Halluzinationen nach Schlaganfall: Ursachen und Erscheinungsformen

Wenn Menschen nach einem Schlaganfall Halluzinationen erleben, wie der 56-jährige Peter N., der tanzende Lichtpunkte und abstrakte Bilder sah, ist es wichtig, die vielfältigen Ursachen und Erscheinungsformen dieses Phänomens zu verstehen. Halluzinationen sind nicht immer ein Zeichen von Geisteskrankheit und können in verschiedenen neurologischen Kontexten auftreten.

Vielfältige Ursachen von Halluzinationen

Halluzinationen können unter verschiedenen Umständen auftreten, darunter Migräne, Epilepsie, Alzheimer und andere degenerative Hirnerkrankungen, Drogenkonsum, Medikamentenmissbrauch sowie Hirnverletzungen. Sogar gesunde Menschen können irreale Visionen von Licht und Schatten hervorrufen, indem sie lange auf einen festen Punkt starren. Halluzinationen sind also ein komplexes Phänomen, das nicht immer auf eine psychische Störung zurückzuführen ist.

Halluzinationen bei Hirnschädigungen

Nach Hirnschädigungen, wie sie durch Schlaganfälle, Tumore oder Schädel-Hirn-Traumata verursacht werden, können Halluzinationen auftreten. Viele Betroffene erleben zumindest Licht- oder Farbspiele, einige aber auch konkrete Bilder oder bewegte Szenen, die ihre Aufmerksamkeit stark beanspruchen können.

Peter N. beispielsweise, der nach einem Schlaganfall teilblind war, halluzinierte im blinden Bereich seines Gesichtsfelds "Picasso-Bilder", die sich aus Szenarien und abstrakten Mustern zusammensetzten. Diese Bilder enthielten auch Objekte, die er zuvor im intakten Gesichtsfeld gesehen hatte, und veränderten sich ständig.

Das breite Spektrum von Halluzinationen

Halluzinationen können alle Sinnesmodalitäten betreffen. Menschen können nicht nur bildhafte oder akustische Phänomene halluzinieren, sondern auch Gerüche, Geschmäcker oder Hautwahrnehmungen. Um Gemeinsamkeiten in dieser Vielfalt zu erkennen, wird der Begriff "Halluzination" hier weit gefasst und umfasst sowohl eingebildete Objekte als auch unwirkliche Lichtspiele und Muster.

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Es ist wichtig, Halluzinationen von Illusionen zu unterscheiden, bei denen das Auge etwas tatsächlich registriert, es aber falsch interpretiert wird. Halluzinationen sind eingebildete Wahrnehmungen, die nicht auf einer realen Sinnesempfindung beruhen.

Halluzinationen und Schizophrenie

Halluzinationen sind ein typisches Symptom der Schizophrenie. Im Gegensatz zu Patienten mit Hirnläsionen erkennen Schizophrene meist nicht, dass ihre Halluzinationen nicht real sind. Die Trugbilder sind für sie grausame Wirklichkeit und können Ängste auslösen, weil sie sich die Fehlwahrnehmungen nicht erklären können.

Halluzinationen durch Drogen

Irreale visuelle Wahrnehmungen können auch durch halluzinogene Drogen wie LSD, Marihuana oder Meskalin hervorgerufen werden. Diese Berichte ähneln oft den Halluzinationen bei Psychosen. Ein wesentliches Element der Halluzinationen im Drogenrausch ist strahlende Helle.

Halluzinationen bei Migräne und Epilepsie

Helle Lichterscheinungen, sogenannte Photopsien, treten oft auch bei Migräne oder vor einem epileptischen Anfall auf. Viele Migränepatienten sehen Flimmerskotome, die von einer Seite des Gesichtsfeldes zur anderen ziehen und in Form und Größe variieren können.

Halluzinationen bei verschiedenen Hirndefekten und Krankheiten

Visuelle Halluzinationen können bei den verschiedensten Hirndefekten und Krankheiten auftreten. Ihre Form variiert mit Art und Ausdehnung der Schädigung. Nicht selten erleben Patienten Trugbilder in der ersten Zeit nach einem Schädel-Hirn-Trauma, nach einem Schlaganfall oder einer Tumoroperation. Auch bei Multipler Sklerose und Alzheimer-Krankheit können Halluzinationen auftreten.

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Hohes Fieber, Gehirn- und Hirnhautentzündungen sowie Bauchspeicheldrüsenentzündungen können ebenfalls visuelle Trugbilder hervorrufen. Auch hohe Dosen des Schwermetalls Mangan und bestimmte Medikamente, darunter Kortison, können Halluzinationen verursachen. Selbst Lebensangst oder Panikanfälle können Halluzinationen hervorrufen.

Formen von Halluzinationen und ihre Ursachen

Viele Patienten sehen nur Lichtpunkte oder Lichtblitze, die durch das Sehfeld ziehen. Einige glauben, einfache geometrische Figuren zu sehen. Komplexe lebendige Bilder sind seltener. Obwohl sich einzelne Formen von Halluzinationen nicht immer schlüssig Schäden in bestimmten Hirnregionen zuordnen lassen, zeichnen sich doch in vielen Fällen bestimmte Zusammenhänge ab.

Einfachen Lichterscheinungen liegt meist eine Störung des primären Sehzentrums im Hinterhauptslappen zugrunde. Muster, geometrische Figuren oder komplexere Bilder entstehen, wenn benachbarte Areale, in denen visuelle Wahrnehmungen weiterverarbeitet werden, stimuliert werden.

Die Sehrinde kann auch fälschlich aktiv sein, wenn wir nach einem Schlag auf den Schädel "Sterne" sehen, weil dann Nervenzellen durch die Erschütterung gereizt sind und das visuelle System dies als Signal aus dem Auge versteht.

Eine erworbene Teilblindheit beruht meistens auf einem Defekt in der primären Sehrinde. Annähernd jeder zweite dieser Patienten, die ein blindes Feld auf beiden Augen haben, leidet vorübergehend unter visuellen Phänomenen. Je ausgedehnter die Schädigung, umso kompliziertere Lichtphänomene und geometrischen Figuren sehen die Kranken.

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Ursachen komplexer Halluzinationen

Irreale Wahrnehmungen nach einer Hirnläsion setzen rasch ein, dauern aber selten länger als zwei Wochen an. Dies wird als Begleiterscheinung eines Selbstheilungsversuchs des Gehirns interpretiert. Nach einer Schädigung muss sich die Interaktion einzelner Hirnteile auf einem neuen Niveau einpendeln, denn auf die Aktivitätsminderung in einem Gebiet können andere Hirnbereiche überschießend reagieren.

Wenn es dem Gehirn nicht gelingt, die Balance wiederherzustellen, können die Trugwahrnehmungen chronisch werden. Es liegt nahe, dass bei komplexeren halluzinierten Wahrnehmungen auch eine Störung im Stirnhirn oder im Schläfenlappen vorliegt. Wahrscheinlich setzen sich komplexe Halluzinationen fast durchweg aus Gedächtnisinhalten zusammen, die aber nicht "sortiert" sind und deswegen so wirr erscheinen.

Die Rolle des Assoziationscortex

Der Assoziationscortex im Stirnhirn steuert, was ins Bewusstsein strömen darf und was unterdrückt werden muss. Er fischt die relevanten Gedächtnisinhalte und Assoziationen heraus und unterdrückt den Rest. Wenn wirre Bilder, Gedanken und Erinnerungsfetzen in Erscheinung treten, versagt vermutlich der Assoziationscortex.

Schlaganfall-Spätfolgen und Schwindel

Schlaganfall-Spätfolgen können enorm belasten und die Lebensqualität beeinträchtigen. Neben offensichtlichen körperlichen Beeinträchtigungen können auch unsichtbare Symptome wie kognitive Probleme und Schwindel auftreten.

Schwindel ist ein häufig auftretendes Symptom nach einem Schlaganfall. Er entsteht, wenn an die Gleichgewichtszentrale im Kleinhirn oder Hirnstamm widersprüchliche Informationen von verschiedenen Sinnesorganen gesendet werden und das Gehirn diese nicht adäquat verarbeiten kann.

Umbauprozesse im Gehirn und verzögertes Auftreten von Schwindel

Hinter Schwindel, der erst Monate nach dem Schlaganfall neu auftritt, können vielfältige Ursachen stecken. Eine mögliche Erklärung hängt mit den Umbauprozessen im Gehirn zusammen. Nach einem Schlaganfall kommt es zu Veränderungen im betroffenen Gehirngewebe, die auch Funktionen der Gliazellen beeinflussen können.

Das Gehirn ist in der Lage, sich anzupassen, indem erhaltene Nervenzellen Aufgaben übernehmen und sich neue Verbindungen bilden, um Funktionen zu kompensieren oder wiederherzustellen. Ebenso können psychische und emotionale Belastungen wie Stress, Unsicherheit, Angst oder Depressionen das Auftreten oder die Schwere des Schwindels beeinflussen.

Diagnostik und Behandlungsstrategien bei Schwindel

Um Schwindel nach einem Schlaganfall abzuklären, sollte eine fachärztliche neurologische Vorstellung erfolgen. Hier erfolgt eine umfassende Anamnese und klinisch-körperliche Untersuchung. Zur Differenzierung werden spezifische Funktions- und Provokationstests durchgeführt.

Die Behandlungsoptionen bei Schwindel nach einem Schlaganfall sind je nach individueller Situation unterschiedlich. Sie sind zum einen darauf ausgerichtet, Regenerationsprozesse zu unterstützen sowie die Symptome und die damit verbundene Unsicherheit und Belastung durch Beeinträchtigungen im Alltag zu lindern. Dazu können auch Medikamente mit neuroprotektiver Wirkung und zur Kontrolle des Schwindels zum Einsatz kommen.

Wichtig zur Wiedererlangung der Selbstkontrolle, Sicherheit bei den alltäglichen Aktivitäten und Sturzprophylaxe ist das vestibuläre Training. Spezielle physiotherapeutische und ergotherapeutische Übungen, Aufklärung und Anleitung für zuhause haben eine hohe Priorität in der Schwindelrehabilitation.

Vestibuläres Training und Selbstmanagement im Umgang mit Schwindel

Ein gezieltes Schwindel-Training integriert eine spezielle Gang- und Standschulung, um die Funktionen und Reflexe im Gleichgewichtssystem zu verbessern, welche die Haltung und Koordination regulieren. Das Schwindel-Training erfolgt idealerweise unter alltagsbezogenen Bedingungen und nach und nach erhöhtem Schwierigkeitsgrad im Verlauf.

Durch kontinuierliches Üben, Trainieren und Feedback unter therapeutischer Begleitung verbessern die Betroffenen ihre Gleichgewichts- und Koordinationsfähigkeiten. Das Erlernen von Bewältigungsstrategien im Umgang mit dem Schwindel ist ebenso wichtig, um Unsicherheiten, Ängste, Stress und Belastungen zu regulieren.

Lebensstil-Veränderungen und soziale Unterstützung

Ein nachhaltiger, gesundheitsbewusster Lebensstil ist allgemein förderlich für das körperliche, psychische und soziale Wohlbefinden. Eine ausgewogene Ernährungsweise, Bewegung, ausreichend und erholsamer Schlaf, kontaktvolle Beziehungen und die individuelle Selbst- und Stressregulation machen viel aus.

Wenn ein gutes Verständnis für die Schwindel-Attacken im privaten und beruflichen Umfeld vorhanden ist, können die unvorhergesehenen Situationen weniger beängstigend sein. Der Austausch von Wissen und Erfahrungswerten mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren kann ebenfalls hilfreich sein.

Ursachen für Sehstörungen nach Schlaganfall

Im Zusammenhang mit einem Schlaganfall können verschiedene Arten von Sehstörungen auftreten. Zum Beispiel kann das Auge beziehungsweise die Sehbahn direkt betroffen sein, weil sie nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Zum anderen kann eine Region im Gehirn betroffenen sein, in der die Informationen des Auges verarbeitet werden.

Arten von Sehstörungen

Zu den häufigsten Sehstörungen nach einem Schlaganfall gehören:

  • Gesichtsfeldeinschränkungen
  • Doppelbilder
  • Herdblick
  • Visuell-Räumliche Störungen
  • Neglect

Halluzinationen als Zeichen der Heilung

Halluzinationen bei Patienten mit Hirnschäden können ein Zeichen dafür sein, dass sich geschädigte Bereiche im Gehirn wieder erholen. Forscher haben herausgefunden, dass solche Trugbilder im Wesentlichen nicht nur zu Zeiten der Spontanerholung auftreten, sondern auch viele Jahre später wieder induziert werden können.

Die Forscher konnten nachweisen, dass die irrealen Lichtblitze und Halluzinationen desto häufiger wahrgenommen wurden, je ausgeprägter die Verbesserung des blinden Gesichtsfeldes war. Die Autoren der Studie gehen daher davon aus, dass Halluzinationen während eines Gesichtsfeldtrainings kein krankhaftes Zeichen sind, sondern vielmehr ein wichtiger Indikator für Verbesserungen und einer Veränderbarkeit des visuellen Systems.

Weitere Ursachen für Halluzinationen

Halluzinationen können auch durch Psychosen oder andere Erkrankungen des zentralen Nervensystems ausgelöst werden. Auch chemische Substanzen wie Medikamente und Drogen können zu Halluzinationen führen. Manchmal haben die Sinnestäuschungen aber auch eine ganz harmlose Erklärung, wie beispielsweise chronischer Schlafmangel.

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