Regelung, Steuerung und Nervensystem: Ein Vergleich

Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das für die Steuerung und Regelung zahlreicher Körperfunktionen verantwortlich ist. Um seine Funktionsweise vollständig zu verstehen, ist es wichtig, die Unterschiede zwischen Steuerung und Regelung zu kennen und wie diese Prinzipien im Nervensystem angewendet werden.

Einführung in Steuerung und Regelung

Steuerung und Regelung sind zwei grundlegende Konzepte, die in vielen technischen und biologischen Systemen vorkommen. Beide dienen dazu, einen bestimmten Zustand oder Prozess zu beeinflussen, unterscheiden sich jedoch in ihrer Funktionsweise und ihren Eigenschaften.

Steuerung im Detail

Eine Steuerung ist ein offener Prozess, bei dem eine Eingangsgröße eine Ausgangsgröße beeinflusst, ohne dass die Ausgangsgröße auf die Eingangsgröße zurückwirkt. Eine einfache Steuerung besteht meist aus drei Bauteilen: einem Sensor (Fühler), einem Steuergerät und einem Aktor (Antriebselement). Es gibt eine Eingangsgröße, welche über den Sensor aufgenommen und an das Steuergerät weitergeleitet wird. Die ermittelte Handlungsanweisung wird an den Aktor weitergeleitet, sodass dieser anschließend eine Aktion ausführt. Diese Aktion soll dafür sorgen, dass die Soll-Größe erreicht wird. Eventuelle Störgrößen wie Umwelteinflüsse auf den technischen Prozess werden nicht berücksichtigt.

Beispiel: Eine außentemperaturgeführte Heizungssteuerung. Hier misst ein Außentemperaturfühler permanent die Außentemperatur, welche in der Steuereinheit verarbeitet wird. Die Außentemperatur ist somit als Eingangs- und Führungsgröße auch die einzige verwertbare Störgröße der Steuerung. Die Heizungssteuerung soll während der kalten Jahreszeit für eine Raumtemperatur von 20 °C (Soll-Größe) sorgen. Da in diesem Beispiel die Außentemperatur als Führungsgröße dient, soll dies in Abhängigkeit von der Außentemperatur erfolgen. Das bedeutet, die 20 °C Raumtemperatur sollen bei Außentemperaturen von -10 °C aber auch bei Außentemperaturen von +5 °C erreicht werden. Dadurch wird ein Zusammenhang zwischen der Außentemperatur (Eingangsgröße) und der benötigten Ventilstellung, zur Erreichung der Raumtemperatur (Ausgangsgröße), mit Hilfe einer Kennlinie hergestellt.

Regelung im Detail

Im Gegensatz zur Steuerung ist eine Regelung ein geschlossener Prozess, bei dem die Ausgangsgröße gemessen und mit einer Soll-Größe verglichen wird. Der Unterschied zwischen Ist- und Sollwert wird genutzt, um die Eingangsgröße so anzupassen, dass die Ausgangsgröße den gewünschten Wert erreicht. Anders als bei einer Steuerkette, die keine Kontrolleinrichtung für das Erreichen der Soll-Größe besitzt, wird bei einer Regelung (Definition Regelung nach DIN) die Soll-Größe permanent mit der Ist-Größe (Eingangs- und Ausgangsgröße) verglichen.

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Beispiel: Eine raumtemperaturgeführte Heizungsregelung. Ein Sensor in der Rückführung nimmt die Ist-Größe auf und leitet diese an das Regelgerät weiter. Im Regelgerät wird die eingehende Information mit der hinterlegten Soll-Größe verglichen. Diese Handlungsanweisung wird an einen Aktor weitergeleitet, welcher daraufhin eine Aktion ausführt. Die Aktion soll dafür sorgen, dass die hinterlegte Soll-Größe erreicht wird. Hierbei werden einfallende Störgrößen auf den Prozess aufgrund des permanenten Vergleichs von Ist- und Soll-Größe berücksichtigt. Die Heizungsregelung soll während der kalten Jahreszeit für eine Raumtemperatur von 20 °C (Soll-Größe) sorgen. Dies soll unabhängig von Störgrößen wie Sonneneinstrahlung, Außentemperatur oder Personen im Raum erfolgen. Ist die Raumtemperatur niedriger als 20 °C, wird die Ventilstellung vergrößert. Ist die Raumtemperatur gleich der Soll-Temperatur, bleibt die Ventilstellung gleich. Eine Handlungsanweisung der Regelung erfolgt somit bei Überschreiten und bei Unterschreiten der Soll-Größe.

Unterschiede zwischen Steuerung und Regelung

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Steuerung und Regelung lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Offener vs. geschlossener Regelkreis: Steuerung ist ein offener Prozess, Regelung ein geschlossener.
  • Rückkopplung: Regelung nutzt Rückkopplung, Steuerung nicht.
  • Störgrößen: Regelung kompensiert Störgrößen, Steuerung nicht.
  • Genauigkeit: Regelung ist genauer als Steuerung.
  • Komplexität: Regelung ist komplexer als Steuerung.

Das Nervensystem: Steuerung und Regelung im Körper

Das Nervensystem umfasst alle Nervenzellen des menschlichen Körpers. Mit ihm kommuniziert er mit der Umwelt und steuert gleichzeitig vielfältige Mechanismen im Inneren. Das Nervensystem nimmt Sinnesreize auf, verarbeitet sie und löst Reaktionen wie Muskelbewegungen oder Schmerzempfindungen aus. Das Nervensystem enthält viele Milliarden Nervenzellen, sogenannte Neuronen. Allein im Gehirn sind es rund 100 Milliarden. Jede einzelne Nervenzelle besteht aus einem Körper und verschiedenen Fortsätzen. Die kürzeren Fortsätze (Dendriten) wirken wie Antennen: Über sie empfängt der Zellkörper Signale, zum Beispiel von anderen Nervenzellen. Nach der Lage der Nervenbahnen im Körper unterscheidet man zwischen einem zentralen und einem peripheren Nervensystem. Das zentrale Nervensystem (ZNS) umfasst Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark. Es befindet sich sicher eingebettet im Schädel und dem Wirbelkanal in der Wirbelsäule. Das willkürliche Nervensystem (somatisches Nervensystem) steuert alle Vorgänge, die einem bewusst sind und die man willentlich beeinflussen kann. Dies sind zum Beispiel gezielte Bewegungen von Gesichtsmuskeln, Armen, Beinen und Rumpf. Das vegetative Nervensystem (autonomes Nervensystem) regelt die Abläufe im Körper, die man nicht mit dem Willen steuern kann. Es ist ständig aktiv und reguliert beispielsweise Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel. Hierzu empfängt es Signale aus dem Gehirn und sendet sie an den Körper. In der Gegenrichtung überträgt das vegetative Nervensystem Meldungen des Körpers zum Gehirn, zum Beispiel wie voll die Blase ist oder wie schnell das Herz schlägt. Das vegetative Nervensystem kann sehr rasch die Funktion des Körpers an andere Bedingungen anpassen. Ist einem Menschen beispielsweise warm, erhöht das System die Durchblutung der Haut und die Schweißbildung, um den Körper abzukühlen. Sowohl das zentrale als auch das periphere Nervensystem enthalten willkürliche und unwillkürliche Anteile.

Das Nervensystem nutzt sowohl Steuerungs- als auch Regelungsmechanismen, um die vielfältigen Funktionen des Körpers zu koordinieren.

Steuerung im Nervensystem

Ein Beispiel für Steuerung im Nervensystem ist der Reflexbogen. Wenn man zum Beispiel auf eine heiße Herdplatte fasst, zieht man die Hand reflexartig zurück. Dieser Reflex wird durch einen einfachen neuronalen Schaltkreis gesteuert, bei dem ein sensorisches Neuron ein motorisches Neuron aktiviert, ohne dass das Gehirn direkt beteiligt ist.

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Der Reflexbogen ist ein fundamentaler Bestandteil des Nervensystems Aufbau und Funktion und ermöglicht unserem Körper blitzschnelle, automatische Reaktionen ohne Einbeziehung des Gehirns. Die Funktionsweise des Reflexbogens lässt sich am besten anhand des Kniesehnenreflexes erklären. Wenn der Arzt mit dem Reflexhammer unterhalb der Kniescheibe klopft, wird die Muskelspindel im Streckmuskel gedehnt. Diese Dehnung wird von speziellen Rezeptoren registriert und in ein elektrisches Signal (Rezeptorpotenzial) umgewandelt. Beispiel: Beim Patellarreflex (Kniesehnenreflex) führt ein leichter Schlag auf die Patellarsehne zu einer sofortigen Streckung des Beins. Im Rückenmark erfolgt die entscheidende Umschaltung: Das ankommende Signal wird über Synapsen auf motorische Neuronen übertragen. Gleichzeitig werden über Interneuronen mit hemmenden Synapsen die antagonistischen Muskeln (hier: die Beugemuskeln) gehemmt. Dies verhindert, dass sich gegensätzlich wirkende Muskeln gleichzeitig anspannen.

Regelung im Nervensystem

Ein Beispiel für Regelung im Nervensystem ist die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur. Das vegetative Nervensystem überwacht ständig die Körpertemperatur und aktiviert Mechanismen zur Wärmeerzeugung (z.B. Zittern) oder Wärmeabgabe (z.B. Schwitzen), um die Temperatur im optimalen Bereich zu halten.

Das Zentrales Nervensystem arbeitet eng mit dem Hormonsystem zusammen, um wichtige Körperfunktionen zu regulieren. Highlight: Die negative Rückkopplung ist ein wichtiges Prinzip in hormonellen Regelkreisen. Der Regelkreis Hormone Schilddrüse funktioniert nach dem Prinzip der negativen Rückkopplung. Die Ausschüttung des Hormons Thyroxin wird durch das übergeordnete Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) aus der Hypophyse gesteuert. Was macht Thyroxin? Es erhöht den Grundumsatz, die Herzfrequenz und beeinflusst das Wachstum. Vokabular: Thyroxin ist ein Schilddrüsenhormon, das den Stoffwechsel reguliert. Die Negative Rückkopplung Hormone einfach erklärt lässt sich mit einem Thermostat vergleichen: Wie ein Thermostat die Raumtemperatur in einem bestimmten Bereich hält, regulieren hormonelle Regelkreise die Konzentration von Hormonen im Blut.

Zusammenspiel von Steuerung und Regelung

In vielen Fällen arbeiten Steuerung und Regelung im Nervensystem zusammen, um komplexe Funktionen zu ermöglichen. Beispielsweise steuert das Gehirn willkürliche Bewegungen (Steuerung), während das Kleinhirn die Feinabstimmung und Koordination der Bewegungen durch Regelungsprozesse übernimmt.

Neuronale Grundlagen von Steuerung und Regelung

Die Nervenzellen sind die Grundbausteine des Nervensystems. Sie bestehen aus einem Zellkörper mit Dendriten zur Reizaufnahme und einem Axon zur Reizweiterleitung. Das Nervensystem einfach erklärt basiert auf der Weiterleitung elektrischer Signale. Ein wichtiger Aspekt zur Nervensystem stärken ist das Verständnis der Synapsen - den Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen. Der Regelkreis Hormone Arbeitsblatt verdeutlicht die komplexen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Hormonen und dem Nervensystem. Das Nervensystem einfach erklärt beginnt mit dem grundlegenden Verständnis des Aktionspotenzials. Der Prozess beginnt am Axonhügel, wo der Schwellenwert erreicht wird. Spannungsgesteuerte Natriumkanäle öffnen sich, wodurch ein Aktionspotenzial entsteht. Die Membran wird kurzzeitig im Inneren positiv geladen. Bei myelinisierten Nervenfasern erfolgt die Erregungsleitung deutlich schneller durch den sogenannten saltatorischen Mechanismus. Die Myelinscheide isoliert das Axon und ermöglicht eine sprunghafte Weiterleitung von Schnürring zu Schnürring. Die Synapsen sind zentrale Schaltstellen des Nervensystem Mensch Übersicht. Der Übertragungsprozess läuft in mehreren Schritten ab: Ein ankommendes Aktionspotenzial führt zur Öffnung spannungsgesteuerter Calciumkanäle in der präsynaptischen Membran. Die Informationscodierung erfolgt durch Amplituden- und Frequenzmodulation. Bei der Amplitudenmodulation verändert sich die Stärke des Signals entsprechend der Reizintensität. Die Frequenzmodulation reguliert die Anzahl der Aktionspotentiale pro Zeiteinheit. Das Vegetative Nervensystem nutzt sowohl erregende als auch hemmende Synapsen für seine Funktionen. Erregende Synapsen leiten die ankommende Depolarisation weiter und erzeugen ein erregendes postsynaptisches Potential (EPSP). Die Verrechnung der Information erfolgt durch zeitliche und räumliche Summation. Bei der zeitlichen Summation werden nacheinander eintreffende Signale addiert, während bei der räumlichen Summation gleichzeitig aktivierte Synapsen zusammenwirken.

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Sensorische Neuronen, deren Zellkörper in den Spinalganglien liegen, leiten Reize zum ZNS. Das periphere Nervensystem unterteilt sich in das somatische und das vegetative Nervensystem.

Synaptische Übertragung und Informationsverarbeitung

Die Synapsen sind die Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen, an denen die Übertragung von Signalen stattfindet. Die Informationsverarbeitung im Nervensystem basiert auf der Modulation der synaptischen Übertragung.

Störungen der Synapsenfunktion können durch verschiedene Gifte verursacht werden. Beispielsweise blockiert Botulinumtoxin die Vesikelfusion, während das Gift der Schwarzen Witwe zu einer maximalen Transmitterfreisetzung führt.

Klinische Bedeutung

Das Verständnis der Unterschiede zwischen Steuerung und Regelung im Nervensystem ist auch für die Diagnose und Behandlung von neurologischen Erkrankungen von Bedeutung. Störungen in den Regelkreisen des Nervensystems können zu einer Vielzahl von Symptomen führen, wie z.B. Bewegungsstörungen,Sensibilitätsstörungen oder vegetative Dysfunktion.

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