Drogenkonsum, insbesondere von Substanzen wie Kokain und Amphetaminen, hat weitreichende und oft verheerende Auswirkungen auf das Gehirn und das Herz-Kreislauf-System. Diese Auswirkungen können von akuten, lebensbedrohlichen Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall bis hin zu langfristigen Schäden wie beschleunigter Hirnalterung und kognitiven Beeinträchtigungen reichen. Es ist wichtig, sich über diese Risiken zu informieren, um fundierte Entscheidungen treffen und gegebenenfalls Hilfe suchen zu können.
Akute Auswirkungen von Kokain auf das Gehirn und das Herz-Kreislauf-System
Kokain, eine stark stimulierende Droge, wirkt sich massiv auf das Gehirn und das Herz-Kreislauf-System aus. Konsumenten erleben oft ein Gefühl von erhöhter Wachheit und Euphorie, da Kokain die Aktivität der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin verstärkt. Dopamin aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn und führt zu einem gesteigerten Selbstwertgefühl, während Noradrenalin den Körper in einen Kampf- oder Fluchtmodus versetzt, wodurch Herzfrequenz und Blutdruck steigen.
Allerdings hat Kokain auch eine gefäßverengende Wirkung, die die Blutgefäße verengt und die Sauerstoffversorgung des Herzens reduziert. Dieser akute Sauerstoffmangel kann zu Herzrhythmusstörungen und sogar zum plötzlichen Herztod führen. Brustschmerzen können ein frühes Warnsignal sein. Studien haben gezeigt, dass auch gelegentlicher Kokainkonsum einen Herzinfarkt auslösen kann.
Die Auswirkungen von Kokain auf die Gehirngefäße
Yingtian Pan und sein Forschungsteam haben hochaufgelöste Aufnahmen von Gehirngefässen unter Kokaineinfluss erstellt. Die Aufnahmen von Mäusen, denen 30 Tage lang Kokain verabreicht wurde, zeigen, dass anstelle der feinen Linien der Kapillaren nur noch eine dunkelrote Fläche zu sehen ist. Dies verdeutlicht die Schädigung der Gehirngefäße durch Kokain, die schwerwiegende Folgen für das gesamte Herz-Kreislauf-System hat.
Langfristige Herzprobleme durch Kokainkonsum
Häufiger Kokainkonsum beeinträchtigt die Herzmuskelzellen, indem er den Energiehaushalt der Mitochondrien stört, den "Kraftwerken" der Zellen. Dies führt zu einer unzureichenden Versorgung mit Adenosintriphosphat (ATP), was zum Absterben der Zellen führen kann.
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Konsumenten, die Kokain spritzen, riskieren zudem eine Endokarditis, eine Entzündung der Herzinnenhaut, die durch Keime in der Blutbahn verursacht wird. Unbehandelt verläuft diese Krankheit meist tödlich.
Schlaganfallrisiko durch Kokainkonsum
Die gefäßverengende Wirkung von Kokain kann auch zu Schlaganfällen führen. Die Blutbahnen verlieren ihre Elastizität, und die innere Schutzschicht der Gefäße, das Endothel, wird zerstört. Dies führt zur Anlagerung von Blutplättchen, Verklumpungen und Thrombosen, die die Blutgefäße verstopfen.
Es gibt zwei Arten von Schlaganfällen, die mit Kokainkonsum in Verbindung gebracht werden:
- Ischämischer Schlaganfall: Dieser tritt auf, wenn eine Gefäßverstopfung die Blutversorgung des Gehirns unterbricht. Er tritt meist Stunden nach dem Konsum auf und wird durch Vorschäden am Endothel und die gefäßverengende Wirkung des Kokains verursacht.
- Hämorrhagischer Schlaganfall: Dieser wird durch einen Gefäßriss und eine anschließende Einblutung ins Gewebe verursacht. Er tritt eher unter akuter Wirkung aufgrund des erhöhten Blutdrucks auf. Kopfschmerzen nach dem Konsum sind ein Warnsignal.
Beide Arten von Schlaganfall können zu dauerhaften Lähmungen und im schlimmsten Fall zum Tod führen.
Arteriosklerose bei jungen Menschen durch Kokain
Kokain kann auch bei jungen Menschen zu Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) führen, die normalerweise erst im Alter auftreten. Diese Ablagerungen können zu gefährlichen Engpässen in den Gefäßen führen und einen Herzinfarkt verursachen, wenn die Herzgefäße betroffen sind.
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Studien haben auch gezeigt, dass Kokain ein Risikofaktor für die Aortendissektion ist, eine Aufspaltung der Wandschichten der Hauptschlagader (Aorta). Dies kann zum Reißen der Aorta und zum sofortigen Tod führen.
Amphetamine und ihre Auswirkungen auf das Herz
Auch der Konsum von Amphetaminen, oft als "Partydroge" konsumiert, birgt erhebliche Risiken für das Herz-Kreislauf-System. Amphetamine können zu feinen Narben im Herzmuskel führen, die die Funktion der linken Herzkammer beeinträchtigen. Herzspezialisten beobachten einen Zuwachs an Notfällen, bei denen junge Patienten mit schwerer Luftnot und instabilem Blutkreislauf eingeliefert werden.
Amphetamine ähneln in ihrem chemischen Aufbau körpereigenen Botenstoffen (Neurotransmittern) und veranlassen eine unkontrollierte Ausschüttung dieser Botenstoffe. Dies führt zu einem "Feuerwerk" an Nervenimpulsen im Gehirn und einem künstlich erzeugten Stresszustand. Mediziner vermuten, dass dieser dauerhafte Stresszustand die Ursache für die Vernarbungen im Herzmuskelgewebe ist.
Die Gefahren von Amphetaminen für junge Erwachsene
Die Wirkung von Amphetaminen ist bei jungen Erwachsenen besonders zerstörerisch, da sie medizinisch oft erst dann auffällig werden, wenn ihr Herz bereits lebensbedrohlich geschädigt ist. Viele Konsumenten sind sich der Inhaltsstoffe, der Dosis oder möglicher Beimengungen der "Partydroge" nicht bewusst.
Da Arztbesuche von Jugendlichen und jungen Erwachsenen eher selten sind, wird die Chance einer frühen Diagnose oft verpasst. Zudem verfügen Angehörige dieser Altersgruppe über große Leistungsreserven und zeigen erst spät Symptome, die oft nicht beachtet oder fehlgedeutet werden.
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Kokain und die Alterung des Gehirns
Eine weitere Folge des regelmäßigen Kokainkonsums ist die Beschleunigung des Alterungsprozesses des Gehirns. Studien haben gezeigt, dass Kokain die Hirnstruktur verändert und zu einer Atrophie der grauen Substanz in verschiedenen Bereichen des Gehirns führt, darunter Temporallappen, Frontallappen, Insula und limbischer Lappen.
Langzeit-Kokainabhängige weisen Einschränkungen in Bezug auf Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit und Reaktionszeit auf. Der Schwund der grauen Substanz verläuft bei ihnen doppelt so schnell wie bei gesunden Menschen.
Die Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit
Sogar gelegentlicher Kokainkonsum könnte bereits mit kognitiven Defiziten verbunden sein. Bei Kokainabhängigen schrumpfen wichtige Teile der Hirnrinde schneller als bei Probanden einer unbelasteten Kontrollgruppe.
Cannabis und seine Auswirkungen auf das Gehirn
Auch der Konsum von Cannabis, insbesondere in hoher Dosierung und über einen längeren Zeitraum, kann Auswirkungen auf das Gehirn haben. Studien deuten auf eine Volumenabnahme der grauen Hirnsubstanz im orbitofrontalen Cortex hin, dem Bereich des Gehirns, der für kognitives und rationales Verhalten zuständig ist. Gleichzeitig können die Verbindungen in der weißen Hirnsubstanz verstärkt sein.
Einige Forscher deuten die vermehrte "Konnektivität" als eine kompensatorische Steigerung der Hirnfunktion, um die Defizite in der grauen Hirnsubstanz auszugleichen. Allerdings kann es später zu einem Abfall der Nervenfasern kommen. Ein früh einsetzender und hochdosierter Konsum scheint das Gehirn besonders zu schädigen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Ergebnisse der Hirnforschung zum Cannabiskonsum nicht immer eindeutig sind und weitere Forschung erforderlich ist, um die langfristigen Auswirkungen vollständig zu verstehen.
Die Rolle des Belohnungssystems im Gehirn bei Sucht
Sucht wird heute auch als körperliche Erkrankung betrachtet, bei der das Gehirn im Zentrum steht. Das Belohnungssystem, ein Netzwerk von Hirnarealen und Neuronen, spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Sucht.
Drogen und Suchtmittel aktivieren das Belohnungssystem durch den Neurotransmitter Dopamin deutlich stärker als natürliche Belohnungen. Das Gehirn speichert, welche Stoffe oder Verhaltensweisen zu einer besonderen Belohnung geführt haben, und das Verlangen danach wird stärker.
Das Suchtgedächtnis
Das enge Zusammenspiel von Reizverarbeitung, Kognition, Gedächtnis und Emotion führt zu einem Suchtverhalten, das nach und nach erlernt wird und in ein automatisiertes Handlungsmuster münden kann.
Je häufiger Suchtmittel als Problemlöser dienen, desto stärker verfestigen sich diese Verhaltensmuster. Gleichzeitig wird die suchterkrankte Person immer sensibler für Reize (Trigger), die mit der Aufnahme bestimmter Suchtstoffe in Verbindung stehen.
Beim Verzicht auf das Suchtmittel kann es zu Entzugserscheinungen kommen, sowohl körperlicher als auch psychischer Art.
Behandlung von Suchterkrankungen
Die Therapie einer Suchterkrankung ist abhängig von der Art der Sucht und der Ausprägung bei jedem Einzelnen. In der Regel wird anfangs eine körperliche Entgiftung unter medizinischer Aufsicht durchgeführt, um Komplikationen vorzubeugen.
Weitere Therapieansätze sind:
- Beratung
- Entwöhnung (medizinische Reha-Behandlung)
- Psychotherapie (z.B. kognitive Verhaltenstherapie)
- Selbsthilfegruppen und Gruppenangebote
- Medikamente (zur Linderung des Verlangens)
- Behandlung eventuell zusätzlich bestehender psychischer Erkrankungen
Ein Rückfall ist kein persönliches Versagen, sondern gehört zum Wesen einer Sucht. Wichtig ist, jeden Rückfall zu bewerten und therapeutisch aufzuarbeiten.
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