acht oder mehr Tage mit Migräne sind. Eine weitere Voraussetzung für eine Botoxbehandlung ist, dass bisherige andere Behandlungsmaßnahmen keine Wirkung gezeigt haben. Für die Migräne-Behandlung mit Botox wurden 31 Punkte an Stirn, Schläfe, Nacken und Schultern festgelegt. Je nachdem, wo der Schmerz am stärksten ist, Dazu können 8 zusätzliche Bereiche für die Injektion gewählt werden.

Migräne verstehen - bevor sie laut wird

Die Kampagne „Migräne verstehen - bevor sie laut wird“ wurde gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten und Betroffenen entwickelt. Sie vermittelt Wissen, teilt persönliche Erfahrungen und bietet eine unterstützende Community.

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