In unserer schnelllebigen, reizintensiven Welt geraten immer mehr Menschen an ihre Belastungsgrenzen. Die ständige Flut an Informationen und Eindrücken kann zu einem Zustand der Reizüberflutung führen, der sich negativ auf das Gehirn und das gesamte Wohlbefinden auswirkt. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome, Ursachen und Bewältigungsstrategien von Reizüberflutung, um Betroffenen zu helfen, besser damit umzugehen.
Einführung
Reizüberflutung beschreibt einen Zustand, in dem das Nervensystem mit zu vielen Eindrücken gleichzeitig konfrontiert ist - sei es durch Lärm, soziale Interaktionen, digitale Medien oder emotionale Anforderungen. Dies bedeutet, dass das Gehirn mehr Informationen verarbeiten muss, als es bewältigen kann, was zu einer Vielzahl von Symptomen und Beeinträchtigungen führen kann.
Symptome der Reizüberflutung
Die Anzeichen einer Reizüberflutung sind vielfältig und oft diffus, was die Zuordnung erschwert. Einige der häufigsten Symptome sind:
- Konzentrationsschwierigkeiten: Die Konzentration ist nur für kurze Zeit aufrechtzuerhalten, kleinste Reize führen zu Ablenkung und Zerstreutheit.
- Innere Unruhe und Anspannung: Betroffene leiden häufig unter einem Gefühl der inneren Unruhe und Anspannung.
- Schnelle Erschöpfung: Bereits nach kurzer Zeit fühlen sich Betroffene müde und ausgelaugt.
- Gereiztheit und Stimmungsschwankungen: Reizüberflutung kann zu schneller Reizbarkeit, Ungeduld und Stimmungsschwankungen führen.
- Schlafstörungen: Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, ein- oder durchzuschlafen.
- Vergesslichkeit: Informationen werden schlechter aufgenommen und erinnert.
- Entscheidungsschwierigkeiten: Das ADHS-Gehirn ist nicht in der Lage, Informationen zu priorisieren, was bedeutet, dass Betroffene sich schnell verzetteln, den Überblick verlieren und nur schlecht Entscheidungen treffen können.
- Körperliche Beschwerden: Kopfschmerzen, Migräne, Muskelverspannungen und Verdauungsprobleme können ebenfalls auftreten.
- Sozialer Rückzug: Betroffene ziehen sich von sozialen Kontakten zurück, um sich vor weiteren Reizen zu schützen.
Ursachen der Reizüberflutung
Reizüberflutung kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Überlastung der Sinne: Das Zusammenspiel von verschiedenen Sinnen, die Reize an das Gehirn weiterleiten, kann zu einer Reizüberflutung führen. Es reicht aber auch nur ein Sinn, der überstrapaziert wird. Zum Beispiel visuelle Eindrücke; dann wird von visueller Reizüberflutung gesprochen.
- Digitalisierungsfolgen: Durch Smartphones, soziale Medien und permanente Benachrichtigungen sind wir nahezu rund um die Uhr Reizen ausgesetzt.
- Hektischer Lebensstil: Ein voller Terminkalender, Zeitdruck und ständige Erreichbarkeit tragen zur Reizüberflutung bei.
- Lärmbelästigung: Laute Umgebungen, wie sie in Großstädten oder bei Veranstaltungen üblich sind, können das Nervensystem überlasten.
- Besondere neurologische Veranlagungen: Menschen mit Autismus oder ADHS haben oft Schwierigkeiten, externe Stimuli zu filtern, was sie anfälliger für Reizüberflutung macht.
- Hochsensibilität: Hochsensible Menschen nehmen Reize intensiver wahr und verarbeiten sie tiefer, was schneller zu einer Überforderung führen kann.
Reizüberflutung bei Kindern
Auch Kinder sind zunehmend von Reizüberflutung betroffen, insbesondere durch den frühzeitigen Gebrauch von elektronischen Medien. Da das Gehirn und die Sinnesorgane von Kindern noch nicht vollständig ausgebildet sind, können sie Reize schlechter filtern und verarbeiten. Dies kann sich in Verhaltensstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und schlechteren Schulleistungen äußern.
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Was löst Reizüberflutung bei Kindern aus?
- Laute Umgebungen
- Zu lange Bildschirmzeit (Computer, Handy, TV)
- Hektischer Alltag
- Voller Zeitplan, mit zu wenigen Ruhephasen
- Überfüllte Räume
SOS-Tipps gegen Reizüberflutung bei Kindern:
- Suche dir mit deinem Kind eine ruhige Ecke und nimm es auf deinen Schoß
- Kuschle mit deinem Kind
- Erzähle ihm eine Geschichte, die beruhigend wirkt
- Singe ein Lied
- Biete deinem Kind ein warmes Getränk an
- Legt eine Schlafpause ein
Reizüberflutung und ADHS
Reizüberflutungen finden im Gehirn statt, wenn vermehrt Neurotransmitter (also Botenstoffe) ausgeschüttet werden. So z. B. in Gehirnen von Menschen mit Autismus oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung). Menschen mit Autismus oder ADHS fällt es von Natur aus schwerer, externe Stimuli, bzw. Eindrücke oder Reize, zu filtern - guter Nährboden für eine potenzielle Reizüberflutung. Deshalb kommt es bei betroffenen Menschen häufiger zu einer Reizüberflutung.
Bewältigungsstrategien für Reizüberflutung
Es gibt verschiedene Strategien, um mit Reizüberflutung umzugehen und die Belastung für das Gehirn zu reduzieren:
- Reizschutzstrategien im Alltag:
- Vorbereitung: Schreibe vor dem Einkaufen eine Einkaufsliste und schenke nur den Artikeln auf der Liste deine Aufmerksamkeit.
- Entziehen: Entziehe dich stressigen Situationen.
- Atemübungen: Atme tief und bewusst, versuche dich nur auf deinen Atem zu konzentrieren.
- Reflexion: Überlege, wie du der Situation, solltest du sie wiederholt antreffen (z. B.
- Bewusste Pausen einplanen: Das Gehirn braucht Erholung. Gönnen Sie Ihrem Gehirn daher regelmäßig Ruhephasen, in denen jeder mögliche Reiz von außen ausgeschlossen wird. Das heißt: Kein Handy, kein Fernseher, kein Laptop und vor allem kein Multi Tasking.
- Prioritäten setzen: Nicht alles muss sofort erledigt werden.
- Entspannungstechniken: Meditation, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und die innere Ruhe zu fördern.
- Achtsamkeit: Achten Sie auf Ihre Körperwahrnehmung und nehmen Sie Warnsignale ernst.
- Rückzugsorte schaffen: Suchen Sie sich ruhige Orte, an denen Sie sich entspannen und erholen können. Kinder brauchen ruhige Rückzugsorte. Fühlt sich dein Kind überwältigt, kann es sich dahin zurückziehen, um sein Nervensystem zu beruhigen (hilft natürlich nicht nur deinem Kind). Hier ein Tipp: Kinder lieben Höhlen! Baut euch gern gemeinsam eine Ruhezone in Form einer Höhle.
- Bildschirmzeit begrenzen: Reduzieren Sie die Zeit vor Tablet und Co. Gönnt euch alternativ eine Pause in der Natur. Denn durch die Helligkeit der Bildschirme und die Inhalte auf Social Media wird das Gehirn noch mehr überreizt. Achte auch darauf, alters- und entwicklungsgerechte Inhalte für dein Kind auszuwählen. Grundsätzlich sollte das Tablet oder Smartphone 2 Stunden vor dem Zubettgehen durch ein Buch getauscht werden.
- Routine und Rituale: Baut in euren Alltag gern Rituale ein.
- Naturerfahrungen ermöglichen: Die Zeit in der Natur hilft deinem Kind dabei, sich zu entspannen und Reize zu verarbeiten.
- Offene Kommunikation: Am wichtigsten ist, dass du die Signale deines Körpers ernst nimmst und dir, deinen Wahrnehmungen und entstehenden Gefühlen den Platz einräumst, der allem zusteht. Du brauchst dich nicht vor den Wahrnehmungen, die die Welt dir zusendet, verschließen, du musst sie aber auch nicht alle aufnehmen und mit dir herumtragen, bis sie zu viel werden.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann die Nerven stärken.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung, vorzugsweise in der Natur, hilft, Stress abzubauen und das Gehirn zu aktivieren. Es tut dem Gehirn außerdem gut, aus seinen gewohnten Bahnen gebracht zu werden. Dazu genügt, gelegentlich einen neuen Spazierweg einzuschlagen, an einem anderen Ort als gewöhnlich zu frühstücken oder einmal rückwärts statt vorwärts ins Bad zu gehen.
Hochsensibilität und Reizüberflutung
Hochsensible Menschen sind besonders anfällig für Reizüberflutung, da sie Reize intensiver wahrnehmen und verarbeiten. Für sie ist es wichtig, ihre Grenzen zu kennen und auf Warnsignale des Körpers zu hören. Regelmäßige Ruhephasen, eine reizarme Umgebung und Entspannungstechniken sind für hochsensible Menschen besonders wichtig.
Wann ist professionelle Hilfe nötig?
Wenn die Symptome der Reizüberflutung stark ausgeprägt sind und den Alltag beeinträchtigen, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Ein Arzt oder Therapeut kann die Ursachen der Reizüberflutung abklären und geeignete Behandlungsstrategien empfehlen.
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